Quellen-Tabelle

Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.

BSDC-IDDatumTitel & QuelleKernaussageKlartext
BSDC-O-GER-2004-1755
Relevanz 3GROSSER-LAUSCHANGRIFF, MENSCHENWUERDE-KERNBEREICH
03.03.2004
Großer Lauschangriff: BVerfG kippt Kernvorschriften zur Wohnraumüberwachung
Bundesverfassungsgericht
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Das Bundesverfassungsgericht entschied am 03.03.2004 mit Urteil des Ersten Senats über Verfassungsbeschwerden gegen die akustische Wohnraumüberwachung, den sogenannten Großen Lauschangriff. Der Bundestag hatte die zugrunde liegende Grundgesetzänderung, Artikel 13 Absatz 3 bis 6 GG, am 16.01.1998 mit 452 Ja-Stimmen gegen 184 Nein-Stimmen beschlossen. Beschwerdeführer waren unter anderem die FDP-Politiker Burkhard Hirsch, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Gerhart Baum, die im März 1999 Verfassungsbeschwerde eingelegt hatten. Das Gericht erklärte die Grundgesetzänderung selbst für vereinbar mit der Ewigkeitsklausel des Artikel 79 Absatz 3 GG, stufte aber zentrale Ausführungsvorschriften der Strafprozessordnung als verfassungswidrig ein wegen unzureichenden Schutzes des Kernbereichs privater Lebensgestaltung. Das Gericht verpflichtete den Gesetzgeber, bis zum 30.06.2005 eine verfassungsgemäße Neuregelung zu schaffen, was der Bundestag am 24.06.2005 umsetzte. Zentrale Begründung war, dass höchstpersönliche Gespräche, etwa mit engsten Familienangehörigen, absolut geschützt sind und von einer akustischen Überwachung ausgenommen bleiben müssen, da sonst die durch Artikel 1 GG geschützte Menschenwürde verletzt würde.

Aus der Quelle nicht belegt ist, wie viele konkrete Überwachungsmaßnahmen bundesweit bereits auf Grundlage der für nichtig erklärten Vorschriften durchgeführt wurden und in welchem Umfang dadurch gewonnene Beweise nachträglich unverwertbar wurden.

BSDC-J-GER-2012-1765
Relevanz 3NSA-UEBERWACHUNG, MASSENDATENSPEICHERUNG
15.03.2012
NSA baut Utah Data Center: 2-Milliarden-Dollar-Anlage für weltweite Kommunikationsdaten
Wired (James Bamford)
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Am 15.03.2012 veröffentlichte der Journalist James Bamford im Magazin Wired einen Artikel über das Utah Data Center der NSA in Bluffdale, Utah, auf dem Gelände von Camp Williams der dortigen Nationalgarde. Der Baubeginn erfolgte am 06.01.2011, die Anlage kostete nach Bamfords Recherche rund 2 Milliarden US-Dollar und umfasste etwa eine Million Quadratfuß Gesamtfläche. Laut Artikel soll die Anlage sämtliche Formen von Kommunikation abfangen, entschlüsseln, analysieren und speichern können, darunter vollständige Inhalte privater E-Mails, Mobiltelefonate und Suchanfragen, die über Satelliten sowie unterseeische und unterirdische Glasfaserkabel geleitet werden. Bamford verband die Anlage mit dem nach den Anschlägen vom 11.09.2001 gestarteten Überwachungsprogramm Stellar Wind. Die NSA wies eine rechtswidrige Überwachung von US-Bürgern zurück. Die Fertigstellung, ursprünglich für September 2013 geplant, verzögerte sich durch wiederholte Stromausfälle um etwa ein Jahr bis Mai 2014.

Die tatsächliche Speicherkapazität der Anlage ist bis heute als Verschlusssache eingestuft; spätere Schätzungen auf Basis unklassifizierter Baupläne gehen von lediglich 3 bis 12 Exabyte aus, deutlich unter den in Bamfords Artikel diskutierten Yottabyte-Größenordnungen.

BSDC-J-GER-2018-1774
Relevanz 3MELTDOWN-SPECTRE, CPU-SEITENKANALANGRIFF
03.01.2018
Meltdown und Spectre: CPU-Lücken betreffen fast alle Prozessoren seit 1995
Wikipedia
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Am 3. Januar 2018 veröffentlichten Sicherheitsforscher zeitgleich die beiden Prozessor-Sicherheitslücken Meltdown und Spectre, nachdem betroffene Hersteller bereits am 28.07.2017 informiert worden waren. Meltdown wurde unabhängig voneinander von Forschern des Google Project Zero, der TU Graz und der Firma Cyberus Technology entdeckt. Meltdown betrifft praktisch alle Intel-x86-Prozessoren seit 1995 sowie ARM- und IBM-POWER-Prozessoren, AMD-Chips sind nicht betroffen. Spectre lässt sich dagegen auf Prozessoren von Intel, AMD und ARM ausnutzen und betrifft damit praktisch alle modernen Computer, Smartphones und Server weltweit. Beide Lücken missbrauchen die spekulative Befehlsausführung moderner CPUs, um über Cache-Seitenkanalangriffe eigentlich geschützten Speicherinhalt auszulesen. Als Gegenmaßnahme gegen Meltdown wurde die Kernel Page Table Isolation eingeführt, deren Einsatz je nach Workload zu Leistungseinbußen von bis zu 30 Prozent führen kann. Die koordinierte Offenlegung war ursprünglich für den 9. Januar 2018 geplant, wurde jedoch wegen zunehmender öffentlicher Spekulationen vorgezogen.

Aus dieser Quelle nicht belegt sind die genaue weltweite Anzahl betroffener Geräte in absoluten Zahlen sowie ob die Lücken vor der Offenlegung bereits für reale Angriffe mit Datenabfluss ausgenutzt wurden.

BSDC-J-GER-2017-1775
Relevanz 3NSA-EXPLOIT-LEAK, CYBERWAFFEN
14.04.2017
Shadow Brokers leaken NSA-Exploit EternalBlue, Basis für WannaCry-Infektion von 200.000 Rechnern
Wikipedia
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Am 14.04.2017 veröffentlichte die Hackergruppe Shadow Brokers eine Sammlung gestohlener Cyberwaffen der US-Geheimdienstbehörde NSA, darunter den Exploit EternalBlue. EternalBlue nutzt eine Schwachstelle im Server-Message-Block-Protokoll von Microsoft Windows aus und ermöglicht Angreifern, ohne Nutzerinteraktion Schadcode auf verwundbaren Systemen auszuführen. Die NSA hatte die Sicherheitslücke jahrelang geheim gehalten und für eigene Operationen genutzt, bevor sie Microsoft im Zuge des Diebstahls informierte. Microsoft veröffentlichte bereits am 14.03.2017, einen Monat vor der Shadow-Brokers-Veröffentlichung, den Sicherheitspatch MS17-010. Nach dem Ausbruch der Ransomware WannaCry am 12.05.2017 stellte Microsoft am 13.05.2017 zusätzlich Notfallpatches für veraltete Windows-Versionen bereit. WannaCry nutzte EternalBlue zur automatischen Verbreitung und infizierte nach verbreiteten Schätzungen mehr als 200.000 Computer in über 150 Ländern. Im Juni 2017 kam EternalBlue erneut bei der Schadsoftware NotPetya zum Einsatz. Die Identität der Shadow Brokers blieb bis heute ungeklärt.

Die genaue Urheberschaft der Shadow Brokers ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt, es gibt keine bestätigte Anklage oder Verurteilung im Zusammenhang mit dem Diebstahl selbst. Auch die exakte Zahl der durch WannaCry infizierten Systeme schwankt je nach Quelle zwischen rund 36.000 und über 200.000.

BSDC-J-GER-2016-1778
Relevanz 3IOT-BOTNET, DDOS-ANGRIFF
21.10.2016
Mirai-Botnet: 300.000 gekaperte IoT-Geräte legen DNS-Dienst Dyn lahm
Krebs on Security (Brian Krebs)
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Am 20.09.2016 traf ein DDoS-Angriff mit rund 620 Gbit/s aus etwa 175.000 mit der Schadsoftware Mirai infizierten IoT-Geräten den Sicherheitsblog KrebsOnSecurity. Am 21.10.2016 legte dasselbe Mirai-Botnetz, das zu diesem Zeitpunkt über 300.000 kompromittierte Geräte wie Router, IP-Kameras und Videorekorder umfasste, den DNS-Dienstleister Dyn lahm und machte Onlinedienste wie Twitter, Netflix, Reddit, Amazon und GitHub zeitweise in weiten Teilen der USA unerreichbar. Ursache war die automatisierte Übernahme der Geräte über werkseitig voreingestellte Standardpasswörter. Der Programmcode von Mirai wurde Anfang Oktober 2016 öffentlich veröffentlicht. Am 13.12.2017 bekannten sich die Autoren Paras Jha, Josiah White und Dalton Norman vor einem Bundesgericht in Alaska schuldig, gegen den Computer Fraud and Abuse Act verstoßen zu haben. Jha und Norman gestanden zudem ein separates Klickbetrugsschema mittels des Botnetzes ein, aus dem Jha rund 200 Bitcoin und Norman über 30 Bitcoin erlöst hatten.

Aus dieser Quelle nicht belegt sind die genaue Zahl der beim Dyn-Angriff aktiv beteiligten Geräte (andere Quellen nennen rund 100.000) sowie das spätere Strafmaß, da die drei Angeklagten laut nachfolgenden Berichten wegen Kooperation mit dem FBI im September 2018 letztlich zu Bewährung ohne Haftstrafe verurteilt wurden.

BSDC-P-GER-2012-1782
Relevanz 3CYBERSPIONAGE, STAATLICHE-MALWARE
28.05.2012
Flame-Spionagesoftware: 20-MB-Cyberwaffe infiziert rund 1000 Rechner im Nahen Osten
Kaspersky Lab
Recherche: DC
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Am 28.05.2012 gab Kaspersky Lab gemeinsam mit dem iranischen CERT-Zentrum MAHER und dem CrySyS Lab der Budapest University of Technology and Economics die Entdeckung der Schadsoftware Flame bekannt. Die Untersuchung war von der Internationalen Fernmeldeunion ITU initiiert worden, nachdem die zerstörerische Malware Wiper zuvor Computer des iranischen Ölministeriums beschädigt hatte. Flame ist mit rund 20 Megabyte etwa 20-mal größer als Stuxnet und war nach Kaspersky-Angaben seit mindestens März 2010 aktiv, bevor sie entdeckt wurde. Die Schadsoftware konnte Bildschirminhalte, Tastatureingaben, Netzwerkverkehr und Audioaufnahmen aufzeichnen, Skype-Gespräche mitschneiden und infizierte Rechner per Bluetooth zu Sendern für Kontaktdaten nahegelegener Geräte machen. Nach Kaspersky-Schätzungen waren zunächst etwa 1000 Rechner betroffen, rund 65 Prozent davon im Nahen Osten und Nordafrika, mit dem größten Anteil im Iran. Zur Verbreitung nutzten die Angreifer unter anderem ein gefälschtes Microsoft-Zertifikat auf Basis einer schwachen MD5-Verschlüsselung. Die Washington Post berichtete am 19.06.2012 unter Berufung auf anonyme Quellen, die NSA, die CIA und das israelische Militär hätten Flame gemeinsam im Rahmen der Operation Olympic Games entwickelt. Kurz nach der öffentlichen Enttarnung sendeten die Kontrollserver im Juni 2012 einen Selbstlöschbefehl an die infizierten Systeme.

Die Urheberschaft durch NSA, CIA und Israels Militär stützt sich allein auf anonyme Quellen der Washington Post und wurde von den USA und Israel nie offiziell bestätigt. Die genaue weltweite Gesamtzahl infizierter Rechner sowie das exakte Ausmaß der abgeflossenen Daten blieben ungeklärt.

BSDC-J-GER-2011-1783
Relevanz 3CYBERSPIONAGE, ICS-MALWARE
01.09.2011
Duqu-Spähsoftware infiziert 2011 Industriefirmen in acht Ländern
Wikipedia
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Die Sicherheitsforscher des CrySyS Lab der Budapester Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität entdeckten die Schadsoftware Duqu am 01.09.2011. Der Sicherheitsanbieter Symantec bestätigte die Analyse und stellte umfangreiche Code-Übereinstimmungen mit dem Computerwurm Stuxnet fest, woraus geschlossen wurde, dass Duqu von denselben Autoren oder mit Zugriff auf den Stuxnet-Quellcode entwickelt wurde. Anders als Stuxnet sabotierte Duqu keine Industrieanlagen, sondern diente der Spionage: Es installierte Keylogger, Bildschirmrekorder und Netzwerk-Scanner. Die Infektion erfolgte über präparierte Word-Dokumente, die eine bis dahin unbekannte Sicherheitslücke im Win32k-TrueType-Schriftartenparser von Windows ausnutzten; Microsoft veröffentlichte den zugehörigen Sicherheitshinweis MS11-087 am 13.11.2011. Die Schadsoftware nutzte ein gestohlenes, gültiges Digitalzertifikat der taiwanesischen Firma C-Media zur Signierung ihrer Treiber; das Zertifikat wurde am 14.10.2011 widerrufen. Symantec bestätigte Infektionen bei mindestens sechs Organisationen in acht Ländern, darunter Frankreich, die Niederlande, die Schweiz, die Ukraine, Indien, der Sudan, Vietnam und mehrfach im Iran. Duqu war so programmiert, dass es sich nach 36 Tagen selbständig von infizierten Systemen löschte.

Aus dieser Quelle nicht belegt ist die genaue Urheberschaft beziehungsweise staatliche Zurechnung von Duqu; diese gilt als plausibel, wurde aber nie offiziell bewiesen. Ebenso bleibt die tatsächliche Gesamtzahl befallener Organisationen weltweit unklar.

BSDC-J-GER-2015-1786
Relevanz 3KRITIS-CYBERANGRIFF, SANDWORM-APT
23.12.2015
Sandworm-Hackerangriff legt ukrainisches Stromnetz lahm: 230.000 Haushalte ohne Strom
Wired (Kim Zetter)
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Am 23.12.2015 griff die Hackergruppe Sandworm drei ukrainische Energieversorger an: Prykarpattyaoblenergo, Chernivtsioblenergo und Kyivoblenergo. Der Angriff begann Monate zuvor mit Spear-Phishing-E-Mails, die die Schadsoftware BlackEnergy 3 in den Firmennetzwerken platzierten. Die Angreifer erlangten darüber Zugriff auf die SCADA-Steuerungssysteme und schalteten bei Prykarpattyaoblenergo 30 Umspannwerke ab. Rund 230.000 Verbraucher waren zwischen einer und sechs Stunden ohne Strom. Zeitgleich setzten die Angreifer die Löschsoftware KillDisk ein, um Dateien unbrauchbar zu machen, und überlasteten mit einem Denial-of-Service-Angriff die Telefonzentrale, sodass betroffene Kunden Störungen nicht melden konnten. Die Netzbetreiber stellten die Versorgung teils durch manuelles Eingreifen der Mitarbeiter vor Ort wieder her. Der Vorfall gilt als der erste öffentlich bestätigte erfolgreiche Cyberangriff auf ein Stromnetz. US-Behörden und mehrere Sicherheitsfirmen ordneten die Operation der Gruppe Sandworm zu, die mit russischen Interessen im Ukraine-Konflikt in Verbindung gebracht wird.

Aus dieser Quelle ist keine formelle juristische Zurechnung zu einer bestimmten russischen Regierungsstelle oder Einzelperson belegt, ebenso wenig eine strafrechtliche Verurteilung oder eine bezifferte finanzielle Entschädigung der betroffenen Energieversorger.

BSDC-P-GER-2016-1787
Relevanz 3KRITIS-CYBERANGRIFF, ICS-MALWARE
17.12.2016
Industroyer-Malware legt Stromnetz in Kiew für eine Stunde lahm
ESET (WeLiveSecurity)
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Am 17.12.2016 kurz vor Mitternacht wurde die 330-kV-Umspannstation Pivnichna des ukrainischen Netzbetreibers Ukrenergo bei Kiew Ziel eines Cyberangriffs mit der Schadsoftware Industroyer, auch CrashOverride genannt. Die Malware öffnete ferngesteuert Leistungsschalter der Umspannstation und trennte sie vom Netz, wodurch rund ein Fünftel des nächtlichen Stromverbrauchs der Stadt Kiew für etwa eine Stunde ausfiel. Die slowakische IT-Sicherheitsfirma ESET veröffentlichte am 12.06.2017 die erste detaillierte technische Analyse und bezeichnete Industroyer als die größte Bedrohung für industrielle Steuerungssysteme seit Stuxnet 2010. Industroyer ist ein modulares Framework, das Industrieprotokolle nutzt, um direkt mit Schaltanlagen und Schutzrelais zu kommunizieren, ergänzt um ein Löschmodul zur Verschleierung der Spuren. Es handelte sich um den zweiten dokumentierten Cyberangriff auf das ukrainische Stromnetz nach dem Vorfall vom 23.12.2015. Ukrenergo bestätigte offiziell, dass der Stromausfall auf einen Cyberangriff zurückzuführen war. Ein Versuch, zusätzlich vier Siemens-Schutzrelais dauerhaft zu deaktivieren, scheiterte, da die Datenpakete an eine falsche IP-Adresse gesendet wurden.

Aus der ESET-Quelle geht keine offizielle staatliche Zuordnung zu einem Täter oder Land hervor; eine Verbindung zur russischen Gruppe Sandworm wurde erst später von anderen Stellen hergestellt. Auch die genaue Zahl der betroffenen Haushalte wird nicht beziffert.

BSDC-J-GER-2017-1788
Relevanz 3ICS-SICHERHEIT, KRITIS-CYBERANGRIFF
04.08.2017
Triton-Malware attackiert Sicherheitssysteme einer saudi-arabischen Petrochemieanlage
heise online
Recherche: DC
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Im Juni 2017 löste die Malware Triton, auch Trisis oder HatMan genannt, durch einen Programmierfehler unbeabsichtigt eine Notabschaltung in einer petrochemischen Anlage in Saudi-Arabien aus, was zunächst als mechanischer Defekt gewertet wurde. Am 04.08.2017 kam es zu einer zweiten Abschaltung, woraufhin die Betreiber Sicherheitsberater sowie die Firmen FireEye und Dragos hinzuzogen. Die Ermittler fanden Schadsoftware auf einer Ingenieurs-Workstation des Sicherheitssystems Triconex des Herstellers Schneider Electric. Triton war die erste bekannt gewordene Schadsoftware, die gezielt sicherheitsinstrumentierte Systeme angriff, welche Anlagen bei Gefahr automatisch in einen sicheren Zustand versetzen sollen. Durch einen Fehler im Schadcode lösten die Triconex-Controller vorzeitig eine Sicherheitsabschaltung aus, bevor die Angreifer ihr eigentliches Ziel erreichen konnten, wodurch Personenschäden ausblieben. Im Oktober 2018 ordnete FireEye die Angriffswerkzeuge dem russischen Zentralen Wissenschaftlichen Forschungsinstitut für Chemie und Mechanik in Moskau zu. Am 23.10.2020 verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen dieses Institut.

Der Name der betroffenen Anlage wird in Medienberichten oft mit Petro Rabigh in Verbindung gebracht, ist in dieser Quelle jedoch nicht namentlich bestätigt; ebenso bleibt die genaue Identität der ausführenden Angreifer ungeklärt.

BSDC-J-GER-2005-1789
Relevanz 3ROOTKIT-SKANDAL, DRM-SPYWARE
31.10.2005
Sony-BMG-Rootkit-Skandal: Kopierschutz auf 22 Millionen Musik-CDs infiziert PCs
Wikipedia (englischsprachig)
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Am 31.10.2005 veröffentlichte der Sicherheitsforscher Mark Russinovich auf seinem Blog eine technische Analyse eines Rootkits, das er auf seinem eigenen Windows-Rechner entdeckt und auf eine Musik-CD von Sony BMG zurückgeführt hatte. Sony BMG hatte auf rund 22 Millionen verkauften CDs zwei Kopierschutzprogramme installiert: das von der Firma First 4 Internet entwickelte XCP auf etwa 2 Millionen CDs mit 52 Titeln sowie MediaMax CD 3 auf rund 20 Millionen CDs mit etwa 50 Titeln. XCP versteckte sich mittels Rootkit-Technik vor dem Betriebssystem, ließ sich nicht regulär deinstallieren und schuf Sicherheitslücken, die von unabhängiger Schadsoftware ausgenutzt wurden. Sicherheitsfirmen schätzten, dass mehr als 500.000 Computernetzwerke in über 100 Ländern betroffen waren, darunter auch Netzwerke von US-Behörden und des Militärs. Am 21.11.2005 verklagte der texanische Generalstaatsanwalt Greg Abbott Sony BMG wegen Verstoßes gegen das texanische Anti-Spyware-Gesetz. Sony BMG kündigte am 15.11.2005 einen Rückruf der unverkauften CDs an. Im Dezember 2006 einigte sich der Konzern mit mehreren US-Bundesstaaten auf einen Vergleich, im Januar 2007 folgte eine Einigung mit der FTC, die Sony BMG zum Umtausch betroffener CDs sowie zur Erstattung von bis zu 150 US-Dollar für Reparaturkosten verpflichtete.

Aus dieser Quelle nicht belegt sind die genaue Gesamtzahl tatsächlich infizierter Einzelcomputer weltweit sowie strafrechtliche Konsequenzen für Sony BMG oder First 4 Internet, da alle bekannten Verfahren zivilrechtlich per Vergleich beigelegt wurden.

BSDC-O-GER-2015-1790
Relevanz 3ADWARE-VORINSTALLATION, ZERTIFIKATSVERTRAUEN
19.02.2015
Lenovo-Superfish-Adware bricht HTTPS-Verschlüsselung, FTC-Vergleich über 3,5 Millionen Dollar
US-Bundeshandelskommission (FTC)
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Der PC-Hersteller Lenovo installierte zwischen dem 01.09.2014 und dem 28.02.2015 auf zahlreichen Consumer-Notebooks werksseitig die Adware VisualDiscovery des Unternehmens Superfish vor. Die Software blendete Werbung in Suchergebnisse und Webseiten ein und nutzte dafür ein selbstsigniertes Root-Zertifikat, das auf allen betroffenen Geräten denselben privaten Schlüssel verwendete. Dadurch konnte die Software auch verschlüsselte HTTPS-Verbindungen entschlüsseln, wodurch zugleich jeder Angreifer mit Kenntnis des Schlüssels sich als beliebige Website ausgeben und Man-in-the-Middle-Angriffe durchführen konnte. Am 19.02.2015 wurde das Sicherheitsproblem öffentlich bekannt, am 20.02.2015 warnte das US-Heimatschutzministerium offiziell vor der Software. Laut FTC hatte Superfish Lenovo durch die Vorinstallation Einnahmen von bis zu 250.000 US-Dollar eingebracht. Am 05.09.2017 einigte sich Lenovo mit der FTC und 32 US-Bundesstaaten auf einen Vergleich über 3,5 Millionen US-Dollar sowie ein 20-jähriges verpflichtendes Softwaresicherheitsprogramm. Im November 2018 einigte sich Lenovo zusätzlich in einer Sammelklage auf eine Zahlung von 7,3 Millionen US-Dollar an betroffene Kunden.

Die genaue Anzahl der betroffenen Laptops ist offiziell nicht beziffert, Quellen sprechen lediglich von Hunderttausenden Geräten. Ob die Schwachstelle vor ihrer öffentlichen Aufdeckung bereits von Dritten aktiv zum Abfangen von Daten ausgenutzt wurde, ist nicht belegt.

BSDC-J-GER-2018-1794
Relevanz 3SUPPLY-CHAIN-ANGRIFF, SPIONAGE-CHIP
04.10.2018
Bloomberg-Bericht über Spionagechips bei Supermicro betrifft angeblich 30 US-Firmen
ComputerBase
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Bloomberg Businessweek veröffentlichte am 04.10.2018 unter dem Titel The Big Hack einen Bericht, wonach chinesische Akteure winzige, bleistiftspitzengroße Spionagechips in Mainboards des US-Herstellers Supermicro eingeschleust haben sollen. Laut dem Bericht wurden die Chips bei Zulieferern in China auf die Platinen aufgebracht und sollen rund 30 US-Unternehmen und Behörden betroffen haben, darunter Apple, Amazon, Banken, Cloud-Anbieter sowie das Pentagon und die CIA. Apple soll die Manipulation durch ungewöhnlichen Netzwerkverkehr entdeckt haben und tauschte 2016 nach Bloomberg-Angaben etwa 7.000 betroffene Server aus. Ein tatsächlicher Datenabfluss wurde in dem Bericht nicht belegt. Apple, Amazon und Supermicro dementierten den Bericht unmittelbar und wiederholt, Supermicros Aktienkurs brach nach der Veröffentlichung um mehr als 45 Prozent ein. Auch US-Behörden wie das Heimatschutzministerium, das FBI und die NSA erklärten öffentlich, keine Kenntnis von einem solchen Vorfall zu haben. Eine von Supermicro beauftragte externe Untersuchungsfirma teilte am 11.12.2018 mit, keine Beweise für bösartige Hardware gefunden zu haben. Bloomberg hat den Bericht bis heute nicht zurückgezogen und bekräftigte die Vorwürfe 2021 in einem Folgeartikel.

Bis heute liegen keine unabhängig verifizierten physischen Beweise für die behaupteten Spionagechips vor, die Zahl von rund 30 betroffenen Unternehmen sowie die Existenz der Chips selbst stützen sich ausschließlich auf anonyme Quellen Bloombergs und wurden von allen namentlich genannten Firmen und mehreren US-Behörden bestritten.

BSDC-J-GER-2024-1800
Relevanz 3Open-Source-Lieferketten, Supply-Chain-Angriff
30.03.2024
XZ-Utils-Backdoor
heise online (Dr. Christopher Kunz)
Recherche: DC
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Der Microsoft-Entwickler Andres Freund entdeckte Ende März 2024 eine absichtlich eingebaute Hintertür in der Kompressionsbibliothek xz-Utils (liblzma), Versionen 5.6.0 und 5.6.1, weil ihm ungewöhnlich langsame SSH-Anmeldungen auffielen. Ein seit Jahren als vertrauenswürdiger Mitentwickler agierender Nutzer unter dem Pseudonym Jia Tan hatte den Schadcode eingeschleust, der laut CVE-2024-3094 (CVSS-Wert 10.0) eine Fernausführung von Code über OpenSSH ermöglichen sollte. Betroffen waren nur instabile Distributionsversionen und einzelne Paketquellen, stabile Debian-, Ubuntu- und Fedora-Releases blieben verschont.

Wer sich hinter dem Pseudonym Jia Tan tatsächlich verbirgt, ob Einzelperson, Gruppe oder staatlich gelenkter Akteur, ist öffentlich nicht bewiesen. Ebenso bleibt offen, ob die Hintertür vor ihrer zufälligen Entdeckung bereits aktiv ausgenutzt wurde und in welchem Umfang reale Systeme betroffen waren.

BSDC-P-GER-2024-1801
Relevanz 3KRITISCHE-INFRASTRUKTUR, GERAETE-OS
24.07.2024
CrowdStrike-Sensor-Update legt weltweit Windows-Systeme lahm
CrowdStrike
Recherche: DC
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CrowdStrike verteilte am 19. Juli 2024 um 04:09 UTC ein fehlerhaftes Konfigurationsupdate für den Windows-Sensor seiner Falcon-Sicherheitssoftware, das durch einen Speicherzugriffsfehler massenhafte Systemabstürze mit Bluescreen auslöste. Betroffen waren Windows-Hosts mit Sensor-Version 7.11 oder neuer, die bis zur Rücknahme des Updates um 05:27 UTC online waren; Mac- und Linux-Systeme blieben verschont. Microsoft bezifferte die Zahl betroffener Windows-Geräte separat auf rund 8,5 Millionen, was weltweit Fluggesellschaften, Krankenhäuser und Banken lahmlegte.

CrowdStrikes eigener vorläufiger Bericht nennt selbst keine Gesamtzahl betroffener Geräte oder Unternehmen; die vielzitierte Zahl von 8,5 Millionen Geräten stammt von Microsoft, nicht von CrowdStrike. Der wirtschaftliche Gesamtschaden sowie mögliche Todesfälle im Zusammenhang mit ausgefallenen Krankenhaus- oder Notrufsystemen sind aus dieser Quelle nicht beziffert oder belegt.

BSDC-J-GER-2025-1819
Relevanz 3Flock-Safety, Kennzeichenerfassung
27.05.2025
ICE nutzt Flock-Kennzeichenkameras über lokale Polizei ohne offiziellen Vertrag
404 Media (Jason Koebler, Joseph Cox)
Recherche: DC
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Die Investigativplattform 404 Media wertete im Mai 2025 Audit-Protokolle von Flock Safety aus und fand mehr als 4.000 landesweite Kennzeichen-Suchanfragen lokaler und bundesstaatlicher Polizeibehörden mit dem angegebenen Suchgrund ICE, ICE+ERO, ICE WARRANT oder illegal immigration. Flocks automatisiertes Kennzeichenerfassungsnetzwerk ist in mehr als 5.000 US-Gemeinden aktiv, ICE selbst hat keinen offiziellen Vertrag mit Flock. Alle ausgewerteten Suchanfragen mit dem Grund immigration erfolgten erst nach Trumps Amtsantritt im Januar 2025.

Nicht belegt ist, ob die einzelnen Polizeibehörden diese Suchen bewusst im Auftrag von ICE und im Rahmen geltender Gesetze durchführten oder ob es sich um unautorisierte Umgehungen lokaler Vorschriften handelte. Offen bleibt zudem, wie viele der über 4.000 Abfragen tatsächlich zu Festnahmen oder Abschiebungen führten.

BSDC-J-GER-2015-1824
Relevanz 3STAATSTROJANER, REGIERUNGSMALWARE
06.07.2015
Hacking-Team-Leak: Italienischer Spyware-Hersteller gehackt, 400 GB Kundendaten veröffentlicht
netzpolitik.org
Recherche: DC
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Am 6. Juli 2015 wurden rund 400 Gigabyte interne Daten der italienischen Überwachungssoftware-Firma Hacking Team veröffentlicht, nachdem Unbekannte den Twitter-Account des Unternehmens gekapert und in Hacked Team umbenannt hatten. Der Leak umfasste E-Mails, Quellcode der Spähsoftware Remote Control System, interne Handbücher sowie Rechnungen an Kunden im Gesamtwert von über 4 Millionen Euro. Als Kunden identifiziert wurden unter anderem Ägypten, Saudi-Arabien, Sudan, Äthiopien sowie deutsche Behörden wie BKA und Verfassungsschutz.

Wer hinter dem Angriff steckte, wurde nie offiziell festgestellt. Der Angreifer hinterließ lediglich den Hinweis Since we have nothing to hide, ohne sich zu identifizieren. Ob es sich um dieselbe Person handelte, die zuvor den Spyware-Hersteller FinFisher angriff, blieb reine Spekulation.

BSDC-J-GER-2022-1825
Relevanz 3Staatstrojaner, Spyware-Export
28.03.2022
FinFisher-Insolvenz nach Ermittlungen wegen illegaler Spyware-Exporte
Andre Meister, netzpolitik.org
Recherche: DC
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Die Münchner FinFisher-Firmengruppe meldete im Februar 2022 Insolvenz an und entließ alle 22 Mitarbeiter, nachdem die Staatsanwaltschaft München Ende 2021 einen Vermögensarrest gegen die Konten erlassen hatte. Grundlage war eine Strafanzeige von netzpolitik.org, der Gesellschaft für Freiheitsrechte, Reporter ohne Grenzen und dem ECCHR von Juli 2019 wegen mutmaßlich illegaler Exporte der Spähsoftware FinSpy ohne die seit 2015 erforderliche Genehmigung, unter anderem in die Türkei. Ende 2020 durchsuchte die Staatsanwaltschaft 15 Geschäftsräume und Privatwohnungen im Zuge der Ermittlungen.

Ob es tatsächlich zu einer Anklage oder Verurteilung kam, ist durch diese Quelle nicht belegt; der Abschluss der Ermittlungen war zum Berichtszeitpunkt nicht absehbar. Ebenfalls nicht dokumentiert sind eine Stellungnahme der Geschäftsführung zu den Vorwürfen sowie der genaue Umfang der Exporte in weitere genannte Länder wie Ägypten und Myanmar.

BSDC-J-GER-2021-1826
Relevanz 3RING-UEBERWACHUNG, POLIZEI-UEBERWACHUNG
16.02.2021
LAPD forderte Ring-Kamera-Aufnahmen von Black-Lives-Matter-Protesten an
Electronic Frontier Foundation (EFF)
Recherche: DC
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Durch eine Anfrage nach dem Public-Records-Recht deckte die EFF E-Mails auf, in denen die Polizei von Los Angeles (LAPD) im Sommer 2020 gezielt Ring-Nutzer um Videoaufnahmen von Black-Lives-Matter-Protesten bat. Eine Anfrage der eigens gebildeten Task Force Safe L.A. vom 1. Juni 2020 brachte innerhalb von zwei Stunden Filmmaterial. Die Anfragen liefen über das Polizei-Portal von Rings Neighbors-App, ohne dass ein richterlicher Beschluss vorlag.

Wegen umfangreicher Schwärzungen von Daten, Uhrzeiten und Tatvorwürfen in den herausgegebenen Dokumenten konnte die EFF nicht abschließend feststellen, wie viele Anfragen tatsächlich gezielt Proteste betrafen und wie viel Videomaterial die LAPD insgesamt erhielt. Auch die genaue rechtliche Begründung der Polizei für einzelne Anfragen bleibt offen.

BSDC-J-GER-2024-1830
Relevanz 3Cyberspionage, Staatliche Hacking-Auftragnehmer
22.02.2024
I-Soon-Leak: Interne Dokumente eines chinesischen Hacking-Auftragnehmers
The Record (Recorded Future News)
Recherche: DC
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Am 16. Februar 2024 wurden auf GitHub hunderte interne Dokumente der chinesischen Sicherheitsfirma I-Soon (auch bekannt als Anxun) veröffentlicht, darunter Verträge, Chatprotokolle, Zielkataloge und Produktbeschreibungen für Hacking-Werkzeuge. Die Dokumente zeigen eine Zusammenarbeit mit chinesischen Behörden wie dem Ministerium für öffentliche Sicherheit sowie Angriffe auf Regierungsstellen und Organisationen in mindestens 14 Ländern, darunter Indien, Malaysia, Taiwan und Hongkonger Demokratiegruppen. BBC, NHK und die Nachrichtenagentur AP bestätigten die Echtheit der Dokumente unter anderem durch Gespräche mit zwei I-Soon-Mitarbeitern.

Wer die Dokumente leakte und aus welchem Motiv, ist bis heute nicht geklärt. Das vollständige Ausmaß der gestohlenen Daten und die Identität der meisten konkreten Opfer wurden nicht offengelegt. Die chinesische Regierung bestritt eine Verwicklung, eine unabhängige gerichtliche oder behördliche Bestätigung außerhalb Chinas liegt nicht vor.

BSDC-J-GER-2024-1831
Relevanz 3Connected-Car-Tracking, Cloud-Fehlkonfiguration
28.12.2024
VW-Cariad-Datenleck: Standortdaten von 800.000 E-Autos
heise online (Bericht über Enthüllung durch Chaos Computer Club und SPIEGEL)
Recherche: DC
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Der Chaos Computer Club deckte Ende 2024 zusammen mit dem SPIEGEL auf, dass Bewegungs- und Standortdaten von rund 800.000 Elektrofahrzeugen der VW-Konzernmarken VW, Audi, Skoda und Seat/Cupra über Monate ungeschützt in einer Amazon-Cloud der VW-Softwaretochter Cariad zugänglich waren. Für etwa 460.000 Fahrzeuge waren die Standortdaten so präzise, teils bis auf 10 Zentimeter genau, dass sich Bewegungsprofile und Lebensgewohnheiten der Halter ableiten ließen. Cariad bestätigte die Panne als Fehlkonfiguration und schloss die Sicherheitslücke nach der Meldung durch den CCC innerhalb weniger Stunden.

Nicht dokumentiert ist, ob tatsächlich Dritte außer dem CCC auf die Daten zugegriffen haben. VW erklärte lediglich, es gebe dafür keine Anhaltspunkte, was sich nicht unabhängig verifizieren lässt. Offen bleibt zudem, seit wann genau die Daten ungeschützt online standen und wie die ursprüngliche anonyme Hinweisgeberquelle die Lücke fand.

BSDC-J-GER-2024-1837
Relevanz 3GESICHTSERKENNUNG, STAAT
10.05.2024
BKA testete Gesichtserkennungssoftware mit Millionen Fahndungsfotos
netzpolitik.org (Anna Biselli)
Recherche: DC
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Das Bundeskriminalamt stellte im Projekt EGES (Ertüchtigung des Gesichtserkennungssystems im BKA) bis 2019 rund 5 Millionen Fotos von etwa 3 Millionen Personen aus der zentralen INPOL-Datenbank bereit, um damit kommerzielle Gesichtserkennungssoftware zu testen. Die Tests führte das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung durch, ergänzt um Bilder von 147 freiwilligen Testpersonen. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz bewertete die vom BKA angeführte Rechtsgrundlage als unzureichend und die Berufung auf den Forschungsparagrafen des BKA-Gesetzes als problematisch.

Ob die getesteten Softwareprodukte oder Hersteller anschließend tatsächlich beschafft und im Wirkbetrieb eingesetzt wurden, ist aus dieser Quelle nicht belegt. Trotz monatelanger Verhandlungen kam laut Bericht keine Einigung zwischen BKA und Datenschutzbeauftragtem über die Rechtmäßigkeit zustande, das Verfahren blieb offen.

BSDC-J-GER-2020-1841
Relevanz 3Supply-Chain-Angriff, Cyberspionage
15.12.2020
SolarWinds-Sunburst-Lieferkettenangriff
heise online
Recherche: DC
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Mutmaßlich staatliche Hacker schleusten die Schadsoftware Sunburst in reguläre Updates der Netzwerkmanagement-Software Orion von SolarWinds ein. Die betroffenen Versionen wurden zwischen März und Juni 2020 an rund 18.000 Kunden verteilt, darunter US-Ministerien, das Pentagon, das Außenministerium sowie zahlreiche Fortune-500-Unternehmen. Die Sicherheitsfirma FireEye deckte den Angriff auf und dokumentierte die Kampagne unter dem Namen UNC2452.

Wie die Angreifer genau in das interne Netzwerk von SolarWinds eindrangen und den Quellcode manipulierten, ist öffentlich nicht abschließend geklärt. Offen bleibt auch, ob ein einfaches Software-Update zur vollständigen Bereinigung betroffener Systeme ausreicht. Das genaue Ausmaß der Datenabflüsse bei den einzelnen betroffenen Behörden und Unternehmen ist nicht vollständig öffentlich dokumentiert.

BSDC-P-GER-2023-1850
Relevanz 3Gesundheitsdaten, Adtech
14.07.2023
FTC-Bußgeld gegen BetterHelp wegen Weitergabe von Gesundheitsdaten an Werbeplattformen
Federal Trade Commission (FTC)
Recherche: DC
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Die FTC stellte fest, dass der Online-Therapieanbieter BetterHelp E-Mail-Adressen, IP-Adressen und Antworten aus Gesundheitsfragebögen seiner Nutzer an Facebook, Snapchat, Criteo und Pinterest zu Werbezwecken weitergab, obwohl das Unternehmen in seiner Datenschutzerklärung Vertraulichkeit zugesichert hatte. Am 2. März 2023 wurde eine Einigung bekanntgegeben, die die FTC am 14. Juli 2023 endgültig bestätigte. BetterHelp muss 7,8 Millionen US-Dollar zur Rückerstattung an betroffene Nutzer zahlen und darf Nutzerdaten künftig nicht mehr für zielgerichtete Werbung an Dritte weitergeben.

Offen bleibt, wie viele Nutzer konkret betroffen waren und in welchem Umfang die weitergegebenen Daten von den Werbeplattformen tatsächlich für individuelle Zielgruppenansprache genutzt wurden. BetterHelp räumte im Rahmen der Einigung kein Fehlverhalten ein, ein gerichtliches Urteil zur Schuldfrage liegt nicht vor.

BSDC-J-GER-2018-1861
Relevanz 3Staatliche Cyberspionage, Regierungsnetz-Sicherheit
02.03.2018
Bundeshack: Cyberangriff auf das Auswärtige Amt
heise online (Stefan Krempl)
Recherche: DC
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Angreifer drangen über einen gehackten Webserver der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung in das Regierungsnetz IVBB ein und kompromittierten mit einem dort platzierten Trojaner 17 Rechner im Auswärtigen Amt. Ein ausländischer Geheimdienst hatte die Bundesregierung am 19. Dezember 2017 gewarnt, das BSI fand die Kompromittierung Anfang Januar 2018, öffentlich bekannt wurde der Vorfall am 28. Februar 2018. Die Bundesregierung ordnete den Angriff der Gruppe Snake/Turla zu.

Wie genau die Angreifer letztlich Administratorrechte im Auswärtigen Amt erlangten, blieb offen. Der genaue Umfang der abgeflossenen Daten wurde nie vollständig öffentlich gemacht, laut Presseberichten sollen unter anderem sechs Dokumente mit Russland-, Ukraine- und Belarus-Bezug betroffen gewesen sein. Eine gerichtsfeste, offizielle Zuordnung zu einem staatlichen Auftraggeber erfolgte nicht.