Quellen-Tabelle
Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.
| BSDC-ID | Datum | Titel & Quelle | Kernaussage | Klartext |
|---|---|---|---|---|
| BSDC-J-FIN-2023-2474 Relevanz 3Ransomware, Finanzmarktinfrastruktur, LockBit | 10.11.2023 | ICBC-Ransomware-Angriff stört US-Staatsanleihenhandel CNBC Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 08. und 09.11.2023 wurde ICBC Financial Services, US-Tochter der weltgrößten Bank ICBC, Opfer eines Ransomware-Angriffs, für den die Gruppe LockBit verantwortlich gemacht wurde. Der Angriff legte den US-Broker-Dealer-Arm lahm und verhinderte die Abwicklung von Trades im US-Staatsanleihenmarkt. ICBC musste Handelsdetails per USB-Stick durch einen Boten übermitteln. Die Rate gescheiterter Abwicklungen stieg am 09.11. auf rund 60 Milliarden US-Dollar. | Die Zuordnung zu LockBit stützt sich auf Einschätzungen von Sicherheitsfirmen, keine offizielle behördliche Bestätigung in jeder Quelle. US-Finanzministerin Yellen erklärte später, der Hack habe keine materiellen Auswirkungen gehabt, im Spannungsverhältnis zu den anfänglichen Berichten. Ob ein Lösegeld gezahlt wurde, ist unbekannt. |
| BSDC-O-FIN-2023-2476 Relevanz 3Kartenbetrug, EMV-Sicherheit, Kontaktloses-Bezahlen | 09.08.2023 | EMV-PIN-Bypass bei kontaktlosen Kartenzahlungen: Forschung ohne belegten Girocard-Fall USENIX Association, ETH Zürich Recherche: DC Quelle öffnen → | Forscher der ETH Zürich stellten auf dem USENIX Security Symposium 2023 eine Arbeit vor, die zeigte, dass sich bei kontaktlosen EMV-Transaktionen von Visa, Mastercard und Maestro die PIN-Abfrage durch Manipulation von Datenfeldern umgehen lässt. Transaktionen wurden im Labor über typischen kontaktlosen PIN-Limits erfolgreich durchgeführt. Mastercard bestätigte den Erhalt der Meldung und leitete Gegenmaßnahmen ein. | Ein konkreter, dokumentierter Fall eines ausgenutzten Girocard-NFC-Exploits in Deutschland ist durch die Quellen nicht belegt, die Forschung betrifft nachweislich internationale Systeme, nicht das eigenständige deutsche Girocard-Verfahren, das seit 2012 durchgängig auf Chip und PIN basiert. |
| BSDC-P-FIN-2022-2490 Relevanz 3Ransomware, Gesundheitsdaten, Datenschutzaufsicht | 05.06.2024 | Medibank-Datenleck Australien: Ransomware-Erpressung und Veröffentlichung von Gesundheitsdaten Office of the Australian Information Commissioner (OAIC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Der australische Krankenversicherer Medibank meldete der OAIC am 25.10.2022 einen Cyberangriff, bei dem Gesundheitsdaten von 9,7 Millionen Australiern kompromittiert wurden. Die Angreifer veröffentlichten Teile der Daten im Darknet, nachdem Medibank sich geweigert hatte, Lösegeld zu zahlen. Am 05.06.2024 erhob die OAIC vor dem Federal Court Zivilklage wegen unzureichender technischer Schutzmaßnahmen im Zeitraum März 2021 bis Oktober 2022, mit Bußgeldern bis zu 2,22 Millionen australischen Dollar pro Verstoß. | Nicht geklärt ist, wie die Angreifer ursprünglich Zugang erlangten, dies ist Gegenstand des laufenden Verfahrens. Die tatsächliche Bußgeldhöhe steht offen, da die theoretische Gesamtsumme je nach Zählung der Verstöße kontrovers diskutiert wird. Der Ausgang des Gerichtsverfahrens war zum Zeitpunkt der Quelle nicht entschieden. |
| BSDC-J-FIN-2026-2495 Relevanz 3Aktionaersklage, Datenschutzskandal, Vorstandshaftung | 08.04.2026 | 190-Millionen-Dollar-Vergleich im Cambridge-Analytica-Aktionärsprozess gegen Zuckerberg besiegelt Bloomberg Law Recherche: DC Quelle öffnen → | Das Delaware Chancery Court genehmigte am 07.04.2026 einen Vergleich über 190 Millionen US-Dollar zur Beilegung einer Aktionärsklage gegen Mark Zuckerberg, Sheryl Sandberg und weitere Meta-Direktoren. Eine Gruppe von Pensionsfonds hatte vorgeworfen, Facebook habe im Umgang mit den Daten im Cambridge-Analytica-Skandal gegen eine FTC-Unterlassungsverfügung von 2012 verstoßen. Der Prozess begann am 16.07.2025, die Kläger hatten ursprünglich 8 Milliarden US-Dollar gefordert. Die Zahlung erfolgt laut Berichten aus der D&O-Haftpflichtversicherung. | Nicht öffentlich dokumentiert ist die genaue Aufteilung der 190 Millionen Dollar zwischen den Versicherungspolicen. Ob Zuckerberg oder andere Beklagte persönlich finanziell hafteten, ist nicht abschließend belegt. |
| BSDC-J-FIN-2026-2497 Relevanz 3Wirecard, Bilanzbetrug, Strafprozess | 23.07.2026 | Wirecard-Strafprozess München: Schlussplädoyers gegen Markus Braun angekündigt beck aktuell (LG München I) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am Landgericht München I läuft seit dem 08.12.2022 der Strafprozess gegen den ehemaligen Wirecard-Vorstandschef Markus Braun, den früheren Dubai-Manager Oliver Bellenhaus als Kronzeugen und einen ehemaligen Chefbuchhalter. Der geschätzte Gesamtschaden liegt bei über 3 Milliarden Euro. Bis Juli 2026 wurden mehr als 270 Verhandlungstage absolviert, die Schlussplädoyers wurden für die vierte Oktoberwoche 2026 terminiert. Braun sitzt seit Juni 2020 in Untersuchungshaft. | Ein Urteil lag zum Zeitpunkt dieser Quelle noch nicht vor. Die genaue Schadenssumme schwankt in Quellen zwischen 1,9 und 3,2 Milliarden Euro. Die Rolle des seit 2020 mit internationalem Haftbefehl gesuchten Jan Marsalek konnte im Prozess nicht abschließend geklärt werden. |
| BSDC-P-FIN-2024-2498 Relevanz 3Kryptowaehrungsbetrug, FTX-Skandal, Finanzkriminalitaet-USA | 28.03.2024 | Urteil im Strafprozess gegen Sam Bankman-Fried wegen FTX-Betrugs US-Justizministerium, U.S. Attorney SDNY Recherche: DC Quelle öffnen → | Sam Bankman-Fried, Gründer der Kryptobörse FTX, wurde am 28.03.2024 zu 25 Jahren Haft verurteilt, nachdem eine Jury ihn am 02.11.2023 in allen sieben Anklagepunkten für schuldig befunden hatte. Durch den Zusammenbruch von FTX im November 2022 entstand ein Schaden von mehr als acht Milliarden US-Dollar an Kundengeldern. Richter Lewis Kaplan ordnete eine Einziehung von rund elf Milliarden US-Dollar an. | Die tatsächliche Höhe des Endschadens ist nicht abschließend geklärt, da die Konkursverwaltung später Vermögenswerte zurückerlangte. Bankman-Fried bestritt vorsätzlichen Betrug und legte Rechtsmittel ein. |
| BSDC-P-FIN-2023-2499 Relevanz 3Geldwaesche, Korrespondenzbanken, Bankenaufsicht | 19.07.2023 | Deutsche Bank als Korrespondenzbank im Danske-Bank-Estland-Geldwäscheskandal gebüßt Board of Governors of the Federal Reserve System Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Federal Reserve verhängte am 19.07.2023 eine Geldstrafe von insgesamt 186.392.035 US-Dollar gegen die Deutsche Bank AG und ihre US-Tochtergesellschaften. Davon entfielen 46,2 Millionen US-Dollar auf Mängel bei Geldwäsche- und Sanktionsprüfung im Zusammenhang mit der Korrespondenzbankbeziehung zur estnischen Danske-Bank-Niederlassung. Die Fed stellte zusätzlich unzureichende Fortschritte bei früheren Auflagen aus 2015 und 2017 fest. | Nicht dokumentiert ist, in welchem Umfang die Deutsche Bank konkrete Kenntnis einzelner verdächtiger Transaktionen hatte. Die Gesamtsumme der durch die estnische Filiale geflossenen Gelder wird in Quellen zwischen 200 und 234 Milliarden Euro beziffert. |
| BSDC-P-FIN-2023-2500 Relevanz 3Bankenaufsicht, Finanzkrise, USA | 28.04.2023 | Aufsichtsversagen bei der Silicon Valley Bank: Der Fed-Bericht zum Kollaps Board of Governors of the Federal Reserve System Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 28.04.2023 veröffentlichte die Federal Reserve einen Bericht zur Aufsicht über die Silicon Valley Bank, die am 10.03.2023 geschlossen wurde und die zweitgrößte Bankenpleite der US-Geschichte war. Als Ursachen nennt der Bericht eine Konzentration von Kunden mit überwiegend unversicherten Einlagen sowie Missmanagement von Zins- und Liquiditätsrisiken. Der Ausfall kostete den Einlagensicherungsfonds FDIC nach späteren Schätzungen rund 16,1 Milliarden US-Dollar. | Der Bericht selbst räumt ein, unter Zeitdruck und mit Wissen um den Ausgang erstellt worden zu sein, was seine Objektivität einschränkt. Die genaue Abflussgeschwindigkeit der Einlagen in den Tagen vor der Schließung ist nicht unabhängig verifiziert. |
| BSDC-P-FIN-2023-2501 Relevanz 3Bankenaufsicht, Systemrelevante-Banken, Finanzkrise | 19.12.2023 | FINMA-Bericht zum Untergang der Credit Suisse und zur UBS-Übernahme FINMA (Eidgenössische Finanzmarktaufsicht) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 19.03.2023 beschloss der Schweizer Bundesrat ein Maßnahmenpaket, das die Übernahme der Credit Suisse durch die UBS ermöglichte, nachdem die Credit Suisse durch massive Kundengeldabflüsse akut von Zahlungsunfähigkeit bedroht war. Die FINMA veröffentlichte am 19.12.2023 einen Bericht, der ihre Aufsichtstätigkeit von 2008 bis 2023 untersucht und unzureichende Umsetzung strategischer Neuausrichtungen sowie wiederholte Skandale als Ursachen nennt. | Umstritten bleibt die persönliche strafrechtliche Verantwortlichkeit einzelner Führungskräfte, da der Bericht primär aufsichtsrechtliche Lehren zieht. Die genaue Höhe der Kundengeldabflüsse im März 2023 wird in Quellen unterschiedlich beziffert. |
| BSDC-P-FIN-2021-2502 Relevanz 3Kryptowaehrung, Ransomware, US-Sanktionen | 21.09.2021 | OFAC sanktioniert Kryptobörse Suex wegen Ransomware-Zahlungsabwicklung US Department of the Treasury, OFAC Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 21.09.2021 setzte das US-Finanzministerium über OFAC die Kryptowährungsbörse Suex OTC, S.R.O. auf die Sanktionsliste SDN, die erste OFAC-Sanktionierung einer Kryptobörse im Ransomware-Kontext. Laut OFAC wickelte Suex Transaktionen für mindestens acht Ransomware-Varianten ab, rund 40 Prozent der bekannten Transaktionshistorie betrafen illegale Akteure. Suex soll über große Börsen mehr als 160 Millionen US-Dollar in Bitcoin von Ransomware-Akteuren erhalten haben. | Nicht belegt ist, wie viele Ransomware-Zahlungen konkret über Suex an welche Angreifergruppen weitergeleitet wurden. Unklar bleibt, wer die tatsächlichen Eigentümer waren und ob strafrechtliche Verfahren gegen einzelne Personen folgten. |
| BSDC-P-FIN-2023-2503 Relevanz 3Kryptowaehrung, Geldwaesche, Sanktionen | 23.08.2023 | Tornado-Cash-Gründer wegen Geldwäsche und Sanktionsverstößen angeklagt US Department of Justice, U.S. Attorney SDNY Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 23.08.2023 wurde Anklage gegen die Tornado-Cash-Mitgründer Roman Storm und Roman Semenov wegen Verschwörung zur Geldwäsche und Sanktionsverletzung erhoben. Laut Anklage wurden mindestens 1 Milliarde US-Dollar über Tornado Cash gewaschen, darunter Gelder der nordkoreanischen Lazarus-Gruppe. Am 06.08.2025 sprach eine Jury Roman Storm der Verschwörung zum Betrieb eines unlizenzierten Geldtransferdienstes schuldig, blieb bei Geldwäsche und Sanktionsverstoß aber ohne Einigung. | Nicht abschließend gerichtlich festgestellt ist, ob Storm und Semenov wissentlich an Geldwäsche mitwirkten, da die Jury bei den Hauptvorwürfen zu keinem einstimmigen Urteil kam. Der Verlauf des Verfahrens gegen Semenov war zum Zeitpunkt der Quelle offen. |
| BSDC-P-FIN-2022-2504 Relevanz 3Kryptowaehrungsdiebstahl, Nordkorea-Cyberkriminalitaet, DeFi-Sicherheitsluecke | 14.04.2022 | FBI bestätigt Lazarus-Gruppe als Urheber des Ronin-Bridge-Hacks Federal Bureau of Investigation (FBI) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 23.03.2022 wurden aus der Ronin Bridge, die das Blockchain-Spiel Axie Infinity mit Ethereum verbindet, Kryptowährungen im Wert von rund 625 Millionen US-Dollar entwendet. Sky Mavis bemerkte den Diebstahl erst am 29.03.2022. Das FBI attribuierte den Angriff am 14.04.2022 offiziell der nordkoreanischen Lazarus-Gruppe. Die Angreifer erlangten Kontrolle über fünf von neun Validator-Knoten des Ronin-Netzwerks. | Der genaue technische Ablauf der Validator-Kompromittierung ist nicht abschließend behördlich dokumentiert. Der Gesamtwert des Schadens schwankt in Berichten zwischen 540 und 625 Millionen US-Dollar. Nordkorea hat die Zuordnung nie bestätigt. |
| BSDC-J-FIN-2022-2506 Relevanz 3Bankgeheimnis, Datenleck, Finanzkriminalitaet | 20.02.2022 | Suisse Secrets: Datenleck enthüllt Kundendaten der Credit Suisse Süddeutsche Zeitung / OCCRP Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 20.02.2022 veröffentlichte ein Journalistenkonsortium aus 48 Medien in 39 Ländern unter Federführung der Süddeutschen Zeitung und des OCCRP die Recherche Suisse Secrets. Grundlage waren Daten zu mehr als 18.000 Bankkonten der Credit Suisse mit einem Gesamtvolumen von über 100 Milliarden Schweizer Franken. Die Recherche identifizierte unter den Kontoinhabern sanktionierte Personen und mutmaßliche Kriegsverbrecher. Credit Suisse wies die Vorwürfe zurück. | Die Identität der Quelle, die die Daten zuspielte, ist nicht dokumentiert. Credit Suisse stellte die Aktualität eines großen Teils der Datensätze infrage. Ob gegen einzelne Kontoinhaber strafrechtlich ermittelt wurde, ist nicht einheitlich öffentlich dokumentiert. |
| BSDC-J-FIN-2025-2510 Relevanz 3Dieselgate, Wirtschaftsstrafrecht, Automobilindustrie | 26.05.2025 | Dieselgate-Strafprozess Braunschweig: Urteile gegen VW-Manager Legal Tribune Online (LTO) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Braunschweig verurteilte am 26.05.2025 vier ehemalige Volkswagen-Manager wegen Betrugs im Zusammenhang mit der Abgasmanipulation. Jens Hadler erhielt vier Jahre und sechs Monate Haft, Hanno Jelden zwei Jahre und sieben Monate. Zwei weitere Angeklagte erhielten Bewährungsstrafen von 15 beziehungsweise 22 Monaten. Der Prozess hatte im September 2021 begonnen und umfasste rund 170 Verhandlungstage. | Nicht Teil dieses Verfahrens war Ex-VW-Chef Martin Winterkorn, dessen Fall wegen gesundheitlicher Probleme abgetrennt wurde. In Braunschweig sind weitere Verfahren gegen 31 Beschuldigte anhängig. Rechtsmittel gegen die Urteile waren zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht ausgeschlossen. |
| BSDC-P-FIN-2020-2512 Relevanz 3Opioidkrise, Pharmaindustrie, Unternehmenshaftung | 21.10.2020 | Purdue Pharma bekennt sich in Opioid-Krise schuldig, 8,3-Milliarden-Dollar-Einigung mit DOJ US-Justizministerium Recherche: DC Quelle öffnen → | Das US-Justizministerium gab am 21.10.2020 bekannt, dass sich der OxyContin-Hersteller Purdue Pharma in drei Bundesanklagepunkten schuldig bekennt. Das Unternehmen wurde zu einer Geldbuße von 3,54 Milliarden Dollar sowie einer zivilrechtlichen Einigung von 2,8 Milliarden Dollar verpflichtet. Mitglieder der Sackler-Familie verpflichteten sich zur zivilrechtlichen Zahlung von 225 Millionen Dollar. | Weder Sackler-Familienmitglieder noch Purdue-Manager wurden im Rahmen dieser Einigung strafrechtlich angeklagt. Der Betrag der Familie wurde später im Insolvenzverfahren auf rund 6 Milliarden Dollar erhöht und war Gegenstand weiterer Verfahren bis zum US Supreme Court. |
| BSDC-P-FIN-2022-2513 Relevanz 3Anlegerbetrug, Medizintechnik-Skandal, Gerichtsverfahren-USA | 18.11.2022 | Elizabeth Holmes wegen Anlegerbetrugs bei Theranos verurteilt US-Justizministerium, Northern District of California Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 03.01.2022 wurde Theranos-Gründerin Elizabeth Holmes in vier von elf Anklagepunkten des Betrugs schuldig gesprochen, in Punkten zur Täuschung von Patienten wurde sie freigesprochen. Am 18.11.2022 verurteilte das Gericht sie zu 135 Monaten Haft sowie zusammen mit Mitangeklagtem Ramesh Balwani zu einer Schadenswiedergutmachung von rund 452 Millionen US-Dollar. Theranos hatte behauptet, mit wenigen Tropfen Blut zahlreiche Labortests durchführen zu können, was sich als technisch unzuverlässig erwies. | Nicht gerichtlich festgestellt ist, in welchem Umfang einzelne Patienten durch fehlerhafte Testergebnisse geschädigt wurden, da diese Anklagepunkte nicht zur Verurteilung führten. Die exakte Höhe des verlorenen Anlegerkapitals wird zwischen 600 Millionen und knapp einer Milliarde Dollar unterschiedlich beziffert. |
| BSDC-J-FIN-2014-2514 Relevanz 3Steuervermeidung, Whistleblowing, Luxemburg | 05.11.2014 | LuxLeaks: Geheime Steuerabsprachen internationaler Konzerne mit Luxemburg aufgedeckt International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 05.11.2014 veröffentlichte das ICIJ mit rund 80 Journalisten aus 26 Ländern die Recherche LuxLeaks. Grundlage waren vertrauliche Steuervorbescheide, die PricewaterhouseCoopers zwischen 2002 und 2010 für Konzernkunden bei der luxemburgischen Steuerverwaltung erwirkt hatte, mindestens 548 Absprachen für mehr als 340 Unternehmen. Quelle war der ehemalige PwC-Mitarbeiter Antoine Deltour. | Der konkrete Steuerausfall einzelner EU-Staaten ist nicht abschließend geklärt. Die Steuervorbescheide waren nach luxemburgischem Recht zum Abschlusszeitpunkt grundsätzlich legal. Deltour wurde in Luxemburg zunächst verurteilt, in der Berufung von zentralen Vorwürfen freigesprochen. |
| BSDC-J-FIN-2017-2515 Relevanz 3Offshore-Leaks, Steuervermeidung, Datenleck | 05.11.2017 | Paradise Papers: Internationale Enthüllung von Offshore-Finanzstrukturen International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 05.11.2017 veröffentlichte das ICIJ mit 95 Medienpartnern die Recherche Paradise Papers, basierend auf 13,4 Millionen geleakten Dateien hauptsächlich aus der Offshore-Kanzlei Appleby. Die Dokumente zeigten Offshore-Verbindungen von mehr als 120 Politikern und Steuerplanungsstrukturen von knapp 100 multinationalen Konzernen wie Apple und Nike. Die Originaldaten wurden der Süddeutschen Zeitung zugespielt. | Nicht bewiesen ist, dass alle genannten Personen oder Firmen gegen geltendes Recht verstießen, Offshore-Strukturen sind vielfach legal. Der Ursprung des Lecks bei Appleby wurde nie einem Täter zugeordnet, Appleby selbst sprach von einem kriminellen Cyberangriff. |
| BSDC-P-FIN-2020-2516 Relevanz 3Finanzkriminalitaet, Korruption, Staatsfonds | 22.10.2020 | 1MDB-Skandal: Goldman Sachs zahlt 2,9 Milliarden Dollar wegen Bestechung in Malaysia U.S. Department of Justice Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 22.10.2020 einigten sich DOJ und SEC mit Goldman Sachs auf rund 2,9 Milliarden US-Dollar wegen Verstoßes gegen den Foreign Corrupt Practices Act, die größte je gezahlte FCPA-Strafe. Goldman Sachs zahlte zwischen 2009 und 2014 mehr als 1,6 Milliarden Dollar Bestechungsgelder in Malaysia und Abu Dhabi, um als Konsortialführer bei Anleiheemissionen des Staatsfonds 1MDB eingesetzt zu werden. Der ehemalige Regierungschef Najib Razak wurde 2020 wegen Korruption verurteilt. | Die genaue Gesamthöhe der aus 1MDB veruntreuten Gelder ist nicht abschließend geklärt, Schätzungen liegen bei rund 4,5 Milliarden Dollar. Der Verbleib erheblicher Teile der Gelder ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Die zentrale Figur Jho Low gilt als international per Haftbefehl gesucht. |
| BSDC-P-FIN-2016-2517 Relevanz 3Korruption, Bestechung, Lateinamerika | 21.12.2016 | Odebrecht-Korruptionsskandal: größter Bestechungsfall Lateinamerikas US-Justizministerium, Eastern District of New York Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 21.12.2016 bekannten sich der brasilianische Baukonzern Odebrecht und sein Ableger Braskem in den USA der Bestechung schuldig. Odebrecht zahlte zwischen 2001 und 2016 rund 788 Millionen US-Dollar Bestechungsgelder an Regierungsvertreter in zwölf Ländern, um mehr als 100 Bauprojekte zu erhalten. Odebrecht und Braskem einigten sich mit Behörden in den USA, Brasilien und der Schweiz auf Strafzahlungen von mindestens 3,5 Milliarden US-Dollar. | Welche einzelnen Amtsträger konkret welche Summen erhielten, ist nicht abschließend geklärt, viele nationale Verfahren begannen erst nach 2016. Wie viel der vereinbarten 3,5 Milliarden Dollar tatsächlich eingetrieben wurde, ist nicht abschließend dokumentiert. |
| BSDC-P-FIN-2018-2518 Relevanz 3Korruption, Finanzkriminalitaet, Brasilien | 27.09.2018 | Petrobras zahlt 853 Millionen Dollar wegen Bestechung im Lava-Jato-Skandal U.S. Department of Justice Recherche: DC Quelle öffnen → | Das US-Justizministerium gab am 27.09.2018 bekannt, dass der brasilianische Ölkonzern Petrobras mehr als 850 Millionen Dollar wegen Verstößen gegen den Foreign Corrupt Practices Act zahlt. Insgesamt beliefen sich die Zahlungen an DOJ, SEC, Aktionäre und brasilianische Behörden auf rund 1,78 Milliarden Dollar. Hochrangige Petrobras-Führungskräfte verlangten von Vertragspartnern Zahlungen von 1 bis 3 Prozent des Auftragswerts als Bestechungsgelder. | Die genaue Gesamtsumme der über Jahre aufgedeckten Korruption bei Petrobras ist nicht abschließend beziffert. Wie viele involvierte Politiker und Manager strafrechtlich verurteilt wurden, ist nicht dokumentiert, da zahlreiche brasilianische Verfahren später annulliert wurden. |
| BSDC-P-FIN-2008-2519 Relevanz 3Anlagebetrug, Finanzaufsicht, Ponzi-Schema | 11.12.2008 | SEC klagt Bernard Madoff wegen milliardenschweren Ponzi-Systems an U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 11.12.2008 klagte die SEC Bernard L. Madoff wegen Wertpapierbetrugs an. Madoff hatte gegenüber Mitarbeitern eingeräumt, sein Vermögensverwaltungsgeschäft sei im Kern ein Ponzi-System. Die SEC bezifferte den mutmaßlichen Schaden auf rund 50 Milliarden US-Dollar. Am 18.12.2008 fror ein Gericht Madoffs Vermögen ein. Madoff bekannte sich im März 2009 in elf Anklagepunkten schuldig und wurde zu 150 Jahren Haft verurteilt. | Die oft zitierte Zahl von 65 Milliarden Dollar bezieht sich auf fiktive Kontostände, der tatsächliche Nettoverlust der Anleger liegt nach Treuhänder-Schätzung bei 17 bis 20 Milliarden Dollar. Umstritten blieb, wie weit die SEC trotz Warnungen des Analysten Harry Markopolos bereits ab 1999 versagte. |
| BSDC-P-FIN-2009-2520 Relevanz 3Anlagebetrug, Offshore-Finanzkriminalitaet, Ponzi-Schema | 17.02.2009 | SEC-Klage gegen Allen Stanford wegen milliardenschwerem Anlagebetrug über Antigua-Offshore-Bank U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die SEC erhob am 17.02.2009 Klage gegen Robert Allen Stanford und seine Stanford International Bank auf Antigua wegen eines Betrugs im Umfang von rund 8 Milliarden US-Dollar über fiktiv verzinste Einlagenzertifikate. Ein US-Gericht bestellte einen Zwangsverwalter. Stanford wurde 2012 in 13 von 14 Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu 110 Jahren Haft verurteilt. | Die genaue Schadenshöhe für 18.000 bis 30.000 Anleger schwankt zwischen 5,5 und 8 Milliarden Dollar. Wie stark Antiguas Bankenaufsicht verstrickt war, insbesondere im Fall des 2009 getöteten Aufsichtschefs Leroy King, blieb lange offen. |
| BSDC-P-FIN-2023-2521 Relevanz 3Anlagebetrug, Elektromobilitaet, Wertpapierbetrug | 18.12.2023 | Nikola-Gründer Trevor Milton wegen Anlagebetrugs zu vier Jahren Haft verurteilt US-Justizministerium, Southern District of New York Recherche: DC Quelle öffnen → | Eine Jury sprach Trevor Milton, Gründer des Elektro-Lkw-Herstellers Nikola, im Oktober 2022 in drei von vier Anklagepunkten wegen Wertpapierbetrugs schuldig. Milton hatte zwischen November 2019 und September 2020 Investoren über den Entwicklungsstand der Nikola-Technologie getäuscht, unter anderem mit einem Werbevideo, das ein rollendes statt fahrendes Fahrzeug zeigte. Im Dezember 2023 wurde er zu vier Jahren Haft und 1 Million Dollar Geldstrafe verurteilt. | Im März 2025 begnadigte Präsident Trump Milton vollständig, wodurch die Verurteilung politisch und rechtlich aufgehoben wurde. Die exakte Höhe des Anlegerschadens ist nicht einheitlich gerichtlich festgestellt. |
| BSDC-P-FIN-2020-2522 Relevanz 3Bilanzbetrug, China, Wertpapieraufsicht | 16.12.2020 | Luckin Coffee Bilanzfälschung: SEC-Sanktionen wegen erfundener Umsätze in China U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die SEC klagte Luckin Coffee wegen Wertpapierbetrugs an und einigte sich auf eine Zivilstrafe von 180 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen fälschte 2019 Umsatzzahlen um mehr als 300 Millionen US-Dollar durch fiktive Verkäufe. Der Betrug flog nach einem Short-Seller-Bericht von Muddy Waters Research am 31.01.2020 auf. Die Aktie wurde von der Nasdaq dekotiert. | Welche Führungskräfte in China strafrechtlich verfolgt wurden, ist öffentlich nur begrenzt dokumentiert. Die Rolle des Abschlussprüfers Ernst & Young wird in Quellen unterschiedlich bewertet. |