Quellen-Tabelle
Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.
| BSDC-ID | Datum | Titel & Quelle | Kernaussage | Klartext |
|---|---|---|---|---|
| BSDC-J-FIN-2001-2418 Relevanz 3Bankenskandal, Finanzkriminalitaet, Landeshaftung-Berlin | 16.06.2001 | Berliner Bankenskandal: Bankgesellschaft Berlin und die Milliardenrisiken aus Immobilienfonds Wikipedia (Zusammenfassung journalistischer und behördlicher Quellen) Recherche: DC Quelle öffnen → | Anfang 2001 geriet die landeseigene Bankgesellschaft Berlin durch riskante Immobiliengeschäfte an den Rand des Ruins, nachdem Tochtergesellschaften über 50 geschlossene Immobilienfonds mit Garantien an rund 50.000 Anleger verkauft hatten. Am 16.06.2001 wurde Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen per Misstrauensvotum gestürzt. Das Land Berlin rettete die Bank mit rund 2 Milliarden Euro Kapitalspritze, 2002 folgte eine Risikoabschirmung bis zu 21,6 Milliarden Euro bis 2032, endgültig aufgehoben erst am 29.08.2019. | Die genaue Zahl der Immobilienfonds schwankt je nach Quelle. Die Bezifferung des tatsächlichen Schadens für Berliner Steuerzahler bleibt umstritten. Die strafrechtliche Aufarbeitung endete nicht in allen Fällen mit rechtskräftigen Verurteilungen in der kolportierten Höhe. |
| BSDC-J-FIN-2007-2419 Relevanz 3Finanzkrise-2007-2008, Bankenrettung, Subprime-Hypothekenkrise | 30.07.2007 | IKB Deutsche Industriebank: Beinahe-Kollaps durch US-Subprime-Papiere und staatliche Rettung Yale Program on Financial Stability Recherche: DC Quelle öffnen → | Die IKB Deutsche Industriebank geriet im Juli 2007 durch ihre Zweckgesellschaft Rhineland Funding, die in US-Subprime-besicherte Wertpapiere investiert hatte, in eine existenzbedrohende Liquiditätskrise. Am 30.07.2007 übernahmen KfW und ein Bankenkonsortium unter BaFin-Vermittlung die Liquiditätsverpflichtungen. Im Verlauf 2008 erhöhte die KfW ihre Kapitalzufuhr um 2,3 Milliarden Euro und ihren Anteil auf 90,8 Prozent. Die Gesamtkosten der Rettung beliefen sich auf rund 9,6 Milliarden Euro, im Oktober 2008 verkaufte die KfW ihren Anteil an Lone Star für 137 Millionen Euro. | Nicht geklärt ist, in welchem Umfang Management und Aufsichtsrat die Risiken kannten oder hätten erkennen müssen. Die Gesamtkosten der Rettung werden zwischen rund 8 und knapp 10 Milliarden Euro unterschiedlich beziffert. Der Verkaufspreis an Lone Star deckte nur einen kleinen Bruchteil der Investitionen ab. |
| BSDC-O-FIN-2009-2420 Relevanz 3Bankenrettung, Finanzkrise-2008, Verstaatlichung | 05.10.2009 | Verstaatlichung der Hypo Real Estate Deutscher Bundestag / Bundesregierung Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 20.03.2009 verabschiedete der Bundestag das Rettungsübernahmegesetz, das eine zeitlich begrenzte Enteignung eines systemrelevanten Kreditinstituts erlaubte, gerichtet gegen die Hypo Real Estate, deren dubliner Tochter Depfa Bank nach der Lehman-Pleite in eine Liquiditätskrise geraten war. Am 05.10.2009 wurde die HRE als erste Bank seit 1949 verstaatlicht, Aktionäre erhielten per Squeeze-out 1,30 Euro je Aktie. Zum 30.09.2010 hatte die HRE Garantien in Höhe von 123,98 Milliarden Euro sowie 7,7 Milliarden Euro direkte Kapitalhilfen vom SoFFin in Anspruch genommen. | Die tatsächliche Endsumme der Staatskosten ist nicht abschließend geklärt, die Bundesregierung bezifferte 2018 die Nettokosten auf rund 20,3 Milliarden Euro, eine von Kritikern als vorläufig bezeichnete Zahl. Umstritten bleibt der zeitliche Ablauf der Garantieübernahme, die möglicherweise Haftungsansprüche gegen den früheren Mehrheitseigentümer UniCredit verjähren ließ. |
| BSDC-J-FIN-2018-2421 Relevanz 3Anlagebetrug, Schneeballsystem, Kapitalanlagerecht | 07.03.2018 | P&R-Container-Anlagebetrug: Milliarden-Schneeballsystem mit Schiffscontainern Handelsblatt / Wikipedia Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Grünwalder P&R Gruppe stoppte am 07.03.2018 die Auszahlungen an Anleger, am 24.07.2018 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Rund 54.000 Anleger hatten etwa 3,5 Milliarden Euro in Schiffscontainer investiert. Von rund 1,6 Millionen verkauften Containern existierten nur etwa 618.000 tatsächlich, das Geschäftsmodell funktionierte laut Staatsanwaltschaft seit spätestens 2007 als Schneeballsystem. Gründer Heinz Roth wurde 2018 festgenommen, starb aber im Dezember 2019 vor einem Prozess. | Die genaue Schadenshöhe ist nicht gerichtlich geklärt, die Staatsanwaltschaft schätzte 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Da Roth vor einem Strafprozess starb, kam es nie zu einem rechtskräftigen Urteil gegen ihn. Die individuellen Rückzahlungsquoten der Anleger bleiben offen. |
| BSDC-J-FIN-2014-2422 Relevanz 3Finanzkriminalitaet, Anlegerschutz, Grauer-Kapitalmarkt | 22.01.2014 | Prokon-Insolvenz: Windenergie-Genussrechte-Skandal Stiftung Warentest Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Prokon Regenerative Energien GmbH stellte am 22.01.2014 Insolvenzantrag, nachdem sie rund 75.000 Anleger unter Druck gesetzt hatte, ihre Genussrechte nicht zu kündigen. Das Unternehmen hatte über nachrangige Genussrechte etwa 1,4 Milliarden Euro eingesammelt, ohne der BaFin-Aufsicht zu unterliegen. Das Geschäftsmodell beruhte auf hochverzinsten Genussrechten und wenig transparenten Investitionen, unter anderem in eine unrentable Biodieselproduktion. | Nicht geklärt ist, welcher Anteil der 1,4 Milliarden Euro tatsächlich verloren ging, da im Insolvenzverfahren ein Teil in eine Genossenschaft überführt wurde. Umstritten bleibt, inwieweit die damalige Aufsichtslücke ursächlich für das Schadensausmaß war. |
| BSDC-J-FIN-2018-2423 Relevanz 3Anlagebetrug, Schneeballsystem, BaFin-Aufsicht | 09.07.2018 | Infinus-Gruppe Dresden: Urteile im Schneeballsystem mit Nachrangdarlehen Legal Tribune Online (LTO) Recherche: DC Quelle öffnen → | Das Landgericht Dresden verurteilte am 09.07.2018 fünf ehemalige Manager der Infinus Gruppe wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs zu Freiheitsstrafen zwischen fünf Jahren vier Monaten und acht Jahren. Die Gruppe hatte Nachrangdarlehen mit überhöhten Renditeversprechen vertrieben, finanziert durch Gelder neu geworbener Anleger. Rund 22.000 Anleger investierten etwa 312 Millionen Euro, der festgestellte Nettoschaden lag bei rund 155 Millionen Euro. Das Gericht ordnete die Einziehung von über 51 Millionen Euro an. | Die genaue Schadenshöhe wird in Verfahrensdokumenten unterschiedlich beziffert, zwischen 155 und 415,6 Millionen Euro je nach Berechnungsgrundlage. Die aufsichtsrechtliche Rolle der BaFin vor 2012 ist nicht im Detail dokumentiert. Der Ausgang möglicher Revisionsverfahren ist nicht abschließend geklärt. |
| BSDC-J-FIN-2017-2424 Relevanz 3Anlagebetrug, Grauer-Kapitalmarkt, Immobilienfonds | 29.03.2017 | S&K-Gruppe: Immobilienfonds-Betrug und Verurteilung der Gründer in Frankfurt Wikipedia / Landgericht Frankfurt am Main Recherche: DC Quelle öffnen → | Die S&K Gruppe kaufte Immobilien unter Verkehrswert bei Zwangsversteigerungen und vertrieb sie über geschlossene Fonds am grauen Kapitalmarkt. Am 19.02.2013 durchsuchten rund 1.200 Ermittler 130 Objekte und nahmen die Geschäftsführer fest. Am 29.03.2017 verurteilte das Landgericht Frankfurt die Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller zu je acht Jahren und sechs Monaten Haft wegen schwerer Untreue. Die Gründer finanzierten mit Anlegergeldern einen Luxuslebensstil mit Sportwagen und Privatjets. | Die Zahl der geschädigten Anleger wird unterschiedlich beziffert, zwischen 6.000 mit 90 Millionen Euro Schaden und 11.000 mit mindestens 240 Millionen Euro. Die Urteile waren zum Zeitpunkt der Verkündung nicht in allen Punkten rechtskräftig, Revisionen waren möglich. |
| BSDC-J-FIN-2019-2425 Relevanz 3Wirecard-Skandal, Bilanzfaelschung, Finanzkriminalitaet-Asien | 12.02.2019 | Wirecard-Singapur-Bürorazzia und die Rolle von Edo Kurniawan bei der Bilanzfälschung CNBC Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 08.02.2019 durchsuchte die Singapurer Polizei Büros von Wirecard-Entitäten, einen Tag nachdem die Financial Times über ein Round-Tripping-Schema berichtet hatte, bei dem Bargeld zwischen asiatischen Tochtergesellschaften verschoben wurde, um Bilanzen aufzublähen. Edo Kurniawan soll laut interner Präsentation Project Tiger Summary Anweisungen zu verdächtigen Transaktionen im Umfang von 37 Millionen Euro gegeben haben. Kurniawan verließ das Unternehmen am 01.04.2019 und gilt seither als flüchtig mit Interpol Red Notice. Im Juni 2023 wurden zwei Mitverdächtige in Singapur zu 21 beziehungsweise 10 Monaten Haft verurteilt. | Nicht belegt ist der Aufenthaltsort von Edo Kurniawan seit seiner Flucht. Die Höhe des veruntreuten Betrags wird unterschiedlich beziffert, teils 37 Millionen Euro, teils im Kontext der insgesamt fehlenden 1,9 Milliarden Euro auf den Philippinen. Kurniawans eigene strafrechtliche Verantwortung wurde bislang nicht gerichtlich festgestellt. |
| BSDC-J-FIN-2015-2426 Relevanz 3Geldwaesche, Deutsche-Bank, Russland-Sanktionen | 26.10.2015 | Deutsche Bank Mirror Trades: New Yorker Aufsicht weitet verdeckte Geldwäsche-Ermittlung aus OCCRP (Organized Crime and Corruption Reporting Project) Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Frühjahr 2015 begannen das US-Justizministerium und die NYDFS eine Untersuchung von rund 6 Milliarden US-Dollar an Spiegelgeschäften der Deutschen Bank. Zwischen 2011 und Anfang 2015 kauften russische Kunden über die Moskauer Niederlassung Wertpapiere in Rubel und verkauften identische Positionen zeitnah in Fremdwährung über die Londoner Niederlassung. Im Zentrum stand Tim Wiswell, ehemaliger Leiter des Russland-Aktienhandels, der freigestellt wurde. Zu den mutmaßlichen Nutznießern gehörten Personen aus dem Umfeld von Wladimir Putin, darunter die Brüder Rotenberg. Diese Ermittlungsphase liegt zwei Jahre vor der öffentlichen Bußgeldeinigung von 2017. | Nicht belegt ist, wie NYDFS und DOJ ursprünglich auf die Spiegelgeschäfte aufmerksam wurden. Die Höhe des insgesamt bewegten Volumens schwankt je nach Quelle zwischen 6 und 10 Milliarden US-Dollar. Ob die genannten Personen aus Putins Umfeld tatsächlich strafrechtlich relevante Vorteile zogen, wurde in dieser frühen Berichterstattung nicht geklärt. |
| BSDC-J-FIN-2020-2427 Relevanz 3Geldwaesche, Danske-Bank, Baltikum-Bankenaufsicht | 25.09.2020 | Litauens Zentralbank kooperiert bei Danske-Bank-Geldwäscheermittlungen LRT (Lithuanian National Radio and Television) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die litauische Zentralbank Lietuvos bankas erklärte, sie beobachte Informationen zur möglichen Beteiligung litauischer Finanzinstitute an Geldwäsche und arbeite mit dänischen Behörden zusammen. Hintergrund waren die FinCEN Files, laut denen zwischen 2012 und 2015 verdächtige Geldtransfers über die Danske-Bank-Filiale in Litauen abgewickelt wurden, Teil eines Spiegelgeschäfte-Systems zum Herausschleusen russischer Rubel. | Nicht dokumentiert ist eine eigenständige formelle Untersuchung der Danske-Bank-Litauen-Filiale durch die litauische Zentralbank 2019. Der Hauptskandal betraf primär die estnische Filiale, die litauische Zentralbank äußerte sich nur allgemein zur Kooperation, ohne eigene Ermittlungsergebnisse oder Fallzahlen für Litauen zu nennen. |
| BSDC-P-FIN-2020-2428 Relevanz 3Geldwaesche, FIFA-Korruption, Bankenaufsicht-Schweiz | 20.02.2020 | Julius Baer zahlt über 79 Millionen Dollar wegen Geldwäsche im FIFA-Korruptionsfall U.S. Department of Justice / FINMA Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Schweizer Bank Julius Baer gab in einem Deferred Prosecution Agreement zu, zwischen Februar 2013 und Mai 2015 Gelder aus Bestechungszahlungen im FIFA-Korruptionsskandal transferiert zu haben, und zahlte über 79 Millionen US-Dollar. Parallel stellte die FINMA fest, dass Julius Baer zwischen 2009 und Anfang 2018 systematisch gegen Sorgfaltspflichten verstoßen hatte, unter anderem im Zusammenhang mit PDVSA und FIFA. Fast alle 70 geprüften Geschäftsbeziehungen wiesen Unregelmäßigkeiten auf. | Nicht dokumentiert ist, welche konkreten Bankmitarbeiter individuell strafrechtlich verfolgt wurden. Die FINMA-Untersuchung war auf eine Stichprobe von rund 70 Geschäftsbeziehungen begrenzt, keine vollständige Durchleuchtung aller Kundenbeziehungen. |
| BSDC-J-FIN-2016-2429 Relevanz 3Panama-Papers, Steueroasen, Norwegen | 05.04.2016 | DNB Luxembourg und die Panama Papers: Briefkastenfirmen auf den Seychellen Aftenposten Recherche: DC Quelle öffnen → | Im April 2016 deckte Aftenposten im Rahmen der Panama Papers auf, dass die Luxemburger Privatbank-Tochter der norwegischen Großbank DNB seit 2006 rund 40 bis 45 Kunden half, Briefkastenfirmen auf den Seychellen zu gründen, mit Unterstützung der Kanzlei Mossack Fonseca. Etwa 30 der betroffenen Gesellschaften gehörten norwegischen Staatsbürgern. DNB beauftragte die Kanzlei Hjort mit einer unabhängigen Untersuchung. | Die genaue Zahl betroffener Kunden schwankt zwischen 40 und 45. Die interne Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Konzernleitung und Vorstand vor 2016 keine Kenntnis hatten, diese Selbstauskunft wurde nicht durch ein unabhängiges Gerichtsurteil bestätigt. |
| BSDC-J-FIN-2019-2430 Relevanz 3Geldwaesche, Bankenaufsicht, Estland-Skandal | 07.05.2019 | Anklage gegen Ex-Danske-Bank-Chef Thomas Borgen im Geldwäschefall Estland The National Law Review Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Mai 2019 erhob die dänische Staatsanwaltschaft Anklage gegen Thomas Borgen, ehemaliger Vorstandschef der Danske Bank, wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das dänische Geldwäschegesetz im Zusammenhang mit der estnischen Filiale. Borgen leitete von 2009 bis 2012 das internationale Geschäft, zu dem die estnische Filiale gehörte, und war bis September 2018 Vorstandsvorsitzender. Er trat nach Veröffentlichung eines internen Untersuchungsberichts zurück, der die Kontrollen als offensichtlich unzureichend bezeichnete. | Nicht belegt ist, ob Borgen persönlich Kenntnis von den Transaktionen hatte. Ein früheres internes Rechtsgutachten war zu dem Schluss gekommen, Borgen habe keine Pflichten verletzt, im Widerspruch zur späteren Anklage. Spätere Berichte von 2021 deuten darauf hin, dass die Anklage fallengelassen wurde, dies ist nicht Gegenstand dieser Quelle von 2019. |
| BSDC-J-FIN-2019-2431 Relevanz 3Geldwaesche, Bankenaufsicht, Baltikum | 01.10.2019 | Swedbank Estland: Geldwäscheverdacht, Kursabsturz und Führungswechsel nach SVT-Enthüllungen Bloomberg Recherche: DC Quelle öffnen → | Der schwedische Sender SVT enthüllte im Februar 2019, dass über Konten der estnischen Swedbank-Filiale zwischen 2007 und 2015 verdächtige Transaktionen in Milliardenhöhe abgewickelt worden sein sollen, mit Verbindungen zum Danske-Bank-Skandal. Die Aktie stürzte ab, Vorstandschefin Birgitte Bonnesen wurde kurz vor der Hauptversammlung entlassen, eine Woche später trat auch der Verwaltungsratschef zurück. | Die genaue Höhe der geflossenen verdächtigen Gelder ist nicht abschließend geklärt, SVT nannte rund 5,8 Milliarden US-Dollar, diese Zahlen stammen aus journalistischer Recherche, nicht aus einem abgeschlossenen behördlichen Verfahren. |
| BSDC-J-FIN-2013-2432 Relevanz 3Whistleblowing, Geldwaesche, Danske-Bank | 29.09.2020 | Howard Wilkinsons Whistleblower-Bericht an Danske Bank über die Estland-Filiale International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) Recherche: DC Quelle öffnen → | Ende Dezember 2013 sandte der britische Händler Howard Wilkinson eine E-Mail an die Danske-Bank-Zentrale mit dem Betreff Whistleblowing disclosure. Er beschrieb, dass Finanzberichte der Firma Lantana Trade nicht zu den hohen Transaktionsvolumen auf deren Konto bei der Estland-Filiale passten. Nach höflicher Bestätigung ohne Maßnahmen fand er 15 weitere Kunden mit vergleichbaren Auffälligkeiten und verfasste zwischen 2013 und 2014 insgesamt vier Berichte an die interne Revision. | Nicht dokumentiert ist, wie genau die Geschäftsleitung intern auf die Berichte reagierte, interne Sitzungsprotokolle liegen nicht öffentlich vor. Die Bank reagierte öffentlich nicht, bis Wilkinsons Name 2018 durchsickerte. |
| BSDC-J-FIN-2019-2433 Relevanz 3Geldwaesche, Korrespondenzbanken, Danske-Bank-Skandal | 05.03.2019 | Danske-Bank-Geldwäscheskandal erreicht österreichische Banken derStandard.at (Recherchenetzwerk Addendum und Profil) Recherche: DC Quelle öffnen → | Laut Recherchen von Addendum und Profil sollen rund 967 Millionen US-Dollar an mutmaßlichem Schwarzgeld aus dem Danske-Bank-Estland-Komplex über Konten österreichischer Banken geflossen sein, davon rund 634 Millionen US-Dollar auf die Raiffeisen Bank International. Die RBI-Aktie verlor am Tag der Berichterstattung zeitweise bis zu 15 Prozent an Wert, ein Marktkapitalisierungsverlust von etwa einer Milliarde Euro. | Für eine spezifische Verbindung der Erste Group Bank Österreich zum Danske-Estland-Netzwerk liegen keine belastbaren, primärquellenbasierten Belege vor, die Recherchen nennen namentlich nur die Raiffeisen Bank International. Die genannte Summe stützt sich auf journalistische Recherchen, nicht auf eine behördliche Feststellung. |
| BSDC-P-FIN-2016-2434 Relevanz 3Panama-Papers, Steuerhinterziehung, Offshore-Banking | 20.07.2016 | Nordea Bank und die Panama Papers: interne Untersuchung zu Offshore-Strukturen Nordea Bank Recherche: DC Quelle öffnen → | Nach der Veröffentlichung der Panama Papers ließ Nordea seine Luxemburger Einheit und Teile des Nordic Private Banking intern untersuchen: 137 Offshore-Strukturen mit rund 216 Millionen Euro verwaltetem Vermögen, Zeitraum 2010 bis 2016. Rund 60 Mitarbeiter prüften über 10.000 Dokumente. Nordea blockierte 68 Kundenakten, überwiegend aus der Zeit vor 2013, für vertiefte Prüfung. | Laut Nordeas eigener Untersuchung ist nicht bewiesen, dass Mitarbeiter aktiv Offshore-Strukturen initiierten. In wie vielen der 68 markierten Fälle tatsächlich Steuerhinterziehung festgestellt wurde, ist nicht veröffentlicht. Die spätere NYDFS-Buße von 2020 betraf einen separaten, späteren Komplex. |
| BSDC-J-FIN-2025-2435 Relevanz 3Russland-Sanktionen, Bankenaufsicht, Kriegsfinanzierung | 01.10.2025 | Raiffeisen Bank International scheitert erneut am Ausstieg aus Russland Reuters, veröffentlicht via The Moscow Times Recherche: DC Quelle öffnen → | Die RBI, größte noch in Russland aktive westliche Bank, konnte ihr russisches Geschäft Anfang Oktober 2025 erneut nicht verkaufen, weil russische Behörden den Verkauf an einen einheimischen Käufer blockierten. RBI wickelt Zahlungen für Gaslieferungen über TurkStream ab. Seit der russischen Invasion 2022 hat RBI in Russland Berichten zufolge rund 7 Milliarden Euro Gewinn angehäuft, der im Land gebunden bleibt. | Nicht belegt ist die Identität des potenziellen russischen Käufers oder der Kaufpreis. Die Zahl von 7 Milliarden Euro Gewinn stammt aus Presseberichten, keine offiziell testierte Bilanzangabe. Eine formelle Feststellung eines Sanktionsverstoßes liegt nicht vor. |
| BSDC-P-FIN-2018-2436 Relevanz 3Bestechung, Finanzkriminalitaet, Libyen | 04.06.2018 | Societe Generale zahlt Millionenstrafe wegen Bestechung im Libyen-Geschäft US-Justizministerium (DOJ) Recherche: DC Quelle öffnen → | Societe Generale einigte sich im Juni 2018 mit DOJ, SEC und der französischen Finanzstaatsanwaltschaft auf Strafzahlungen wegen Bestechung libyscher Amtsträger. Zwischen 2004 und 2009 zahlte die Bank rund 90 Millionen US-Dollar an einen Vermittler mit Verbindungen zum Gaddafi-Regime, um Investmentgeschäfte im Volumen von rund 3,66 Milliarden US-Dollar zu erhalten. Die Gesamtstrafzahlungen für Libyen- und einen parallelen Libor-Fall summierten sich auf über 860 Millionen US-Dollar. | Nicht dokumentiert ist, welche konkreten libyschen Amtsträger die Bestechungsgelder tatsächlich erhielten. Die Aufteilung zwischen Libyen-Komplex und Libor-Fall wird in verschiedenen Quellen leicht unterschiedlich beziffert. Ob einzelne Bankmitarbeiter strafrechtlich individuell verfolgt wurden, bleibt offen. |
| BSDC-P-FIN-2021-2437 Relevanz 3Finanzkriminalitaet, Korruption, Bankenaufsicht | 19.10.2021 | Credit Suisse Mosambik-Tuna-Bond-Skandal: US- und UK-Bußgelder U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 19.10.2021 einigte sich Credit Suisse mit US- und britischen Behörden auf Zahlungen von rund 475 Millionen US-Dollar wegen Betrugs im Zusammenhang mit zwei Anleiheemissionen für staatliche Unternehmen in Mosambik, bekannt als Tuna Bonds, mit denen mehr als 1 Milliarde US-Dollar aufgenommen wurden. Die Emissionsunterlagen verschwiegen laut SEC verdeckte Verschuldung, Bestechungszahlungen an mosambikanische Regierungsvertreter und Kickbacks an Credit-Suisse-Banker. Die britische FCA verhängte zusätzlich rund 200,66 Millionen US-Dollar. | Nicht geklärt ist, welcher Anteil der veruntreuten Gelder tatsächlich zurückverfolgt und mosambikanischen Bürgern zugutekam. Die Beteiligung einzelner mosambikanischer Regierungsmitglieder wurde teils erst später in getrennten Verfahren untersucht. |
| BSDC-J-FIN-2018-2438 Relevanz 3Geldwaesche, Danske-Bank-Estland, Finma-Aufsicht | 28.09.2018 | Finma prüft Schweizer Banken im Danske-Bank-Estland-Skandal Neue Zürcher Zeitung (NZZ) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma erklärte im September 2018, sie prüfe die Verwicklung Schweizer Institute in den Geldwäscheskandal um die estnische Danske-Bank-Filiale. Eine interne Danske-Untersuchung hatte zuvor ergeben, dass ein Großteil der rund 200 Milliarden Euro, die zwischen 2007 und 2015 durch die estnische Filiale flossen, als verdächtig einzustufen war. | Die Finma nannte keine konkreten Institute mit förmlichem Verfahren. Ob es sich um eine formelle Enforcement-Untersuchung oder eine informelle Abklärung handelte, blieb unklar. Spätere konkrete Bußen gegen namentlich genannte Schweizer Banken sind aus den verfügbaren Quellen nicht ersichtlich. |
| BSDC-J-FIN-2010-2441 Relevanz 3Bankgeheimnis, Datenschutzverstoss, Finanzvertrieb | 07.05.2010 | Postbank-Datenskandal: Bußgeld wegen unerlaubtem Zugriff auf Kontobewegungsdaten Stiftung Warentest Recherche: DC Quelle öffnen → | Der Landesbeauftragte für Datenschutz NRW verhängte am 07.05.2010 ein Bußgeld von 120.000 Euro gegen die Postbank AG. Rund 4.000 freiberufliche Handelsvertreter konnten allein mit Name und Geburtsdatum eines Kunden auf dessen komplette Girokontobewegungen zugreifen, betroffen waren mehr als eine Million Kundendatensätze. Die Vertreter nutzten die Daten, um Kunden bei größeren Geldeingängen gezielt anzusprechen. Aufgedeckt wurde die Praxis 2009 durch Finanztest, die Postbank stellte den Zugriff im November 2009 ab. | Nicht dokumentiert ist, wie viele der über eine Million Datensätze tatsächlich für Werbeansprachen genutzt wurden. Die genaue Zahl der Handelsvertreter mit tatsächlichem Zugriff bleibt unklar. Das Bußgeld gilt im Verhältnis zur Konzerngröße als vergleichsweise gering. |
| BSDC-P-FIN-2022-2460 Relevanz 3Darknet, Finanzkriminalitaet, Kryptowaehrungen | 05.04.2022 | Zerschlagung des Darknet-Marktplatzes Hydra Market Bundeskriminalamt (BKA) und Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main (ZIT) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 05.04.2022 sicherten BKA und ZIT Frankfurt die in Deutschland befindliche Serverinfrastruktur des russischsprachigen Darknet-Marktplatzes Hydra Market und schalteten ihn ab, dabei wurden 543 Bitcoin im Gegenwert von rund 23 Millionen Euro beschlagnahmt. Hydra Market galt als weltweit umsatzstärkster illegaler Online-Marktplatz mit mindestens 1,23 Milliarden Euro Umsatz allein 2020, gehandelt wurden vor allem Betäubungsmittel. Den Ermittlungen seit August 2021 gingen internationale Kooperationen voraus. | Nicht dokumentiert ist die Identität der eigentlichen Hauptbetreiber, auch wenn US-Behörden parallel Anklage gegen einen mutmaßlichen russischen Staatsangehörigen erhoben. Unklar bleibt, in welchem Umfang der Handel durch die Abschaltung tatsächlich zurückging, da Nachfolgeplattformen bald entstanden. |
| BSDC-J-FIN-2025-2463 Relevanz 3Datenpanne-Gesundheitswesen, Sammelklage-USA, Ransomware | 30.04.2025 | Change-Healthcare-Sammelklagen: Vergleichsverhandlungen nach Cyberangriff 2024 AboutLawsuits.com Recherche: DC Quelle öffnen → | Nach dem Ransomware-Angriff auf Change Healthcare im Februar 2024 sind die Klagen als Multidistrict Litigation MDL 3108 in Minnesota gebündelt, bis August 2025 auf 78 Verfahren angewachsen. Am 30.04.2025 ordnete das Gericht persönliche Vergleichsgespräche an. Change Healthcare meldete zum 31.07.2025 rund 192,7 Millionen betroffene Personen, der größte je erfasste Datenschutzvorfall im US-Gesundheitswesen. | Bis zum Recherchestand im August 2025 wurde kein finaler Vergleich bekanntgegeben. Die Zahl der Betroffenen wurde mehrfach nach oben korrigiert, von anfänglich rund 100 Millionen auf 192,7 Millionen. Der Ausgang der Klageabweisungsanträge war noch nicht entschieden. |
| BSDC-O-FIN-2022-2469 Relevanz 3Urheberrecht, Kuenstliche-Intelligenz, Open-Source | 03.11.2022 | Sammelklage gegen GitHub, Microsoft und OpenAI wegen Copilot-Trainingsdaten US District Court for the Northern District of California Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 03.11.2022 reichte die Joseph Saveri Law Firm im Namen mehrerer Softwareentwickler eine Sammelklage gegen GitHub, Microsoft und OpenAI ein. Die Klage wirft vor, KI-Systeme Codex und Copilot mit Milliarden Zeilen öffentlichem Code trainiert zu haben, ohne Lizenzbedingungen wie GNU GPL einzuhalten. Die Kläger bezifferten mögliche Schadensersatzansprüche theoretisch auf über 9 Milliarden US-Dollar. Der Richter wies 20 von 22 Klagepunkten ab, ließ aber Ansprüche wegen Lizenzverletzung zu. | Das Gericht stellte fest, dass die Kläger nicht nachweisen konnten, dass spezifischer Code aus spezifischen Trainingsdaten in spezifischen Copilot-Ausgaben erscheint. Die Summe von 9 Milliarden Dollar ist eine theoretische Maximalberechnung, kein zugesprochener Betrag. Der Ausgang war zum Recherchezeitpunkt nicht rechtskräftig. |