Quellen-Tabelle
Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.
| BSDC-ID | Datum | Titel & Quelle | Kernaussage | Klartext |
|---|---|---|---|---|
| BSDC-J-FIN-2019-2417 Relevanz 3Cum-Ex, Deutsche-Bank, Steuerbetrug | 07.06.2019 | Cum-Ex-Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Köln gegen die Deutsche Bank Legal Tribune Online (LTO) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt seit August 2017 wegen Cum-Ex-Geschäften gegen ehemalige und aktuelle Mitarbeiter sowie Vorstandsmitglieder der Deutschen Bank. Bei Cum-Ex-Geschäften wurden Aktien rund um den Dividendenstichtag verschoben, sodass Finanzämter einmal gezahlte Kapitalertragsteuer mehrfach erstatteten. Der Gesetzgeber beendete diese Praxis 2012. Die Deutsche Bank erklärte, an organisierten Cum-Ex-Märkten weder als Leerverkäuferin noch als Erwerberin beteiligt gewesen zu sein. | Die Staatsanwaltschaft Köln nennt keine konkreten Namen der beschuldigten Mitarbeiter. Die genaue Zahl der Beschuldigten sowie der Ausgang der Ermittlungen sind nicht abschließend dokumentiert. Die Deutsche Bank bestreitet eine direkte Beteiligung, was den Sachverhalt bis zu einem rechtskräftigen Abschluss als ungeklärt kennzeichnet. |
| BSDC-J-FIN-2001-2418 Relevanz 3Bankenskandal, Finanzkriminalitaet, Landeshaftung-Berlin | 16.06.2001 | Berliner Bankenskandal: Bankgesellschaft Berlin und die Milliardenrisiken aus Immobilienfonds Wikipedia (Zusammenfassung journalistischer und behördlicher Quellen) Recherche: DC Quelle öffnen → | Anfang 2001 geriet die landeseigene Bankgesellschaft Berlin durch riskante Immobiliengeschäfte an den Rand des Ruins, nachdem Tochtergesellschaften über 50 geschlossene Immobilienfonds mit Garantien an rund 50.000 Anleger verkauft hatten. Am 16.06.2001 wurde Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen per Misstrauensvotum gestürzt. Das Land Berlin rettete die Bank mit rund 2 Milliarden Euro Kapitalspritze, 2002 folgte eine Risikoabschirmung bis zu 21,6 Milliarden Euro bis 2032, endgültig aufgehoben erst am 29.08.2019. | Die genaue Zahl der Immobilienfonds schwankt je nach Quelle. Die Bezifferung des tatsächlichen Schadens für Berliner Steuerzahler bleibt umstritten. Die strafrechtliche Aufarbeitung endete nicht in allen Fällen mit rechtskräftigen Verurteilungen in der kolportierten Höhe. |
| BSDC-J-FIN-2007-2419 Relevanz 3Finanzkrise-2007-2008, Bankenrettung, Subprime-Hypothekenkrise | 30.07.2007 | IKB Deutsche Industriebank: Beinahe-Kollaps durch US-Subprime-Papiere und staatliche Rettung Yale Program on Financial Stability Recherche: DC Quelle öffnen → | Die IKB Deutsche Industriebank geriet im Juli 2007 durch ihre Zweckgesellschaft Rhineland Funding, die in US-Subprime-besicherte Wertpapiere investiert hatte, in eine existenzbedrohende Liquiditätskrise. Am 30.07.2007 übernahmen KfW und ein Bankenkonsortium unter BaFin-Vermittlung die Liquiditätsverpflichtungen. Im Verlauf 2008 erhöhte die KfW ihre Kapitalzufuhr um 2,3 Milliarden Euro und ihren Anteil auf 90,8 Prozent. Die Gesamtkosten der Rettung beliefen sich auf rund 9,6 Milliarden Euro, im Oktober 2008 verkaufte die KfW ihren Anteil an Lone Star für 137 Millionen Euro. | Nicht geklärt ist, in welchem Umfang Management und Aufsichtsrat die Risiken kannten oder hätten erkennen müssen. Die Gesamtkosten der Rettung werden zwischen rund 8 und knapp 10 Milliarden Euro unterschiedlich beziffert. Der Verkaufspreis an Lone Star deckte nur einen kleinen Bruchteil der Investitionen ab. |
| BSDC-J-FIN-2018-2421 Relevanz 3Anlagebetrug, Schneeballsystem, Kapitalanlagerecht | 07.03.2018 | P&R-Container-Anlagebetrug: Milliarden-Schneeballsystem mit Schiffscontainern Handelsblatt / Wikipedia Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Grünwalder P&R Gruppe stoppte am 07.03.2018 die Auszahlungen an Anleger, am 24.07.2018 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Rund 54.000 Anleger hatten etwa 3,5 Milliarden Euro in Schiffscontainer investiert. Von rund 1,6 Millionen verkauften Containern existierten nur etwa 618.000 tatsächlich, das Geschäftsmodell funktionierte laut Staatsanwaltschaft seit spätestens 2007 als Schneeballsystem. Gründer Heinz Roth wurde 2018 festgenommen, starb aber im Dezember 2019 vor einem Prozess. | Die genaue Schadenshöhe ist nicht gerichtlich geklärt, die Staatsanwaltschaft schätzte 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Da Roth vor einem Strafprozess starb, kam es nie zu einem rechtskräftigen Urteil gegen ihn. Die individuellen Rückzahlungsquoten der Anleger bleiben offen. |
| BSDC-J-FIN-2014-2422 Relevanz 3Finanzkriminalitaet, Anlegerschutz, Grauer-Kapitalmarkt | 22.01.2014 | Prokon-Insolvenz: Windenergie-Genussrechte-Skandal Stiftung Warentest Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Prokon Regenerative Energien GmbH stellte am 22.01.2014 Insolvenzantrag, nachdem sie rund 75.000 Anleger unter Druck gesetzt hatte, ihre Genussrechte nicht zu kündigen. Das Unternehmen hatte über nachrangige Genussrechte etwa 1,4 Milliarden Euro eingesammelt, ohne der BaFin-Aufsicht zu unterliegen. Das Geschäftsmodell beruhte auf hochverzinsten Genussrechten und wenig transparenten Investitionen, unter anderem in eine unrentable Biodieselproduktion. | Nicht geklärt ist, welcher Anteil der 1,4 Milliarden Euro tatsächlich verloren ging, da im Insolvenzverfahren ein Teil in eine Genossenschaft überführt wurde. Umstritten bleibt, inwieweit die damalige Aufsichtslücke ursächlich für das Schadensausmaß war. |
| BSDC-J-FIN-2018-2423 Relevanz 3Anlagebetrug, Schneeballsystem, BaFin-Aufsicht | 09.07.2018 | Infinus-Gruppe Dresden: Urteile im Schneeballsystem mit Nachrangdarlehen Legal Tribune Online (LTO) Recherche: DC Quelle öffnen → | Das Landgericht Dresden verurteilte am 09.07.2018 fünf ehemalige Manager der Infinus Gruppe wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs zu Freiheitsstrafen zwischen fünf Jahren vier Monaten und acht Jahren. Die Gruppe hatte Nachrangdarlehen mit überhöhten Renditeversprechen vertrieben, finanziert durch Gelder neu geworbener Anleger. Rund 22.000 Anleger investierten etwa 312 Millionen Euro, der festgestellte Nettoschaden lag bei rund 155 Millionen Euro. Das Gericht ordnete die Einziehung von über 51 Millionen Euro an. | Die genaue Schadenshöhe wird in Verfahrensdokumenten unterschiedlich beziffert, zwischen 155 und 415,6 Millionen Euro je nach Berechnungsgrundlage. Die aufsichtsrechtliche Rolle der BaFin vor 2012 ist nicht im Detail dokumentiert. Der Ausgang möglicher Revisionsverfahren ist nicht abschließend geklärt. |
| BSDC-J-FIN-2017-2424 Relevanz 3Anlagebetrug, Grauer-Kapitalmarkt, Immobilienfonds | 29.03.2017 | S&K-Gruppe: Immobilienfonds-Betrug und Verurteilung der Gründer in Frankfurt Wikipedia / Landgericht Frankfurt am Main Recherche: DC Quelle öffnen → | Die S&K Gruppe kaufte Immobilien unter Verkehrswert bei Zwangsversteigerungen und vertrieb sie über geschlossene Fonds am grauen Kapitalmarkt. Am 19.02.2013 durchsuchten rund 1.200 Ermittler 130 Objekte und nahmen die Geschäftsführer fest. Am 29.03.2017 verurteilte das Landgericht Frankfurt die Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller zu je acht Jahren und sechs Monaten Haft wegen schwerer Untreue. Die Gründer finanzierten mit Anlegergeldern einen Luxuslebensstil mit Sportwagen und Privatjets. | Die Zahl der geschädigten Anleger wird unterschiedlich beziffert, zwischen 6.000 mit 90 Millionen Euro Schaden und 11.000 mit mindestens 240 Millionen Euro. Die Urteile waren zum Zeitpunkt der Verkündung nicht in allen Punkten rechtskräftig, Revisionen waren möglich. |
| BSDC-J-FIN-2019-2425 Relevanz 3Wirecard-Skandal, Bilanzfaelschung, Finanzkriminalitaet-Asien | 12.02.2019 | Wirecard-Singapur-Bürorazzia und die Rolle von Edo Kurniawan bei der Bilanzfälschung CNBC Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 08.02.2019 durchsuchte die Singapurer Polizei Büros von Wirecard-Entitäten, einen Tag nachdem die Financial Times über ein Round-Tripping-Schema berichtet hatte, bei dem Bargeld zwischen asiatischen Tochtergesellschaften verschoben wurde, um Bilanzen aufzublähen. Edo Kurniawan soll laut interner Präsentation Project Tiger Summary Anweisungen zu verdächtigen Transaktionen im Umfang von 37 Millionen Euro gegeben haben. Kurniawan verließ das Unternehmen am 01.04.2019 und gilt seither als flüchtig mit Interpol Red Notice. Im Juni 2023 wurden zwei Mitverdächtige in Singapur zu 21 beziehungsweise 10 Monaten Haft verurteilt. | Nicht belegt ist der Aufenthaltsort von Edo Kurniawan seit seiner Flucht. Die Höhe des veruntreuten Betrags wird unterschiedlich beziffert, teils 37 Millionen Euro, teils im Kontext der insgesamt fehlenden 1,9 Milliarden Euro auf den Philippinen. Kurniawans eigene strafrechtliche Verantwortung wurde bislang nicht gerichtlich festgestellt. |
| BSDC-J-FIN-2015-2426 Relevanz 3Geldwaesche, Deutsche-Bank, Russland-Sanktionen | 26.10.2015 | Deutsche Bank Mirror Trades: New Yorker Aufsicht weitet verdeckte Geldwäsche-Ermittlung aus OCCRP (Organized Crime and Corruption Reporting Project) Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Frühjahr 2015 begannen das US-Justizministerium und die NYDFS eine Untersuchung von rund 6 Milliarden US-Dollar an Spiegelgeschäften der Deutschen Bank. Zwischen 2011 und Anfang 2015 kauften russische Kunden über die Moskauer Niederlassung Wertpapiere in Rubel und verkauften identische Positionen zeitnah in Fremdwährung über die Londoner Niederlassung. Im Zentrum stand Tim Wiswell, ehemaliger Leiter des Russland-Aktienhandels, der freigestellt wurde. Zu den mutmaßlichen Nutznießern gehörten Personen aus dem Umfeld von Wladimir Putin, darunter die Brüder Rotenberg. Diese Ermittlungsphase liegt zwei Jahre vor der öffentlichen Bußgeldeinigung von 2017. | Nicht belegt ist, wie NYDFS und DOJ ursprünglich auf die Spiegelgeschäfte aufmerksam wurden. Die Höhe des insgesamt bewegten Volumens schwankt je nach Quelle zwischen 6 und 10 Milliarden US-Dollar. Ob die genannten Personen aus Putins Umfeld tatsächlich strafrechtlich relevante Vorteile zogen, wurde in dieser frühen Berichterstattung nicht geklärt. |
| BSDC-J-FIN-2020-2427 Relevanz 3Geldwaesche, Danske-Bank, Baltikum-Bankenaufsicht | 25.09.2020 | Litauens Zentralbank kooperiert bei Danske-Bank-Geldwäscheermittlungen LRT (Lithuanian National Radio and Television) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die litauische Zentralbank Lietuvos bankas erklärte, sie beobachte Informationen zur möglichen Beteiligung litauischer Finanzinstitute an Geldwäsche und arbeite mit dänischen Behörden zusammen. Hintergrund waren die FinCEN Files, laut denen zwischen 2012 und 2015 verdächtige Geldtransfers über die Danske-Bank-Filiale in Litauen abgewickelt wurden, Teil eines Spiegelgeschäfte-Systems zum Herausschleusen russischer Rubel. | Nicht dokumentiert ist eine eigenständige formelle Untersuchung der Danske-Bank-Litauen-Filiale durch die litauische Zentralbank 2019. Der Hauptskandal betraf primär die estnische Filiale, die litauische Zentralbank äußerte sich nur allgemein zur Kooperation, ohne eigene Ermittlungsergebnisse oder Fallzahlen für Litauen zu nennen. |
| BSDC-J-FIN-2016-2429 Relevanz 3Panama-Papers, Steueroasen, Norwegen | 05.04.2016 | DNB Luxembourg und die Panama Papers: Briefkastenfirmen auf den Seychellen Aftenposten Recherche: DC Quelle öffnen → | Im April 2016 deckte Aftenposten im Rahmen der Panama Papers auf, dass die Luxemburger Privatbank-Tochter der norwegischen Großbank DNB seit 2006 rund 40 bis 45 Kunden half, Briefkastenfirmen auf den Seychellen zu gründen, mit Unterstützung der Kanzlei Mossack Fonseca. Etwa 30 der betroffenen Gesellschaften gehörten norwegischen Staatsbürgern. DNB beauftragte die Kanzlei Hjort mit einer unabhängigen Untersuchung. | Die genaue Zahl betroffener Kunden schwankt zwischen 40 und 45. Die interne Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Konzernleitung und Vorstand vor 2016 keine Kenntnis hatten, diese Selbstauskunft wurde nicht durch ein unabhängiges Gerichtsurteil bestätigt. |
| BSDC-J-FIN-2019-2430 Relevanz 3Geldwaesche, Bankenaufsicht, Estland-Skandal | 07.05.2019 | Anklage gegen Ex-Danske-Bank-Chef Thomas Borgen im Geldwäschefall Estland The National Law Review Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Mai 2019 erhob die dänische Staatsanwaltschaft Anklage gegen Thomas Borgen, ehemaliger Vorstandschef der Danske Bank, wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das dänische Geldwäschegesetz im Zusammenhang mit der estnischen Filiale. Borgen leitete von 2009 bis 2012 das internationale Geschäft, zu dem die estnische Filiale gehörte, und war bis September 2018 Vorstandsvorsitzender. Er trat nach Veröffentlichung eines internen Untersuchungsberichts zurück, der die Kontrollen als offensichtlich unzureichend bezeichnete. | Nicht belegt ist, ob Borgen persönlich Kenntnis von den Transaktionen hatte. Ein früheres internes Rechtsgutachten war zu dem Schluss gekommen, Borgen habe keine Pflichten verletzt, im Widerspruch zur späteren Anklage. Spätere Berichte von 2021 deuten darauf hin, dass die Anklage fallengelassen wurde, dies ist nicht Gegenstand dieser Quelle von 2019. |
| BSDC-J-FIN-2019-2431 Relevanz 3Geldwaesche, Bankenaufsicht, Baltikum | 01.10.2019 | Swedbank Estland: Geldwäscheverdacht, Kursabsturz und Führungswechsel nach SVT-Enthüllungen Bloomberg Recherche: DC Quelle öffnen → | Der schwedische Sender SVT enthüllte im Februar 2019, dass über Konten der estnischen Swedbank-Filiale zwischen 2007 und 2015 verdächtige Transaktionen in Milliardenhöhe abgewickelt worden sein sollen, mit Verbindungen zum Danske-Bank-Skandal. Die Aktie stürzte ab, Vorstandschefin Birgitte Bonnesen wurde kurz vor der Hauptversammlung entlassen, eine Woche später trat auch der Verwaltungsratschef zurück. | Die genaue Höhe der geflossenen verdächtigen Gelder ist nicht abschließend geklärt, SVT nannte rund 5,8 Milliarden US-Dollar, diese Zahlen stammen aus journalistischer Recherche, nicht aus einem abgeschlossenen behördlichen Verfahren. |
| BSDC-J-FIN-2013-2432 Relevanz 3Whistleblowing, Geldwaesche, Danske-Bank | 29.09.2020 | Howard Wilkinsons Whistleblower-Bericht an Danske Bank über die Estland-Filiale International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) Recherche: DC Quelle öffnen → | Ende Dezember 2013 sandte der britische Händler Howard Wilkinson eine E-Mail an die Danske-Bank-Zentrale mit dem Betreff Whistleblowing disclosure. Er beschrieb, dass Finanzberichte der Firma Lantana Trade nicht zu den hohen Transaktionsvolumen auf deren Konto bei der Estland-Filiale passten. Nach höflicher Bestätigung ohne Maßnahmen fand er 15 weitere Kunden mit vergleichbaren Auffälligkeiten und verfasste zwischen 2013 und 2014 insgesamt vier Berichte an die interne Revision. | Nicht dokumentiert ist, wie genau die Geschäftsleitung intern auf die Berichte reagierte, interne Sitzungsprotokolle liegen nicht öffentlich vor. Die Bank reagierte öffentlich nicht, bis Wilkinsons Name 2018 durchsickerte. |
| BSDC-J-FIN-2019-2433 Relevanz 3Geldwaesche, Korrespondenzbanken, Danske-Bank-Skandal | 05.03.2019 | Danske-Bank-Geldwäscheskandal erreicht österreichische Banken derStandard.at (Recherchenetzwerk Addendum und Profil) Recherche: DC Quelle öffnen → | Laut Recherchen von Addendum und Profil sollen rund 967 Millionen US-Dollar an mutmaßlichem Schwarzgeld aus dem Danske-Bank-Estland-Komplex über Konten österreichischer Banken geflossen sein, davon rund 634 Millionen US-Dollar auf die Raiffeisen Bank International. Die RBI-Aktie verlor am Tag der Berichterstattung zeitweise bis zu 15 Prozent an Wert, ein Marktkapitalisierungsverlust von etwa einer Milliarde Euro. | Für eine spezifische Verbindung der Erste Group Bank Österreich zum Danske-Estland-Netzwerk liegen keine belastbaren, primärquellenbasierten Belege vor, die Recherchen nennen namentlich nur die Raiffeisen Bank International. Die genannte Summe stützt sich auf journalistische Recherchen, nicht auf eine behördliche Feststellung. |
| BSDC-J-FIN-2025-2435 Relevanz 3Russland-Sanktionen, Bankenaufsicht, Kriegsfinanzierung | 01.10.2025 | Raiffeisen Bank International scheitert erneut am Ausstieg aus Russland Reuters, veröffentlicht via The Moscow Times Recherche: DC Quelle öffnen → | Die RBI, größte noch in Russland aktive westliche Bank, konnte ihr russisches Geschäft Anfang Oktober 2025 erneut nicht verkaufen, weil russische Behörden den Verkauf an einen einheimischen Käufer blockierten. RBI wickelt Zahlungen für Gaslieferungen über TurkStream ab. Seit der russischen Invasion 2022 hat RBI in Russland Berichten zufolge rund 7 Milliarden Euro Gewinn angehäuft, der im Land gebunden bleibt. | Nicht belegt ist die Identität des potenziellen russischen Käufers oder der Kaufpreis. Die Zahl von 7 Milliarden Euro Gewinn stammt aus Presseberichten, keine offiziell testierte Bilanzangabe. Eine formelle Feststellung eines Sanktionsverstoßes liegt nicht vor. |
| BSDC-J-FIN-2018-2438 Relevanz 3Geldwaesche, Danske-Bank-Estland, Finma-Aufsicht | 28.09.2018 | Finma prüft Schweizer Banken im Danske-Bank-Estland-Skandal Neue Zürcher Zeitung (NZZ) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma erklärte im September 2018, sie prüfe die Verwicklung Schweizer Institute in den Geldwäscheskandal um die estnische Danske-Bank-Filiale. Eine interne Danske-Untersuchung hatte zuvor ergeben, dass ein Großteil der rund 200 Milliarden Euro, die zwischen 2007 und 2015 durch die estnische Filiale flossen, als verdächtig einzustufen war. | Die Finma nannte keine konkreten Institute mit förmlichem Verfahren. Ob es sich um eine formelle Enforcement-Untersuchung oder eine informelle Abklärung handelte, blieb unklar. Spätere konkrete Bußen gegen namentlich genannte Schweizer Banken sind aus den verfügbaren Quellen nicht ersichtlich. |
| BSDC-J-FIN-2010-2441 Relevanz 3Bankgeheimnis, Datenschutzverstoss, Finanzvertrieb | 07.05.2010 | Postbank-Datenskandal: Bußgeld wegen unerlaubtem Zugriff auf Kontobewegungsdaten Stiftung Warentest Recherche: DC Quelle öffnen → | Der Landesbeauftragte für Datenschutz NRW verhängte am 07.05.2010 ein Bußgeld von 120.000 Euro gegen die Postbank AG. Rund 4.000 freiberufliche Handelsvertreter konnten allein mit Name und Geburtsdatum eines Kunden auf dessen komplette Girokontobewegungen zugreifen, betroffen waren mehr als eine Million Kundendatensätze. Die Vertreter nutzten die Daten, um Kunden bei größeren Geldeingängen gezielt anzusprechen. Aufgedeckt wurde die Praxis 2009 durch Finanztest, die Postbank stellte den Zugriff im November 2009 ab. | Nicht dokumentiert ist, wie viele der über eine Million Datensätze tatsächlich für Werbeansprachen genutzt wurden. Die genaue Zahl der Handelsvertreter mit tatsächlichem Zugriff bleibt unklar. Das Bußgeld gilt im Verhältnis zur Konzerngröße als vergleichsweise gering. |
| BSDC-J-FIN-2025-2463 Relevanz 3Datenpanne-Gesundheitswesen, Sammelklage-USA, Ransomware | 30.04.2025 | Change-Healthcare-Sammelklagen: Vergleichsverhandlungen nach Cyberangriff 2024 AboutLawsuits.com Recherche: DC Quelle öffnen → | Nach dem Ransomware-Angriff auf Change Healthcare im Februar 2024 sind die Klagen als Multidistrict Litigation MDL 3108 in Minnesota gebündelt, bis August 2025 auf 78 Verfahren angewachsen. Am 30.04.2025 ordnete das Gericht persönliche Vergleichsgespräche an. Change Healthcare meldete zum 31.07.2025 rund 192,7 Millionen betroffene Personen, der größte je erfasste Datenschutzvorfall im US-Gesundheitswesen. | Bis zum Recherchestand im August 2025 wurde kein finaler Vergleich bekanntgegeben. Die Zahl der Betroffenen wurde mehrfach nach oben korrigiert, von anfänglich rund 100 Millionen auf 192,7 Millionen. Der Ausgang der Klageabweisungsanträge war noch nicht entschieden. |
| BSDC-J-FIN-2023-2474 Relevanz 3Ransomware, Finanzmarktinfrastruktur, LockBit | 10.11.2023 | ICBC-Ransomware-Angriff stört US-Staatsanleihenhandel CNBC Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 08. und 09.11.2023 wurde ICBC Financial Services, US-Tochter der weltgrößten Bank ICBC, Opfer eines Ransomware-Angriffs, für den die Gruppe LockBit verantwortlich gemacht wurde. Der Angriff legte den US-Broker-Dealer-Arm lahm und verhinderte die Abwicklung von Trades im US-Staatsanleihenmarkt. ICBC musste Handelsdetails per USB-Stick durch einen Boten übermitteln. Die Rate gescheiterter Abwicklungen stieg am 09.11. auf rund 60 Milliarden US-Dollar. | Die Zuordnung zu LockBit stützt sich auf Einschätzungen von Sicherheitsfirmen, keine offizielle behördliche Bestätigung in jeder Quelle. US-Finanzministerin Yellen erklärte später, der Hack habe keine materiellen Auswirkungen gehabt, im Spannungsverhältnis zu den anfänglichen Berichten. Ob ein Lösegeld gezahlt wurde, ist unbekannt. |
| BSDC-J-FIN-2026-2495 Relevanz 3Aktionaersklage, Datenschutzskandal, Vorstandshaftung | 08.04.2026 | 190-Millionen-Dollar-Vergleich im Cambridge-Analytica-Aktionärsprozess gegen Zuckerberg besiegelt Bloomberg Law Recherche: DC Quelle öffnen → | Das Delaware Chancery Court genehmigte am 07.04.2026 einen Vergleich über 190 Millionen US-Dollar zur Beilegung einer Aktionärsklage gegen Mark Zuckerberg, Sheryl Sandberg und weitere Meta-Direktoren. Eine Gruppe von Pensionsfonds hatte vorgeworfen, Facebook habe im Umgang mit den Daten im Cambridge-Analytica-Skandal gegen eine FTC-Unterlassungsverfügung von 2012 verstoßen. Der Prozess begann am 16.07.2025, die Kläger hatten ursprünglich 8 Milliarden US-Dollar gefordert. Die Zahlung erfolgt laut Berichten aus der D&O-Haftpflichtversicherung. | Nicht öffentlich dokumentiert ist die genaue Aufteilung der 190 Millionen Dollar zwischen den Versicherungspolicen. Ob Zuckerberg oder andere Beklagte persönlich finanziell hafteten, ist nicht abschließend belegt. |
| BSDC-J-FIN-2026-2497 Relevanz 3Wirecard, Bilanzbetrug, Strafprozess | 23.07.2026 | Wirecard-Strafprozess München: Schlussplädoyers gegen Markus Braun angekündigt beck aktuell (LG München I) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am Landgericht München I läuft seit dem 08.12.2022 der Strafprozess gegen den ehemaligen Wirecard-Vorstandschef Markus Braun, den früheren Dubai-Manager Oliver Bellenhaus als Kronzeugen und einen ehemaligen Chefbuchhalter. Der geschätzte Gesamtschaden liegt bei über 3 Milliarden Euro. Bis Juli 2026 wurden mehr als 270 Verhandlungstage absolviert, die Schlussplädoyers wurden für die vierte Oktoberwoche 2026 terminiert. Braun sitzt seit Juni 2020 in Untersuchungshaft. | Ein Urteil lag zum Zeitpunkt dieser Quelle noch nicht vor. Die genaue Schadenssumme schwankt in Quellen zwischen 1,9 und 3,2 Milliarden Euro. Die Rolle des seit 2020 mit internationalem Haftbefehl gesuchten Jan Marsalek konnte im Prozess nicht abschließend geklärt werden. |
| BSDC-J-FIN-2022-2506 Relevanz 3Bankgeheimnis, Datenleck, Finanzkriminalitaet | 20.02.2022 | Suisse Secrets: Datenleck enthüllt Kundendaten der Credit Suisse Süddeutsche Zeitung / OCCRP Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 20.02.2022 veröffentlichte ein Journalistenkonsortium aus 48 Medien in 39 Ländern unter Federführung der Süddeutschen Zeitung und des OCCRP die Recherche Suisse Secrets. Grundlage waren Daten zu mehr als 18.000 Bankkonten der Credit Suisse mit einem Gesamtvolumen von über 100 Milliarden Schweizer Franken. Die Recherche identifizierte unter den Kontoinhabern sanktionierte Personen und mutmaßliche Kriegsverbrecher. Credit Suisse wies die Vorwürfe zurück. | Die Identität der Quelle, die die Daten zuspielte, ist nicht dokumentiert. Credit Suisse stellte die Aktualität eines großen Teils der Datensätze infrage. Ob gegen einzelne Kontoinhaber strafrechtlich ermittelt wurde, ist nicht einheitlich öffentlich dokumentiert. |
| BSDC-J-FIN-2025-2510 Relevanz 3Dieselgate, Wirtschaftsstrafrecht, Automobilindustrie | 26.05.2025 | Dieselgate-Strafprozess Braunschweig: Urteile gegen VW-Manager Legal Tribune Online (LTO) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Braunschweig verurteilte am 26.05.2025 vier ehemalige Volkswagen-Manager wegen Betrugs im Zusammenhang mit der Abgasmanipulation. Jens Hadler erhielt vier Jahre und sechs Monate Haft, Hanno Jelden zwei Jahre und sieben Monate. Zwei weitere Angeklagte erhielten Bewährungsstrafen von 15 beziehungsweise 22 Monaten. Der Prozess hatte im September 2021 begonnen und umfasste rund 170 Verhandlungstage. | Nicht Teil dieses Verfahrens war Ex-VW-Chef Martin Winterkorn, dessen Fall wegen gesundheitlicher Probleme abgetrennt wurde. In Braunschweig sind weitere Verfahren gegen 31 Beschuldigte anhängig. Rechtsmittel gegen die Urteile waren zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht ausgeschlossen. |
| BSDC-J-FIN-2014-2514 Relevanz 3Steuervermeidung, Whistleblowing, Luxemburg | 05.11.2014 | LuxLeaks: Geheime Steuerabsprachen internationaler Konzerne mit Luxemburg aufgedeckt International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 05.11.2014 veröffentlichte das ICIJ mit rund 80 Journalisten aus 26 Ländern die Recherche LuxLeaks. Grundlage waren vertrauliche Steuervorbescheide, die PricewaterhouseCoopers zwischen 2002 und 2010 für Konzernkunden bei der luxemburgischen Steuerverwaltung erwirkt hatte, mindestens 548 Absprachen für mehr als 340 Unternehmen. Quelle war der ehemalige PwC-Mitarbeiter Antoine Deltour. | Der konkrete Steuerausfall einzelner EU-Staaten ist nicht abschließend geklärt. Die Steuervorbescheide waren nach luxemburgischem Recht zum Abschlusszeitpunkt grundsätzlich legal. Deltour wurde in Luxemburg zunächst verurteilt, in der Berufung von zentralen Vorwürfen freigesprochen. |