Quellen-Tabelle
Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.
| BSDC-ID | Datum | Titel & Quelle | Kernaussage | Klartext |
|---|---|---|---|---|
| BSDC-J-GER-2023-2410 Relevanz 3Polizeisoftware, Ueberwachung, Datenschutz | 05.10.2023 | BKA verzichtet auf bundesweite Palantir-Gotham-Analyseplattform heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | Bundesinnenministerin Nancy Faeser entschied, dass ihr Ressort keine gemeinsame Bundes-VeRA-Plattform auf Basis von Palantir Gotham einführt, womit das Vorhaben für BKA und Bundespolizei beendet ist. Die bayerische Landespolizei nutzt seit 2024 bereits ein auf Gotham basierendes System namens VeRA. Das Bundesverfassungsgericht erklärte im Februar 2023 die entsprechenden Rechtsgrundlagen in Hessen und Hamburg für verfassungswidrig. Die Bundesregierung setzt stattdessen auf das Programm Polizei 2020. | Nicht dokumentiert sind konkrete Kosten oder ein Zeitplan für Polizei 2020 als Alternative. Unklar bleibt, ob andere Bundesländer außer Bayern ähnliche Systeme einsetzen. Die technische Funktionsweise von Gotham ist öffentlich nicht im Detail belegt. |
| BSDC-J-GER-2010-2413 Relevanz 3Google-Street-View, WLAN-Datenabfang, Datenschutzermittlungen-Deutschland | 22.04.2010 | Google-Street-View-WLAN-Datenskandal: Unrechtmäßiges Mitschneiden von Nutzerdaten The Register / BBC / Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz Recherche: DC Quelle öffnen → | Im April 2010 wurde bekannt, dass Google-Street-View-Fahrzeuge zwischen 2008 und 2010 in über 30 Ländern Daten aus offenen WLAN-Netzwerken mitschnitten. Google erklärte zunächst am 27.04.2010, keine Nutzdaten zu sammeln, musste dies aber am 14.05.2010 korrigieren und einräumen, dass tatsächlich Payload-Daten erfasst wurden. Die Staatsanwaltschaft Hamburg leitete Ermittlungen ein, im April 2013 verhängte die Hamburger Datenschutzbehörde ein Bußgeld von 145.000 Euro. | Nicht geklärt ist, in welchem Umfang die gesammelten Daten tatsächlich sensible Inhalte wie Passwörter enthielten und ob Google sie ausgewertet hat. Google bezeichnete die Sammlung als versehentlich, eine unabhängige Bestätigung liegt nicht vor. Es kam zu keiner strafrechtlichen Verurteilung, nur zum verwaltungsrechtlichen Bußgeld. |
| BSDC-J-GER-2017-2453 Relevanz 3Vorratsdatenspeicherung, Telekommunikationsueberwachung, Providerpflichten | 15.05.2017 | TKÜV-Reform: Kritik an Vorratsdatenspeicherungs-Vorgaben für Provider netzpolitik.org Recherche: DC Quelle öffnen → | Die neue Telekommunikations-Überwachungsverordnung wurde Ende Mai 2017 vom Bundesrat verabschiedet und verpflichtete Provider ab 01.07.2017 zur Speicherung von Verbindungsdaten, zehn Wochen für Internet- und Telekommunikationsmetadaten, vier Wochen für Standortdaten. Die finale technische Richtlinie wurde erst Mitte Juni veröffentlicht, nur rund zwei Wochen vor der Umsetzung. Provider kritisierten den Umsetzungsaufwand von rund 600 Millionen Euro als unverhältnismäßig. | Die Zahl von 600 Millionen Euro stammt aus Branchenschätzungen, nicht von offizieller Seite bestätigt. Die rechtliche Tragfähigkeit angesichts der EuGH-Rechtsprechung war zum Zeitpunkt der Berichterstattung ungeklärt, das Bundesverfassungsgericht setzte die Speicherpflicht 2017 vorläufig aus. |
| BSDC-J-GER-2016-2465 Relevanz 3Datenschutz, Auskunfteien, Deutsche-Bahn | 12.05.2016 | Deutsche Bahn: Weitergabe von Kundendaten an Auskunftei Arvato Infoscore Dr. Datenschutz (intersoft consulting services AG) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Deutsche Bahn gibt bei der Fahrpreisnacherhebung, etwa nach Fahrten ohne gültigen Fahrschein, Kundendaten an die Arvato Infoscore GmbH weiter, eine Bertelsmann-Tochter. Arvato Infoscore berechnet daraus mittels nicht offengelegter Verfahren Bonitätswerte, die über Zahlungsarten, Mobilfunkverträge und Mietwohnungsvergabe mitentscheiden können, ohne dass Betroffene informiert werden. Das Unternehmen verwaltete zum damaligen Zeitpunkt über 40 Millionen Negativmerkmale zu 7,8 Millionen Verbrauchern. | Nicht belegt ist ein spezifischer Fall, in dem die Deutsche Bahn im Zusammenhang mit Sitzplatzreservierungen unmittelbar Bonitätsprüfungen durchführt. Die dokumentierte Praxis betrifft die Fahrpreisnacherhebung bei Schwarzfahren, nicht die reguläre Ticketbuchung. Der Bericht stammt aus 2016, aktuellere Zahlen liegen nicht vor. |
| BSDC-J-GER-2023-2467 Relevanz 3Datenpanne, Gesetzliche-Krankenkassen, IT-Dienstleister | 23.01.2023 | Bitmarck-Datenleck bei IT-Dienstleister der Krankenkassen heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | Bitmarck, IT-Dienstleister für rund 80 der 96 gesetzlichen Krankenkassen, meldete am 19.01.2023 unbefugten Zugriff auf einen Teil seiner IT-Infrastruktur. Ein Angreifer nutzte gestohlene Zugangsdaten, um ohne Zwei-Faktor-Authentifizierung auf die Plattform Jira zuzugreifen. Nach Präzisierungen waren Daten von rund 300.000 Online-Kunden betroffen. Zentrale Systeme zur Verarbeitung von Gesundheitsdaten waren laut Bitmarck nicht betroffen. | Frühe Meldungen sprachen von bis zu 25 Millionen potenziell betroffenen Versicherten, Bitmarck präzisierte später auf rund 300.000 Online-Kundenkonten. Offen bleibt, wie viele Datensätze tatsächlich kopiert oder im Darknet weiterverkauft wurden. |
| BSDC-J-GER-2021-2478 Relevanz 3Ransomware, Kommunale-IT-Sicherheit, Cyberangriff-Deutschland | 19.10.2021 | Cyberangriff auf Stadtverwaltung Witten legt IT-Systeme monatelang lahm heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | In der Nacht auf den 16.10.2021 wurde die Stadtverwaltung Witten Opfer eines Cyberangriffs, der rund 1.000 Computerarbeitsplätze sowie E-Mail und Telefon lahmlegte. Betroffen waren Bürgerberatung, Standesamt und Volkshochschule, während Notruf und Feuerwehr weiterliefen. Die Stadt zog zur Schadensbegrenzung die Netzstecker und schaltete Polizei und LKA ein. Die vollständige Wiederherstellung zog sich bis ins Frühjahr 2022 hin. | Nicht bestätigt wurde, ob es sich um einen klassischen Ransomware-Angriff mit Erpressung handelte. Die genaue Dauer der Wiederherstellung wird unterschiedlich angegeben, ein offizieller Abschlussbericht mit exaktem Enddatum liegt nicht vor. |
| BSDC-J-GER-2024-2489 Relevanz 3Staatliche-Hackergruppen, Cyberspionage, Kritische-Infrastruktur | 03.05.2024 | APT28-Cyberangriff auf SPD-Parteizentrale und Rüstungsunternehmen Bundesregierung / Auswärtiges Amt Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Bundesregierung machte am 03.05.2024 die russische Hackergruppe APT28, die dem Militärgeheimdienst GRU zugeordnet wird, für einen Cyberangriff auf die IT-Systeme der SPD-Bundesgeschäftsstelle im Jahr 2023 verantwortlich. Zusätzlich betroffen waren Unternehmen der Logistik-, Rüstungs- und Luft- und Raumfahrtbranche. Das Auswärtige Amt bestellte den russischen Botschafter ein, die EU verurteilte den Angriff gemeinsam mit mehreren Partnerstaaten. | Nicht öffentlich beziffert wurde der konkrete Umfang der abgeflossenen Daten bei der SPD oder den betroffenen Unternehmen. Die genaue Zahl und Namen aller betroffenen Rüstungsunternehmen wurden aus Sicherheitsgründen nicht vollständig veröffentlicht. |
| BSDC-J-GER-2022-2492 Relevanz 3Kritische-Infrastruktur, Sabotage, Bahnverkehr | 08.10.2022 | Kabel-Sabotage legt Deutsche-Bahn-Zugverkehr bundesweit lahm Euronews Deutschland Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 08.10.2022 wurden gegen 2 Uhr nachts an zwei Orten, Herne und Berlin-Karow, Glasfaserkabel des Zugfunknetzes GSM-R der Deutschen Bahn durchtrennt. Beide redundant ausgelegten Stränge fielen aus. Der ICE-Verkehr zwischen Berlin, Hannover und Nordrhein-Westfalen sowie die Verbindung Berlin-Amsterdam waren für mehrere Stunden unterbrochen. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen am 13.10.2022, das BKA wurde am 21.10.2022 eingeschaltet. | Nicht bewiesen ist, dass es sich um einen politisch motivierten Sabotageakt handelte. Die Staatsanwaltschaft Bochum identifizierte bis Juni 2024 zwei mutmaßliche Täter, die laut Berichten von Juli 2023 nach Kupferkabeln suchten und die Glasfaserkabel offenbar irrtümlich beschädigten. Ob ein politisches Motiv oder ein Diebstahlsversuch vorlag, blieb laut Ermittlungsstand unklar. |
| BSDC-J-GER-2025-2494 Relevanz 3Datenpanne, Kommunalverwaltung, IT-Fehlkonfiguration | 16.10.2025 | Datenleck beim Landratsamt Enzkreis durch Fehlkonfiguration des Online-Führerscheinportals eGovernment Computing Recherche: DC Quelle öffnen → | Beim Landratsamt Enzkreis in Pforzheim waren durch eine fehlerhafte Systemkonfiguration eines externen IT-Dienstleisters personenbezogene Daten aus Online-Führerscheinanträgen über eine nicht verlinkte, aber direkt aufrufbare Internetadresse zugänglich. Die Fehlkonfiguration bestand von Januar 2025 bis zur Entdeckung am 08.10.2025, betroffen waren Anträge zwischen 01.01.2024 und 08.10.2025. Die Zahl der betroffenen Personen liegt im oberen vierstelligen Bereich, der Server wurde umgehend abgeschaltet. | Nicht belegt ist die exakte Zahl tatsächlich abgerufener Datensätze, die Behörde spricht nur von einer potenziellen oberen vierstelligen Zahl. Welcher externe IT-Dienstleister die Fehlkonfiguration verursachte und ob eine Haftung geklärt ist, bleibt unklar. |
| BSDC-J-GER-2024-2505 Relevanz 3Telekommunikation, Datenschutzvorfall, API-Sicherheitsluecke | 15.07.2024 | Telekom-Festnetz-API-Datenleck durch festnetz.cool aufgedeckt Tarnkappe.info Recherche: DC Quelle öffnen → | Die IT-Sicherheitsexpertin Lilith Wittmann deckte im Juli 2024 mit ihrem Projekt festnetz.cool auf, dass die Deutsche Telekom eine offen zugängliche API für Festnetzanschlüsse betreibt. Allein mit einer IP-Adresse ließen sich Tarifdetails, Geschwindigkeit sowie eine dauerhafte Nutzerkennung abrufen. Die Telekom meldete den Vorfall am 15.07.2024 an die Bundesbeauftragte für den Datenschutz. | Die genaue Zahl betroffener Anschlüsse ist nicht belegt, Schätzungen schwanken zwischen wenigen Millionen und bis zu 25 Millionen ohne verifizierte Grundlage. Ob die Telekom die Daten aktiv zur Nutzerverfolgung einsetzte, ist unklar. |
| BSDC-J-GER-2022-2509 Relevanz 3Datenpanne, Sozialversicherung, Behoerden-IT | 20.05.2022 | Datenpanne bei der Bundesagentur für Arbeit regensburg-digital.de Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 18.05.2022 zwischen etwa 8:00 und 9:35 Uhr konnten Nutzer im Online-Portal der Bundesagentur für Arbeit teilweise auf persönliche Daten anderer Kunden zugreifen, darunter Schriftverkehr von Arbeitssuchenden. Ursache war ein technischer Fehler bei einem Sicherheitsupdate, bei dem Nutzerkonten falschen Datensätzen zugeordnet wurden. Die Bundesagentur deaktivierte die Anmeldefunktion um 9:35 Uhr und stellte sie um 10:05 Uhr wieder her. | Wie viele Personen tatsächlich betroffen waren, konnte die Bundesagentur nach eigener Aussage nachträglich nicht mehr ermitteln. Ob eine Meldung an die Datenschutzaufsichtsbehörde nach Artikel 33 DSGVO erfolgte, ist aus verfügbaren Berichten nicht dokumentiert. |
| BSDC-J-GER-2024-2529 Relevanz 3Ransomware, Krankenhaus-IT-Sicherheit, Cyberangriff-Kritische-Infrastruktur | 30.01.2024 | Ransomware-Angriff auf die Bezirkskliniken Mittelfranken Born's IT und Windows Blog (Günter Born) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 27.01.2024 verschafften sich Unbekannte Zugang zur IT-Infrastruktur der Bezirkskliniken Mittelfranken und verschlüsselten gezielt Daten. Betroffen waren acht Kliniken und zwei Wohnheime mit rund 1700 Betten, darunter das Klinikum am Europakanal Erlangen und das Bezirksklinikum Ansbach. Die Angreifer zogen personenbezogene Daten und interne Dokumente ab, alle Systeme wurden vom Netz genommen. Ein Krisenstab arbeitete mit Polizei, Staatsanwaltschaft und der bayerischen Datenschutzaufsicht zusammen. Bis Ende Februar 2024 wurde die IT schrittweise wieder aufgebaut. | Welche Tätergruppe hinter dem Angriff steckt, ist nicht dokumentiert. Ob eine Lösegeldforderung gestellt und gezahlt wurde, ist unbekannt. Der genaue Umfang der abgezogenen Daten wird nicht beziffert. |
| BSDC-J-GER-2025-2530 Relevanz 3Ransomware, Kritische-Infrastruktur, Cyberangriff-Energieversorger | 21.11.2025 | Cyberangriff auf Stadtwerke Detmold Zeitung für kommunale Wirtschaft (zfk.de) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 16.11.2025 fielen die zentralen IT- und Kommunikationssysteme der Stadtwerke Detmold GmbH aus. Die Generalstaatsanwaltschaft Köln führt ein Ermittlungsverfahren wegen Erpressung, übergeben an die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW. Laut Bild-Zeitung erhielten die Stadtwerke eine Lösegeldforderung. Die Versorgung mit Erdgas, Trinkwasser, Strom und Wärme blieb gesichert, betroffen waren vor allem Kommunikationswege. Die IT-Systeme waren seit Anfang Januar 2026 wieder vollständig funktionsfähig. | Die Höhe der Lösegeldforderung, die Identität der Angreifer und die genaue Angriffsmethode sind nicht öffentlich dokumentiert. Ob ein Datenabfluss stattfand oder ein Lösegeld gezahlt wurde, ist nicht bestätigt. |
| BSDC-J-GER-2025-2535 Relevanz 3Krankenhaus-Cyberangriff, Patientendaten-Diebstahl, DSGVO-Verfahren | 01.09.2025 | Cyberangriff auf Ameos Kliniken: Patientendaten gestohlen Security Insider (dpa) Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Juli 2025 wurde der Klinikbetreiber Ameos, der mehr als 100 Einrichtungen an über 50 Standorten vor allem in Sachsen-Anhalt betreibt, Ziel eines Cyberangriffs. Ameos fuhr vorsorglich alle digitalen Systeme herunter. Nach Ermittlungsangaben erbeuteten die Täter personenbezogene Daten von Patienten und Mitarbeitern aus mehreren Standorten. Das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt ermittelt, zudem laufen datenschutzrechtliche Prüfverfahren mehrerer Landesdatenschutzbehörden gegen Ameos. | Die genaue Zahl der vom Datendiebstahl betroffenen Personen ist nicht dokumentiert, obwohl Ameos jährlich mehr als 500.000 Patienten behandelt. Ob es sich um Ransomware handelte und ob ein Erpressungsversuch stattfand, ist nicht eindeutig belegt. |
| BSDC-J-GER-2022-2541 Relevanz 3Messenger-Ueberwachung, Behoerdenzugriff, Telegram | 03.06.2022 | Telegram übergibt erstmals Nutzerdaten an das BKA Tarnkappe.info Recherche: DC Quelle öffnen → | Telegram übermittelte 2022 erstmals Nutzerdaten an das Bundeskriminalamt und gab damit seine bisherige Verweigerungshaltung teilweise auf. Die übergebenen Daten betrafen ausschließlich Verdächtige aus den Bereichen Kindesmissbrauch und Terrorismus. Vorausgegangen waren seit Februar 2022 direkte Verhandlungen des Bundesinnenministeriums mit dem Team von Telegram-Gründer Pawel Durow. | Die genaue Anzahl der Fälle, in denen Telegram Daten übergab, ist nicht dokumentiert. Die rechtliche Grundlage der Herausgabe ist unklar, da Telegram als in den VAE ansässiges Unternehmen keiner unmittelbaren deutschen Rechtspflicht unterliegt. |
| BSDC-J-GER-2022-2542 Relevanz 3Chatkontrolle, Client-Side-Scanning, Verschluesselung | 13.12.2022 | Bundesinnenministerium hält an Client-Side-Scanning fest netzpolitik.org Recherche: DC Quelle öffnen → | Netzpolitik.org veröffentlichte am 13.12.2022 ein internes Positionspapier des Bundesinnenministeriums vom 22.11.2022 zur geplanten EU-Verordnung gegen Kindesmissbrauch im Netz. Das Papier hält am Client-Side-Scanning fest, bei dem Inhalte auf Endgeräten vor dem Versand durchsucht werden, während gleichzeitig durchgängige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gefordert wird, was IT-Sicherheitsexperten als technisch widersprüchlich bezeichnen. | Es handelt sich um ein Positionspapier des BMI, keine eigene öffentlich dokumentierte Stellungnahme des BKA. Die technische Vereinbarkeit von Client-Side-Scanning mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gilt unter Kryptografieexperten als ungelöst. |
| BSDC-J-GER-2025-2545 Relevanz 3Ransomware, Kommunale-IT-Sicherheit, Datenleck | 01.10.2025 | Ransomware-Angriff auf Gemeindeverwaltung Untereisesheim, gestohlene Bürgerdaten im Darknet KOMMUNAL (Fachmedium für Kommunalpolitik) Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Oktober 2025 wurde die Gemeindeverwaltung Untereisesheim im Landkreis Heilbronn Opfer eines Ransomware-Angriffs. Die Server wurden verschlüsselt, das Rathaus war neun Tage handlungsunfähig. Recherchen des SWR ergaben, dass anschließend sensible Bürgerdaten im Darknet auftauchten, darunter Ausweiskopien, Führungszeugnisse, Covid-19-Impflisten und psychiatrische Gutachten inklusive Medikation. Die Gemeinde zahlte kein Lösegeld und baute die IT-Infrastruktur neu auf. | Die genaue Zahl der betroffenen Bürger sowie die konkrete Ransomware-Variante und die verantwortliche Erpressergruppe sind nicht öffentlich dokumentiert. Der Infektionsweg bleibt unklar. |
| BSDC-J-GER-2024-2546 Relevanz 3Cyberangriff, Handwerkskammer, IT-Dienstleister | 08.01.2024 | Hackerangriff auf deutsche Handwerkskammern legt IT-Systeme lahm Tarnkappe.info Recherche: DC Quelle öffnen → | In der ersten Januarwoche 2024 wurde ein gemeinsamer IT-Dienstleister mehrerer deutscher Handwerkskammern Ziel eines Cyberangriffs. Betroffen waren mehr als 30 von bundesweit 53 Handwerkskammern, darunter Düsseldorf, Köln, Trier, Stuttgart und München. Wegen möglicher Gefahr eines Datenabflusses wurde der Landesbeauftragte für den Datenschutz Rheinland-Pfalz informiert. | Ob tatsächlich personenbezogene oder geschäftliche Daten abgeflossen sind, war zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht bestätigt. Die Identität der Angreifer ist nicht dokumentiert. |
| BSDC-J-GER-2024-2551 Relevanz 3Staatstrojaner, BND, Pegasus-NSO-Group | 07.11.2024 | BND darf Pegasus-Nutzung geheim halten, Bundesverwaltungsgericht weist Klage ab netzpolitik.org Recherche: DC Quelle öffnen → | Das Bundesverwaltungsgericht wies am 07.11.2024 eine Klage von FragDenStaat-Journalist Arne Semsrott gegen den BND ab. Der Journalist wollte per Auskunftsanspruch erfahren, ob der BND die Spähsoftware Pegasus der NSO Group gekauft und eingesetzt hat. Das Gericht entschied, der BND dürfe diese Information verweigern, da eine Offenlegung die operative Handlungsfähigkeit beeinträchtigen könnte. | Das Urteil beweist nicht, ob der BND Pegasus tatsächlich gekauft oder eingesetzt hat, es entscheidet nur über die Auskunftspflicht. Kaufjahr und Einsatzhäufigkeit bleiben offen. |
| BSDC-J-GER-2021-2693 Relevanz 3Korruption, Mittelamerika, Justizverfolgung | 24.07.2021 | Entlassung des Anti-Korruptions-Staatsanwalts Juan Francisco Sandoval als Nachwirkung des CICIG-Endes in Guatemala Reuters Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 23. Juli 2021 entließ Guatemalas Generalstaatsanwältin Consuelo Porras den Leiter der Sonderstaatsanwaltschaft gegen Straflosigkeit (FECI), Juan Francisco Sandoval, der zuvor gegen Präsident Alejandro Giammattei sowie Wirtschafts- und Politikeliten wegen Korruption ermittelt hatte. Sandoval floh noch am selben Tag ins Exil, gut zwei Jahre nach dem erzwungenen Abzug der UN-Anti-Korruptions-Kommission CICIG. | Der Bericht dokumentiert Entlassung und Flucht Sandovals, belegt aber keine strafrechtliche Verurteilung von Porras oder Giammattei; die Einordnung als CICIG-Nachwirkung ist eine von Beobachtern hergestellte Kausalverbindung, kein juristisch festgestellter Zusammenhang. |
| BSDC-J-GER-2024-2699 Relevanz 3Deepfake, Suedkorea, Sexualisierte-Gewalt | 30.08.2024 | Suedkorea: Telegram-Deepfake-Pornografie-Skandal an Schulen und Universitaeten BBC News Recherche: DC Quelle öffnen → | Im August 2024 wurde in Suedkorea ein landesweiter Skandal bekannt: In Telegram-Gruppenchats tauschten Nutzer mithilfe von KI erstellte, sexualisierte Deepfake-Bilder von Mitschuelerinnen, Kolleginnen und Bekannten aus. Die Polizei leitete Ermittlungen gegen mehrere hundert Verdaechtige ein, viele davon minderjaehrig; manche Chatgruppen sollen zehntausende Mitglieder gehabt haben. | Die genaue Gesamtzahl der Taeter und Opfer sowie das Ausmass der einzelnen Chatgruppen liessen sich zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht abschliessend verifizieren, da Telegram-Gruppen oft geloescht wurden. |
| BSDC-J-GER-2019-2767 Relevanz 3Pestizide, Gerichtsverfahren, Frankreich | 06.12.2019 | Fall Paul François gegen Monsanto: Franzoesischer Landwirt gewinnt Pestizid-Prozess Le Monde / AFP Recherche: DC Quelle öffnen → | Der franzoesische Landwirt Paul Francois wurde 2004 beim Reinigen eines Spritztanks durch Daempfe des Unkrautvernichters Lasso (Monsanto) vergiftet und erlitt dauerhafte neurologische Schaeden. Das Berufungsgericht Lyon bestaetigte 2019 die Verantwortung von Monsanto (heute Bayer) wegen unzureichender Warnhinweise. | Der Fall betrifft das Herbizid Lasso, nicht direkt Glyphosat/Roundup; eine vergleichbar dokumentierte franzoesische Glyphosat-Verurteilung liess sich nicht auffinden. |
| BSDC-J-GER-2024-2769 Relevanz 3Whistleblower, Luftfahrtsicherheit, USA | 12.03.2024 | Tod des Boeing-Whistleblowers John Barnett waehrend laufender Klage gegen den Konzern BBC News Recherche: DC Quelle öffnen → | Der ehemalige Boeing-Qualitaetsmanager John Barnett, der jahrelang oeffentlich Sicherheits- und Qualitaetsmaengel bei Boeing erhoben hatte, wurde am 9. Maerz 2024 tot in seinem Auto aufgefunden, waehrend er sich mitten in einer Zeugenaussage im Rahmen seiner Whistleblower-Klage befand. Die Polizei stufte den Tod als Suizid ein; Barnetts Familie und Anwaelte aeusserten Zweifel. | Nicht belegt ist eine Fremdeinwirkung; die offizielle Todesursachen-Feststellung wurde von der Familie angezweifelt, aber nicht widerlegt. |