Quellen-Tabelle
Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.
| BSDC-ID | Datum | Titel & Quelle | Kernaussage | Klartext |
|---|---|---|---|---|
| BSDC-P-FIN-2016-1896 Relevanz 3OFFSHORE-LEAKS, STEUERPARADIESE | 21.09.2016 | Bahamas Leaks: 1,3 Millionen Dokumente enthüllen 175.000 Offshore-Firmen ICIJ und Süddeutsche Zeitung Recherche: DC Quelle öffnen → | Aus dem Firmenregister der Bahamas gelangten 1,3 Millionen Dateien an Journalisten der Süddeutschen Zeitung, die sie mit dem ICIJ und internationalen Medienpartnern auswerteten. Die Dokumente listen Direktoren und teils Eigentümer von mehr als 175.000 bahamaischen Firmen, Trusts und Stiftungen aus den Jahren 1990 bis Anfang 2016, darunter die frühere EU-Kommissarin Neelie Kroes als nicht gemeldete Direktorin einer Offshore-Gesellschaft. | Die Quelle der geleakten Registerdaten wurde nie öffentlich identifiziert. Nicht abschließend dokumentiert ist, in wie vielen der 175.000 Fälle die Offshore-Struktur tatsächlich zu Steuerhinterziehung oder anderer Kriminalität genutzt wurde, da die bloße Eintragung im Register allein noch kein Fehlverhalten belegt. |
| BSDC-J-FIN-2023-1897 Relevanz 3MEGA-LEAK, SANKTIONSUMGEHUNG | 14.11.2023 | Cyprus Confidential: Offshore-Leak zu russischer Sanktionsumgehung ICIJ / Paper Trail Media Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 14.11.2023 veröffentlichte das ICIJ mit Paper Trail Media und rund 270 Journalisten aus 69 Medienpartnern die Recherche Cyprus Confidential, basierend auf 3,6 Millionen Dokumenten aus sieben zyprischen und einer lettischen Finanzfirma. Die Auswertung belegt, dass 67 der 105 russischen Milliardäre der Forbes-Liste 2023 zyprische Dienstleister nutzten, um Vermögen vor westlichen Sanktionen zu verstecken, und identifiziert mehr als 650 Firmen und Trusts mit Bezug zu seit 2014 sanktionierten Russen. | Offen bleibt, welcher Anteil der über 650 identifizierten Firmen und Trusts tatsächlich zur aktiven Sanktionsumgehung diente, da viele Strukturen formal legal blieben. Zyperns Präsident kündigte nach Veröffentlichung Ermittlungen an, deren Ausgang zum Zeitpunkt der Recherche noch nicht feststand. |
| BSDC-P-FIN-2021-1898 Relevanz 3Geldwaesche, Bankenaufsicht | 19.04.2021 | ABN-AMRO-Geldwäschevergleich Openbaar Ministerie (Niederländische Staatsanwaltschaft) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die niederländische Staatsanwaltschaft einigte sich am 19.04.2021 mit der Bank ABN AMRO außergerichtlich auf eine Zahlung von 480 Millionen Euro wegen struktureller Verstöße gegen das niederländische Geldwäschegesetz zwischen 2014 und 2020. Die Ermittlungen belegten, dass rund 5,5 Millionen Privatkunden fehlerhaft als risikoarm eingestuft wurden und das Transaktionsüberwachungssystem dauerhaft mehr Alarme erzeugte als die Bank bearbeiten konnte. | Offen blieb zum Zeitpunkt der Einigung, ob es zu einer strafrechtlichen Anklage gegen die drei namentlich als Verdächtige geführten früheren ABN-AMRO-Vorstandsmitglieder kommt. Die Bank räumte im Vergleich keine strafrechtliche Schuld ein. |
| BSDC-P-FIN-2015-1899 Relevanz 3Darknet-Marktplatz, Kryptowaehrungen | 29.05.2015 | Zerschlagung des Darknet-Marktplatzes Silk Road und Verurteilung von Ross Ulbricht U.S. Attorney's Office for the Southern District of New York (DOJ) Recherche: DC Quelle öffnen → | Ross Ulbricht betrieb ab Januar 2011 unter dem Pseudonym Dread Pirate Roberts die per Tor verborgene Website Silk Road, über die Drogen und andere illegale Waren gegen Bitcoin gehandelt wurden. Am 1. Oktober 2013 wurde Ulbricht in San Francisco festgenommen, die Website wurde tags darauf abgeschaltet. Am 5. Februar 2015 sprach ihn eine Jury in allen sieben Anklagepunkten schuldig, am 29. Mai 2015 verurteilte das Gericht ihn zu lebenslanger Haft ohne Bewährungsmöglichkeit. | Ulbricht wurde vorgeworfen, mehrere Auftragsmorde in Auftrag gegeben zu haben, dafür aber nie separat angeklagt oder verurteilt, die Vorwürfe blieben strafrechtlich ungeklärt. Am 21. Januar 2025 begnadigte US-Präsident Donald Trump Ulbricht vollständig und unbedingt, er kam nach fast elf Jahren Haft frei. |
| BSDC-J-FIN-2014-1900 Relevanz 3Kryptoboersen-Hack, Bitcoin | 03.03.2014 | Mt. Gox Bitcoin-Börsen-Zusammenbruch heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | Die damals größte Bitcoin-Börse Mt.Gox bestätigte Anfang März 2014 den Verlust von rund 850.000 Bitcoin im Gegenwert von damals 368,4 Millionen Euro. Davon stammten 750.000 Bitcoin von Kunden, 100.000 gehörten der Börse selbst. Mt.Gox meldete daraufhin beim Bezirksgericht Tokio Insolvenz an. | Zum Zeitpunkt der Meldung war ungeklärt, ob ein technischer Fehler im Bitcoin-Protokoll oder ein interner Diebstahl die Ursache war. Der Verbleib der verschwundenen Bitcoin war unbekannt. |
| BSDC-P-FIN-2024-1901 Relevanz 3Kryptowaehrungen, Anlagebetrug | 28.03.2024 | FTX-Zusammenbruch: Bankman-Fried zu 25 Jahren Haft verurteilt U.S. Department of Justice Recherche: DC Quelle öffnen → | Das US-Justizministerium teilte mit, dass FTX-Gründer Samuel Bankman-Fried am 28. März 2024 zu 25 Jahren Haft und drei Jahren Bewährungsaufsicht verurteilt wurde. Er wurde für schuldig befunden, Kundengelder der im November 2022 kollabierten Kryptobörse FTX in Milliardenhöhe veruntreut, FTX-Investoren um mehr als 1,7 Milliarden Dollar und Alameda-Kreditgeber um mehr als 1,3 Milliarden Dollar betrogen zu haben. Das Gericht ordnete zudem eine Vermögenseinziehung von rund 11 Milliarden Dollar an. | Offen blieb laut Presseberichten, in welchem Umfang die angeordnete Einziehungssumme tatsächlich von Bankman-Fried eingetrieben werden kann, da er nach Richterangaben nicht über entsprechende Vermögenswerte verfügt. Bankman-Fried kündigte Berufung gegen das Urteil an, deren Ausgang zum Zeitpunkt der Mitteilung nicht feststand. |
| BSDC-P-FIN-2022-1902 Relevanz 3STAATLICHE-HACKER, KRYPTO-BRUECKE-HACK | 14.04.2022 | Ronin-Bridge-Hack 2022: Nordkorea stiehlt 625 Millionen Dollar von Axie Infinity FBI / US-Finanzministerium OFAC Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 23.03.2022 wurden fünf von neun Validator-Schlüsseln der Ronin-Bridge des Spieleentwicklers Sky Mavis (Axie Infinity) kompromittiert, wodurch Angreifer 173.600 Ether und 25,5 Millionen USDC im Gesamtwert von rund 625 Millionen Dollar abziehen konnten. Der Zugriff erfolgte laut Sky Mavis über einen manipulierten Gas-freien RPC-Knoten, nachdem ein leitender Ingenieur zuvor mit einem gefälschten Jobangebot geködert worden war. Das FBI bestätigte am 14.04.2022 offiziell, dass die nordkoreanische Lazarus-Gruppe verantwortlich war. | Wie genau der gefälschte Job-Köder technisch zum Zugriff auf den RPC-Knoten führte, wurde von Sky Mavis nur in groben Zügen offengelegt. Nur ein Bruchteil der gestohlenen Gelder wurde je sichergestellt, eine strafrechtliche Verurteilung einzelner Täter liegt bis heute nicht vor, da sich die Verantwortlichen mutmaßlich in Nordkorea befinden. |
| BSDC-J-FIN-2021-1903 Relevanz 3Kryptowaehrungs-Hacks, DeFi-Sicherheit | 11.08.2021 | Poly-Network-Hack Handelsblatt Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 10. August 2021 erbeutete ein Angreifer durch Ausnutzung einer Schwachstelle in den Smart Contracts des Cross-Chain-Protokolls Poly Network Kryptowerte im Wert von rund 600 Millionen Dollar auf den Blockchains Ethereum, Binance Smart Chain und Polygon. Bereits einen Tag später begann der Angreifer, den Großteil der Gelder zurückzuüberweisen, nachdem Poly Network öffentlich dazu aufgerufen hatte. Tether fror rund 33 Millionen Dollar der gestohlenen USDT-Bestände ein. | Die Identität des Angreifers wurde nie zweifelsfrei geklärt, seine angebliche Begründung, die Tat sei zum Spaß und zum Aufzeigen der Sicherheitslücke erfolgt, ist unbelegt. Nicht abschließend dokumentiert ist auch, ob der Angreifer allein handelte oder ob es Mittäter gab. |
| BSDC-P-FIN-2023-1904 Relevanz 3Kryptowaehrungsbetrug, Ponzi-Schema | 12.09.2023 | OneCoin-Kryptowährungsbetrug (Cryptoqueen Ruja Ignatova) U.S. Attorney's Office, Southern District of New York Recherche: DC Quelle öffnen → | Laut US-Bundesanwaltschaft SDNY verkaufte OneCoin ab 2014 in Bulgarien eine erfundene Kryptowährung ohne echte Blockchain über ein weltweites Multi-Level-Marketing-Netzwerk und erbeutete so über 4 Milliarden Dollar von rund 3,5 Millionen Anlegern. Mitgründer Karl Sebastian Greenwood wurde am 12.09.2023 zu 20 Jahren Haft und 300 Millionen Dollar Einziehung verurteilt. Gründerin Ruja Ignatova wurde 2017 angeklagt, verschwand im Oktober 2017 und steht seit Juni 2022 auf der FBI-Liste der zehn meistgesuchten Flüchtigen. | Ruja Ignatovas Aufenthaltsort ist bis heute unbekannt, sie gilt weiter als flüchtig. Ein 2022 aufgetauchter Polizeibericht legt nahe, sie sei 2018 ermordet worden, ihre Leiche wurde jedoch nie gefunden. Spätere Hinweise auf mögliche Sichtungen sind nicht bestätigt, sodass offen bleibt, ob sie noch lebt. |
| BSDC-P-FIN-2022-1905 Relevanz 3Finanzkriminalitaet, Marktmanipulation | 27.04.2022 | Archegos-Capital-Kollaps und Betrugsanklage gegen Bill Hwang U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die SEC klagte Bill Hwang und weitere Führungskräfte von Archegos Capital Management wegen eines betrügerischen Schemas an. Hwang kaufte ab März 2020 auf Kredit Total Return Swaps und täuschte Banken systematisch über die tatsächliche Risikokonzentration seines Fonds. Als die Kurse der Positionen im März 2021 fielen, konnte Archegos Nachschussforderungen nicht bedienen, was zu Verlusten von über 10 Milliarden US-Dollar bei Banken wie Credit Suisse, Nomura, UBS und Morgan Stanley führte. Im Juli 2024 wurde Hwang für schuldig befunden und im November 2024 zu 18 Jahren Haft verurteilt. | Offen bleibt, wie hoch die tatsächlichen Gesamtverluste aller betroffenen Banken letztlich waren, da einzelne Institute unterschiedliche Zahlen nannten. Nicht abschließend geklärt ist zudem, inwieweit die beteiligten Prime-Broker-Banken durch eigenes Risikomanagement-Versagen zur Höhe der Verluste beitrugen. |
| BSDC-P-FIN-2021-1906 Relevanz 3Bankenkollaps, Kommunalfinanzen | 16.03.2021 | Greensill-Bank-Kollaps Bremen BaFin Recherche: DC Quelle öffnen → | Die BaFin verhängte am 3. März 2021 ein Moratorium über die Bremer Greensill Bank AG, nachdem diese keine Nachweise für Forderungen aus ihrer Lieferkettenfinanzierung vorlegen konnte. Am 16. März 2021 stellte die BaFin einen Entschädigungsfall fest und beantragte die Insolvenz beim Amtsgericht Bremen, das das Verfahren noch am selben Tag eröffnete. Kundeneinlagen werden über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro entschädigt. | Die genaue Schadenshöhe für deutsche Kommunen und Sparkassen, die laut Medienberichten dreistellige Millionenbeträge bei der Greensill Bank angelegt hatten, wird in den BaFin-Mitteilungen nicht beziffert. Individuelle strafrechtliche oder aufsichtsrechtliche Verantwortlichkeiten von Bankmanagern waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht abschließend geklärt. |
| BSDC-J-FIN-2018-1907 Relevanz 3Kryptoboersen-Hack, Finanzkriminalitaet | 29.01.2018 | Coincheck-Hack 2018 The Japan Times Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 26. Januar 2018 stahlen Angreifer aus einer ungesicherten Hot Wallet der japanischen Kryptobörse Coincheck rund 523 Millionen NEM (XEM) im Wert von etwa 58 Milliarden Yen, umgerechnet rund 530 Millionen US-Dollar. Coincheck sicherte die Coins weder per Cold Wallet noch per Multisignatur ab, wovon rund 260.000 Kunden betroffen waren. Die japanische Finanzaufsicht FSA durchsuchte danach die Coincheck-Büros und erließ mehrere Verbesserungsanordnungen, Coincheck erstattete den Kunden im März 2018 rund 46,6 Milliarden Yen aus eigenen Mitteln. | Wer die Täter waren, ist bis heute nicht abschließend behördlich geklärt. Bloomberg berichtete unter Berufung auf Ermittler über einen Verdacht gegen Nordkorea, eine offizielle Bestätigung japanischer Behörden dafür liegt jedoch nicht vor. |
| BSDC-J-FIN-2017-1926 Relevanz 3POS-Malware, Kreditkartenbetrug | 18.04.2017 | IHG-Hotelkette: Kreditkarten-Malware an Kassensystemen Brian Krebs, KrebsOnSecurity Recherche: DC Quelle öffnen → | InterContinental Hotels Group (IHG) bestätigte offiziell, dass Malware an Kassensystemen von mindestens 1175 US-Hotels zwischen dem 29. September und 29. Dezember 2016 Kreditkartendaten von Gästen abgriff. Erfasst wurden Karteninhabername, Kartennummer, Ablaufdatum und Sicherheitscode an Restaurant- und Rezeptionskassen. IHG hatte im Februar 2017 zunächst nur einen Vorfall an rund einem Dutzend Standorten eingeräumt, bevor das tatsächliche Ausmaß im April 2017 bekannt wurde. | Offen bleibt, wie die Angreifer initial in die Kassensysteme eindrangen und wer hinter dem Angriff steckt. Die genaue Zahl der betroffenen Kreditkarten bzw. Gäste wurde von IHG nicht beziffert. |
| BSDC-J-FIN-2024-1944 Relevanz 3Ransomware, Datenleck-Finanzsektor | 01.07.2024 | Ransomware-Angriff auf Prudential Financial SecurityWeek Recherche: DC Quelle öffnen → | Der US-Versicherungskonzern Prudential Financial meldete einen unautorisierten Zugriff auf seine Systeme am 4. Februar 2024. Die Ransomware-Gruppe Alphv/BlackCat reklamierte den Angriff für sich. In einer im Juni 2024 aktualisierten Meldung bezifferte Prudential die Zahl betroffener Personen auf 2.556.210, deutlich mehr als die zunächst im März genannten rund 36.000. Betroffen waren Namen, Adressen sowie Führerschein- und Ausweisnummern. Prudential bot den Betroffenen zwei Jahre kostenlose Kreditüberwachung an. | Wie die Angreifer ursprünglich ins Netzwerk gelangten, ist öffentlich nicht dokumentiert. Prudential selbst hat sich nie offiziell zur Urheberschaft von Alphv/BlackCat geäußert. Unklar bleibt zudem, ob und in welchem Umfang gestohlene Daten seither missbraucht wurden. |
| BSDC-P-FIN-2023-1959 Relevanz 3Ransomware, Scattered-Spider | 14.09.2023 | Caesars-Entertainment-Ransomware-Angriff und Lösegeldzahlung Caesars Entertainment, Inc. Recherche: DC Quelle öffnen → | Caesars Entertainment bestätigte in einer SEC-Pflichtmitteilung, dass ein unbefugter Akteur durch Social Engineering gegen einen externen IT-Dienstleister Zugriff auf die Datenbank des Treueprogramms erlangte. Dabei wurden Führerscheinnummern und/oder Sozialversicherungsnummern einer erheblichen Zahl von Mitgliedern gestohlen. Laut Presseberichten zahlte Caesars rund 15 Millionen US-Dollar Lösegeld, die Angriffsgruppe wird der als Scattered Spider bekannten Gruppe zugeschrieben. | Die genaue Höhe der Lösegeldzahlung und die vollständige Identität der Angreifer sind nicht Teil der offiziellen SEC-Mitteilung, sondern stammen aus Presseberichten unter Berufung auf anonyme Quellen. Ob die gestohlenen Daten nach Zahlung tatsächlich gelöscht wurden, konnte das Unternehmen selbst laut eigener Aussage nicht garantieren. |
| BSDC-P-FIN-2023-1971 Relevanz 3LOCKBIT-RANSOMWARE, FINANZMARKT-CYBERANGRIFFE | 20.02.2024 | ICBC-Ransomware-Angriff durch LockBit stört US-Anleihehandel US-Finanzministerium (OFAC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 08.11.2023 legte die Ransomware-Gruppe LockBit die IT-Systeme von ICBC Financial Services lahm, der US-Tochter der chinesischen Großbank ICBC. Die Angreifer nutzten eine Citrix-NetScaler-Schwachstelle aus, blockierten E-Mail-Zugänge und die Anbindung an die Clearingstelle DTCC, sodass zahlreiche Trades mit US-Staatsanleihen nicht fristgerecht abgewickelt werden konnten. Am 20.02.2024 bestätigte das US-Finanzministerium mit Sanktionen gegen zwei mutmaßliche LockBit-Mitglieder offiziell den Zusammenhang mit dem Angriff. | Ob und in welcher Höhe ICBC tatsächlich ein Lösegeld zahlte, ist offiziell nicht bestätigt, LockBit behauptete lediglich eine erfolgte Zahlung. Das genaue Ausmaß der Marktstörung bleibt umstritten, Analysen nennen einen Anstieg gescheiterter Trades auf rund 60 Milliarden US-Dollar. |
| BSDC-J-FIN-2024-1979 Relevanz 3Bankdatenleck, Darknet-Datenhandel | 12.06.2024 | Truist-Bank-Datenleck 2024 Malwarebytes Labs Recherche: DC Quelle öffnen → | Truist Bank bestätigte im Juni 2024 einen Cyberangriff, der bereits im Oktober 2023 stattgefunden hatte. Der Hacker Sp1d3r bot im Darknet Daten von rund 65.000 Truist-Mitarbeitern sowie Kundendaten wie Kontonummern und Transaktionsdetails zum Kauf an, zusammen mit dem Quellcode des telefonischen Überweisungssystems. Die Bank begann erst ab Mai 2024 mit der Benachrichtigung betroffener Kunden, rund sieben Monate nach dem eigentlichen Vorfall. | Wie viele Kunden neben den 65.000 Mitarbeitern konkret betroffen waren, wurde nicht abschließend beziffert. Ob die im Darknet angebotenen Daten tatsächlich verkauft oder für Betrug missbraucht wurden, ist nicht belegt. |
| BSDC-P-FIN-2025-2014 Relevanz 3Auskunftei-Scoring, EuGH-Grundsatzurteil | 27.02.2025 | EuGH-Urteil zum Auskunftsrecht bei Bonitätsscoring der Auskunftei Dun & Bradstreet Austria Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH) Recherche: DC Quelle öffnen → | Der EuGH entschied am 27.02.2025 in der Rechtssache C-203/22, dass Betroffene bei automatisiertem Bonitätsscoring einen Anspruch auf präzise und verständliche Erläuterung der konkret angewandten Verfahren haben. Ausgangspunkt war eine Beschwerde gegen die Auskunftei Dun & Bradstreet Austria (vormals Bisnode Austria), die einem Mobilfunkkunden per automatisierter Bewertung die Bonität abgesprochen hatte. Geschäftsgeheimnisse rechtfertigen laut Urteil keine pauschale Auskunftsverweigerung. | Das Urteil ist eine Vorabentscheidung zur DSGVO-Auslegung, kein Bußgeldbescheid. Ob die österreichische Datenschutzbehörde am Ende ein Bußgeld gegen die Auskunftei verhängte, geht aus dieser Quelle nicht hervor. Wie der ursprüngliche Fall nach Zurückverweisung konkret endete, bleibt offen. |
| BSDC-P-FIN-2025-2018 Relevanz 3Insider-Bestechung, Kryptoboersen-Datenleck | 15.05.2025 | Coinbase-Datenleck durch bestochene Support-Mitarbeiter Coinbase Global Inc. Recherche: DC Quelle öffnen → | Laut SEC-Meldung von Coinbase bestachen Angreifer mehrere externe Support-Mitarbeiter, um Kundendaten aus internen Systemen zu stehlen. Betroffen waren rund 69.461 Nutzer, erbeutet wurden unter anderem Namen, Adressen, maskierte Sozialversicherungsnummern und Ausweisfotos. Am 11. Mai 2025 forderten die Täter 20 Millionen Dollar Lösegeld, Coinbase lehnte die Zahlung ab und setzte stattdessen eine Belohnung von 20 Millionen Dollar für Hinweise aus. | Offen bleibt die genaue Zahl und Identität aller bestochenen Support-Mitarbeiter sowie das vollständige Ausmaß der internen Dokumente, die abgeflossen sind. Nicht abschließend beziffert ist der tatsächliche finanzielle Gesamtschaden durch Betrugsfälle bei betroffenen Kunden. |
| BSDC-J-FIN-2025-2025 Relevanz 3Datenleck, Auskunftei | 30.07.2025 | TransUnion-Datenleck 2025 über Drittanbieter-App BleepingComputer Recherche: DC Quelle öffnen → | Die US-Kreditauskunftei TransUnion entdeckte am 30.07.2025 einen unbefugten Zugriff auf eine bei ihr eingesetzte Drittanbieter-Anwendung, der Angriff selbst hatte am 28.07.2025 stattgefunden. Betroffen waren die Daten von mehr als 4,4 Millionen Personen in den USA, darunter Namen, Geburtsdaten, Sozialversicherungsnummern, Rechnungsadressen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern. TransUnion ordnete den Zugriff einer über Salesforce-verbundene Apps laufenden Kampagne zu und bot Betroffenen 24 Monate kostenlose Kreditüberwachung an. | TransUnion und Salesforce betonten, dass die Kern-Salesforce-Anwendung selbst nicht kompromittiert war, der Zugriff erfolgte über eine verbundene Drittanbieter-App. Die genaue Identität der für den Angriff verantwortlichen Gruppe wurde von TransUnion nicht offiziell bestätigt, Medienberichte ordneten ihn ShinyHunters zu. |
| BSDC-P-FIN-2025-2030 Relevanz 3Auskunftsrecht-Scoring, EuGH-Grundsatzurteil | 27.02.2025 | EuGH-Urteil C-203/22: Recht auf Erklärung bei automatisiertem Bonitäts-Scoring Gerichtshof der Europäischen Union Recherche: DC Quelle öffnen → | Der EuGH entschied am 27.02.2025 in der Rechtssache C-203/22, dass Betroffene bei einer ausschließlich automatisierten Bonitätsbewertung nach Artikel 15 Absatz 1 Buchstabe h DSGVO Anspruch auf eine konkrete, nachvollziehbare Erklärung des angewandten Verfahrens haben. Die bloße Offenlegung des Algorithmus oder einer mathematischen Formel genügt laut Urteil nicht. Ein pauschaler Verweis auf Geschäftsgeheimnisse darf den Auskunftsanspruch nicht von vornherein ausschließen, strittige Informationen müssen im Streitfall der Aufsichtsbehörde oder einem Gericht zur Abwägung vorgelegt werden. | Das zugrunde liegende Verfahren betraf einen österreichischen Fall bei Dun und Bradstreet Austria, nicht die deutsche Schufa. Eine unmittelbare Übertragung der Maßstäbe auf deutsche Auskunfteien liegt nahe, ist aber nicht Gegenstand dieses Urteils. |
| BSDC-J-FIN-2024-2034 Relevanz 3KI-Risiken, Cybercrime | 10.05.2024 | Gescheiterter Deepfake-Betrugsversuch gegen WPP-Chef Mark Read Marketing-Interactive Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Mai 2024 versuchten Betrüger, eine Führungskraft der Werbeholding WPP mithilfe von Deepfake-Technologie zu täuschen. Sie legten ein WhatsApp-Konto mit einem öffentlichen Foto von WPP-CEO Mark Read an und luden eine leitende Mitarbeiterin zu einem Microsoft-Teams-Meeting ein, in dem eine KI-Stimmklon-Version sowie YouTube-Aufnahmen von Read eingesetzt wurden. Ziel war die Herausgabe von Geld und persönlichen Daten für die angebliche Gründung einer neuen Firma, der Versuch scheiterte laut WPP an der Wachsamkeit der beteiligten Person. | Welche konkrete Software für die Stimmklonierung eingesetzt wurde und wer hinter dem Angriff steckt, ist nicht öffentlich bekannt. Die genaue angestrebte Schadenssumme wurde nicht beziffert, da kein Geld floss. |
| BSDC-P-FIN-2006-2049 Relevanz 3SQL-Injection, Kartendaten-Diebstahl | 23.02.2006 | CardSystems-Datenleck 2005: SQL-Injection und FTC-Verfahren gegen Kartendaten-Prozessor US Federal Trade Commission (FTC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Der US-Zahlungsdienstleister CardSystems Solutions entdeckte im Mai 2005 einen Einbruch, bei dem Angreifer per SQL-Injection Schadcode in eine webbasierte Anwendung einschleusten, der alle vier Tage Kreditkartendaten sammelte und per FTP versandte. Bis zu 40 Millionen Karten von Visa, Mastercard und weiteren Anbietern waren betroffen, Visa und American Express beendeten die Zusammenarbeit mit CardSystems. Am 23.02.2006 einigte sich die FTC mit CardSystems auf ein Verfahren wegen unzureichender Datensicherheit mit unabhängigen Audits über 20 Jahre, ohne Geldbuße. | Wer konkret hinter dem Angriff auf CardSystems steckte, ist öffentlich nicht dokumentiert. Die genaue Zahl der tatsächlich exportierten und missbrauchten Datensätze bleibt unklar, öffentlich kursiert vor allem die Obergrenze von rund 40 Millionen gespeicherten Kartendatensätzen. |
| BSDC-J-FIN-2020-2051 Relevanz 3Offshore-Leaks, Korruption | 19.01.2020 | Luanda Leaks: 715.000 Dokumente enthüllen Offshore-Imperium der Isabel dos Santos ICIJ (International Consortium of Investigative Journalists) Recherche: DC Quelle öffnen → | Das ICIJ veröffentlichte am 19.01.2020 die Luanda Leaks, basierend auf mehr als 715.000 geleakten Dokumenten zur früheren Sonangol-Chefin Isabel dos Santos, Tochter des langjährigen angolanischen Präsidenten. An der Auswertung waren 36 Medienpartner und mehr als 120 Journalisten aus rund 20 Ländern beteiligt. Die Dokumente zeigten ein Netzwerk von mehr als 400 Firmen in 41 Ländern, über das öffentliche Gelder aus Angola abgeflossen sein sollen. Als Folge fror die Schweiz im August 2020 Vermögenswerte von rund 900 Millionen US-Dollar ein, Angola erhob im Januar 2024 in zwölf Anklagepunkten Vorwürfe gegen dos Santos, Großbritannien verhängte im November 2024 Sanktionen. | Isabel dos Santos bestreitet über ihre Anwälte jegliches Fehlverhalten. Gegen sie liegt seit 2022 eine Interpol-Red-Notice vor, eine tatsächliche Festnahme oder Auslieferung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ist bislang nicht erfolgt. |
| BSDC-B-FIN-2016-2052 Relevanz 3Offshore-Leaks, Finanzkriminalitaet | 03.04.2016 | Panama Papers: Enthüllung der Mossack-Fonseca-Dokumente ICIJ (International Consortium of Investigative Journalists) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 03.04.2016 veröffentlichten das ICIJ und die Süddeutsche Zeitung gemeinsam mit über 100 weiteren Medienpartnern die Panama Papers. Grundlage waren 11,5 Millionen interne Dokumente der panamaischen Kanzlei Mossack Fonseca mit einem Gesamtvolumen von 2,6 Terabyte. Rund 400 Journalisten aus fast 80 Ländern werteten die Daten über ein Jahr lang aus. Die Unterlagen dokumentieren mehr als 214.000 Offshore-Gesellschaften mit Verbindungen zu Personen in über 200 Ländern und Territorien, darunter amtierende und ehemalige Staats- und Regierungschefs. | Nicht abschließend geklärt ist bis heute die konkrete Identität der Quelle, die die Dokumente an die Süddeutsche Zeitung weitergab, sie trat öffentlich nur unter dem Pseudonym John Doe auf. Offen bleibt, in welchem Umfang die sichtbaren Offshore-Strukturen jeweils legale Steuergestaltung oder illegale Steuerhinterziehung darstellten, da dies für jeden Einzelfall gesondert zu prüfen war. Die technische Vorgehensweise des Datenabflusses (Hack versus Insider-Leak) wurde nicht im Detail forensisch belegt. |