Quellen-Tabelle
Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.
| BSDC-ID | Datum | Titel & Quelle | Kernaussage | Klartext |
|---|---|---|---|---|
| BSDC-P-FIN-2008-2136 Relevanz 3Anlagebetrug, Ponzi-Schema | 11.12.2008 | Bernard Madoffs Milliarden-Ponzi-Schema aufgedeckt U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die SEC erhob am 11.12.2008 Klage gegen Bernard L. Madoff wegen Wertpapierbetrugs. Madoff hatte eingeräumt, sein Geschäft sei im Kern ein Ponzi-Schema, mit einem geschätzten Schaden von mindestens 50 Milliarden US-Dollar. Die gefälschten Kontoauszüge wiesen Guthaben von rund 65 Milliarden US-Dollar aus. Madoff bekannte sich am 12.03.2009 schuldig und wurde am 29.06.2009 zu 150 Jahren Haft verurteilt. | Wie lange das Schema exakt lief, ist nicht abschließend geklärt, Schätzungen reichen von den 1970er bis in die frühen 1990er Jahre. Der tatsächliche Nettoverlust der Anleger lag laut Insolvenzverwalter deutlich niedriger bei geschätzt 17 bis 20 Milliarden US-Dollar eingezahltem Kapital. |
| BSDC-P-FIN-2001-2137 Relevanz 3Bilanzfaelschung, Zweckgesellschaften | 08.11.2001 | Enron-Bilanzskandal: SEC-Pflichtmitteilung zu den Zweckgesellschaften Enron Corp. (SEC-Pflichtmitteilung) Recherche: DC Quelle öffnen → | Enron Corp. teilte der SEC am 08.11.2001 mit, dass die Jahresabschlüsse für 1997 bis 2000 falsch waren und korrigiert werden müssen. Grund war die fehlerhafte Nichtkonsolidierung der Zweckgesellschaften Chewco Investments, JEDI und einer LJM1-Tochtergesellschaft, die vom Finanzvorstand Andrew Fastow mitgegründet wurden. Durch die Korrektur sank das Eigenkapital um 1,2 Milliarden US-Dollar. Enron meldete am 02.12.2001 Insolvenz an, damals die größte Unternehmenspleite der US-Geschichte. | Das Dokument ist Enrons eigene Pflichtmitteilung, kein Gerichtsurteil. Die vollständige Aufarbeitung der Zweckgesellschaften erfolgte erst in späteren Straf- und Zivilverfahren gegen Kenneth Lay, Jeffrey Skilling und Andrew Fastow. |
| BSDC-P-FIN-2002-2138 Relevanz 3Bilanzskandal, Wertpapierbetrug | 27.06.2002 | WorldCom-Bilanzskandal: SEC-Klage wegen 3,8-Milliarden-Dollar-Betrugs U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die SEC verklagte WorldCom am 26.06.2002 wegen Bilanzbetrugs von mehr als 3,8 Milliarden US-Dollar. WorldCom hatte laufende Betriebskosten fälschlich als Investitionen aktiviert, um Gewinne vorzutäuschen. Spätere Nachprüfungen erhöhten die Gesamtsumme auf rund 11 Milliarden US-Dollar. Am 21.07.2002 meldete WorldCom Insolvenz an, damals die größte Unternehmensinsolvenz der US-Geschichte. | Die zitierte SEC-Klage dokumentiert nur die zu diesem Zeitpunkt bekannten 3,8 Milliarden US-Dollar. Die spätere Verurteilung von Ex-CEO Bernard Ebbers zu 25 Jahren Haft 2005 erfolgte in einem separaten, späteren Verfahren. |
| BSDC-P-FIN-2003-2139 Relevanz 3Bilanzbetrug, Wertpapierbetrug | 30.12.2003 | SEC-Klage deckt Bilanzfälschung bei Parmalat auf U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die SEC verklagte Parmalat Finanziaria am 30.12.2003 wegen Wertpapierbetrugs. Der italienische Lebensmittelkonzern bot von August bis November 2003 US-Investoren Anleihen im Volumen von 100 Millionen Dollar an und stellte dabei Vermögenswerte falsch dar. Parmalat räumte am 19.12.2003 ein, dass Vermögenswerte im Jahresabschluss 2002 um mindestens 3,95 Milliarden Euro zu hoch ausgewiesen waren, unter anderem durch ein angeblich bei der Bank of America gehaltenes, tatsächlich nicht existierendes Guthaben der Cayman-Tochter Bonlat. | Die häufig zitierte Zahl von rund 14 Milliarden Euro Bilanzloch stammt aus späteren Ermittlerberichten, nicht aus dieser SEC-Klage selbst. Die strafrechtlichen Konsequenzen für Calisto Tanzi und weitere Verantwortliche in Italien sind nicht Gegenstand dieser Quelle. |
| BSDC-P-FIN-2017-2160 Relevanz 3Darknet-Maerkte, Internationale-Strafverfolgung | 20.07.2017 | Zerschlagung von AlphaBay und Tod des mutmaßlichen Betreibers Alexandre Cazes U.S. Department of Justice / DEA Recherche: DC Quelle öffnen → | Das US-Justizministerium gab am 20.07.2017 die Abschaltung des Darknet-Marktplatzes AlphaBay bekannt, den zu diesem Zeitpunkt größten illegalen Online-Marktplatz. Der mutmaßliche kanadische Betreiber Alexandre Cazes alias Alpha02 wurde am 05.07.2017 in Bangkok festgenommen und starb am 12.07.2017 mutmaßlich durch Suizid in Haft. Auf AlphaBay wurden über 250.000 Angebote für illegale Drogen sowie mehr als 100.000 Angebote für gestohlene Identitätsdokumente gelistet. | Ob Cazes tatsächlich Suizid beging, ist nicht unabhängig untersucht, die Einschätzung stammt von der thailändischen Polizei. Die ihm vorgeworfenen Straftaten wurden nie vor einem US-Gericht verhandelt. |
| BSDC-P-FIN-2019-2163 Relevanz 3Kartellrecht, Online-Werbung | 20.03.2019 | EU-Kartellstrafe gegen Google wegen AdSense for Search Europäische Kommission Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Europäische Kommission verhängte am 20.03.2019 eine Kartellstrafe von 1,49 Milliarden Euro gegen Google wegen restriktiver Klauseln in AdSense-for-Search-Verträgen mit Drittwebsites, darunter Exklusivitätsvorgaben und Genehmigungsvorbehalte für Konkurrenzanzeigen, festgestellt für den Zeitraum 2006 bis 2016. | Das Gericht der EU hob die Entscheidung samt Bußgeld am 18.09.2024 auf, weil die Kommission die wettbewerbsschädigende Wirkung nach Ansicht des Gerichts nicht ausreichend nachgewiesen hatte. Der weitere Verfahrensausgang danach wurde hier nicht recherchiert. |
| BSDC-P-FIN-2021-2164 Relevanz 3Adtech, Wettbewerbsrecht | 07.06.2021 | Google-Adtech-Bußgeld Frankreich: 220 Millionen Euro Autorité de la concurrence (Frankreich) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die französische Wettbewerbsbehörde verhängte am 07.06.2021 ein Bußgeld von 220 Millionen Euro gegen Google wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung bei Ad-Servern, indem Google seine eigenen Dienste DoubleClick for Publishers und AdX bevorzugte. Auslöser war eine Beschwerde von News Corp aus 2019. Google ging im Vergleichsverfahren Verpflichtungen zur Interoperabilität mit Dritt-SSPs ein. | Ob die Interoperabilitäts-Verpflichtungen in der Praxis tatsächlich Wettbewerb wiederherstellten, ist nicht im Detail nachgezeichnet. Das Verhältnis zu späteren, umfassenderen EU-Kommissionsverfahren gegen Googles Adtech-Geschäft bleibt offen. |
| BSDC-P-FIN-2022-2169 Relevanz 3DSGVO-Bussgeld, Informationspflichten | 29.03.2022 | IMY-Bußgeld gegen Klarna wegen unzureichender Informationspflichten Integritetsskyddsmyndigheten (Schweden) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die schwedische Datenschutzbehörde IMY verhängte am 29.03.2022 gegen Klarna Bank AB ein Bußgeld von 7,5 Millionen schwedischen Kronen, umgerechnet rund 671.000 Euro. Geprüft wurde der Zeitraum Frühjahr 2020, Klarna informierte Nutzer nicht ausreichend über Zweck und Rechtsgrundlage bestimmter Datenverarbeitungen und machte unvollständige Angaben zu Empfängern personenbezogener Daten, darunter Auskunfteien. | Der spätere gerichtliche Verlauf, darunter eine zwischenzeitliche Herabsetzung und Wiederanhebung auf 7,5 Millionen Kronen durch das Kammarrätten im März 2024, ist in dieser Pressemitteilung selbst noch nicht abgebildet. Dieser Fall betrifft eine administrative Bußgeldentscheidung wegen Informationspflichten und ist getrennt vom separaten App-Datenpannen-Vorfall von Klarna 2021 zu betrachten. |
| BSDC-P-FIN-2010-2200 Relevanz 3Operation-Payback, DDoS-Angriffe | 19.07.2011 | Operation Payback: US-Anklage gegen Anonymous-Mitglieder wegen DDoS-Angriffen auf PayPal U.S. Department of Justice, Office of Public Affairs Recherche: DC Quelle öffnen → | Nachdem PayPal im Dezember 2010 wegen der Veröffentlichung von US-Depeschen durch WikiLeaks das Spendenkonto der Plattform gesperrt hatte, führte das Kollektiv Anonymous unter dem Namen Operation Payback DDoS-Angriffe gegen die PayPal-Server durch. Die Angriffe dauerten laut Anklage vom 6. bis 10. Dezember 2010. Am 19.07.2011 gab das US-Justizministerium die Festnahme von 14 mutmaßlichen Beteiligten sowie mehr als 35 Durchsuchungen bekannt, begleitet von weiteren Festnahmen in Großbritannien und den Niederlanden. | Die Pressemitteilung bezieht sich ausschließlich auf die Anklage im Zusammenhang mit PayPal. Angriffe gegen Visa, Mastercard und weitere Zahlungsdienstleister sind hier nicht mit einer Anklage belegt. Eine Anklage stellt rechtlich nur eine Vorwurfserhebung dar, es gilt die Unschuldsvermutung. Der individuelle Tatbeitrag der Beschuldigten wird nicht beziffert. |
| BSDC-P-FIN-2022-2215 Relevanz 3Kryptowaehrungs-Kriminalitaet, Geldwaesche, Bitfinex-Hack | 08.02.2022 | Bitfinex-Hack: FBI beschlagnahmt gestohlene Bitcoin bei Ehepaar Lichtenstein/Morgan U.S. Department of Justice / IRS Criminal Investigation Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 08.02.2022 verhaftete das FBI in Manhattan das Ehepaar Ilya Lichtenstein und Heather Morgan und beschlagnahmte rund 94.636 Bitcoin, die aus dem Bitfinex-Hack von 2016 stammten, zu diesem Zeitpunkt etwa 3,6 Milliarden US-Dollar wert. Laut Anklage hatte Lichtenstein 2016 mittels fortgeschrittener Hacking-Techniken das Netzwerk der Kryptobörse Bitfinex kompromittiert und über 2.000 betrügerische Transaktionen ausgelöst, durch die insgesamt 119.754 Bitcoin abflossen. Im August 2023 bekannten sich beide schuldig, im November 2024 wurde Lichtenstein zu fünf Jahren, Morgan zu 18 Monaten Haft verurteilt. | Wie genau Lichtenstein technisch in das Bitfinex-Netzwerk eindrang, bleibt unklar, die Anklageschrift nennt nur allgemein fortgeschrittene Hacking-Tools. Der beschlagnahmte Anteil deckte nicht die gesamte Beute ab. Ob und in welchem Umfang die beschlagnahmten Bitcoin vollständig an Bitfinex zurückgehen, war Anfang 2025 noch Gegenstand eines Gerichtsverfahrens. |
| BSDC-P-FIN-2022-2234 Relevanz 3Anlagebetrug, Theranos-Skandal, Investigativjournalismus | 18.11.2022 | Theranos-Skandal: Betrug und Verurteilung von Elizabeth Holmes U.S. Department of Justice, U.S. Attorney's Office Northern District of California Recherche: DC Quelle öffnen → | Elizabeth Holmes gründete 2003 die Bluttest-Firma Theranos und behauptete, mit einem tragbaren Gerät zahlreiche Labortests aus wenigen Tropfen Fingerblut durchführen zu können. Der Wall-Street-Journal-Reporter John Carreyrou deckte am 15.10.2015 auf, dass die Technologie nicht funktionierte und Theranos die meisten Tests heimlich auf Geräten anderer Hersteller durchführte. Die SEC klagte Holmes im März 2018 wegen massivem Betrug an. Ein Bundesgericht verurteilte Holmes am 03.01.2022 wegen Anlagebetrugs, Richter Edward Davila verhängte am 18.11.2022 eine Haftstrafe von 135 Monaten. | Die genaue Höhe des Anlegerschadens ist nicht einheitlich beziffert, die strafrechtliche Anklage stützte sich auf rund 140 Millionen Dollar, während die SEC von über 700 Millionen Dollar eingesammelten Investorengeldern spricht. Holmes bestritt im Prozess vorsätzlichen Betrug und legte Berufung ein. |
| BSDC-P-FIN-2025-2235 Relevanz 3Kryptowaehrungsbetrug, Anlagebetrug | 08.05.2025 | Celsius-Kollaps: Gründer Alex Mashinsky wegen Kryptobetrugs zu 12 Jahren Haft verurteilt U.S. Attorney's Office, Southern District of New York Recherche: DC Quelle öffnen → | Celsius-Network-Gründer Alexander Mashinsky wurde am 08.05.2025 zu 12 Jahren Haft und einer Vermögenseinziehung von rund 48,4 Millionen Dollar verurteilt. Er hatte sich im Dezember 2024 wegen Betrugs im Zusammenhang mit Warentermingeschäften und Kursmanipulation des Tokens CEL schuldig bekannt. Die Kryptoverleihplattform Celsius Network fror im Juni 2022 sämtliche Kundenauszahlungen ein und meldete am 13.07.2022 Insolvenz an, mit damals rund 5,5 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten. Nach Angaben des Richters hatte Mashinsky mehr als 45 Millionen Dollar eingenommen. | Die genaue Gesamthöhe des Kundenschadens ist nicht einheitlich beziffert, Berichte nennen zwischen rund 4,7 und 5,5 Milliarden Dollar. Fünf der ursprünglich sieben Anklagepunkte gegen Mashinsky wurden im Rahmen der Absprache fallengelassen. |
| BSDC-P-FIN-2018-2236 Relevanz 3Whistleblower, Geldwaesche, Bankenaufsicht | 21.11.2018 | Howard Wilkinson: Der Whistleblower hinter dem Danske-Bank-Skandal Europäisches Parlament, Sonderausschuss TAX3 Recherche: DC Quelle öffnen → | Der britische Banker Howard Wilkinson leitete von 2007 bis 2014 die Handelseinheit Danske Markets in der Baltikum-Region der Danske Bank. Ab 2013 meldete er intern insgesamt vier Warnungen über verdächtige Zahlungen estnischer Nichtansässiger, ohne dass die Bank Konsequenzen zog. Nach seinem Ausscheiden 2014 unterzeichnete er eine Verschwiegenheitsvereinbarung, ging aber dennoch an Ermittler und die Öffentlichkeit. Am 21.11.2018 sagte er vor dem Sonderausschuss TAX3 des Europäischen Parlaments aus. Für sein Engagement erhielt er 2020 den Allard Prize for International Integrity. | Ob Wilkinsons Meldungen bei korrekter Bearbeitung den vollen Umfang der später bekannten rund 200 Milliarden Euro an verdächtigen Zahlungen hätten verhindern können, ist nicht belegt. Ob Danske Bank aktiv versuchte, seine Hinweise zu unterdrücken, beruht primär auf seiner eigenen Aussage. |
| BSDC-P-FIN-2016-2241 Relevanz 3Offshore-Leaks, Steuervermeidung, EU-Politik | 21.09.2016 | Bahamas Leaks: ICIJ deckt Offshore-Firmen und EU-Kommissarin auf International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) / Süddeutsche Zeitung Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 21.09.2016 veröffentlichte das ICIJ zusammen mit der Süddeutschen Zeitung die Bahamas Leaks, basierend auf 1,3 Millionen internen Dateien aus dem Handelsregister der Bahamas mit Angaben zu 175.888 Gesellschaften und Trusts. Unter den erstmals genannten Direktoren war Neelie Kroes, ehemalige EU-Wettbewerbskommissarin, als Direktorin der Gesellschaft Mint Holdings Ltd. Kroes räumte diese Rolle ein, erklärte aber, sie habe sie nicht angeben müssen, da die Firma nie operativ geworden sei. Auch der frühere katarische Premierminister Hamad bin Jassim bin Jaber Al Thani tauchte in den Daten auf. | Nicht belegt ist, ob Kroes oder andere genannte Personen tatsächlich Steuern hinterzogen oder gegen Gesetze verstießen. Eine Offshore-Firma und eine Direktorenrolle sind für sich genommen nicht illegal. Die genaue Herkunft des Datenlecks wurde vom ICIJ nicht offengelegt. |
| BSDC-P-FIN-2018-2243 Relevanz 3Whistleblower, Bankgeheimnis, WikiLeaks | 10.10.2018 | Fall Rudolf Elmer: Bundesgericht verneint Bankgeheimnisverletzung Schweizerisches Bundesgericht Recherche: DC Quelle öffnen → | Rudolf Elmer war ab 1994 Chefbuchhalter und ab 1999 operativer Leiter der Julius Baer Bank & Trust Company Ltd. auf den Kaimaninseln. Nach seiner Kündigung 2002 leitete er Kundendaten an Steuerbehörden, die Zeitschrift Cash und ab 2008 an WikiLeaks weiter, wo Daten zu rund 2000 Konten veröffentlicht wurden. Das Obergericht Zürich sprach ihn 2016 vollständig vom Vorwurf der Bankgeheimnisverletzung frei. Am 10.10.2018 bestätigte das Bundesgericht diesen Freispruch: Als Angestellter der auf den Kaimaninseln ansässigen Tochtergesellschaft habe Elmer nicht dem Schweizer Bankkundengeheimnis unterstanden. | Nicht Gegenstand des Urteils war, ob die von Elmer erhobenen Vorwürfe der Steuerhinterziehung gegen Julius-Baer-Kunden zutrafen. Die genaue Zahl der veröffentlichten Konten wird in Presseberichten uneinheitlich mit rund 1900 bis 2000 angegeben. |
| BSDC-P-FIN-2023-2245 Relevanz 3Cum-Ex, Hanno-Berger, Steuerhinterziehung | 20.09.2023 | BGH bestätigt Haftstrafe für Cum-Ex-Ideengeber Hanno Berger Bundesgerichtshof (1. Strafsenat) Recherche: DC Quelle öffnen → | Der Bundesgerichtshof bestätigte am 20.09.2023 das Urteil des Landgerichts Bonn gegen den Steueranwalt Hanno Berger als Ideengeber und Strategieberater der Cum-Ex-Geschäfte des Bankhauses M.M. Warburg zwischen 2007 und 2011. Berger wurde wegen besonders schwerer Steuerhinterziehung zu acht Jahren Haft verurteilt, zusätzlich wurden rund 13,6 Millionen Euro seines Taterlöses eingezogen. Laut BGH erlangten die Beteiligten dadurch mehr als 275 Millionen Euro zu Unrecht erstattete, nie einbehaltene Kapitalertragsteuer. Das Urteil wurde damit rechtskräftig. | Der Gesamtschaden der Cum-Ex-Praktiken für den deutschen Staat ist nicht Teil dieser Entscheidung. Schätzungen schwanken von rund 10 bis fast 36 Milliarden Euro allein für Deutschland. Berger wurde in einem separaten zweiten Cum-Ex-Prozess vom Landgericht Wiesbaden zu weiteren acht Jahren und drei Monaten verurteilt, vom BGH erst 2024 bestätigt. |
| BSDC-P-FIN-2018-2250 Relevanz 3ABLV-Bank-Lettland, Nordkorea-Sanktionen, Geldwaesche-Baltikum | 13.02.2018 | ABLV Bank Lettland: Schließung nach US-Vorwürfen zu Geldwäsche und Nordkorea-Sanktionsumgehung FinCEN (U.S. Department of the Treasury) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die US-Finanzaufsichtsbehörde FinCEN stufte die lettische ABLV Bank am 13.02.2018 als Institution primärer Geldwäschebesorgnis ein. FinCEN warf der Bank vor, Geldwäsche institutionalisiert zu haben, den Diebstahl von über 1 Milliarde Dollar aus moldawischen Banken erleichtert und Transaktionen für mit Nordkoreas Waffenprogramm verbundene Akteure abgewickelt zu haben. Nach massiven Einlagenabzügen stufte die EZB ABLV am 23.02.2018 als ausfallend ein, die Aktionäre beschlossen am 26.02.2018 die freiwillige Liquidation. 2022 erhob die lettische Staatsanwaltschaft gegen acht ehemalige ABLV-Führungskräfte Anklage wegen Geldwäsche von rund 2,1 Milliarden Euro. | Der von FinCEN erhobene Bestechungsvorwurf gegen ABLV-Führungskräfte ist nicht gerichtlich bestätigt, die lettische Antikorruptionsbehörde KNAB fand später keine Beweise dafür. Der genaue Umfang der mit Nordkoreas Raketenprogramm verbundenen Transaktionen wurde nicht im Detail beziffert. Die 2022 erhobene Anklage war zum Zeitpunkt der Recherche ohne rechtskräftiges Urteil. |
| BSDC-P-FIN-2023-2253 Relevanz 3Wirecard, Wirtschaftspruefung, Anlegerklagen | 31.03.2023 | Wirecard-Prüfungsskandal: APAS sanktioniert EY, Anleger klagen auf Schadensersatz APAS (Abschlussprüferaufsichtsstelle) / Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die APAS stellte am 31.03.2023 fest, dass Ernst & Young (EY) bei den Prüfungen der Wirecard-Jahresabschlüsse 2016 bis 2018 gegen Berufspflichten verstoßen hat. Gegen fünf Wirtschaftsprüfer verhängte die APAS Geldbußen zwischen 23.000 und 300.000 Euro, gegen EY eine Geldbuße von 500.000 Euro sowie ein zweijähriges Verbot neuer Prüfungsmandate bei Unternehmen von öffentlichem Interesse. Parallel fordern geschädigte Anleger vor dem Landgericht München I Schadensersatz von EY, unter anderem eine Klage von mehr als 700 Millionen Euro. Das Bayerische Oberste Landesgericht entschied am 28.02.2025, dass die von EY erteilten Bestätigungsvermerke keine Kapitalmarktinformation im Sinne des KapMuG darstellen. | Ob und in welcher Höhe EY den geschädigten Anlegern zivilrechtlich haftet, ist nicht abschließend geklärt. Die Entscheidung vom 28.02.2025 hat den gebündelten Schadensersatzforderungen nur die prozessuale Grundlage im Musterverfahren entzogen, betroffene Anleger müssen seither einzeln klagen. Die tatsächliche Gesamtschadenshöhe ist umstritten. |
| BSDC-P-FIN-2013-2272 Relevanz 3Darknet-Marktplaetze, Kryptowaehrungs-Kriminalitaet, Begnadigung | 02.10.2013 | Silk-Road-Zerschlagung 2013 und Begnadigung von Ross Ulbricht 2025 U.S. Department of Justice, Southern District of New York / FBI Recherche: DC Quelle öffnen → | Das FBI verhaftete Ross Ulbricht am 01.10.2013 in San Francisco und schaltete am selben Tag den Darknet-Marktplatz Silk Road ab, den er seit 2011 unter dem Pseudonym Dread Pirate Roberts betrieben hatte. Über Tor und Bitcoin wurden dort anonymisiert Drogen gehandelt. Im Februar 2015 wurde Ulbricht in allen sieben Anklagepunkten schuldig gesprochen und im Mai 2015 zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt. Am 21.01.2025 begnadigte US-Präsident Trump Ulbricht vollständig, nach über elf Jahren Haft. | Die tatsächliche Umsatzhöhe von Silk Road ist umstritten, die Anklageschrift bezifferte sie auf rund 1,2 Milliarden Dollar. Der Vorwurf, Ulbricht habe Auftragsmorde in Auftrag gegeben, wurde nie als eigenständiger Anklagepunkt verhandelt. Trumps politische Begründung für die Begnadigung ist keine gerichtlich festgestellte Tatsache. |
| BSDC-P-FIN-2017-2273 Relevanz 3Darknet-Maerkte, Verdeckte-Ermittlungen, Internationale-Strafverfolgung | 20.07.2017 | Verdeckte Übernahme des Darknet-Marktplatzes Hansa Market durch niederländische Polizei im Rahmen von Operation Bayonet Europol / Nationale Politie (Niederlande) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 20.06.2017 übernahm die niederländische Polizei mit richterlicher Genehmigung heimlich die Server des Darknet-Marktplatzes Hansa Market, nachdem deutsche Behörden die mutmaßlichen Betreiber festgenommen hatten. Einen Monat lang betrieben die Ermittler die Plattform verdeckt als Honeypot weiter und protokollierten Nutzerdaten. Als das FBI Anfang Juli 2017 den Konkurrenzmarktplatz AlphaBay abschaltete, wechselten dessen Kunden unwissentlich zum bereits polizeikontrollierten Hansa Market. Am 20.07.2017 gaben Europol, FBI und niederländische Polizei die öffentliche Abschaltung bekannt, mindestens 10.000 Käuferadressen wurden an Europol übergeben. | Häufig genannte Zahlen zu erfassten Nutzerkonten und beschlagnahmten Bitcoin stammen aus Sekundärquellen und ließen sich nicht direkt in einer Europol-Pressemitteilung verifizieren. Wie viele der übergebenen Käuferadressen zu Anklagen führten, ist nicht dokumentiert. |
| BSDC-P-FIN-2018-2328 Relevanz 31MDB, Geldwaesche, Interpol-Fahndung | 01.11.2018 | Jho Low: US-Anklage gegen mutmaßlichen 1MDB-Drahtzieher U.S. Department of Justice (Eastern District of New York) Recherche: DC Quelle öffnen → | Das US-Justizministerium klagte den malaysischen Finanzier Low Taek Jho, bekannt als Jho Low, am 01.11.2018 wegen Verschwörung zur Geldwäsche und gegen den Foreign Corrupt Practices Act an. Laut Anklage soll Low mehr als 2,7 Milliarden US-Dollar aus dem Staatsfonds 1MDB veruntreut und teils zur Bestechung von Beamten sowie für Luxusimmobilien und die Finanzierung von Hollywoodfilmen wie The Wolf of Wall Street verwendet haben. Bereits am 24.08.2018 hatte die malaysische Staatsanwaltschaft Low in Abwesenheit angeklagt, Interpol stellte am 11.06.2018 eine Red Notice gegen ihn aus. | Jho Lows genauer Aufenthaltsort ist bis heute nicht offiziell bestätigt, malaysische Behörden vermuteten wiederholt China, was chinesische Stellen mehrfach dementierten. Da Low nie festgenommen wurde, gibt es gegen ihn persönlich kein Strafurteil. Diese Anklage bezieht sich nur auf einen Teilbetrag von 2,7 Milliarden Dollar der insgesamt veruntreuten rund 4,5 Milliarden Dollar. Eine Auslieferung fand bis heute nicht statt. |
| BSDC-P-FIN-2018-2331 Relevanz 3Geldwaesche, Bankenaufsicht, USA | 07.02.2018 | Rabobank Kalifornien: 369 Millionen Dollar Strafe wegen Verschleierung von Geldwäschemängeln US-Justizministerium (DOJ) / US-Attorney Southern District of California Recherche: DC Quelle öffnen → | Rabobank National Association, die kalifornische Tochtergesellschaft der niederländischen Cooperatieve Rabobank, bekannte sich im Februar 2018 vor einem US-Bundesgericht schuldig, die Aufsichtsbehörde OCC bei einer Prüfung getäuscht zu haben, und stimmte einer Zahlung von rund 369 Millionen US-Dollar zu. Zwischen 2009 und 2012 ließen mangelhafte Programme an den Filialen in Calexico und Tecate hunderte Millionen Dollar an nicht nachverfolgbarem Bargeld aus Mexiko unbeanstandet passieren. Als das OCC dies 2013 aufzudecken drohte, sollen Bankmitarbeiter der Aufsicht falsche Angaben gemacht und Unterlagen zurückgehalten haben. | Nicht abschließend geklärt ist, in welchem Umfang das durchgeleitete Bargeld tatsächlich aus Drogenhandel mexikanischer Kartelle stammte, die Angabe hunderte Millionen Dollar ist eine Näherung. Der genaue Anteil der 369 Millionen Dollar als strafrechtliche Vermögensabschöpfung versus zivilrechtliche Bußgelder anderer Behörden wird in Presseberichten unterschiedlich aufgeschlüsselt. Die Rolle einzelner früherer Führungskräfte ist in den ausgewerteten Quellen nur unvollständig dargestellt. |
| BSDC-P-FIN-2019-2332 Relevanz 3Sanktionsumgehung, Geldwaesche, Standard-Chartered | 09.04.2019 | Standard Chartered: Wiederholte US-Bußgelder wegen Sanktionsverstößen und Geldwäsche 2012 bis 2019 U.S. Department of Justice (DOJ) Recherche: DC Quelle öffnen → | Standard Chartered Bank zahlte zwischen 2012 und 2019 wiederholt Bußgelder an US- und britische Behörden wegen Umgehung von Iran-Sanktionen. Im Dezember 2012 zahlte die Bank rund 667 Millionen Dollar wegen verschleierter Iran-Transaktionen aus 2001 bis 2007. 2014 verhängte die New Yorker Finanzaufsicht DFS eine weitere Strafe von 300 Millionen Dollar. Am 09.04.2019 bekannte sich die Bank schuldig, zwischen 2007 und 2011 rund 9.500 Transaktionen im Wert von etwa 240 Millionen Dollar für iranische Institutionen abgewickelt zu haben, und zahlte zusammen mit mehreren Behörden insgesamt rund 1,1 Milliarden Dollar. | Die genaue Aufschlüsselung der Transaktionssummen variiert je nach Quelle und Behörde, ob und wie stark sich verschiedene Zeiträume und Summen überschneiden, lässt sich aus öffentlich zugänglichen Quellen nicht vollständig auflösen. Bei den Verfahren handelt es sich überwiegend um Deferred Prosecution Agreements und aufsichtsrechtliche Vergleiche, nicht um Urteile nach vollständigem Strafprozess. Eine individuelle strafrechtliche Verantwortung einzelner Manager ist öffentlich nicht dokumentiert. |
| BSDC-P-FIN-2019-2334 Relevanz 3Geldwaesche, Danske-Bank-Skandal, Baltikum-Bankenaufsicht | 19.02.2019 | Danske Bank: Rückzug aus Litauen und Lettland ohne separate Bußgelder Danske Bank A/S / Bank of Lithuania Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 19.02.2019 kündigte Danske Bank an, ihre verbliebenen Geschäftsaktivitäten in Lettland, Litauen und Russland vollständig einzustellen. Anders als bei der estnischen Filiale, die wegen verdächtiger Transaktionen im Zeitraum 2007 bis 2015 in Höhe von rund 200 Milliarden Euro zur Schließung gezwungen wurde, begründete Danske Bank den Rückzug aus Lettland und Litauen als eigene strategische Entscheidung. Bereits 2015 hatte die Bank das Privatkundengeschäft in Litauen und Lettland an Swedbank verkauft. Die litauische Zentralbank erklärte, mit dänischen Behörden zu kooperieren, ohne dass ein eigenes Bußgeld gegen Danske Bank in Litauen bekannt wurde. | Nicht belegt ist, dass die lettische oder litauische Finanzaufsicht ein eigenständiges Bußgeld speziell für die Filialen in Riga oder Vilnius verhängt haben, wie es für Estland dokumentiert ist. Es bleibt unklar, ob und in welchem Umfang die 2 Milliarden US-Dollar schwere Gesamteinigung von Danske Bank aus dem Jahr 2022 auch Sachverhalte aus Lettland oder Litauen mit abdeckte. |
| BSDC-P-FIN-2024-2364 Relevanz 3Kryptowaehrungen, Anlagebetrug, Unternehmenszusammenbruch | 28.03.2024 | FTX-Gründer Sam Bankman-Fried zu 25 Jahren Haft verurteilt U.S. Attorney's Office, Southern District of New York (Department of Justice) Recherche: DC Quelle öffnen → | Sam Bankman-Fried, Gründer der Kryptobörse FTX und der Handelsfirma Alameda Research, wurde am 28.03.2024 zu 25 Jahren Haft verurteilt. Er hatte Kundengelder von FTX in Milliardenhöhe veruntreut, Investoren um mehr als 1,7 Milliarden US-Dollar betrogen und Kreditgeber von Alameda um mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar geschädigt. Eine Jury befand ihn im November 2023 in allen sieben Anklagepunkten für schuldig. FTX war im November 2022 zusammengebrochen. Das Gericht ordnete eine Vermögenseinziehung von rund 11 Milliarden US-Dollar an. | Nicht abschließend geklärt ist die genaue Höhe des tatsächlichen Kundenschadens, da die Insolvenzverwaltung nach dem Zusammenbruch einen erheblichen Teil der Vermögenswerte durch Verkäufe wiederbeschaffte. Umstritten bleibt, welchen Anteil am Zusammenbruch strukturelle Schwächen der Kryptobranche insgesamt hatten gegenüber individuellem kriminellem Handeln. |