Quellen-Tabelle
Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.
| BSDC-ID | Datum | Titel & Quelle | Kernaussage | Klartext |
|---|---|---|---|---|
| BSDC-J-FIN-2016-1389 Relevanz 3BANK | 2016 ⚠ nur Jahresangabe in der Quelle 2016 | Teures Kirch-Interview: Rolf Breuer zahlt 3,2 Millionen bei Vergleich mit Deutscher Bank juve.de Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Streit um die Kirch-Pleite zahlte die Deutsche Bank 2014 einen Vergleich von 775 Mio. Euro an die Kirch-Erben, insgesamt rund 928 Mio. Euro in der Sache. Ex-Bankchef Rolf Breuer zahlte 2016 zusätzlich 3,2 Mio. Euro aus eigener Tasche. | Belegt beide Vergleichszahlungen getrennt, die der Bank 2014 und die private von Breuer 2016. |
| BSDC-J-FIN-2006-1390 Relevanz 3BANK | 2006 ⚠ nur Jahresangabe in der Quelle 2006 | Victory für Ackermann und Co: Mannesmann-Prozess endet mit Freisprüchen heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Mannesmann-Prozess um mutmaßlich untreue Millionen-Prämien wurde das Verfahren gegen den späteren Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann 2006 gegen eine Geldauflage von 3,2 Mio. Euro eingestellt. | Eine Einstellung gegen Geldauflage nach § 153a StPO ist kein Freispruch und kein Schuldeingeständnis. |
| BSDC-J-FIN-2022-1392 Relevanz 3BANK | 13.12.2022 | BGH beendet Postbank-Übernahmestreit, Urteil zugunsten von Aktionären wird rechtskräftig raue.com Recherche: DC Quelle öffnen → | Der BGH entschied am 13.12.2022 zugunsten klagender Postbank-Aktionäre, dass die Deutsche Bank ihnen möglicherweise mehr als die 2010 gezahlten 25 Euro je Aktie hätte bieten müssen, weil sie schon ab Herbst 2008 faktisch die Kontrolle über die Postbank gehabt haben könnte. | Ein Grundsatzurteil zur Rechtsfrage, die konkrete Nachzahlungshöhe wurde in Folgeverfahren verhandelt. |
| BSDC-J-FIN-2025-1452 Relevanz 3IDENTITAET, FIN | 01.10.2025 | Bonify-Datenleck: Ausweisdaten und Video-Ident-Aufnahmen bei Schufa-Tochterunternehmen gestohlen Schwäbische Post Recherche: DC Quelle öffnen → | Anfang Oktober 2025 räumte die Schufa-Tochterfirma Bonify (Forteil GmbH) einen schwerwiegenden Sicherheitsvorfall ein. Betroffen waren Ausweisdokumente, Adressdaten sowie Fotos und Videoaufnahmen aus dem Video-Ident-Verfahren, das zur Identitätsprüfung bei der Registrierung eingesetzt wird. Zusätzlich wurden laut Bericht sensible Angaben wie Risikobewertungen zu Spielsucht betroffen. Nach deutschem Datenschutzrecht müssen Unternehmen Ausweiskopien unmittelbar nach abgeschlossener Identifizierung löschen; eine automatisierte Speicherung von Ausweisdaten ist grundsätzlich nur für die elektronische Identitätsfeststellung zulässig und ansonsten untersagt. | Die genaue Zahl der betroffenen Personen und ob Bonify die datenschutzrechtlichen Löschpflichten für Ausweiskopien im konkreten Fall eingehalten hatte, ist aus dieser Quelle nicht belegt. |
| BSDC-J-FIN-2024-1458 Relevanz 3KI-RISIKEN, CYBERCRIME | 01.01.2024 | Deepfake-Videokonferenz mit gefälschtem Finanzvorstand: Ingenieurbüro Arup verliert 25,6 Millionen US-Dollar borncity.com / Ad-hoc-news Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Januar 2024 überwies ein Mitarbeiter des britischen Ingenieurbüros Arup in Hongkong 25,6 Millionen US-Dollar an Betrüger, nachdem er glaubte, in einem Video-Anruf mit seinem Finanzvorstand und mehreren Kollegen zu sprechen. Sämtliche Teilnehmer der Videokonferenz außer ihm selbst waren KI-generierte Deepfakes. Laut Versicherer Allianz Trade verursachten Deepfake-gestützte CEO-Fraud-Angriffe 2025 Schäden, die 81 Prozent über dem Vorjahresniveau lagen; die Rate des Deepfake-Betrugs in Deutschland stieg im Jahresvergleich um über 1.000 Prozent. In einem weiteren dokumentierten Fall erstellten Betrüger ein Deepfake-Video des Unternehmers Reinhold Würth, das über soziale Medien für betrügerische Geldanlagen warb; die Würth-Gruppe bestätigte die Fälschung öffentlich und leitete rechtliche Schritte ein. | Die Steigerungsrate von über 1.000 Prozent bezieht sich auf gemeldete Fälle, nicht auf eine unabhängig verifizierte Gesamtschadenssumme für Deutschland. |
| BSDC-J-FIN-2018-1469 Relevanz 3FIN, KONSUM | 01.09.2018 | Google und Mastercard: geheime Vereinbarung verknüpft Kreditkarten-Transaktionsdaten mit Werbeklicks heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | Google und Mastercard trafen eine zunächst geheim gehaltene Vereinbarung, bei der Google massenhaft Kreditkarten-Transaktionsdaten von Mastercard kaufte und mit den Klicks eigener Nutzer auf Online-Werbung korrelierte, um so den Erfolg von Werbeanzeigen bis zum tatsächlichen Ladenkauf nachzuverfolgen. Visa wickelte im betreffenden Jahr 45 Milliarden Transaktionen ab, Mastercard 23 Milliarden; beide Unternehmen planten zusätzlich eigene Programme, mit denen gesammelte Kreditkartendaten künftig direkt für personalisierte Online-Werbung genutzt werden sollten. Beide Kartenanbieter bieten Websites an, auf denen Kunden der Analyse ihrer Kreditkartendaten für solche Zwecke widersprechen können. | Der genaue Umfang, wie viele Nutzer von der Google-Mastercard-Vereinbarung konkret betroffen waren, ist aus dieser Quelle nicht beziffert; Details der Vereinbarung wurden erst nachträglich öffentlich bekannt. |
| BSDC-J-FIN-2017-1493 Relevanz 3UNSICHTBARE-TECHNIK, STAAT | 21.10.2017 | LKW-Maut-Kontrolltechnik von Toll Collect fotografiert jedes Fahrzeug, Kritiker warnen vor Bewegungsprofilen heise online / freiheitsfoo.de Recherche: DC Quelle öffnen → | Toll Collect GmbH, seit 2002 zuständig für Organisation und Kontrolle der deutschen LKW-Maut und zu jeweils 45 Prozent im Besitz der Deutschen Telekom und Daimler sowie zu 10 Prozent des französischen Baukonzerns Vinci, errichtete rund 600 zusätzliche Kfz-Kennzeichen-Scanner entlang der Autobahnen und Bundesstraßen. Kritiker warnten, dass die dabei eingesetzte Gesichtserkennung theoretisch zur Erstellung von Bewegungsprofilen beliebiger Autobahnnutzer oder zur Personenverfolgung genutzt werden könnte, da die Kontrolleinrichtungen praktisch jedes durchfahrende Fahrzeug fotografieren. Ob die erfassten Daten tatsächlich für Strafverfolgung oder durch Nachrichtendienste genutzt werden, wird immer wieder diskutiert, ohne dass es dafür bislang Belege gibt. Zusätzlich wurde Toll Collect vorgeworfen, dem Staat fragwürdige Ausgaben wie eine Oldtimer-Rallye, eine Luxushotel-Vorstandssitzung und die Unterstützung eines Berliner Kinderheims als 'Marketingkosten' der LKW-Maut in Rechnung gestellt zu haben. | Für die immer wieder diskutierte Nutzung der Mautdaten durch Polizei oder Nachrichtendienste gibt es laut dieser Quelle explizit keine Belege; die Kritik betrifft primär das theoretische Missbrauchspotenzial der Infrastruktur. |
| BSDC-J-FIN-2015-1539 Relevanz 3WEARABLES, FIN | 01.04.2015 | John Hancock: Lebensversicherung mit Prämienrabatt gegen zweijährige Weitergabe von Fitness-Tracker-Daten netzpolitik.org / The Digital Insurer Recherche: DC Quelle öffnen → | Der US-Lebensversicherer John Hancock entwickelte im April 2015 gemeinsam mit dem Anbieter Vitality ein Versicherungsprodukt, das Kunden bis zu 15 Prozent Prämienrabatt für das Tracking gesunder Gewohnheiten wie Sport bietet. Teilnehmer können eine Apple Watch für 25 US-Dollar erwerben und verpflichten sich im Gegenzug, die erfassten Fitnessdaten zwei Jahre lang an ihre Versicherung weiterzuleiten. Über 15.000 tägliche Schritte erhöhen das Punktekonto um 30 Punkte; wer weniger als 500 Vitality-Punkte im Monat sammelt, muss zusätzliche Gebühren für die Apple Watch zahlen, während gute Werte die Gesamtprämie senken. John Hancock erklärt, Versicherte könnten selbst entscheiden, welche Daten sie teilen, es bestehe kein Zwang zur Datenweitergabe. | Ob Kunden, die sich gegen die Datenweitergabe entscheiden, dieselben Versicherungskonditionen wie teilnehmende Kunden erhalten, ist aus dieser Quelle nicht belegt; ein faktischer Druck zur Teilnahme durch bessere Konditionen für Teilnehmer liegt nahe, wird aber nicht explizit bestätigt. |
| BSDC-J-FIN-2024-1546 Relevanz 3FIN, KONSUM | 01.12.2024 | Verbraucherschützer: Klarna analysiert angeblich Kontoauszüge seiner Nutzer für Bonitätsentscheidungen Golem.de / Verbraucherschutz Recherche: DC Quelle öffnen → | Verbraucherschützer warnten im Dezember 2024, der Zahlungsdienstleister Klarna analysiere im Rahmen seiner Bonitätsprüfung offenbar detailliert die Kontoauszüge seiner Nutzer, um Zahlungsverhalten und Wahrscheinlichkeitswerte für künftiges Verhalten (Scoring) zu ermitteln. Klarna erhebt und nutzt laut eigenen Datenschutzangaben Daten zum bisherigen Zahlungsverhalten der betroffenen Person zur Entscheidung über Begründung, Durchführung oder Beendigung einer Vertragsbeziehung und gibt personenbezogene Daten auch an verbundene Unternehmen der Klarna-Gruppe sowie Leistungserbringer und Subunternehmer weiter, soweit dies zur Vertragserfüllung erforderlich ist. | Der genaue technische Umfang der Kontoauszugsanalyse (welche einzelnen Datenpunkte konkret ausgewertet werden) und ob Nutzer dieser Analyse gezielt widersprechen können, ist aus dieser Quelle nicht im Detail belegt. |
| BSDC-J-FIN-2016-1610 Relevanz 3MEGA-LEAK, STEUEROASEN | 03.04.2016 | Panama Papers: 11,5 Millionen Dokumente enthüllen globale Offshore-Steueroasen ICIJ (International Consortium of Investigative Journalists) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 03.04.2016 veröffentlichten die Süddeutsche Zeitung und das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) die Panama Papers, ein Datenleck von 11,5 Millionen Dokumenten mit rund 2,6 Terabyte aus der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. Ein anonymer Informant unter dem Pseudonym John Doe hatte die Unterlagen 2015 dem SZ-Journalisten Bastian Obermayer zugespielt, der sie mit dem ICIJ teilte. Mehr als 350 Journalisten aus rund 80 Ländern und über 100 Medienorganisationen werteten das Material rund ein Jahr lang gemeinsam aus, bevor die Ergebnisse zeitgleich veröffentlicht wurden. Die Dokumente belegten mehr als 214.000 Offshore-Firmen und nannten 12 amtierende oder ehemalige Staats- und Regierungschefs sowie rund 140 weitere Politiker. Islands Ministerpräsident Sigmundur David Gunnlaugsson trat am 05.04.2016 wegen unversteuerter Offshore-Vermögen zurück, Pakistans Ministerpräsident Nawaz Sharif wurde 2017 vom Obersten Gerichtshof des Landes seines Amtes enthoben. Die Mossack-Fonseca-Gründer wurden im Februar 2017 in Panama wegen Geldwäsche festgenommen, die Kanzlei stellte im März 2018 ihren Geschäftsbetrieb ein. Laut ICIJ hatten Staaten bis 2021 weltweit mehr als 1,36 Milliarden US-Dollar an Steuernachzahlungen und Bußgeldern infolge der Enthüllungen eingetrieben. | Die Identität des Informanten John Doe ist bis heute nicht bekannt. Die strafrechtlichen Verfahren gegen die Kanzleigründer endeten 2024 in Panama mit Freisprüchen vom Vorwurf der Geldwäsche, was aus der zitierten ICIJ-Quelle allein nicht hervorgeht. |
| BSDC-J-FIN-2021-1621 Relevanz 3OFFSHORE-LEAKS, STAATSCHEFS-VERMOEGEN | 03.10.2021 | Pandora Papers: 11,9 Mio. Dokumente enthüllen Vermögen von 35 Staatschefs ICIJ (International Consortium of Investigative Journalists) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 03.10.2021 veröffentlichte das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) gemeinsam mit über 600 Journalisten aus 150 Medienorganisationen in 117 Ländern die Pandora Papers, eine Sammlung von 11,9 Millionen vertraulichen Dokumenten mit einem Datenvolumen von 2,94 Terabyte. Die Unterlagen stammen aus internen Datenbanken von 14 Offshore-Dienstleistern und umfassen Verträge, E-Mails, Tabellenkalkulationen, Bilder und Präsentationen aus dem Zeitraum 1996 bis 2021. Die Auswertung deckte verdeckte Vermögen, Immobilien und Firmenbeteiligungen von 35 amtierenden oder ehemaligen Staats- und Regierungschefs sowie mehr als 330 weiteren Politikern und hohen Amtsträgern in 91 Ländern auf. Zu den genannten Personen zählten unter anderem Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew, Jordaniens König Abdullah II. und der tschechische Premierminister Andrej Babiš. Zudem waren mehr als 130 Milliardäre aus der Forbes-Liste sowie Prominente und Sportfunktionäre in den Daten verzeichnet. Als Folge der Veröffentlichung kündigten mehrere Staaten steuerliche und strafrechtliche Ermittlungen an, in Frankreich wurde unter anderem gegen den libanesischen Zentralbankchef Riad Salameh wegen Geldwäsche ermittelt. Im Juni 2023 erwarb das Bundesland Hessen die Pandora-Papers-Daten zur Verfolgung von Steuerstraftaten in Deutschland. Die Recherche baute auf früheren ICIJ-Enthüllungen wie den Panama Papers von 2016 und den Paradise Papers von 2017 auf. | Aus der Quelle nicht abschließend belegt sind der strafrechtliche Ausgang der meisten angestoßenen Ermittlungen sowie eine vollständige, unabhängig verifizierte Liste aller in den Datensätzen genannten Personen, da die Rohdokumente nicht öffentlich einsehbar sind. |
| BSDC-J-FIN-2020-1622 Relevanz 3GELDWAESCHE-LEAK, WHISTLEBLOWING | 20.09.2020 | FinCEN Files 2020: Leak enthüllt über 2 Billionen Dollar verdächtige Banktransaktionen ICIJ (International Consortium of Investigative Journalists) / BuzzFeed News Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 20.09.2020 veröffentlichten BuzzFeed News und das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) gemeinsam mit 108 weiteren Medienpartnern aus 88 Ländern die Recherche FinCEN Files. Grundlage waren mehr als 2.100 vertrauliche Verdachtsmeldungen (Suspicious Activity Reports) an die US-Finanzaufsichtsbehörde FinCEN sowie tausende weitere Dokumente aus dem Zeitraum 1999 bis 2017. Die Unterlagen zeigen über 200.000 Transaktionen im Gesamtwert von mehr als 2 Billionen US-Dollar, die Banken selbst als mutmaßlich verdächtig einstuften, aber dennoch abwickelten. Namentlich genannt wurden unter anderem JPMorgan Chase mit rund 514 Milliarden US-Dollar und die Deutsche Bank mit etwa 1,3 Billionen US-Dollar sowie einem Anteil von rund 62 Prozent aller geleakten Meldungen, zudem HSBC, Barclays, Standard Chartered und Bank of New York Mellon. Quelle der Dokumente war die frühere FinCEN-Mitarbeiterin Natalie Mayflower Sours Edwards. Mehr als 400 Journalisten werteten das Material in einer rund 16-monatigen Recherche gemeinsam aus. FinCEN kündigte am 16.09.2020, kurz vor der Veröffentlichung, eine Reform seiner Prozesse zur Geldwäschebekämpfung an. Edwards bekannte sich im Januar 2020 schuldig der unbefugten Weitergabe vertraulicher Regierungsdokumente und wurde im Juni 2021 zu sechs Monaten Haft verurteilt. Die Recherche wurde 2021 als Finalistin für den Pulitzer-Preis in der Kategorie International Reporting ausgezeichnet. | Die Quelle trifft keine abschließende juristische Bewertung, ob die gemeldeten Transaktionen tatsächlich Geldwäsche darstellten, und außer der Verurteilung der Whistleblowerin sind keine strafrechtlichen Konsequenzen gegen die genannten Banken oder deren verantwortliche Mitarbeiter belegt. |
| BSDC-J-FIN-2021-1624 Relevanz 3RANSOMWARE, CYBERCRIME | 21.03.2021 | CNA Financial zahlt Rekord-Lösegeld von 40 Millionen Dollar nach Ransomware-Angriff Bloomberg Recherche: DC Quelle öffnen → | Der US-Versicherungskonzern CNA Financial Corp. mit Sitz in Chicago wurde im März 2021 Opfer eines Ransomware-Angriffs. Ein Mitarbeiter lud am 05.03.2021 nach dem Besuch einer legitimen Website ein gefälschtes Browser-Update herunter, wodurch sich die Angreifer Zugang zum Firmennetzwerk verschafften. Zwischen dem 05.03.2021 und dem 21.03.2021 bewegten sich die Täter unentdeckt im Netzwerk und kopierten Daten, bevor sie am 21.03.2021 die Ransomware Phoenix CryptoLocker auslösten und mehr als 15.000 Geräte verschlüsselten. Die Täter, eine Gruppe namens Phoenix mit mutmaßlichen Verbindungen zur Cybercrime-Organisation Evil Corp, forderten zunächst ein Lösegeld von 999 Bitcoin, umgerechnet rund 55 bis 60 Millionen US-Dollar. Nach Verhandlungen zahlte CNA Financial Ende März 2021 rund 40 Millionen US-Dollar in Bitcoin, um wieder Zugriff auf ihre Systeme zu erhalten. Laut einem am 20.05.2021 veröffentlichten Bloomberg-Bericht war dies zu diesem Zeitpunkt die höchste öffentlich bekannt gewordene Ransomware-Zahlung eines Unternehmens. Bei dem Angriff wurden zudem persönliche Daten von 75.349 Personen entwendet, überwiegend aktuelle und ehemalige Mitarbeiter, Vertragsarbeiter und deren Angehörige. CNA bot den Betroffenen 24 Monate kostenlose Kreditüberwachung durch Experian an. | Die genaue Zahlungshöhe von 40 Millionen US-Dollar sowie Details der Lösegeldverhandlung stammen aus anonymen, mit dem Vorgang vertrauten Quellen und wurden von CNA Financial nie offiziell in dieser Form bestätigt; auch das exakte Zahlungsdatum sowie eine gerichtsfeste Attribution der Tätergruppe Phoenix zu Evil Corp gelten als nicht abschließend belegt. |
| BSDC-J-FIN-2021-1625 Relevanz 3RANSOMWARE-ANGRIFF, LOHNABRECHNUNG | 13.12.2021 | Kronos-Ransomware legt Lohnabrechnung bei über 2000 Unternehmen wochenlang lahm The Register Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 11. Dezember 2021 entdeckte der Softwarehersteller Ultimate Kronos Group (UKG) einen Ransomware-Angriff auf seine Kronos Private Cloud (KPC), eine separate Cloud-Umgebung für ältere Workforce-Management-Produkte. UKG informierte am 13. Dezember 2021 öffentlich über den Vorfall. Betroffen waren die Systeme UKG Workforce Central, UKG TeleStaff, Healthcare Extensions und Banking Scheduling Solutions, während UKG Pro, UKG Ready und UKG Dimensions in getrennten Umgebungen liefen und nicht betroffen waren. Nach Angaben von UKG konnte die vollständige Wiederherstellung mehrere Wochen dauern, einige Kunden meldeten erst Ende Januar 2022 wieder volle Funktionsfähigkeit. Mehr als 2000 Unternehmen weltweit nutzten die Kronos Private Cloud, darunter FedEx, PepsiCo, Tesla, Whole Foods, die New Yorker Metropolitan Transportation Authority sowie die britischen Firmen Sainsbury's und Boots. Schätzungen zufolge waren die Arbeitszeit- und Lohndaten von rund acht Millionen Beschäftigten betroffen, da die Systeme für Zeiterfassung, Dienstpläne und Lohnabrechnung ausfielen. Bei dem Angriff wurden zudem personenbezogene Daten von Mitarbeitern und deren Angehörigen entwendet. Im April 2023 stimmte UKG in einem Sammelklageverfahren vor dem US-Bundesgericht einer Zahlung von bis zu 6 Millionen US-Dollar an betroffene Beschäftigte zu. | Aus den verfügbaren Quellen geht nicht hervor, welche Ransomware-Gruppe für den Angriff verantwortlich war und ob ein Lösegeld gezahlt wurde; auch die exakte Zahl der von der Datenexfiltration betroffenen Personen ist nicht abschließend belegt. |
| BSDC-J-FIN-2022-1627 Relevanz 3RANSOMWARE, KRITISCHE-INFRASTRUKTUR | 08.05.2022 | Conti-Ransomware zwingt Costa Rica zu nationalem Notstand, 30 Behörden betroffen Wikipedia Recherche: DC Quelle öffnen → | In der Nacht zum 17.04.2022 griff die Ransomware-Gruppe Conti die Server des costa-ricanischen Finanzministeriums (Ministerio de Hacienda) an und infizierte in der Folge fast 30 Regierungsinstitutionen, darunter das Zoll- und das Steuersystem. Aus der Steuerplattform ATV wurden rund 1 Terabyte an Daten entwendet. Am 19.04.2022 forderte Conti ein Lösegeld von 10 Millionen US-Dollar, das die Regierung ablehnte; am 21.04.2022 bot die Gruppe einen Rabatt von 35 Prozent an. Am 08.05.2022 erklärte der neu vereidigte Präsident Rodrigo Chaves per Dekret den nationalen Notstand, eine der ersten derartigen Erklärungen eines Staates wegen eines Cyberangriffs. Die Regierung bezifferte die täglichen wirtschaftlichen Verluste auf rund 30 Millionen US-Dollar, der Ausfall des Zollsystems TICA soll rund 125 Millionen US-Dollar Schaden im Außenhandel verursacht haben. Das Steuersystem ATV ging erst am 13.06.2022 wieder in Betrieb, die Zollsysteme TICA und Exonet folgten am 24.06.2022. USA, Israel, Spanien und Microsoft leisteten technische Unterstützung bei der Bewältigung des Angriffs. Am 31.05.2022 legte zusätzlich die verwandte Ransomware-Gruppe Hive den Sozialversicherungsträger CCSS lahm und forderte 5 Millionen US-Dollar Lösegeld, was einen zweiten Notstand auslöste. | Nicht offiziell verifiziert sind die exakte Gesamthöhe des wirtschaftlichen Schadens sowie die Behauptung, Personen in Costa Rica hätten der Conti-Gruppe intern geholfen; ob letztlich ein Lösegeld gezahlt wurde, ist ebenfalls nicht dokumentiert. |
| BSDC-J-FIN-2019-1628 Relevanz 3MEGA-BREACH, IMMOBILIEN-FINANZDATEN | 24.05.2019 | First American Financial: 885 Millionen Dokumente ungeschützt online KrebsOnSecurity (Brian Krebs) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 24.05.2019 berichtete der Sicherheitsjournalist Brian Krebs auf KrebsOnSecurity, dass die Website des US-Titelversicherers First American Financial Corp. mit Sitz in Santa Ana, Kalifornien, rund 885 Millionen Dokumente ohne jede Zugangsbeschränkung frei im Internet zugänglich gemacht hatte. Ursache war eine Webanwendung zum Dokumentenaustausch, in der einzelne Dateien über sequenziell durchnummerierte URLs abgerufen wurden; durch bloßes Ändern einer Ziffer in der Adresszeile ließ sich ohne Login oder Passwort auf beliebige weitere Dokumente zugreifen. Betroffen waren Unterlagen aus Immobilien- und Hypothekenabschlüssen, die bis ins Jahr 2003 zurückreichten, darunter Bankkontonummern und -auszüge, Hypotheken- und Steuerdokumente, Sozialversicherungsnummern, Überweisungsbelege und Führerscheinbilder. Auf die Schwachstelle aufmerksam wurde Krebs durch den Immobilienentwickler Ben Shoval, der zuvor bereits erfolglos First American kontaktiert hatte. Das Unternehmen schaltete den externen Zugriff auf die Anwendung nach der Meldung ab und bezeichnete den Vorfall als Design-Fehler, ohne die Zahl tatsächlich betroffener Datensätze oder die genaue Dauer der Verwundbarkeit zu beziffern. Die US-Börsenaufsicht SEC verhängte am 15.06.2021 wegen unzureichender Offenlegungskontrollen zur Cybersicherheit eine Strafe von 487.616 US-Dollar. Die New Yorker Finanzaufsicht NYDFS verhängte im November 2023 zusätzlich eine Strafe von 1 Million US-Dollar, ihre erste Durchsetzungsmaßnahme in diesem Bereich überhaupt. | Aus dem Artikel nicht belegt ist, wie lange die Schwachstelle exakt bestand (Webarchiv-Funde deuten auf mindestens seit März 2017 hin) und ob bzw. in welchem Umfang die frei zugänglichen Dokumente tatsächlich von Dritten missbräuchlich abgerufen oder ausgewertet wurden. |
| BSDC-J-FIN-2018-1638 Relevanz 3GELDWAESCHE-SKANDAL, BANKENAUFSICHT | 19.09.2018 | Danske Bank Estland: 200 Milliarden Euro verdächtige Zahlungen aufgedeckt Wikipedia (englischsprachig) Recherche: DC Quelle öffnen → | Zwischen 2007 und 2015 flossen über die estnische Filiale der dänischen Danske Bank rund 200 Milliarden Euro an Zahlungen von überwiegend ausländischen Nicht-Residenten-Kunden, ein großer Teil davon als verdächtig eingestuft. Am 19.09.2018 veröffentlichte Danske Bank den Bericht einer externen Kanzlei zu dem Vorgang, woraufhin Vorstandschef Thomas Borgen noch am selben Tag zurücktrat. Die Filiale wurde von 2007 bis 2015 von Aivar Rehe geleitet, der am 25.09.2019 tot aufgefunden wurde. Der interne Whistleblower Howard Wilkinson, früherer Leiter des Baltikum-Handelsgeschäfts, hatte bereits 2013 auf die Missstände hingewiesen. Russische Kunden machten 2012 nur 8 Prozent der Kundschaft, aber 35 Prozent der Filialgewinne aus, die Gelder stammten unter anderem aus Russland, Estland, Lettland und Zypern und wurden über Briefkastenfirmen unter anderem in Großbritannien, Zypern und Neuseeland geschleust. Im Dezember 2018 wurden zehn estnische Mitarbeiter verhaftet, 2019 ordnete die estnische Regierung die Schließung der Filiale an. Im Dezember 2022 bekannte sich Danske Bank vor dem US-Justizministerium schuldig und zahlte eine Geldstrafe von 2 Milliarden US-Dollar wegen Betrugs gegenüber US-Banken. Im Februar 2024 wurden zwei Vermittler, Irene Ellert und Arunas Macenas, zu neun beziehungsweise sieben Jahren Haft verurteilt. | Der genaue Anteil tatsächlich krimineller Gelder an den 200 Milliarden Euro ist aus dieser Quelle nicht belegt, da die Summe verdächtige, nicht zwingend nachweislich illegale Transaktionen umfasst. Die strafrechtliche Verantwortung der früheren Führungsebene blieb ungeklärt, da die Anklagen gegen sie im April 2021 fallengelassen wurden. |
| BSDC-J-FIN-2020-1639 Relevanz 3BILANZFAELSCHUNG, DAX-KOLLAPS | 25.06.2020 | Wirecard-Bilanzskandal: 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten fehlen, Insolvenz Wikipedia (deutschsprachige Ausgabe) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 18.06.2020 verweigerte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young dem DAX-Konzern Wirecard das Testat für den Jahresabschluss 2019, da für Bankguthaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro auf angeblichen philippinischen Treuhandkonten keine ausreichenden Nachweise vorlagen. Die kontoführenden Banken BDO Unibank und Bank of the Philippine Islands bestätigten anschließend, dass es diese Konten nie gegeben hatte. Der fehlende Betrag entsprach etwa einem Viertel der Bilanzsumme des Unternehmens. Vorstandschef Markus Braun trat am 19.06.2020 zurück und wurde am 22.07.2020 erneut verhaftet, nachdem er zuvor gegen eine Kaution von 5 Millionen Euro freigekommen war. Der frühere Finanzvorstand Jan Marsalek wurde am 22.06.2020 fristlos entlassen und ist seither mit internationalem Haftbefehl gesucht, sein Aufenthaltsort blieb ungeklärt. Am 25.06.2020 meldete Wirecard Insolvenz an, als erster DAX-Konzern in der Geschichte des Index. Der Aktienkurs brach binnen weniger Tage um mehr als zwei Drittel ein, am 24.08.2020 wurde Wirecard aus dem DAX ausgeschlossen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geriet wegen ihrer Aufsichtspraxis in die Kritik, unter anderem wegen eines Leerverkaufsverbots vom 18.02.2019 zugunsten von Wirecard. Am 14.03.2022 erhob die Staatsanwaltschaft München I Anklage gegen Braun und zwei weitere frühere Manager wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs, Untreue und Bilanzfälschung. Der Bundestag richtete am 01.10.2020 einen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung des Aufsichtsversagens ein. | Aus dieser Quelle nicht abschließend belegt sind der Ausgang des seit Dezember 2022 laufenden Strafprozesses gegen Markus Braun vor dem Landgericht München I sowie der aktuelle Aufenthaltsort des weiterhin mit internationalem Haftbefehl gesuchten Jan Marsalek. |
| BSDC-J-FIN-2019-1640 Relevanz 3MEGA-BREACH, STAATLICHE-DATENLECKS | 15.07.2019 | Bulgariens Steuerbehörde NRA gehackt: Daten von 5 Millionen Bürgern gestohlen heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 15.07.2019 wurde bekannt, dass Unbekannte in die Server der bulgarischen Steuerbehörde National Revenue Agency (NAP/NRA) eingedrungen waren und personenbezogene Daten entwendet hatten. Betroffen waren nach ersten Angaben persönliche Daten sowie Steuer- und Sozialversicherungsinformationen von mehr als 5 Millionen der rund 7 Millionen registrierten Bürger und ausländischen Staatsangehörigen sowie Unternehmen, praktisch die gesamte erwachsene Bevölkerung Bulgariens. Die gestohlenen Datensätze umfassten Namen, nationale Identifikationsnummern, Adressen, Einkommens-, Steuer- und Rentenbeitragsdaten sowie Informationen zu Online-Glücksspielkonten aus dem Zeitraum 2007 bis Juni 2019. Als Angriffsmethode wurde eine SQL-Injection-Schwachstelle in einem selten genutzten Dienst zur Mehrwertsteuerrückerstattung identifiziert. Ein Täter, der sich als russischer Staatsbürger ausgab, verschickte E-Mails mit Download-Links zu den Daten an bulgarische Medien und drohte mit Veröffentlichung weiterer Datensätze. Innenminister Mladen Marinow und Finanzminister Wladislaw Goranow bestätigten den unbefugten Zugriff auf einen NAP-Server. Am 16.07.2019 nahm die Polizei in Sofia den 20-jährigen IT-Sicherheitsspezialisten Kristiyan Boykov fest, der am 18.07.2019 wieder freigelassen wurde; er bestritt die Tat. Am 28.08.2019 verhängte die bulgarische Datenschutzbehörde CPDP gegen die NRA eine Geldbuße von rund 5,1 Millionen Lewa (etwa 2,6 Millionen Euro) wegen unzureichender technischer und organisatorischer Schutzmaßnahmen. | Die genaue Zahl der betroffenen Personen schwankt je nach Quelle zwischen rund 5 Millionen und den von der Datenschutzbehörde später genannten 6.074.140 Individuen, und die tatsächliche Täterschaft des mutmaßlichen Hackers blieb ungeklärt, da die Anklage gegen Boykov später abgeschwächt wurde. Der verhängte Bußgeldbescheid gegen die NRA wurde angefochten und in zweiter Instanz wegen Verjährung des Verfahrens letztlich aufgehoben, sodass keine rechtskräftige Sanktion bestehen blieb. |
| BSDC-J-FIN-2014-1687 Relevanz 3MEGA-BREACH, BANKENHACK | 02.10.2014 | JPMorgan-Chase-Hack 2014: 76 Millionen Haushalte betroffen Wikipedia Recherche: DC Quelle öffnen → | JPMorgan Chase, die größte Bank der USA, teilte am 02.10.2014 in einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC mit, dass Angreifer persönliche Kontaktdaten von 76 Millionen Haushalten und 7 Millionen kleinen Unternehmen erbeutet hatten. Die Angreifer verschafften sich im Juni 2014 mithilfe gestohlener Zugangsdaten eines Mitarbeiters Zugang zu einem internen Server, der nicht durch Zwei-Faktor-Authentifizierung gesichert war, und drangen anschließend in mehr als 90 weitere Server des Konzerns ein. JPMorgan entdeckte den Einbruch Mitte August 2014 und beendete ihn kurz darauf. Erbeutet wurden Namen, Postadressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen. Nach Angaben der Bank fanden sich keine Hinweise auf den Diebstahl von Kontonummern, Passwörtern, Geburtsdaten oder Sozialversicherungsnummern. Im November 2015 klagte die US-Staatsanwaltschaft für den Südlichen Bezirk von New York die Israelis Gery Shalon und Ziv Orenstein sowie den US-Amerikaner Joshua Samuel Aaron im Rahmen eines größeren Betrugs- und Marktmanipulationsschemas an, das neben JPMorgan mindestens neun weitere Finanzunternehmen betraf. Shalon bekannte sich 2017 in allen 23 Anklagepunkten schuldig und musste Vermögenswerte von mehr als 400 Millionen US-Dollar abtreten. Der russische Mitangeklagte Andrei Tyurin wurde 2018 ausgeliefert und 2021 zu zwölf Jahren Haft verurteilt. JPMorgan verdoppelte in der Folge sein jährliches Cybersicherheitsbudget von rund 250 Millionen auf 500 Millionen US-Dollar. | Ob wirklich keine Konto- oder Sozialversicherungsdaten abflossen, beruht allein auf der eigenen Einschätzung von JPMorgan und wurde nicht unabhängig verifiziert. Der genaue strafrechtliche Ausgang gegen den mutmaßlichen Mitorganisator Joshua Samuel Aaron ist mit dieser Quelle nicht abschließend belegt. |
| BSDC-J-FIN-2007-1689 Relevanz 3MEGA-BREACH, KREDITKARTEN-LEAK | 17.01.2007 | TJX-Datenleck 2007: 94 Millionen Kreditkarten durch WEP-Lücke gestohlen Computerworld Recherche: DC Quelle öffnen → | Die US-Einzelhandelskette TJX Companies, Betreiber von T.J. Maxx, Marshalls und weiteren Ketten, entdeckte am 18.12.2006 einen seit Juli 2005 andauernden Einbruch in ihre IT-Systeme und informierte die Öffentlichkeit am 17.01.2007. Die Angreifer verschafften sich Zugang über ein mit dem veralteten WEP-Standard gesichertes WLAN einer Marshalls-Filiale in St. Paul, Minnesota, das sie per Wardriving vom Parkplatz aus knackten, und bewegten sich anschließend monatelang unbemerkt im zentralen Zahlungsverkehrsnetz. In einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC bezifferte TJX im März 2007 die Zahl betroffener Karten auf 45,7 Millionen. In einer Gerichtseingabe vom 24.10.2007 gaben klagende Bankenverbände die tatsächliche Zahl mit rund 94 Millionen Karten an, davon etwa 65 Millionen von Visa und 29 Millionen von MasterCard. Zusätzlich wurden persönliche Daten von rund 451.000 Kunden entwendet, die Waren ohne Kassenbon zurückgegeben hatten. TJX zahlte im November 2007 bis zu 40,9 Millionen US-Dollar an Visa und im April 2008 rund 24 Millionen US-Dollar an MasterCard. Am 01.08.2008 verpflichtete sich TJX gegenüber der FTC per Vergleich zu 20 Jahren regelmäßiger unabhängiger Sicherheitsaudits. Der als Haupttäter identifizierte Albert Gonzalez wurde im August 2008 zusammen mit zehn weiteren Personen angeklagt und später zu 20 Jahren Haft verurteilt. | Die exakte Gesamtzahl betroffener Karten ist nicht abschließend geklärt: TJX bestätigte offiziell nur 45,7 Millionen, während die höhere Zahl von 94 Millionen auf einer Schätzung klagender Bankenverbände beruht. Auch die genaue Rolle einzelner Mitangeklagter neben Albert Gonzalez ist aus dieser Quelle nicht im Detail belegt. |
| BSDC-J-FIN-2008-1690 Relevanz 3MEGA-BREACH, KARTENDATEN-DIEBSTAHL | 20.01.2009 | Heartland-Payment-Leck: 134 Millionen Kreditkarten durch SQL-Injection gestohlen Wikipedia (Heartland Payment Systems) Recherche: DC Quelle öffnen → | Der US-Zahlungsdienstleister Heartland Payment Systems wurde ab etwa Dezember 2007/2008 Opfer eines Cyberangriffs, der am 20.01.2009 von Firmenchef Robert Carr öffentlich bekanntgegeben wurde. Angreifer nutzten eine SQL-Injection-Schwachstelle in einer webbasierten Anwendung, um in das Zahlungsabwicklungsnetzwerk einzudringen, und installierten dort ein Sniffer-Programm, das unverschlüsselte Kartendaten während der Transaktionsautorisierung abfing. Betroffen waren Kartennummern, Ablaufdaten und teils Magnetstreifendaten sowie Karteninhabernamen von schätzungsweise 134 Millionen Zahlungskarten, was den Vorfall zum damals größten bekannten Kreditkartendiebstahl der Geschichte machte. Visa alarmierte Heartland im Oktober 2008 auf verdächtige Transaktionsmuster, woraufhin die Untersuchung begann. Die Drahtzieherschaft wurde dem US-Hacker Albert Gonzalez zugeschrieben, der im März 2010 zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, die zum damaligen Zeitpunkt höchste je in den USA für Hacking verhängte Strafe. Zwei russische Mitangeklagte wurden im Februar 2018 verurteilt. Heartland zahlte insgesamt rund 145 Millionen US-Dollar an Entschädigungen, darunter etwa 60 Millionen US-Dollar an Visa und 41 Millionen US-Dollar an Mastercard, und verlor vorübergehend seinen PCI-DSS-Compliance-Status, bevor Visa die Wiederzulassung am 01.05.2009 bestätigte. | Die exakte Gesamtzahl der finanziellen Folgekosten (teils 140, teils 145 Millionen US-Dollar in verschiedenen Quellen) sowie der genaue Zeitpunkt des Einbruchsbeginns sind je nach Quelle uneinheitlich; Wikipedia selbst nennt an einer Stelle abweichend 100 Millionen Karten und über 650 betroffene Finanzdienstleister als alternative Schätzung. |
| BSDC-J-FIN-2021-1698 Relevanz 3MEGA-BREACH, FINANZDATEN-LEAK | 06.10.2021 | Twitch-Leak 2021: 135 GB Quellcode und Auszahlungsdaten tausender Streamer veröffentlicht heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 06.10.2021 veröffentlichte eine anonyme Gruppe über die Plattform 4chan ein Torrent-Archiv mit rund 135 Gigabyte interner Daten der Streaming-Plattform Twitch. Enthalten waren fast 6000 interne Git-Repositories mit dem Quellcode der Mobil-, Desktop- und Konsolen-Apps von Twitch sowie interne Sicherheitswerkzeuge und Unterlagen zu einem unveröffentlichten Spieleprojekt mit dem Codenamen Vapour. Zusätzlich wurden Auszahlungsdaten an Streamer veröffentlicht, die bis August 2019 zurückreichten und in einem rund 5 Gigabyte großen Ordner namens twitch_payouts lagen. Aus diesen Daten ging beispielsweise hervor, dass der Streamer MontanaBlack88 zwischen August 2019 und Oktober 2021 etwa 2,3 Millionen US-Dollar von Twitch erhielt. Die unbekannten Urheber begründeten die Veröffentlichung mit Kritik an der Twitch-Community. Twitch bestätigte den Vorfall am selben Tag über Twitter. Als wahrscheinliche Ursache identifizierte Twitch in den Folgetagen eine fehlerhafte Serverkonfiguration im internen Netzwerk. Twitch empfahl betroffenen Nutzern, vorsorglich ihre Passwörter zu ändern. | Aus der Quelle nicht abschließend belegt sind die genaue Identität und Motivation der Angreifer sowie der Umfang, in dem Zuschauer Passwörter oder Zahlungsdaten tatsächlich kompromittiert wurden, da sich der Leak primär auf Quellcode und Streamer-Auszahlungen bezog. |
| BSDC-J-FIN-2019-1705 Relevanz 3CYBERCRIME, BANKING-TROJANER | 26.07.2019 | WannaCry-Held Marcus Hutchins: keine Haft, ein Jahr Bewährung für Kronos-Trojaner Krebs on Security Recherche: DC Quelle öffnen → | Der britische IT-Sicherheitsforscher Marcus Hutchins, bekannt unter dem Pseudonym MalwareTech, wurde am 02.08.2017 vom FBI in Las Vegas verhaftet, nachdem eine Grand Jury im Eastern District of Wisconsin ihn wegen Entwicklung und Verkauf des Banking-Trojaners Kronos sowie der Malware UPAS Kit angeklagt hatte. Hutchins war wenige Monate zuvor, im Mai 2017, bekannt geworden, weil er durch Registrierung einer Domain einen in der Ransomware WannaCry verborgenen Kill Switch aktivierte und damit deren weltweite Ausbreitung stoppte. Laut Anklage entwickelte und vertrieb er Kronos und UPAS Kit im Zeitraum von Juli 2012 bis September 2015, unter anderem über den inzwischen abgeschalteten Darknet-Marktplatz AlphaBay. Am 19.04.2019 bekannte sich Hutchins vor einem Bundesgericht in zwei von zehn Anklagepunkten schuldig. Am 26.07.2019 verurteilte Richter J. P. Stadtmueller ihn am US-Bezirksgericht in Milwaukee zu keiner weiteren Haftstrafe sowie einem Jahr Bewährung, obwohl theoretisch bis zu zehn Jahre Haft und 500.000 US-Dollar Geldstrafe möglich gewesen wären. Die Staatsanwaltschaft konnte keinen konkreten finanziellen Schaden durch Kronos nachweisen. Vor Gericht wurde der geringe belegte Schaden von Kronos den Folgen von WannaCry gegenübergestellt, das weltweit Schäden von über 8 Milliarden US-Dollar verursacht hatte. Wegen der Verurteilung darf Hutchins nicht mehr dauerhaft in die USA einreisen. | Aus der Quelle geht nicht hervor, welchen konkreten finanziellen Schaden oder wie viele Opfer der Kronos-Trojaner tatsächlich verursachte; die genannten Milliarden- und Millionenbeträge betreffen WannaCry, nicht Kronos. Ob Hutchins die vom Richter angeregte Präsidenten-Begnadigung je erhalten hat, ist nicht belegt. |
| BSDC-J-FIN-2021-1721 Relevanz 3RANSOMWARE, KRITISCHE-INFRASTRUKTUR | 07.05.2021 | Colonial-Pipeline-Ransomware: 4,4 Mio. Dollar Lösegeld an DarkSide gezahlt Wikipedia (mit Verweis auf FBI/US-Justizministerium) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 07.05.2021 legte die Ransomware-Gruppe DarkSide die IT-Systeme von Colonial Pipeline lahm, dem Betreiber der größten Treibstoffpipeline der USA, die täglich rund 2,5 Millionen Barrel Benzin, Diesel und Kerosin von Texas an die US-Ostküste liefert. Die Angreifer verschafften sich Zugang über ein kompromittiertes Passwort eines inaktiven VPN-Kontos ohne Mehr-Faktor-Authentifizierung und erbeuteten fast 100 Gigabyte an Daten. Colonial Pipeline stellte den Betrieb vorsorglich ein, was zu Panikkäufen, Kraftstoffknappheit an bis zu rund 10.600 Tankstellen und einem von Präsident Joe Biden am 09.05.2021 verhängten Notstand führte. CEO Joseph Blount ließ innerhalb weniger Stunden 75 Bitcoin im Wert von etwa 4,4 Millionen US-Dollar an DarkSide zahlen. Der Pipelinebetrieb wurde am 12.05.2021 wieder aufgenommen. Am 07.06.2021 gab das US-Justizministerium bekannt, dass FBI-Ermittler 63,7 der gezahlten Bitcoin im damaligen Wert von rund 2,3 Millionen US-Dollar sicherstellen konnten. Präsident Biden unterzeichnete am 12.05.2021 die Executive Order 14028 zur Stärkung der nationalen Cybersicherheit. | Aus dieser Quelle nicht abschließend belegt sind die genaue Identität der individuellen Angreifer hinter dem DarkSide-Konto sowie eine strafrechtliche Verurteilung konkreter Täter. |