Quellen-Tabelle

Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.

BSDC-IDDatumTitel & QuelleKernaussageKlartext
BSDC-O-FIN-2012-1465
Relevanz 3FIN, STEUER-TRANSPARENZ
01.01.2012
Steuer-CD-Ankäufe aus der Schweiz: NRW zahlte 2,5 Mio. Euro für eine CD, Selbstanzeigen stiegen um über 200 Prozent
Wikipedia (Steuersünder-CD) / Statista
Recherche: DC
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Nordrhein-Westfalen kaufte insgesamt vier Steuer-CDs aus der Schweiz an. Im Februar 2010 wurde eine CD mit Namen und Kontodaten von Credit-Suisse-Kunden für 2,5 Millionen Euro erworben; 2012 kaufte der damalige NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans weitere CDs, darunter eine der Schweizer Bank UBS mit Informationen zu rund 750 Stiftungen und 550 weiteren Fällen mit einem Anlagevolumen von über 2,9 Milliarden Euro. Die Auswertung der Steuer-CDs löste eine Welle freiwilliger Selbstanzeigen sowie zahlreiche Steuerstrafverfahren aus; laut einer Statista-Umfrage bei den Landesfinanzbehörden stieg die Zahl der Selbstanzeigen 2013 um über 200 Prozent. Allein in Nordrhein-Westfalen kamen rund 70 Millionen Euro an Mehreinnahmen aus der Auswertung der Steuer-CDs zusammen, weitere rund 400 Millionen Euro an Mehreinnahmen wurden bundesweit auf durch die Ankäufe ausgelöste Selbstanzeigen zurückgeführt.

Der Ankauf gestohlener Bankdaten durch den Staat blieb rechtlich und politisch umstritten; ob die Käufe rechtmäßig waren, wurde in Deutschland kontrovers diskutiert und ist aus dieser Quelle nicht abschließend geklärt.

BSDC-O-FIN-2017-1570
Relevanz 3MEGA-BREACH, FIN
14.03.2017
Yahoo-Datenleck kostet Verizon-Übernahme 350 Millionen Dollar Preisnachlass
CNBC
Recherche: DC
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Nachdem bekannt wurde, dass bei einem Cyberangriff 2014 Daten aus über 500 Millionen Yahoo-Nutzerkonten gestohlen worden waren, darunter Nutzernamen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Geburtsdaten und Passwörter, verlangte Verizon-CEO Lowell McAdam von Yahoo-Direktor Tom McInerney im Februar 2017 einen Preisnachlass von bis zu 925 Millionen US-Dollar für die geplante Übernahme. Am Ende einigten sich beide Seiten auf einen Abschlag von rund 350 Millionen US-Dollar; Verizon zahlte damit letztlich 4,48 Milliarden US-Dollar für Yahoos Kerngeschäft im Internet, statt der ursprünglich vereinbarten Summe.

Der Fall zeigt konkret in Zahlen, was ein Datenleck für den Unternehmenswert bedeuten kann; ob Yahoo-Aktionäre über die reine Kaufpreisminderung hinaus für den Vertrauensschaden entschädigt wurden, ist aus dieser Quelle nicht belegt.

BSDC-O-FIN-2019-1595
Relevanz 3INSIDER-DATENDIEBSTAHL, BANKENDATEN-LEAK
20.06.2019
Desjardins-Datendiebstahl: Mitarbeiter stiehlt Daten von 9,7 Millionen Kunden
Office of the Privacy Commissioner of Canada (OPC)
Recherche: DC
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Die kanadische Finanzgenossenschaft Desjardins Group gab am 20. Juni 2019 bekannt, dass ein Mitarbeiter über rund 26 Monate unbefugt persönliche Daten von Kundinnen und Kunden entwendet hatte. Nach ergänzenden Untersuchungen bezifferte Desjardins das Ausmaß 2020 auf etwa 9,7 Millionen betroffene Personen in Kanada und im Ausland, den bis dahin größten Datendiebstahl in der Geschichte des kanadischen Finanzsektors. Betroffen waren Vor- und Nachnamen, Geburtsdaten, Sozialversicherungsnummern, Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Transaktionshistorien. Der Täter, ein Mitarbeiter der Marketingabteilung, nutzte aus, dass Kolleginnen und Kollegen vertrauliche Kundendaten entgegen den internen Richtlinien aus geschützten Systemen auf ein für das gesamte Marketingteam zugängliches gemeinsames Laufwerk kopiert hatten. Er übertrug die Daten auf USB-Sticks und verkaufte sie über mehrere Monate hinweg an Dritte. Desjardins entdeckte den Diebstahl nicht selbst, sondern wurde Ende 2018 durch die Polizei im Rahmen einer anderen Ermittlung darauf aufmerksam. Die Bundesdatenschutzbehörde OPC und die Quebecer Aufsichtsbehörde CAI stellten in einem gemeinsamen Bericht vom November 2020 fest, dass Desjardins bekannte Sicherheitsmängel bei Zugriffskontrolle und Überwachung nicht rechtzeitig behoben hatte, und verpflichteten das Unternehmen zu externen Sicherheitsaudits sowie verbesserten Kontrollen. Im Dezember 2021 erhielt eine Sammelklage-Einigung im Umfang von bis zu rund 200 Millionen kanadischen Dollar für Entschädigung und Kreditüberwachung der Betroffenen die gerichtliche Genehmigung.

Die genaue Opferzahl wurde von Desjardins im Zeitverlauf mehrfach nach oben korrigiert (zunächst rund 2,7 bis 2,9 Millionen, später 9,7 Millionen), und das Strafverfahren gegen den 2024 verhafteten mutmaßlichen Haupttäter war zum Zeitpunkt der Recherche noch nicht rechtskräftig abgeschlossen.

BSDC-O-FIN-2014-1699
Relevanz 3KREDITKARTEN-LECK, POS-MALWARE
10.01.2014
Neiman-Marcus-Datenleck: 1,1 Millionen Kreditkarten kompromittiert, 1,5-Mio-USD-Vergleich
Office of the New York Attorney General
Recherche: DC
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Bei der US-Luxuskaufhauskette Neiman Marcus war zwischen dem 16.07.2013 und dem 30.10.2013 Schadsoftware in den Kassensystemen von 77 Filialen in den USA aktiv, die Zahlungskartendaten von Kunden abgriff. Das Unternehmen informierte die Öffentlichkeit am 10.01.2014 über den Vorfall, nachdem es zuvor auf ungewöhnliche Transaktionsmuster aufmerksam gemacht worden war. Nach ersten Angaben von Neiman Marcus waren bis zu 1,1 Millionen Zahlungskarten der Schadsoftware potenziell ausgesetzt. Bei der abschließenden Untersuchung durch mehrere US-Bundesstaaten wurden rund 370.000 Zahlungskarten als tatsächlich kompromittiert bestätigt, davon mindestens 9.200 nachweislich betrügerisch genutzt. Am 08.01.2019 einigte sich Neiman Marcus mit den Generalstaatsanwältinnen und Generalstaatsanwälten von 43 US-Bundesstaaten und dem District of Columbia auf eine Zahlung von 1,5 Millionen US-Dollar. Im Rahmen des Vergleichs verpflichtete sich das Unternehmen unter anderem zur Einhaltung des Payment Card Industry Data Security Standard, zur laufenden Überwachung der Netzwerkaktivität sowie zur Einführung von Verschlüsselung und Tokenisierung für Zahlungskartendaten. Online-Einkäufe waren von dem Vorfall nicht betroffen.

Aus dieser Quelle geht nicht hervor, wer konkret hinter dem Angriff steckte oder wie die Angreifer technisch in die Kassensysteme eindrangen; zudem bestritt Neiman Marcus im Vergleich jedes Fehlverhalten, sodass keine rechtliche Schuldfeststellung vorliegt.

BSDC-O-FIN-2019-1724
Relevanz 3ROBODEBT, ALGORITHMISCHE-VERWALTUNG
27.11.2019
Robodebt: Australien fordert unrechtmäßig 1,76 Milliarden AUD von 433.000 Bürgern
Royal Commission into the Robodebt Scheme
Recherche: DC
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Die australische Sozialbehörde Centrelink setzte von Juli 2015 bis November 2019 das automatisierte Verfahren Robodebt ein, um vermeintliche Überzahlungen von Sozialleistungen zurückzufordern. Das System verglich jährliche Einkommensdaten der Steuerbehörde ATO mit den vierzehntägigen Einkommensangaben bei Centrelink und errechnete daraus per automatisierter Durchschnittsbildung Schulden, ohne individuelle Einkommensschwankungen zu prüfen. Die Beweislast lag bei den Betroffenen. Nach Feststellung der Royal Commission wurden unrechtmäßig Forderungen in Höhe von rund 1,76 Milliarden australischen Dollar gegen mindestens 433.000 Bürger erhoben. Am 27.11.2019 räumte die australische Bundesregierung vor dem Federal Court ein, dass allein auf Einkommensdurchschnitten basierende Forderungen rechtswidrig waren, woraufhin das Programm eingestellt wurde. Eine Sammelklage endete am 16.11.2020 mit einem Vergleich im Gesamtwert von rund 1,8 Milliarden australischen Dollar. Die 2022 eingesetzte Royal Commission unter Vorsitz von Catherine Holmes legte ihren Abschlussbericht am 07.07.2023 vor und bezeichnete das Programm als grob und grausam sowie weder fair noch rechtmäßig, mit 57 Empfehlungen.

Aus dem Bericht der Royal Commission vom Juli 2023 geht nicht hervor, ob den namentlich genannten Verantwortlichen letztlich straf- oder zivilrechtliche Konsequenzen drohten, da der entsprechende Abschnitt versiegelt war. Eine spätere Prüfung sprach zwei zentrale Verantwortliche von entsprechenden Vorwürfen frei.

BSDC-O-FIN-2018-1743
Relevanz 3INSIDERHANDEL-FUEHRUNGSKRAEFTE, MEGA-BREACH
14.03.2018
Equifax-Ex-CIO wegen Insiderhandels nach 147-Millionen-Datenleck angeklagt
US-Börsenaufsicht SEC
Recherche: DC
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Die US-Börsenaufsicht SEC erhob am 14.03.2018 Anklage gegen Jun Ying, ehemaliger Chief Information Officer der Equifax-Geschäftseinheit Equifax US Information Solutions, wegen Insiderhandels. Equifax hatte am 07.09.2017 bekanntgegeben, dass bei einem Cyberangriff persönliche Daten von rund 147 Millionen US-Kunden entwendet wurden, verursacht durch eine ungepatchte Sicherheitslücke in der Software Apache Struts. Ying, der als nächster globaler CIO von Equifax vorgesehen war, erhielt vertrauliche interne Informationen und kam bereits am 25.08.2017, vor der öffentlichen Bekanntgabe, zu dem Schluss, dass Equifax gehackt worden war. Er übte daraufhin sämtliche Aktienoptionen aus und verkaufte 6.815 Aktien für rund 950.000 US-Dollar, wodurch er einen Verlust von mehr als 117.000 US-Dollar vermied. Parallel zur zivilrechtlichen SEC-Klage erhob die US-Staatsanwaltschaft für den Northern District of Georgia strafrechtliche Anklage gegen Ying. Vorausgegangen waren im Oktober 2017 Anhörungen von Ex-CEO Richard Smith vor mehreren Kongressausschüssen, der bereits am 26.09.2017 unter Verzicht auf seinen Jahresbonus zurückgetreten war. Ying wurde am 07.03.2019 schuldig gesprochen und zu vier Monaten Haft, einem Jahr Bewährung, einer Geldstrafe von 55.000 US-Dollar sowie einer Rückzahlung von 117.117,61 US-Dollar verurteilt.

Der genaue Zeitpunkt der Haftstrafe schwankt in Sekundärquellen zwischen März und Juni 2019. Ob weitere Equifax-Führungskräfte, die kurz nach Entdeckung des Angriffs ebenfalls Aktien verkauften, tatsächlich kein Wissen über die Sicherheitsverletzung hatten, ist nicht unabhängig verifiziert.

BSDC-O-FIN-2018-1761
Relevanz 3RANSOMWARE-KOSTEN, NHS-CYBERANGRIFF
11.10.2018
DHSC-Studie: WannaCry-Ransomware kostete NHS 92 Millionen Pfund
Department of Health and Social Care (DHSC)
Recherche: DC
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Das britische Department of Health and Social Care (DHSC) veröffentlichte am 11.10.2018 einen Bericht mit einer offiziellen Kostenschätzung des WannaCry-Ransomware-Angriffs auf den National Health Service. Der Angriff selbst ereignete sich vom 12. bis 18.05.2017 und legte den Betrieb in rund einem Drittel der Krankenhaus-Trusts sowie in etwa 8 Prozent der Hausarztpraxen teilweise lahm. Als Folge wurden mehr als 19.000 Termine abgesagt. Das DHSC beziffert die Gesamtkosten auf 92 Millionen Pfund, davon rund 19 Millionen Pfund für entgangene Versorgungsleistung während der Angriffswoche und rund 73 Millionen Pfund für zusätzliche IT-Unterstützung zur Wiederherstellung von Daten und Systemen, wovon 72 Millionen Pfund erst in der Nachbereitungsphase bis Juni/Juli 2017 anfielen. Grundlage der Schätzung ist die Annahme, dass in der betroffenen Woche etwa 1 Prozent der NHS-Versorgungsleistung ausfiel. Das DHSC betont im Bericht ausdrücklich, dass zum Zeitpunkt des Angriffs keine systematische Datenerhebung zu den tatsächlichen Wiederherstellungskosten stattfand. Im selben Bericht kündigte das DHSC zusätzliche Investitionen von über 150 Millionen Pfund für die Jahre 2018/19 bis 2020/21 zur Verbesserung der Cybersicherheit im Gesundheitswesen an.

Die genauen Wiederherstellungskosten einzelner Trusts wurden laut DHSC nie systematisch erhoben, weshalb die 92 Millionen Pfund selbst vom Ministerium ausdrücklich nur als grobe Näherung ohne belastbare Fehlermarge bezeichnet werden.

BSDC-O-FIN-2009-2420
Relevanz 3Bankenrettung, Finanzkrise-2008, Verstaatlichung
05.10.2009
Verstaatlichung der Hypo Real Estate
Deutscher Bundestag / Bundesregierung
Recherche: DC
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Am 20.03.2009 verabschiedete der Bundestag das Rettungsübernahmegesetz, das eine zeitlich begrenzte Enteignung eines systemrelevanten Kreditinstituts erlaubte, gerichtet gegen die Hypo Real Estate, deren dubliner Tochter Depfa Bank nach der Lehman-Pleite in eine Liquiditätskrise geraten war. Am 05.10.2009 wurde die HRE als erste Bank seit 1949 verstaatlicht, Aktionäre erhielten per Squeeze-out 1,30 Euro je Aktie. Zum 30.09.2010 hatte die HRE Garantien in Höhe von 123,98 Milliarden Euro sowie 7,7 Milliarden Euro direkte Kapitalhilfen vom SoFFin in Anspruch genommen.

Die tatsächliche Endsumme der Staatskosten ist nicht abschließend geklärt, die Bundesregierung bezifferte 2018 die Nettokosten auf rund 20,3 Milliarden Euro, eine von Kritikern als vorläufig bezeichnete Zahl. Umstritten bleibt der zeitliche Ablauf der Garantieübernahme, die möglicherweise Haftungsansprüche gegen den früheren Mehrheitseigentümer UniCredit verjähren ließ.

BSDC-O-FIN-2022-2469
Relevanz 3Urheberrecht, Kuenstliche-Intelligenz, Open-Source
03.11.2022
Sammelklage gegen GitHub, Microsoft und OpenAI wegen Copilot-Trainingsdaten
US District Court for the Northern District of California
Recherche: DC
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Am 03.11.2022 reichte die Joseph Saveri Law Firm im Namen mehrerer Softwareentwickler eine Sammelklage gegen GitHub, Microsoft und OpenAI ein. Die Klage wirft vor, KI-Systeme Codex und Copilot mit Milliarden Zeilen öffentlichem Code trainiert zu haben, ohne Lizenzbedingungen wie GNU GPL einzuhalten. Die Kläger bezifferten mögliche Schadensersatzansprüche theoretisch auf über 9 Milliarden US-Dollar. Der Richter wies 20 von 22 Klagepunkten ab, ließ aber Ansprüche wegen Lizenzverletzung zu.

Das Gericht stellte fest, dass die Kläger nicht nachweisen konnten, dass spezifischer Code aus spezifischen Trainingsdaten in spezifischen Copilot-Ausgaben erscheint. Die Summe von 9 Milliarden Dollar ist eine theoretische Maximalberechnung, kein zugesprochener Betrag. Der Ausgang war zum Recherchezeitpunkt nicht rechtskräftig.

BSDC-O-FIN-2023-2476
Relevanz 3Kartenbetrug, EMV-Sicherheit, Kontaktloses-Bezahlen
09.08.2023
EMV-PIN-Bypass bei kontaktlosen Kartenzahlungen: Forschung ohne belegten Girocard-Fall
USENIX Association, ETH Zürich
Recherche: DC
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Forscher der ETH Zürich stellten auf dem USENIX Security Symposium 2023 eine Arbeit vor, die zeigte, dass sich bei kontaktlosen EMV-Transaktionen von Visa, Mastercard und Maestro die PIN-Abfrage durch Manipulation von Datenfeldern umgehen lässt. Transaktionen wurden im Labor über typischen kontaktlosen PIN-Limits erfolgreich durchgeführt. Mastercard bestätigte den Erhalt der Meldung und leitete Gegenmaßnahmen ein.

Ein konkreter, dokumentierter Fall eines ausgenutzten Girocard-NFC-Exploits in Deutschland ist durch die Quellen nicht belegt, die Forschung betrifft nachweislich internationale Systeme, nicht das eigenständige deutsche Girocard-Verfahren, das seit 2012 durchgängig auf Chip und PIN basiert.

BSDC-O-FIN-2021-2680
Relevanz 3Sanktionsumgehung, Libyen, Finanzkriminalitaet
08.03.2021
UN-Expertenbericht zu Sanktionsumgehung und Treibstoffschmuggel in Libyen
UN Security Council Panel of Experts on Libya
Recherche: DC
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Der Abschlussbericht des UN-Expertengremiums zu Libyen dokumentiert systematische Umgehung des Waffenembargos sowie Treibstoffschmuggel und illegale Rohölexporte, mit denen bewaffnete Gruppen und Netzwerke Sanktionen unterliefen. Beschrieben werden konkrete Schiffsrouten, involvierte Firmenkonstrukte und Finanzflüsse.

Der Bericht beruht auf Ermittlungen eines UN-Gremiums mit begrenztem Vor-Ort-Zugang; nicht alle Vorwürfe führten zu strafrechtlichen Verurteilungen, viele Netzwerke blieben trotz Benennung aktiv.

BSDC-O-FIN-2024-2684
Relevanz 3Geldwaesche, Suedamerika, Drogenhandel
24.09.2024
US-Sanktionen gegen Fuehrung des Clan del Golfo und Geldwaesche-Netzwerk
US-Finanzministerium (OFAC)
Recherche: DC
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Am 24. September 2024 verhaengte das US-Finanzministerium (OFAC) Sanktionen gegen fuenf kolumbianische Staatsangehoerige, die als Fuehrungsfiguren des Clan del Golfo identifiziert wurden, einer der groessten Drogenhandelsorganisationen Kolumbiens und zentraler Akteur bei Menschenschmuggel durch den Darién-Dschungel. Parallel wurden zwei in Mexiko ansaessige Unternehmen des Sinaloa-Kartells sanktioniert.

Die Pressemitteilung dokumentiert die Sanktionsliste, liefert aber keine oeffentlich einsehbaren Ermittlungsakten oder Gerichtsurteile; ob der Zugriff auf Vermoegen wirksam ist, bleibt aus der Quelle allein nicht nachvollziehbar.

BSDC-O-FIN-2024-2687
Relevanz 3Organisierte-Kriminalitaet, Suedamerika, Geldwaesche
05.09.2024
US-Sanktionen gegen Tren-de-Aragua-Fuehrung wegen Geldwaesche und Menschenhandel
US-Finanzministerium (OFAC)
Recherche: DC
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Das US-Finanzministerium (OFAC) verhaengte am 5. September 2024 Sanktionen gegen fuehrende Mitglieder der venezolanischen Bande Tren de Aragua, darunter Hector Guerrero Flores alias "Niño Guerrero", wegen deren Rolle in grenzueberschreitender organisierter Kriminalitaet, Menschenhandel, Drogenschmuggel und damit verbundener Geldwaesche in Lateinamerika, einschliesslich Ecuador. Der Schritt erfolgte im Kontext der zunehmenden Praesenz der Gruppe in Ecuador, wo sie mit lokalen Banden wie Los Choneros kooperiert.

Die Pressemitteilung listet Sanktionsziele auf, liefert aber keine detaillierten Zahlen zu Geldwaesche-Volumina oder konkreten Transaktionen in Ecuador; die genaue finanzielle Verflechtung zwischen Tren de Aragua und Los Choneros bleibt oeffentlich nur bruchstueckhaft dokumentiert.

BSDC-O-FIN-2023-2710
Relevanz 3Fentanyl-Geldwaesche, Chinesische-Untergrundbanken, Kartell-Finanzierung
14.04.2023
US-Sanktionen gegen chinesisches Geldwäschenetzwerk fuer Fentanyl-Erloese (Xizhi Li)
US-Finanzministerium (OFAC)
Recherche: DC
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Das US-Finanzministerium verhaengte Sanktionen gegen Xizhi Li und ein chinesisches Geldwaeschenetzwerk, das Drogenkartellen in Mexiko half, Erloese aus dem Fentanyl-Handel in den USA zu waschen. Das Netzwerk nutzte chinesische Untergrundbanken, um Bargeld zu sammeln und ueber komplexe Transaktionsketten nach China und Mexiko zu transferieren.

Die Pressemitteilung liefert keine vollstaendigen Fallzahlen wie die genaue Gesamtsumme der gewaschenen Gelder; die Einordnung als chinesisches Netzwerk bezieht sich auf die Herkunft der Vermittler, nicht auf staatliche Beteiligung.

BSDC-O-FIN-2021-2713
Relevanz 3Korruption, Suedasien, Geldwaesche
10.12.2021
US-Sanktionen gegen Ex-Präsident Yameen wegen MMPRC-Korruption
US-Finanzministerium (OFAC)
Recherche: DC
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Das US-Finanzministerium sanktionierte im Rahmen des Global Magnitsky Act mehrere Personen im Zusammenhang mit dem MMPRC-Skandal, aus dem zwischen 2014 und 2018 unter Ex-Präsident Abdulla Yameen rund 90 Millionen US-Dollar veruntreut wurden. Gelder aus der Verpachtung von Inselresorts wurden über Briefkastenfirmen geschleust; Yameen wurde 2019 wegen Geldwäsche verurteilt, das Urteil spaeter aufgehoben und 2022 erneuert.

Die Pressemitteilung nennt nicht Yameen selbst als sanktionierte Einzelperson, sondern beteiligte Netzwerkakteure; der veruntreute Gesamtbetrag variiert je nach Quelle.

BSDC-O-FIN-2020-2721
Relevanz 3Geldwaesche, Balkan, Bankenaufsicht
07.05.2020
EU stuft Bosnien und Herzegowina als Hochrisikoland fuer Geldwaesche ein
Europaeische Kommission
Recherche: DC
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Die Europaeische Kommission nahm Bosnien und Herzegowina im Mai 2020 in die EU-Liste von Drittstaaten mit strategischen Maengeln bei der Bekaempfung von Geldwaesche auf. Grundlage war eine FATF-Bewertung, die unzureichende Aufsicht und Luecken bei der wirtschaftlichen Eigentuemertransparenz feststellte.

Die Quelle dokumentiert eine strukturelle Risikoeinstufung, nicht einen einzelnen aufgedeckten Geldwaeschefall mit konkreten Taetern und Gerichtsverfahren.

BSDC-O-FIN-2023-2722
Relevanz 3Fentanyl-Praekursoren, Kartell-Lieferkette, China-Mexiko-Handel
23.06.2023
US-Justizministerium klagt chinesische Chemieunternehmen wegen Fentanyl-Präkursor-Handels mit Sinaloa-Kartell an
U.S. Department of Justice
Recherche: DC
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Das US-Justizministerium erhob Anklage gegen mehrere in China ansässige Chemieunternehmen wegen des Vertriebs von Fentanyl-Präkursorchemikalien an mexikanische Drogenkartelle, darunter das Sinaloa-Kartell. Die Firmen boten die Chemikalien offen über Online-Kataloge an und versandten sie unter falscher Deklaration.

Die Anklage dokumentiert Einzelfälle identifizierter Firmen, belegt aber nicht das Gesamtvolumen des Präkursorhandels; viele Beschuldigte befinden sich außerhalb US-Zugriffs.

BSDC-O-FIN-2024-2742
Relevanz 3Sanktionsumgehung, Gold-Sektor, Suedliches-Afrika
04.03.2024
US-Sanktionen gegen Kudakwashe Tagwirei und Zimbabwes Gold-Netzwerk
US Department of the Treasury (OFAC)
Recherche: DC
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OFAC verhängte im März 2024 Sanktionen gegen Präsident Emmerson Mnangagwa und den Geschäftsmann Kudakwashe Tagwirei wegen Korruption. Tagwirei gilt als zentrale Figur im staatlichen Goldsektor Zimbabwes über seine Verbindung zu Fidelity Printers and Refiners, das zugleich als Deckungsreserve für die goldgedeckte Währung ZiG dient.

Die Quelle belegt Sanktionen gegen Tagwirei und dessen Nähe zum Goldsektor, aber keine direkte Verbindung zwischen den Sanktionsumgehungen und der ZiG-Kryptowährung selbst.

BSDC-O-FIN-2024-2743
Relevanz 3Suedamerika, Sanktionen, Wahlbetrug
01.08.2024
US-Sanktionen gegen venezolanische Amtstraeger nach manipulierter Praesidentschaftswahl 2024
US-Finanzministerium (OFAC)
Recherche: DC
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Nach der venezolanischen Praesidentschaftswahl vom 28. Juli 2024, deren Ergebnis Nicolas Maduro trotz fehlender belastbarer Stimmenauszaehlung fuer sich beanspruchte, verhaengte OFAC Sanktionen gegen 16 mit dem Maduro-Regime verbundene Amtstraeger, darunter Mitglieder des Nationalen Wahlrats.

Die Pressemitteilung belegt keine forensische Auszaehlung der Wahlstimmen selbst; die Einschaetzung der Wahlmanipulation stuetzt sich auf Angaben der Opposition und externer Beobachter.

BSDC-O-FIN-2023-2753
Relevanz 3Insolvenzbetrug, Oesterreich, Untreue-Wirtschaftskriminalitaet
21.11.2023
Signa-Insolvenz: Ermittlungen und Anklagen gegen Rene Benko
Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), Oesterreich
Recherche: DC
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Der von Rene Benko gegruendete Immobilien- und Handelskonzern Signa meldete Ende November 2023 mit der Signa Holding Insolvenz an, weitere Konzerngesellschaften folgten. Die WKStA ermittelt seither gegen Benko und mehrere Ex-Manager wegen Untreue, betruegerischer Krida und schweren Betrugs; der geschaetzte Schaden wird auf teils bis rund 300 Mio. Euro beziffert. Benko wurde 2024 zeitweise in Untersuchungshaft genommen.

Es gilt die Unschuldsvermutung bis zu rechtskraeftigen Urteilen; die genaue Schadenshoehe und Verantwortung einzelner Beteiligter sind Gegenstand laufender Gerichtsverfahren in mehreren Laendern.

BSDC-O-FIN-2024-2759
Relevanz 3Sanktionen, Rohstoffe-Afrika, Wagner-Finanzierung
30.05.2024
US-Sanktionen gegen Wagner-nahe Goldfirmen in der Zentralafrikanischen Republik
US Department of the Treasury (OFAC)
Recherche: DC
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Am 30. Mai 2024 verhängte OFAC Sanktionen gegen zwei in der Zentralafrikanischen Republik ansässige Firmen, die laut US-Regierung Wagner-Sicherheitsoperationen sowie illegalen Goldbergbau finanzieren. Eine separate Studie schätzt die seit Kriegsbeginn ueber illegalen Goldabbau erzielten Wagner-Einnahmen auf über 2,5 Milliarden US-Dollar.

Die Sanktionsmitteilung liefert keine belastbaren Detailzahlen zu Gold-Exportmengen dieser Firmen; die 2,5-Milliarden-Dollar-Schätzung ist nicht unabhängig verifiziert.

BSDC-O-FIN-2021-2763
Relevanz 3Terrorismusfinanzierung, Naher-Osten, Kryptowaehrung
29.06.2021
Israelische Behoerde beschlagnahmt Krypto-Wallets zur Hamas-Terrorfinanzierung
Israel National Bureau for Counter Terror Financing (NBCTF)
Recherche: DC
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Die israelische Behoerde NBCTF beschlagnahmte im Juni 2021 dutzende Kryptowaehrungs-Wallets, ueber die Spendengelder fuer die Izz ad-Din al-Qassam-Brigaden gesammelt wurden. Die Kampagne nutzte Social-Media-Aufrufe und Bitcoin-Adressen, um internationale Spenden zu buendeln.

Die genaue Gesamtsumme der beschlagnahmten Gelder wurde nicht vollstaendig offengelegt; die Zuordnung der Wallets zur Hamas beruht auf nicht unabhaengig gerichtlich ueberprueften NBCTF-Ermittlungen.

BSDC-O-FIN-2020-2771
Relevanz 3Korruption, Suedamerika, Bestechung
14.10.2020
J&F/JBS-Korruptionsskandal: US-Justizministerium erzielt FCPA-Vergleich mit J&F Investimentos
US Department of Justice
Recherche: DC
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J&F Investimentos (Muttergesellschaft von JBS) bekannte sich schuldig, gegen den Foreign Corrupt Practices Act verstossen zu haben, und zahlte mehr als 256 Millionen US-Dollar. Die Brüder Joesley und Wesley Batista hatten Hunderte Millionen Dollar an Bestechungsgeldern an brasilianische Regierungsbeamte gezahlt, um Kredite staatlicher Banken zu sichern.

Die vollständigen Details der brasilianischen Bestechungsnetzwerke stammen primär aus brasilianischen Ermittlungsakten, die hier nicht vorliegen.

BSDC-O-FIN-2023-2773
Relevanz 3Sanktionsumgehung, Schifffahrt, Iran-Oel
14.09.2023
Suez-Rajan-Fall: Griechische Reederei Empire Navigation bekennt sich wegen Iran-Oel-Sanktionsumgehung schuldig
US-Justizministerium
Recherche: DC
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Die griechische Reederei Empire Navigation bekannte sich schuldig, mit dem Tanker "Suez Rajan" iranisches Rohoel unter Verstoss gegen US-Sanktionen transportiert zu haben. Die Firma stimmte einer Geldstrafe von rund 2,4 Mio. US-Dollar zu und musste rund 1 Mio. Barrel Rohoel im Wert von etwa 40 Mio. US-Dollar abliefern.

Die DOJ-Mitteilung belegt nicht, dass griechische Schiffsregister branchenweit an Sanktionsumgehung beteiligt sind.