Quellen-Tabelle

Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.

BSDC-IDDatumTitel & QuelleKernaussageKlartext
BSDC-P-FIN-2024-2498
Relevanz 3Kryptowaehrungsbetrug, FTX-Skandal, Finanzkriminalitaet-USA
28.03.2024
Urteil im Strafprozess gegen Sam Bankman-Fried wegen FTX-Betrugs
US-Justizministerium, U.S. Attorney SDNY
Recherche: DC
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Sam Bankman-Fried, Gründer der Kryptobörse FTX, wurde am 28.03.2024 zu 25 Jahren Haft verurteilt, nachdem eine Jury ihn am 02.11.2023 in allen sieben Anklagepunkten für schuldig befunden hatte. Durch den Zusammenbruch von FTX im November 2022 entstand ein Schaden von mehr als acht Milliarden US-Dollar an Kundengeldern. Richter Lewis Kaplan ordnete eine Einziehung von rund elf Milliarden US-Dollar an.

Die tatsächliche Höhe des Endschadens ist nicht abschließend geklärt, da die Konkursverwaltung später Vermögenswerte zurückerlangte. Bankman-Fried bestritt vorsätzlichen Betrug und legte Rechtsmittel ein.

BSDC-P-FIN-2023-2499
Relevanz 3Geldwaesche, Korrespondenzbanken, Bankenaufsicht
19.07.2023
Deutsche Bank als Korrespondenzbank im Danske-Bank-Estland-Geldwäscheskandal gebüßt
Board of Governors of the Federal Reserve System
Recherche: DC
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Die Federal Reserve verhängte am 19.07.2023 eine Geldstrafe von insgesamt 186.392.035 US-Dollar gegen die Deutsche Bank AG und ihre US-Tochtergesellschaften. Davon entfielen 46,2 Millionen US-Dollar auf Mängel bei Geldwäsche- und Sanktionsprüfung im Zusammenhang mit der Korrespondenzbankbeziehung zur estnischen Danske-Bank-Niederlassung. Die Fed stellte zusätzlich unzureichende Fortschritte bei früheren Auflagen aus 2015 und 2017 fest.

Nicht dokumentiert ist, in welchem Umfang die Deutsche Bank konkrete Kenntnis einzelner verdächtiger Transaktionen hatte. Die Gesamtsumme der durch die estnische Filiale geflossenen Gelder wird in Quellen zwischen 200 und 234 Milliarden Euro beziffert.

BSDC-P-FIN-2023-2500
Relevanz 3Bankenaufsicht, Finanzkrise, USA
28.04.2023
Aufsichtsversagen bei der Silicon Valley Bank: Der Fed-Bericht zum Kollaps
Board of Governors of the Federal Reserve System
Recherche: DC
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Am 28.04.2023 veröffentlichte die Federal Reserve einen Bericht zur Aufsicht über die Silicon Valley Bank, die am 10.03.2023 geschlossen wurde und die zweitgrößte Bankenpleite der US-Geschichte war. Als Ursachen nennt der Bericht eine Konzentration von Kunden mit überwiegend unversicherten Einlagen sowie Missmanagement von Zins- und Liquiditätsrisiken. Der Ausfall kostete den Einlagensicherungsfonds FDIC nach späteren Schätzungen rund 16,1 Milliarden US-Dollar.

Der Bericht selbst räumt ein, unter Zeitdruck und mit Wissen um den Ausgang erstellt worden zu sein, was seine Objektivität einschränkt. Die genaue Abflussgeschwindigkeit der Einlagen in den Tagen vor der Schließung ist nicht unabhängig verifiziert.

BSDC-P-FIN-2023-2501
Relevanz 3Bankenaufsicht, Systemrelevante-Banken, Finanzkrise
19.12.2023
FINMA-Bericht zum Untergang der Credit Suisse und zur UBS-Übernahme
FINMA (Eidgenössische Finanzmarktaufsicht)
Recherche: DC
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Am 19.03.2023 beschloss der Schweizer Bundesrat ein Maßnahmenpaket, das die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS ermöglichte, nachdem die Credit Suisse durch massive Kundengeldabflüsse akut von Zahlungsunfähigkeit bedroht war. Die FINMA veröffentlichte am 19.12.2023 einen Bericht, der ihre Aufsichtstätigkeit von 2008 bis 2023 untersucht und unzureichende Umsetzung strategischer Neuausrichtungen sowie wiederholte Skandale als Ursachen nennt.

Umstritten bleibt die persönliche strafrechtliche Verantwortlichkeit einzelner Führungskräfte, da der Bericht primär aufsichtsrechtliche Lehren zieht. Die genaue Höhe der Kundengeldabflüsse im März 2023 wird in Quellen unterschiedlich beziffert.

BSDC-P-FIN-2021-2502
Relevanz 3Kryptowaehrung, Ransomware, US-Sanktionen
21.09.2021
OFAC sanktioniert Kryptobörse Suex wegen Ransomware-Zahlungsabwicklung
US Department of the Treasury, OFAC
Recherche: DC
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Am 21.09.2021 setzte das US-Finanzministerium über OFAC die Kryptowährungsbörse Suex OTC, S.R.O. auf die Sanktionsliste SDN, die erste OFAC-Sanktionierung einer Kryptobörse im Ransomware-Kontext. Laut OFAC wickelte Suex Transaktionen für mindestens acht Ransomware-Varianten ab, rund 40 Prozent der bekannten Transaktionshistorie betrafen illegale Akteure. Suex soll über große Börsen mehr als 160 Millionen US-Dollar in Bitcoin von Ransomware-Akteuren erhalten haben.

Nicht belegt ist, wie viele Ransomware-Zahlungen konkret über Suex an welche Angreifergruppen weitergeleitet wurden. Unklar bleibt, wer die tatsächlichen Eigentümer waren und ob strafrechtliche Verfahren gegen einzelne Personen folgten.

BSDC-P-FIN-2023-2503
Relevanz 3Kryptowaehrung, Geldwaesche, Sanktionen
23.08.2023
Tornado-Cash-Gründer wegen Geldwäsche und Sanktionsverstößen angeklagt
US Department of Justice, U.S. Attorney SDNY
Recherche: DC
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Am 23.08.2023 wurde Anklage gegen die Tornado-Cash-Mitgründer Roman Storm und Roman Semenov wegen Verschwörung zur Geldwäsche und Sanktionsverletzung erhoben. Laut Anklage wurden mindestens 1 Milliarde US-Dollar über Tornado Cash gewaschen, darunter Gelder der nordkoreanischen Lazarus-Gruppe. Am 06.08.2025 sprach eine Jury Roman Storm der Verschwörung zum Betrieb eines unlizenzierten Geldtransferdienstes schuldig, blieb bei Geldwäsche und Sanktionsverstoß aber ohne Einigung.

Nicht abschließend gerichtlich festgestellt ist, ob Storm und Semenov wissentlich an Geldwäsche mitwirkten, da die Jury bei den Hauptvorwürfen zu keinem einstimmigen Urteil kam. Der Verlauf des Verfahrens gegen Semenov war zum Zeitpunkt der Quelle offen.

BSDC-P-FIN-2022-2504
Relevanz 3Kryptowaehrungsdiebstahl, Nordkorea-Cyberkriminalitaet, DeFi-Sicherheitsluecke
14.04.2022
FBI bestätigt Lazarus-Gruppe als Urheber des Ronin-Bridge-Hacks
Federal Bureau of Investigation (FBI)
Recherche: DC
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Am 23.03.2022 wurden aus der Ronin Bridge, die das Blockchain-Spiel Axie Infinity mit Ethereum verbindet, Kryptowährungen im Wert von rund 625 Millionen US-Dollar entwendet. Sky Mavis bemerkte den Diebstahl erst am 29.03.2022. Das FBI attribuierte den Angriff am 14.04.2022 offiziell der nordkoreanischen Lazarus-Gruppe. Die Angreifer erlangten Kontrolle über fünf von neun Validator-Knoten des Ronin-Netzwerks.

Der genaue technische Ablauf der Validator-Kompromittierung ist nicht abschließend behördlich dokumentiert. Der Gesamtwert des Schadens schwankt in Berichten zwischen 540 und 625 Millionen US-Dollar. Nordkorea hat die Zuordnung nie bestätigt.

BSDC-J-FIN-2022-2506
Relevanz 3Bankgeheimnis, Datenleck, Finanzkriminalitaet
20.02.2022
Suisse Secrets: Datenleck enthüllt Kundendaten der Credit Suisse
Süddeutsche Zeitung / OCCRP
Recherche: DC
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Am 20.02.2022 veröffentlichte ein Journalistenkonsortium aus 48 Medien in 39 Ländern unter Federführung der Süddeutschen Zeitung und des OCCRP die Recherche Suisse Secrets. Grundlage waren Daten zu mehr als 18.000 Bankkonten der Credit Suisse mit einem Gesamtvolumen von über 100 Milliarden Schweizer Franken. Die Recherche identifizierte unter den Kontoinhabern sanktionierte Personen und mutmaßliche Kriegsverbrecher. Credit Suisse wies die Vorwürfe zurück.

Die Identität der Quelle, die die Daten zuspielte, ist nicht dokumentiert. Credit Suisse stellte die Aktualität eines großen Teils der Datensätze infrage. Ob gegen einzelne Kontoinhaber strafrechtlich ermittelt wurde, ist nicht einheitlich öffentlich dokumentiert.

BSDC-J-FIN-2025-2510
Relevanz 3Dieselgate, Wirtschaftsstrafrecht, Automobilindustrie
26.05.2025
Dieselgate-Strafprozess Braunschweig: Urteile gegen VW-Manager
Legal Tribune Online (LTO)
Recherche: DC
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Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Braunschweig verurteilte am 26.05.2025 vier ehemalige Volkswagen-Manager wegen Betrugs im Zusammenhang mit der Abgasmanipulation. Jens Hadler erhielt vier Jahre und sechs Monate Haft, Hanno Jelden zwei Jahre und sieben Monate. Zwei weitere Angeklagte erhielten Bewährungsstrafen von 15 beziehungsweise 22 Monaten. Der Prozess hatte im September 2021 begonnen und umfasste rund 170 Verhandlungstage.

Nicht Teil dieses Verfahrens war Ex-VW-Chef Martin Winterkorn, dessen Fall wegen gesundheitlicher Probleme abgetrennt wurde. In Braunschweig sind weitere Verfahren gegen 31 Beschuldigte anhängig. Rechtsmittel gegen die Urteile waren zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht ausgeschlossen.

BSDC-P-FIN-2020-2512
Relevanz 3Opioidkrise, Pharmaindustrie, Unternehmenshaftung
21.10.2020
Purdue Pharma bekennt sich in Opioid-Krise schuldig, 8,3-Milliarden-Dollar-Einigung mit DOJ
US-Justizministerium
Recherche: DC
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Das US-Justizministerium gab am 21.10.2020 bekannt, dass sich der OxyContin-Hersteller Purdue Pharma in drei Bundesanklagepunkten schuldig bekennt. Das Unternehmen wurde zu einer Geldbuße von 3,54 Milliarden Dollar sowie einer zivilrechtlichen Einigung von 2,8 Milliarden Dollar verpflichtet. Mitglieder der Sackler-Familie verpflichteten sich zur zivilrechtlichen Zahlung von 225 Millionen Dollar.

Weder Sackler-Familienmitglieder noch Purdue-Manager wurden im Rahmen dieser Einigung strafrechtlich angeklagt. Der Betrag der Familie wurde später im Insolvenzverfahren auf rund 6 Milliarden Dollar erhöht und war Gegenstand weiterer Verfahren bis zum US Supreme Court.

BSDC-P-FIN-2022-2513
Relevanz 3Anlegerbetrug, Medizintechnik-Skandal, Gerichtsverfahren-USA
18.11.2022
Elizabeth Holmes wegen Anlegerbetrugs bei Theranos verurteilt
US-Justizministerium, Northern District of California
Recherche: DC
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Am 03.01.2022 wurde Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes in vier von elf Anklagepunkten des Betrugs schuldig gesprochen, in Punkten zur Täuschung von Patienten wurde sie freigesprochen. Am 18.11.2022 verurteilte das Gericht sie zu 135 Monaten Haft sowie zusammen mit Mitangeklagtem Ramesh Balwani zu einer Schadenswiedergutmachung von rund 452 Millionen US-Dollar. Theranos hatte behauptet, mit wenigen Tropfen Blut zahlreiche Labortests durchführen zu können, was sich als technisch unzuverlässig erwies.

Nicht gerichtlich festgestellt ist, in welchem Umfang einzelne Patienten durch fehlerhafte Testergebnisse geschädigt wurden, da diese Anklagepunkte nicht zur Verurteilung führten. Die exakte Höhe des verlorenen Anlegerkapitals wird zwischen 600 Millionen und knapp einer Milliarde Dollar unterschiedlich beziffert.

BSDC-J-FIN-2014-2514
Relevanz 3Steuervermeidung, Whistleblowing, Luxemburg
05.11.2014
LuxLeaks: Geheime Steuerabsprachen internationaler Konzerne mit Luxemburg aufgedeckt
International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ)
Recherche: DC
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Am 05.11.2014 veröffentlichte das ICIJ mit rund 80 Journalisten aus 26 Ländern die Recherche LuxLeaks. Grundlage waren vertrauliche Steuervorbescheide, die PricewaterhouseCoopers zwischen 2002 und 2010 für Konzernkunden bei der luxemburgischen Steuerverwaltung erwirkt hatte, mindestens 548 Absprachen für mehr als 340 Unternehmen. Quelle war der ehemalige PwC-Mitarbeiter Antoine Deltour.

Der konkrete Steuerausfall einzelner EU-Staaten ist nicht abschließend geklärt. Die Steuervorbescheide waren nach luxemburgischem Recht zum Abschlusszeitpunkt grundsätzlich legal. Deltour wurde in Luxemburg zunächst verurteilt, in der Berufung von zentralen Vorwürfen freigesprochen.

BSDC-J-FIN-2017-2515
Relevanz 3Offshore-Leaks, Steuervermeidung, Datenleck
05.11.2017
Paradise Papers: Internationale Enthüllung von Offshore-Finanzstrukturen
International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ)
Recherche: DC
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Am 05.11.2017 veröffentlichte das ICIJ mit 95 Medienpartnern die Recherche Paradise Papers, basierend auf 13,4 Millionen geleakten Dateien hauptsächlich aus der Offshore-Kanzlei Appleby. Die Dokumente zeigten Offshore-Verbindungen von mehr als 120 Politikern und Steuerplanungsstrukturen von knapp 100 multinationalen Konzernen wie Apple und Nike. Die Originaldaten wurden der Süddeutschen Zeitung zugespielt.

Nicht bewiesen ist, dass alle genannten Personen oder Firmen gegen geltendes Recht verstießen, Offshore-Strukturen sind vielfach legal. Der Ursprung des Lecks bei Appleby wurde nie einem Täter zugeordnet, Appleby selbst sprach von einem kriminellen Cyberangriff.

BSDC-P-FIN-2020-2516
Relevanz 3Finanzkriminalitaet, Korruption, Staatsfonds
22.10.2020
1MDB-Skandal: Goldman Sachs zahlt 2,9 Milliarden Dollar wegen Bestechung in Malaysia
U.S. Department of Justice
Recherche: DC
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Am 22.10.2020 einigten sich DOJ und SEC mit Goldman Sachs auf rund 2,9 Milliarden US-Dollar wegen Verstoßes gegen den Foreign Corrupt Practices Act, die größte je gezahlte FCPA-Strafe. Goldman Sachs zahlte zwischen 2009 und 2014 mehr als 1,6 Milliarden Dollar Bestechungsgelder in Malaysia und Abu Dhabi, um als Konsortialführer bei Anleiheemissionen des Staatsfonds 1MDB eingesetzt zu werden. Der ehemalige Regierungschef Najib Razak wurde 2020 wegen Korruption verurteilt.

Die genaue Gesamthöhe der aus 1MDB veruntreuten Gelder ist nicht abschließend geklärt, Schätzungen liegen bei rund 4,5 Milliarden Dollar. Der Verbleib erheblicher Teile der Gelder ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Die zentrale Figur Jho Low gilt als international per Haftbefehl gesucht.

BSDC-P-FIN-2016-2517
Relevanz 3Korruption, Bestechung, Lateinamerika
21.12.2016
Odebrecht-Korruptionsskandal: größter Bestechungsfall Lateinamerikas
US-Justizministerium, Eastern District of New York
Recherche: DC
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Am 21.12.2016 bekannten sich der brasilianische Baukonzern Odebrecht und sein Ableger Braskem in den USA der Bestechung schuldig. Odebrecht zahlte zwischen 2001 und 2016 rund 788 Millionen US-Dollar Bestechungsgelder an Regierungsvertreter in zwölf Ländern, um mehr als 100 Bauprojekte zu erhalten. Odebrecht und Braskem einigten sich mit Behörden in den USA, Brasilien und der Schweiz auf Strafzahlungen von mindestens 3,5 Milliarden US-Dollar.

Welche einzelnen Amtsträger konkret welche Summen erhielten, ist nicht abschließend geklärt, viele nationale Verfahren begannen erst nach 2016. Wie viel der vereinbarten 3,5 Milliarden Dollar tatsächlich eingetrieben wurde, ist nicht abschließend dokumentiert.

BSDC-P-FIN-2018-2518
Relevanz 3Korruption, Finanzkriminalitaet, Brasilien
27.09.2018
Petrobras zahlt 853 Millionen Dollar wegen Bestechung im Lava-Jato-Skandal
U.S. Department of Justice
Recherche: DC
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Das US-Justizministerium gab am 27.09.2018 bekannt, dass der brasilianische Ölkonzern Petrobras mehr als 850 Millionen Dollar wegen Verstößen gegen den Foreign Corrupt Practices Act zahlt. Insgesamt beliefen sich die Zahlungen an DOJ, SEC, Aktionäre und brasilianische Behörden auf rund 1,78 Milliarden Dollar. Hochrangige Petrobras-Führungskräfte verlangten von Vertragspartnern Zahlungen von 1 bis 3 Prozent des Auftragswerts als Bestechungsgelder.

Die genaue Gesamtsumme der über Jahre aufgedeckten Korruption bei Petrobras ist nicht abschließend beziffert. Wie viele involvierte Politiker und Manager strafrechtlich verurteilt wurden, ist nicht dokumentiert, da zahlreiche brasilianische Verfahren später annulliert wurden.

BSDC-P-FIN-2008-2519
Relevanz 3Anlagebetrug, Finanzaufsicht, Ponzi-Schema
11.12.2008
SEC klagt Bernard Madoff wegen milliardenschweren Ponzi-Systems an
U.S. Securities and Exchange Commission (SEC)
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Am 11.12.2008 klagte die SEC Bernard L. Madoff wegen Wertpapierbetrugs an. Madoff hatte gegenüber Mitarbeitern eingeräumt, sein Vermögensverwaltungsgeschäft sei im Kern ein Ponzi-System. Die SEC bezifferte den mutmaßlichen Schaden auf rund 50 Milliarden US-Dollar. Am 18.12.2008 fror ein Gericht Madoffs Vermögen ein. Madoff bekannte sich im März 2009 in elf Anklagepunkten schuldig und wurde zu 150 Jahren Haft verurteilt.

Die oft zitierte Zahl von 65 Milliarden Dollar bezieht sich auf fiktive Kontostände, der tatsächliche Nettoverlust der Anleger liegt nach Treuhänder-Schätzung bei 17 bis 20 Milliarden Dollar. Umstritten blieb, wie weit die SEC trotz Warnungen des Analysten Harry Markopolos bereits ab 1999 versagte.

BSDC-P-FIN-2009-2520
Relevanz 3Anlagebetrug, Offshore-Finanzkriminalitaet, Ponzi-Schema
17.02.2009
SEC-Klage gegen Allen Stanford wegen milliardenschwerem Anlagebetrug über Antigua-Offshore-Bank
U.S. Securities and Exchange Commission (SEC)
Recherche: DC
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Die SEC erhob am 17.02.2009 Klage gegen Robert Allen Stanford und seine Stanford International Bank auf Antigua wegen eines Betrugs im Umfang von rund 8 Milliarden US-Dollar über fiktiv verzinste Einlagenzertifikate. Ein US-Gericht bestellte einen Zwangsverwalter. Stanford wurde 2012 in 13 von 14 Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu 110 Jahren Haft verurteilt.

Die genaue Schadenshöhe für 18.000 bis 30.000 Anleger schwankt zwischen 5,5 und 8 Milliarden Dollar. Wie stark Antiguas Bankenaufsicht verstrickt war, insbesondere im Fall des 2009 getöteten Aufsichtschefs Leroy King, blieb lange offen.

BSDC-P-FIN-2023-2521
Relevanz 3Anlagebetrug, Elektromobilitaet, Wertpapierbetrug
18.12.2023
Nikola-Gründer Trevor Milton wegen Anlagebetrugs zu vier Jahren Haft verurteilt
US-Justizministerium, Southern District of New York
Recherche: DC
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Eine Jury sprach Trevor Milton, Gründer des Elektro-Lkw-Herstellers Nikola, im Oktober 2022 in drei von vier Anklagepunkten wegen Wertpapierbetrugs schuldig. Milton hatte zwischen November 2019 und September 2020 Investoren über den Entwicklungsstand der Nikola-Technologie getäuscht, unter anderem mit einem Werbevideo, das ein rollendes statt fahrendes Fahrzeug zeigte. Im Dezember 2023 wurde er zu vier Jahren Haft und 1 Million Dollar Geldstrafe verurteilt.

Im März 2025 begnadigte Präsident Trump Milton vollständig, wodurch die Verurteilung politisch und rechtlich aufgehoben wurde. Die exakte Höhe des Anlegerschadens ist nicht einheitlich gerichtlich festgestellt.

BSDC-P-FIN-2020-2522
Relevanz 3Bilanzbetrug, China, Wertpapieraufsicht
16.12.2020
Luckin Coffee Bilanzfälschung: SEC-Sanktionen wegen erfundener Umsätze in China
U.S. Securities and Exchange Commission (SEC)
Recherche: DC
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Die SEC klagte Luckin Coffee wegen Wertpapierbetrugs an und einigte sich auf eine Zivilstrafe von 180 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen fälschte 2019 Umsatzzahlen um mehr als 300 Millionen US-Dollar durch fiktive Verkäufe. Der Betrug flog nach einem Short-Seller-Bericht von Muddy Waters Research am 31.01.2020 auf. Die Aktie wurde von der Nasdaq dekotiert.

Welche Führungskräfte in China strafrechtlich verfolgt wurden, ist öffentlich nur begrenzt dokumentiert. Die Rolle des Abschlussprüfers Ernst & Young wird in Quellen unterschiedlich bewertet.

BSDC-J-FIN-2019-2523
Relevanz 3Bilanzbetrug, Wirtschaftskriminalitaet, Einzelhandel
15.06.2019
Steinhoff-Bilanzskandal: PwC-Untersuchung deckt 7,4 Milliarden Dollar fiktive Gewinne auf
amaBhungane Centre for Investigative Journalism
Recherche: DC
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Der Einzelhandelskonzern Steinhoff International räumte im Dezember 2017 Bilanzunregelmäßigkeiten ein, der Aktienkurs brach um über 90 Prozent ein. Die forensische PwC-Untersuchung ergab, dass zwischen 2009 und 2017 fiktive Transaktionen in Höhe von etwa 7,4 Milliarden US-Dollar verbucht wurden, um Verluste zu verschleiern. Als zentrale Verantwortliche gelten Ex-CEO Markus Jooste und Ex-CFO Ben la Grange.

Der vollständige PwC-Bericht wurde nie veröffentlicht, nur Zusammenfassungen sind bekannt. Strafrechtliche Verurteilungen in Südafrika stehen weiterhin größtenteils aus.

BSDC-J-FIN-2000-2524
Relevanz 3Offshore-Finanzplaetze, Geldwaesche, FATF-Sanktionen
01.10.2000
Nauru als Briefkastenbankenparadies: 400 Offshore-Banken auf 15.000 Einwohner
Financial Action Task Force (FATF)
Recherche: DC
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Der Inselstaat Nauru vergab in den 1990er Jahren Lizenzen an rund 400 Offshore-Banken, obwohl das Land weniger als 15.000 Einwohner zählte. Die russische Zentralbank schätzte, dass 1998 rund 70 Milliarden US-Dollar über Nauru-verknüpfte Konten geleitet wurden. Die FATF stufte Nauru im Oktober 2000 als unkooperatives Land ein. Nauru widerrief daraufhin 139 der 140 Offshore-Banklizenzen.

Die Zahl von 400 Banken stammt aus journalistischen Sekundärquellen, ein vollständiges Bankregister aus jener Zeit ist nicht öffentlich einsehbar. Die 70-Milliarden-Schätzung wurde nie unabhängig forensisch verifiziert.

BSDC-S-FIN-1992-2525
Relevanz 3Bankenskandal, Geldwaesche, Finanzaufsicht
01.12.1992
Der BCCI-Affair-Bericht des US-Senats zum Zusammenbruch der Bank of Credit and Commerce International
US Senate Committee on Foreign Relations
Recherche: DC
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Am 05.07.1991 schalteten Bankaufsichtsbehörden in sieben Ländern koordiniert die Bank of Credit and Commerce International (BCCI) ab. Der US-Senatsausschuss veröffentlichte im Dezember 1992 den Bericht The BCCI Affair, der dokumentiert, dass BCCI systematisch Bankaufsicht umging, gefälschte Bilanzen vorlegte und als Instrument für Geldwäsche und Waffenhandel diente, unter anderem für das Drogenkartell von Medellín. Der Schaden wird auf mehr als 10 Milliarden US-Dollar beziffert.

Die genaue Gesamthöhe des Schadens schwankt zwischen 10 und über 20 Milliarden Dollar je nach Quelle. Das Ausmaß behaupteter Verbindungen zu CIA und pakistanischem ISI blieb unklar.

BSDC-S-FIN-1995-2526
Relevanz 3Finanzkriminalitaet, Bankenaufsicht, Rogue-Trading
18.07.1995
Zusammenbruch der Barings Bank durch Händler Nick Leeson
UK Parliament / Board of Banking Supervision (Bank of England)
Recherche: DC
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Die 1762 gegründete Barings Bank brach am 26.02.1995 zusammen, nachdem Händler Nick Leeson in Singapur über Jahre unautorisierte Termingeschäfte auf den Nikkei 225 tätigte und Verluste über ein Fehlerkonto verschleierte. Die Verluste beliefen sich auf rund 827 Millionen Pfund. Barings wurde für ein Pfund von der ING Group übernommen. Leeson wurde 1995 zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

Ob interne Kontrollen und Vorgesetzte die Positionen früher hätten erkennen müssen, ist nicht abschließend geklärt. Der Anteil des Erdbebens von Kobe an der Eskalation bleibt umstritten.

BSDC-P-FIN-2008-2527
Relevanz 3Finanzkriminalitaet, Bankenaufsicht, Betrug-im-Finanzsektor
24.01.2008
Société Générale: Jérôme Kerviels Handelsverlust 2008
Société Générale
Recherche: DC
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Der Händler Jérôme Kerviel baute bei der Société Générale unautorisierte Positionen von rund 50 Milliarden Euro auf, obwohl sein Limit bei 125 Millionen Euro lag, und verschleierte sie durch fiktive Gegengeschäfte. Beim Auflösen der Positionen im Januar 2008 entstand ein Verlust von 4,9 Milliarden Euro. Der Cour de Cassation bestätigte 2014 seine Verurteilung.

Ob Vorgesetzte oder Kontrollabteilungen von den Positionen wussten, ist nicht abschließend geklärt. Ein Gericht reduzierte 2016 den von Kerviel geforderten Schadensersatz auf rund 1 Million Euro wegen Mitschuld der Bank.