Quellen-Tabelle
Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.
| BSDC-ID | Datum | Titel & Quelle | Kernaussage | Klartext |
|---|---|---|---|---|
| BSDC-J-GER-2020-1730 Relevanz 3RANSOMWARE-ANGRIFF, WEARABLES-AUSFALL | 23.07.2020 | Garmin-Ausfall 2020: WastedLocker-Ransomware und 10-Millionen-Dollar-Lösegeldforderung von Evil Corp heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 23.07.2020 wurde der US-amerikanische Wearable- und Navigationshersteller Garmin Opfer eines Cyberangriffs, der Teile seiner internen IT-Systeme verschlüsselte. Betroffen waren unter anderem der Cloud-Dienst Garmin Connect, die Flugplanungs-App flyGarmin, der Satellitenkommunikationsdienst inReach sowie der gesamte Kundensupport. Nutzer konnten mehrere Tage lang keine Trainings- und Gesundheitsdaten zwischen ihren Geräten und der Garmin-Cloud synchronisieren. Als Ursache identifizierten IT-Sicherheitsmedien die Ransomware WastedLocker, die der russischen Gruppe Evil Corp zugeschrieben wird. Berichten zufolge forderten die Angreifer ein Lösegeld von rund 10 Millionen US-Dollar in Kryptowährung. Garmin bestätigte den Cyberangriff erstmals öffentlich am 27.07.2020 und erklärte, es gebe keine Hinweise darauf, dass Kundendaten einschließlich Zahlungsinformationen aus Garmin Pay abgerufen worden seien. Die Wiederherstellung der Dienste zog sich bis Ende Juli 2020 hin. Die Garmin-Aktie verlor nach Bekanntwerden des Ausfalls zeitweise rund 4 Prozent an Wert. | Ob Garmin tatsächlich Lösegeld zahlte, in welcher genauen Höhe und ob die Zuordnung zur Ransomware WastedLocker und zur Gruppe Evil Corp zutrifft, hat Garmin selbst nie offiziell bestätigt; diese zentralen Details stützen sich auf anonyme Insider-Quellen und spätere Medienberichte. |
| BSDC-J-GER-2016-1746 Relevanz 3DUTERTE-DROGENKRIEG, STAATLICHE-VERDAECHTIGENLISTEN | 08.10.2016 | Philippinen: Watchlist für Metro Manila mit 11.700 Drogenverdächtigen im Drogenkrieg Reuters (veröffentlicht via GMA News Online) Recherche: DC Quelle öffnen → | Nach dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo Duterte am 30.06.2016 bauten philippinische Polizei und lokale Behörden im Rahmen des landesweiten Kriegs gegen Drogen systematische Verdächtigenlisten auf. Die Listen wurden primär von Barangay Anti-Drug Abuse Councils erstellt, kommunalen Gremien, die mutmaßliche Drogennutzer und -händler identifizierten. Die gemeldeten Namen wurden danach von nationalen Polizei- und Geheimdienststellen validiert, wie Polizeichef Ronald dela Rosa gegenüber Reuters bestätigte. Laut dem am 08.10.2016 veröffentlichten Reuters-Bericht umfasste allein die Liste für Metro Manila 11.700 mutmaßliche Nutzer und Händler, die Provinz Bulacan meldete rund 17.000 Namen. Bis zur Veröffentlichung des Berichts waren seit dem 30.06.2016 mehr als 3.600 Menschen im Zuge der Kampagne getötet worden, darunter 1.377 bei Polizeieinsätzen erschossene Personen, von denen laut Reuters die meisten zuvor auf einer solchen Liste geführt worden waren. Karen Gomez Dumpit von der philippinischen Menschenrechtskommission warnte, das Listensystem schaffe ein Umfeld, in dem jemand mit persönlichem Groll und einer Waffe sein Ziel gezielt aufspüren könne. | Der Bericht nennt keine landesweite Gesamtzahl aller in den Watchlists erfassten Namen, sondern nur einzelne Regionalzahlen, und belegt nicht im Einzelfall, ob eine konkrete Tötung ursächlich auf den jeweiligen Listeneintrag zurückging. |
| BSDC-J-GER-2021-1748 Relevanz 3STAATSTROJANER, QUELLEN-TKUE | 22.02.2021 | BKA-Bundestrojaner RCIS trotz 5,77 Millionen Euro Kosten bis 2020 nie erfolgreich eingesetzt heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 24. August 2017 trat in Deutschland das Gesetz zur effektiveren und praxistauglicheren Ausgestaltung des Strafverfahrens in Kraft, das mit den Paragrafen 100a und 100b der Strafprozessordnung erstmals eine ausdrückliche gesetzliche Grundlage für den Einsatz von Staatstrojanern schuf. Das Bundeskriminalamt entwickelte parallel eine eigene Überwachungssoftware namens RCIS, deren Entwicklung laut Bundesregierung bis 2020 rund 5,77 Millionen Euro kostete. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage von Bundestagsabgeordneten der Grünen, ausgewertet von heise online am 22. Februar 2021, wurde dieser Bundestrojaner zwischen 2017 und 2020 in keinem einzigen abgeschlossenen Ermittlungs- oder Gefahrenabwehrverfahren des BKA erfolgreich eingesetzt. Auch die kommerzielle Software FinSpy kam beim BKA nach diesen Angaben bislang nicht zum Einsatz. Für das Jahr 2019 wiesen offizielle Zahlen bundesweit lediglich 15 tatsächlich durchgeführte Staatstrojaner-Einsätze aus. Die Zahl der tatsächlich durchgeführten Maßnahmen stieg in den Folgejahren, etwa auf 22 im Jahr 2020 und 32 im Jahr 2021, überwiegend im Bereich der Drogenkriminalität. | Aus der Quelle nicht abschließend belegt ist, in welchem Umfang spätere Einsätze auf die BKA-Eigenentwicklung RCIS statt auf andere, teils von Landesbehörden genutzte Trojaner-Software entfielen. |
| BSDC-J-GER-2012-1765 Relevanz 3NSA-UEBERWACHUNG, MASSENDATENSPEICHERUNG | 15.03.2012 | NSA baut Utah Data Center: 2-Milliarden-Dollar-Anlage für weltweite Kommunikationsdaten Wired (James Bamford) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 15.03.2012 veröffentlichte der Journalist James Bamford im Magazin Wired einen Artikel über das Utah Data Center der NSA in Bluffdale, Utah, auf dem Gelände von Camp Williams der dortigen Nationalgarde. Der Baubeginn erfolgte am 06.01.2011, die Anlage kostete nach Bamfords Recherche rund 2 Milliarden US-Dollar und umfasste etwa eine Million Quadratfuß Gesamtfläche. Laut Artikel soll die Anlage sämtliche Formen von Kommunikation abfangen, entschlüsseln, analysieren und speichern können, darunter vollständige Inhalte privater E-Mails, Mobiltelefonate und Suchanfragen, die über Satelliten sowie unterseeische und unterirdische Glasfaserkabel geleitet werden. Bamford verband die Anlage mit dem nach den Anschlägen vom 11.09.2001 gestarteten Überwachungsprogramm Stellar Wind. Die NSA wies eine rechtswidrige Überwachung von US-Bürgern zurück. Die Fertigstellung, ursprünglich für September 2013 geplant, verzögerte sich durch wiederholte Stromausfälle um etwa ein Jahr bis Mai 2014. | Die tatsächliche Speicherkapazität der Anlage ist bis heute als Verschlusssache eingestuft; spätere Schätzungen auf Basis unklassifizierter Baupläne gehen von lediglich 3 bis 12 Exabyte aus, deutlich unter den in Bamfords Artikel diskutierten Yottabyte-Größenordnungen. |
| BSDC-J-GER-2018-1774 Relevanz 3MELTDOWN-SPECTRE, CPU-SEITENKANALANGRIFF | 03.01.2018 | Meltdown und Spectre: CPU-Lücken betreffen fast alle Prozessoren seit 1995 Wikipedia Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 3. Januar 2018 veröffentlichten Sicherheitsforscher zeitgleich die beiden Prozessor-Sicherheitslücken Meltdown und Spectre, nachdem betroffene Hersteller bereits am 28.07.2017 informiert worden waren. Meltdown wurde unabhängig voneinander von Forschern des Google Project Zero, der TU Graz und der Firma Cyberus Technology entdeckt. Meltdown betrifft praktisch alle Intel-x86-Prozessoren seit 1995 sowie ARM- und IBM-POWER-Prozessoren, AMD-Chips sind nicht betroffen. Spectre lässt sich dagegen auf Prozessoren von Intel, AMD und ARM ausnutzen und betrifft damit praktisch alle modernen Computer, Smartphones und Server weltweit. Beide Lücken missbrauchen die spekulative Befehlsausführung moderner CPUs, um über Cache-Seitenkanalangriffe eigentlich geschützten Speicherinhalt auszulesen. Als Gegenmaßnahme gegen Meltdown wurde die Kernel Page Table Isolation eingeführt, deren Einsatz je nach Workload zu Leistungseinbußen von bis zu 30 Prozent führen kann. Die koordinierte Offenlegung war ursprünglich für den 9. Januar 2018 geplant, wurde jedoch wegen zunehmender öffentlicher Spekulationen vorgezogen. | Aus dieser Quelle nicht belegt sind die genaue weltweite Anzahl betroffener Geräte in absoluten Zahlen sowie ob die Lücken vor der Offenlegung bereits für reale Angriffe mit Datenabfluss ausgenutzt wurden. |
| BSDC-J-GER-2017-1775 Relevanz 3NSA-EXPLOIT-LEAK, CYBERWAFFEN | 14.04.2017 | Shadow Brokers leaken NSA-Exploit EternalBlue, Basis für WannaCry-Infektion von 200.000 Rechnern Wikipedia Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 14.04.2017 veröffentlichte die Hackergruppe Shadow Brokers eine Sammlung gestohlener Cyberwaffen der US-Geheimdienstbehörde NSA, darunter den Exploit EternalBlue. EternalBlue nutzt eine Schwachstelle im Server-Message-Block-Protokoll von Microsoft Windows aus und ermöglicht Angreifern, ohne Nutzerinteraktion Schadcode auf verwundbaren Systemen auszuführen. Die NSA hatte die Sicherheitslücke jahrelang geheim gehalten und für eigene Operationen genutzt, bevor sie Microsoft im Zuge des Diebstahls informierte. Microsoft veröffentlichte bereits am 14.03.2017, einen Monat vor der Shadow-Brokers-Veröffentlichung, den Sicherheitspatch MS17-010. Nach dem Ausbruch der Ransomware WannaCry am 12.05.2017 stellte Microsoft am 13.05.2017 zusätzlich Notfallpatches für veraltete Windows-Versionen bereit. WannaCry nutzte EternalBlue zur automatischen Verbreitung und infizierte nach verbreiteten Schätzungen mehr als 200.000 Computer in über 150 Ländern. Im Juni 2017 kam EternalBlue erneut bei der Schadsoftware NotPetya zum Einsatz. Die Identität der Shadow Brokers blieb bis heute ungeklärt. | Die genaue Urheberschaft der Shadow Brokers ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt, es gibt keine bestätigte Anklage oder Verurteilung im Zusammenhang mit dem Diebstahl selbst. Auch die exakte Zahl der durch WannaCry infizierten Systeme schwankt je nach Quelle zwischen rund 36.000 und über 200.000. |
| BSDC-J-GER-2016-1778 Relevanz 3IOT-BOTNET, DDOS-ANGRIFF | 21.10.2016 | Mirai-Botnet: 300.000 gekaperte IoT-Geräte legen DNS-Dienst Dyn lahm Krebs on Security (Brian Krebs) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 20.09.2016 traf ein DDoS-Angriff mit rund 620 Gbit/s aus etwa 175.000 mit der Schadsoftware Mirai infizierten IoT-Geräten den Sicherheitsblog KrebsOnSecurity. Am 21.10.2016 legte dasselbe Mirai-Botnetz, das zu diesem Zeitpunkt über 300.000 kompromittierte Geräte wie Router, IP-Kameras und Videorekorder umfasste, den DNS-Dienstleister Dyn lahm und machte Onlinedienste wie Twitter, Netflix, Reddit, Amazon und GitHub zeitweise in weiten Teilen der USA unerreichbar. Ursache war die automatisierte Übernahme der Geräte über werkseitig voreingestellte Standardpasswörter. Der Programmcode von Mirai wurde Anfang Oktober 2016 öffentlich veröffentlicht. Am 13.12.2017 bekannten sich die Autoren Paras Jha, Josiah White und Dalton Norman vor einem Bundesgericht in Alaska schuldig, gegen den Computer Fraud and Abuse Act verstoßen zu haben. Jha und Norman gestanden zudem ein separates Klickbetrugsschema mittels des Botnetzes ein, aus dem Jha rund 200 Bitcoin und Norman über 30 Bitcoin erlöst hatten. | Aus dieser Quelle nicht belegt sind die genaue Zahl der beim Dyn-Angriff aktiv beteiligten Geräte (andere Quellen nennen rund 100.000) sowie das spätere Strafmaß, da die drei Angeklagten laut nachfolgenden Berichten wegen Kooperation mit dem FBI im September 2018 letztlich zu Bewährung ohne Haftstrafe verurteilt wurden. |
| BSDC-J-GER-2011-1783 Relevanz 3CYBERSPIONAGE, ICS-MALWARE | 01.09.2011 | Duqu-Spähsoftware infiziert 2011 Industriefirmen in acht Ländern Wikipedia Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Sicherheitsforscher des CrySyS Lab der Budapester Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität entdeckten die Schadsoftware Duqu am 01.09.2011. Der Sicherheitsanbieter Symantec bestätigte die Analyse und stellte umfangreiche Code-Übereinstimmungen mit dem Computerwurm Stuxnet fest, woraus geschlossen wurde, dass Duqu von denselben Autoren oder mit Zugriff auf den Stuxnet-Quellcode entwickelt wurde. Anders als Stuxnet sabotierte Duqu keine Industrieanlagen, sondern diente der Spionage: Es installierte Keylogger, Bildschirmrekorder und Netzwerk-Scanner. Die Infektion erfolgte über präparierte Word-Dokumente, die eine bis dahin unbekannte Sicherheitslücke im Win32k-TrueType-Schriftartenparser von Windows ausnutzten; Microsoft veröffentlichte den zugehörigen Sicherheitshinweis MS11-087 am 13.11.2011. Die Schadsoftware nutzte ein gestohlenes, gültiges Digitalzertifikat der taiwanesischen Firma C-Media zur Signierung ihrer Treiber; das Zertifikat wurde am 14.10.2011 widerrufen. Symantec bestätigte Infektionen bei mindestens sechs Organisationen in acht Ländern, darunter Frankreich, die Niederlande, die Schweiz, die Ukraine, Indien, der Sudan, Vietnam und mehrfach im Iran. Duqu war so programmiert, dass es sich nach 36 Tagen selbständig von infizierten Systemen löschte. | Aus dieser Quelle nicht belegt ist die genaue Urheberschaft beziehungsweise staatliche Zurechnung von Duqu; diese gilt als plausibel, wurde aber nie offiziell bewiesen. Ebenso bleibt die tatsächliche Gesamtzahl befallener Organisationen weltweit unklar. |
| BSDC-J-GER-2015-1786 Relevanz 3KRITIS-CYBERANGRIFF, SANDWORM-APT | 23.12.2015 | Sandworm-Hackerangriff legt ukrainisches Stromnetz lahm: 230.000 Haushalte ohne Strom Wired (Kim Zetter) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 23.12.2015 griff die Hackergruppe Sandworm drei ukrainische Energieversorger an: Prykarpattyaoblenergo, Chernivtsioblenergo und Kyivoblenergo. Der Angriff begann Monate zuvor mit Spear-Phishing-E-Mails, die die Schadsoftware BlackEnergy 3 in den Firmennetzwerken platzierten. Die Angreifer erlangten darüber Zugriff auf die SCADA-Steuerungssysteme und schalteten bei Prykarpattyaoblenergo 30 Umspannwerke ab. Rund 230.000 Verbraucher waren zwischen einer und sechs Stunden ohne Strom. Zeitgleich setzten die Angreifer die Löschsoftware KillDisk ein, um Dateien unbrauchbar zu machen, und überlasteten mit einem Denial-of-Service-Angriff die Telefonzentrale, sodass betroffene Kunden Störungen nicht melden konnten. Die Netzbetreiber stellten die Versorgung teils durch manuelles Eingreifen der Mitarbeiter vor Ort wieder her. Der Vorfall gilt als der erste öffentlich bestätigte erfolgreiche Cyberangriff auf ein Stromnetz. US-Behörden und mehrere Sicherheitsfirmen ordneten die Operation der Gruppe Sandworm zu, die mit russischen Interessen im Ukraine-Konflikt in Verbindung gebracht wird. | Aus dieser Quelle ist keine formelle juristische Zurechnung zu einer bestimmten russischen Regierungsstelle oder Einzelperson belegt, ebenso wenig eine strafrechtliche Verurteilung oder eine bezifferte finanzielle Entschädigung der betroffenen Energieversorger. |
| BSDC-J-GER-2017-1788 Relevanz 3ICS-SICHERHEIT, KRITIS-CYBERANGRIFF | 04.08.2017 | Triton-Malware attackiert Sicherheitssysteme einer saudi-arabischen Petrochemieanlage heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Juni 2017 löste die Malware Triton, auch Trisis oder HatMan genannt, durch einen Programmierfehler unbeabsichtigt eine Notabschaltung in einer petrochemischen Anlage in Saudi-Arabien aus, was zunächst als mechanischer Defekt gewertet wurde. Am 04.08.2017 kam es zu einer zweiten Abschaltung, woraufhin die Betreiber Sicherheitsberater sowie die Firmen FireEye und Dragos hinzuzogen. Die Ermittler fanden Schadsoftware auf einer Ingenieurs-Workstation des Sicherheitssystems Triconex des Herstellers Schneider Electric. Triton war die erste bekannt gewordene Schadsoftware, die gezielt sicherheitsinstrumentierte Systeme angriff, welche Anlagen bei Gefahr automatisch in einen sicheren Zustand versetzen sollen. Durch einen Fehler im Schadcode lösten die Triconex-Controller vorzeitig eine Sicherheitsabschaltung aus, bevor die Angreifer ihr eigentliches Ziel erreichen konnten, wodurch Personenschäden ausblieben. Im Oktober 2018 ordnete FireEye die Angriffswerkzeuge dem russischen Zentralen Wissenschaftlichen Forschungsinstitut für Chemie und Mechanik in Moskau zu. Am 23.10.2020 verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen dieses Institut. | Der Name der betroffenen Anlage wird in Medienberichten oft mit Petro Rabigh in Verbindung gebracht, ist in dieser Quelle jedoch nicht namentlich bestätigt; ebenso bleibt die genaue Identität der ausführenden Angreifer ungeklärt. |
| BSDC-J-GER-2005-1789 Relevanz 3ROOTKIT-SKANDAL, DRM-SPYWARE | 31.10.2005 | Sony-BMG-Rootkit-Skandal: Kopierschutz auf 22 Millionen Musik-CDs infiziert PCs Wikipedia (englischsprachig) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 31.10.2005 veröffentlichte der Sicherheitsforscher Mark Russinovich auf seinem Blog eine technische Analyse eines Rootkits, das er auf seinem eigenen Windows-Rechner entdeckt und auf eine Musik-CD von Sony BMG zurückgeführt hatte. Sony BMG hatte auf rund 22 Millionen verkauften CDs zwei Kopierschutzprogramme installiert: das von der Firma First 4 Internet entwickelte XCP auf etwa 2 Millionen CDs mit 52 Titeln sowie MediaMax CD 3 auf rund 20 Millionen CDs mit etwa 50 Titeln. XCP versteckte sich mittels Rootkit-Technik vor dem Betriebssystem, ließ sich nicht regulär deinstallieren und schuf Sicherheitslücken, die von unabhängiger Schadsoftware ausgenutzt wurden. Sicherheitsfirmen schätzten, dass mehr als 500.000 Computernetzwerke in über 100 Ländern betroffen waren, darunter auch Netzwerke von US-Behörden und des Militärs. Am 21.11.2005 verklagte der texanische Generalstaatsanwalt Greg Abbott Sony BMG wegen Verstoßes gegen das texanische Anti-Spyware-Gesetz. Sony BMG kündigte am 15.11.2005 einen Rückruf der unverkauften CDs an. Im Dezember 2006 einigte sich der Konzern mit mehreren US-Bundesstaaten auf einen Vergleich, im Januar 2007 folgte eine Einigung mit der FTC, die Sony BMG zum Umtausch betroffener CDs sowie zur Erstattung von bis zu 150 US-Dollar für Reparaturkosten verpflichtete. | Aus dieser Quelle nicht belegt sind die genaue Gesamtzahl tatsächlich infizierter Einzelcomputer weltweit sowie strafrechtliche Konsequenzen für Sony BMG oder First 4 Internet, da alle bekannten Verfahren zivilrechtlich per Vergleich beigelegt wurden. |
| BSDC-J-GER-2018-1794 Relevanz 3SUPPLY-CHAIN-ANGRIFF, SPIONAGE-CHIP | 04.10.2018 | Bloomberg-Bericht über Spionagechips bei Supermicro betrifft angeblich 30 US-Firmen ComputerBase Recherche: DC Quelle öffnen → | Bloomberg Businessweek veröffentlichte am 04.10.2018 unter dem Titel The Big Hack einen Bericht, wonach chinesische Akteure winzige, bleistiftspitzengroße Spionagechips in Mainboards des US-Herstellers Supermicro eingeschleust haben sollen. Laut dem Bericht wurden die Chips bei Zulieferern in China auf die Platinen aufgebracht und sollen rund 30 US-Unternehmen und Behörden betroffen haben, darunter Apple, Amazon, Banken, Cloud-Anbieter sowie das Pentagon und die CIA. Apple soll die Manipulation durch ungewöhnlichen Netzwerkverkehr entdeckt haben und tauschte 2016 nach Bloomberg-Angaben etwa 7.000 betroffene Server aus. Ein tatsächlicher Datenabfluss wurde in dem Bericht nicht belegt. Apple, Amazon und Supermicro dementierten den Bericht unmittelbar und wiederholt, Supermicros Aktienkurs brach nach der Veröffentlichung um mehr als 45 Prozent ein. Auch US-Behörden wie das Heimatschutzministerium, das FBI und die NSA erklärten öffentlich, keine Kenntnis von einem solchen Vorfall zu haben. Eine von Supermicro beauftragte externe Untersuchungsfirma teilte am 11.12.2018 mit, keine Beweise für bösartige Hardware gefunden zu haben. Bloomberg hat den Bericht bis heute nicht zurückgezogen und bekräftigte die Vorwürfe 2021 in einem Folgeartikel. | Bis heute liegen keine unabhängig verifizierten physischen Beweise für die behaupteten Spionagechips vor, die Zahl von rund 30 betroffenen Unternehmen sowie die Existenz der Chips selbst stützen sich ausschließlich auf anonyme Quellen Bloombergs und wurden von allen namentlich genannten Firmen und mehreren US-Behörden bestritten. |
| BSDC-J-GER-2024-1800 Relevanz 3Open-Source-Lieferketten, Supply-Chain-Angriff | 30.03.2024 | XZ-Utils-Backdoor heise online (Dr. Christopher Kunz) Recherche: DC Quelle öffnen → | Der Microsoft-Entwickler Andres Freund entdeckte Ende März 2024 eine absichtlich eingebaute Hintertür in der Kompressionsbibliothek xz-Utils (liblzma), Versionen 5.6.0 und 5.6.1, weil ihm ungewöhnlich langsame SSH-Anmeldungen auffielen. Ein seit Jahren als vertrauenswürdiger Mitentwickler agierender Nutzer unter dem Pseudonym Jia Tan hatte den Schadcode eingeschleust, der laut CVE-2024-3094 (CVSS-Wert 10.0) eine Fernausführung von Code über OpenSSH ermöglichen sollte. Betroffen waren nur instabile Distributionsversionen und einzelne Paketquellen, stabile Debian-, Ubuntu- und Fedora-Releases blieben verschont. | Wer sich hinter dem Pseudonym Jia Tan tatsächlich verbirgt, ob Einzelperson, Gruppe oder staatlich gelenkter Akteur, ist öffentlich nicht bewiesen. Ebenso bleibt offen, ob die Hintertür vor ihrer zufälligen Entdeckung bereits aktiv ausgenutzt wurde und in welchem Umfang reale Systeme betroffen waren. |
| BSDC-J-GER-2025-1819 Relevanz 3Flock-Safety, Kennzeichenerfassung | 27.05.2025 | ICE nutzt Flock-Kennzeichenkameras über lokale Polizei ohne offiziellen Vertrag 404 Media (Jason Koebler, Joseph Cox) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Investigativplattform 404 Media wertete im Mai 2025 Audit-Protokolle von Flock Safety aus und fand mehr als 4.000 landesweite Kennzeichen-Suchanfragen lokaler und bundesstaatlicher Polizeibehörden mit dem angegebenen Suchgrund ICE, ICE+ERO, ICE WARRANT oder illegal immigration. Flocks automatisiertes Kennzeichenerfassungsnetzwerk ist in mehr als 5.000 US-Gemeinden aktiv, ICE selbst hat keinen offiziellen Vertrag mit Flock. Alle ausgewerteten Suchanfragen mit dem Grund immigration erfolgten erst nach Trumps Amtsantritt im Januar 2025. | Nicht belegt ist, ob die einzelnen Polizeibehörden diese Suchen bewusst im Auftrag von ICE und im Rahmen geltender Gesetze durchführten oder ob es sich um unautorisierte Umgehungen lokaler Vorschriften handelte. Offen bleibt zudem, wie viele der über 4.000 Abfragen tatsächlich zu Festnahmen oder Abschiebungen führten. |
| BSDC-J-GER-2015-1824 Relevanz 3STAATSTROJANER, REGIERUNGSMALWARE | 06.07.2015 | Hacking-Team-Leak: Italienischer Spyware-Hersteller gehackt, 400 GB Kundendaten veröffentlicht netzpolitik.org Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 6. Juli 2015 wurden rund 400 Gigabyte interne Daten der italienischen Überwachungssoftware-Firma Hacking Team veröffentlicht, nachdem Unbekannte den Twitter-Account des Unternehmens gekapert und in Hacked Team umbenannt hatten. Der Leak umfasste E-Mails, Quellcode der Spähsoftware Remote Control System, interne Handbücher sowie Rechnungen an Kunden im Gesamtwert von über 4 Millionen Euro. Als Kunden identifiziert wurden unter anderem Ägypten, Saudi-Arabien, Sudan, Äthiopien sowie deutsche Behörden wie BKA und Verfassungsschutz. | Wer hinter dem Angriff steckte, wurde nie offiziell festgestellt. Der Angreifer hinterließ lediglich den Hinweis Since we have nothing to hide, ohne sich zu identifizieren. Ob es sich um dieselbe Person handelte, die zuvor den Spyware-Hersteller FinFisher angriff, blieb reine Spekulation. |
| BSDC-J-GER-2022-1825 Relevanz 3Staatstrojaner, Spyware-Export | 28.03.2022 | FinFisher-Insolvenz nach Ermittlungen wegen illegaler Spyware-Exporte Andre Meister, netzpolitik.org Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Münchner FinFisher-Firmengruppe meldete im Februar 2022 Insolvenz an und entließ alle 22 Mitarbeiter, nachdem die Staatsanwaltschaft München Ende 2021 einen Vermögensarrest gegen die Konten erlassen hatte. Grundlage war eine Strafanzeige von netzpolitik.org, der Gesellschaft für Freiheitsrechte, Reporter ohne Grenzen und dem ECCHR von Juli 2019 wegen mutmaßlich illegaler Exporte der Spähsoftware FinSpy ohne die seit 2015 erforderliche Genehmigung, unter anderem in die Türkei. Ende 2020 durchsuchte die Staatsanwaltschaft 15 Geschäftsräume und Privatwohnungen im Zuge der Ermittlungen. | Ob es tatsächlich zu einer Anklage oder Verurteilung kam, ist durch diese Quelle nicht belegt; der Abschluss der Ermittlungen war zum Berichtszeitpunkt nicht absehbar. Ebenfalls nicht dokumentiert sind eine Stellungnahme der Geschäftsführung zu den Vorwürfen sowie der genaue Umfang der Exporte in weitere genannte Länder wie Ägypten und Myanmar. |
| BSDC-J-GER-2021-1826 Relevanz 3RING-UEBERWACHUNG, POLIZEI-UEBERWACHUNG | 16.02.2021 | LAPD forderte Ring-Kamera-Aufnahmen von Black-Lives-Matter-Protesten an Electronic Frontier Foundation (EFF) Recherche: DC Quelle öffnen → | Durch eine Anfrage nach dem Public-Records-Recht deckte die EFF E-Mails auf, in denen die Polizei von Los Angeles (LAPD) im Sommer 2020 gezielt Ring-Nutzer um Videoaufnahmen von Black-Lives-Matter-Protesten bat. Eine Anfrage der eigens gebildeten Task Force Safe L.A. vom 1. Juni 2020 brachte innerhalb von zwei Stunden Filmmaterial. Die Anfragen liefen über das Polizei-Portal von Rings Neighbors-App, ohne dass ein richterlicher Beschluss vorlag. | Wegen umfangreicher Schwärzungen von Daten, Uhrzeiten und Tatvorwürfen in den herausgegebenen Dokumenten konnte die EFF nicht abschließend feststellen, wie viele Anfragen tatsächlich gezielt Proteste betrafen und wie viel Videomaterial die LAPD insgesamt erhielt. Auch die genaue rechtliche Begründung der Polizei für einzelne Anfragen bleibt offen. |
| BSDC-J-GER-2024-1830 Relevanz 3Cyberspionage, Staatliche Hacking-Auftragnehmer | 22.02.2024 | I-Soon-Leak: Interne Dokumente eines chinesischen Hacking-Auftragnehmers The Record (Recorded Future News) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 16. Februar 2024 wurden auf GitHub hunderte interne Dokumente der chinesischen Sicherheitsfirma I-Soon (auch bekannt als Anxun) veröffentlicht, darunter Verträge, Chatprotokolle, Zielkataloge und Produktbeschreibungen für Hacking-Werkzeuge. Die Dokumente zeigen eine Zusammenarbeit mit chinesischen Behörden wie dem Ministerium für öffentliche Sicherheit sowie Angriffe auf Regierungsstellen und Organisationen in mindestens 14 Ländern, darunter Indien, Malaysia, Taiwan und Hongkonger Demokratiegruppen. BBC, NHK und die Nachrichtenagentur AP bestätigten die Echtheit der Dokumente unter anderem durch Gespräche mit zwei I-Soon-Mitarbeitern. | Wer die Dokumente leakte und aus welchem Motiv, ist bis heute nicht geklärt. Das vollständige Ausmaß der gestohlenen Daten und die Identität der meisten konkreten Opfer wurden nicht offengelegt. Die chinesische Regierung bestritt eine Verwicklung, eine unabhängige gerichtliche oder behördliche Bestätigung außerhalb Chinas liegt nicht vor. |
| BSDC-J-GER-2024-1831 Relevanz 3Connected-Car-Tracking, Cloud-Fehlkonfiguration | 28.12.2024 | VW-Cariad-Datenleck: Standortdaten von 800.000 E-Autos heise online (Bericht über Enthüllung durch Chaos Computer Club und SPIEGEL) Recherche: DC Quelle öffnen → | Der Chaos Computer Club deckte Ende 2024 zusammen mit dem SPIEGEL auf, dass Bewegungs- und Standortdaten von rund 800.000 Elektrofahrzeugen der VW-Konzernmarken VW, Audi, Skoda und Seat/Cupra über Monate ungeschützt in einer Amazon-Cloud der VW-Softwaretochter Cariad zugänglich waren. Für etwa 460.000 Fahrzeuge waren die Standortdaten so präzise, teils bis auf 10 Zentimeter genau, dass sich Bewegungsprofile und Lebensgewohnheiten der Halter ableiten ließen. Cariad bestätigte die Panne als Fehlkonfiguration und schloss die Sicherheitslücke nach der Meldung durch den CCC innerhalb weniger Stunden. | Nicht dokumentiert ist, ob tatsächlich Dritte außer dem CCC auf die Daten zugegriffen haben. VW erklärte lediglich, es gebe dafür keine Anhaltspunkte, was sich nicht unabhängig verifizieren lässt. Offen bleibt zudem, seit wann genau die Daten ungeschützt online standen und wie die ursprüngliche anonyme Hinweisgeberquelle die Lücke fand. |
| BSDC-J-GER-2024-1837 Relevanz 3GESICHTSERKENNUNG, STAAT | 10.05.2024 | BKA testete Gesichtserkennungssoftware mit Millionen Fahndungsfotos netzpolitik.org (Anna Biselli) Recherche: DC Quelle öffnen → | Das Bundeskriminalamt stellte im Projekt EGES (Ertüchtigung des Gesichtserkennungssystems im BKA) bis 2019 rund 5 Millionen Fotos von etwa 3 Millionen Personen aus der zentralen INPOL-Datenbank bereit, um damit kommerzielle Gesichtserkennungssoftware zu testen. Die Tests führte das Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung durch, ergänzt um Bilder von 147 freiwilligen Testpersonen. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz bewertete die vom BKA angeführte Rechtsgrundlage als unzureichend und die Berufung auf den Forschungsparagrafen des BKA-Gesetzes als problematisch. | Ob die getesteten Softwareprodukte oder Hersteller anschließend tatsächlich beschafft und im Wirkbetrieb eingesetzt wurden, ist aus dieser Quelle nicht belegt. Trotz monatelanger Verhandlungen kam laut Bericht keine Einigung zwischen BKA und Datenschutzbeauftragtem über die Rechtmäßigkeit zustande, das Verfahren blieb offen. |
| BSDC-J-GER-2020-1841 Relevanz 3Supply-Chain-Angriff, Cyberspionage | 15.12.2020 | SolarWinds-Sunburst-Lieferkettenangriff heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | Mutmaßlich staatliche Hacker schleusten die Schadsoftware Sunburst in reguläre Updates der Netzwerkmanagement-Software Orion von SolarWinds ein. Die betroffenen Versionen wurden zwischen März und Juni 2020 an rund 18.000 Kunden verteilt, darunter US-Ministerien, das Pentagon, das Außenministerium sowie zahlreiche Fortune-500-Unternehmen. Die Sicherheitsfirma FireEye deckte den Angriff auf und dokumentierte die Kampagne unter dem Namen UNC2452. | Wie die Angreifer genau in das interne Netzwerk von SolarWinds eindrangen und den Quellcode manipulierten, ist öffentlich nicht abschließend geklärt. Offen bleibt auch, ob ein einfaches Software-Update zur vollständigen Bereinigung betroffener Systeme ausreicht. Das genaue Ausmaß der Datenabflüsse bei den einzelnen betroffenen Behörden und Unternehmen ist nicht vollständig öffentlich dokumentiert. |
| BSDC-J-GER-2018-1861 Relevanz 3Staatliche Cyberspionage, Regierungsnetz-Sicherheit | 02.03.2018 | Bundeshack: Cyberangriff auf das Auswärtige Amt heise online (Stefan Krempl) Recherche: DC Quelle öffnen → | Angreifer drangen über einen gehackten Webserver der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung in das Regierungsnetz IVBB ein und kompromittierten mit einem dort platzierten Trojaner 17 Rechner im Auswärtigen Amt. Ein ausländischer Geheimdienst hatte die Bundesregierung am 19. Dezember 2017 gewarnt, das BSI fand die Kompromittierung Anfang Januar 2018, öffentlich bekannt wurde der Vorfall am 28. Februar 2018. Die Bundesregierung ordnete den Angriff der Gruppe Snake/Turla zu. | Wie genau die Angreifer letztlich Administratorrechte im Auswärtigen Amt erlangten, blieb offen. Der genaue Umfang der abgeflossenen Daten wurde nie vollständig öffentlich gemacht, laut Presseberichten sollen unter anderem sechs Dokumente mit Russland-, Ukraine- und Belarus-Bezug betroffen gewesen sein. Eine gerichtsfeste, offizielle Zuordnung zu einem staatlichen Auftraggeber erfolgte nicht. |
| BSDC-J-GER-2023-1865 Relevanz 3DOWNFALL-INTEL, CPU-SEITENKANALANGRIFF | 09.08.2023 | Downfall: Sicherheitslücke in Intel-Prozessoren durch Gather-Befehl heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 9. August 2023 veröffentlichte der Google-Sicherheitsforscher Daniel Moghimi die Schwachstelle Downfall (CVE-2022-40982) in Intel-Prozessoren der 6. bis 11. Generation sowie Xeon-Scalable-Chips der 1. bis 4. Generation. Der Gather-Befehl zur beschleunigten Speicherabfrage leckt bei spekulativer Ausführung Inhalte von Vektorregistern und kann so Passwörter und kryptografische Schlüssel anderer Prozesse offenlegen, teils auch aus durch Intel SGX geschützten Bereichen. Moghimi meldete den Fehler bereits am 24. August 2022 vertraulich an Intel, das daraufhin ein Microcode-Update bereitstellte. | Aus der Quelle nicht belegt ist eine reale Ausnutzung der Lücke außerhalb kontrollierter Testumgebungen vor der Offenlegung. Moghimi zeigte nur Machbarkeitsnachweise wie das Auslesen von AES-Schlüsseln aus OpenSSL, ein Angriff über den Webbrowser blieb theoretisch. Die genaue weltweite Zahl betroffener Geräte bleibt offen, andere Quellen schätzen sie auf 1,5 bis 2 Milliarden Systeme. |
| BSDC-J-GER-2017-1879 Relevanz 3WANNACRY-DEUTSCHLAND, KRITIS-BAHNVERKEHR | 13.05.2017 | WannaCry legt Anzeigetafeln und Kameras der Deutschen Bahn lahm heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 13. Mai 2017 bestätigte die Deutsche Bahn, dass die weltweit grassierende WannaCry-Ransomware ihre Systeme infiziert hatte. Betroffen waren Anzeigetafeln an mehreren Bahnhöfen darunter der Frankfurter Hauptbahnhof, einzelne Fahrkartenautomaten sowie die für die Bundespolizei betriebene Videoüberwachung an Bahnhöfen. Das Bundesinnenministerium bestätigte den Ausfall der Kameras, betonte aber, dass die Systeme der Bundespolizei selbst nicht betroffen waren und der Zug- und Bahnverkehr ohne Einschränkungen weiterlief. | Offen bleibt, wie viele Bahnhöfe und Anzeigetafeln genau betroffen waren, öffentliche Berichte sprechen nur von mehreren Standorten ohne genaue Zahl. Nicht dokumentiert ist der exakte Infektionsweg innerhalb der Bahn-IT und ob zum Zeitpunkt des Angriffs fällige Windows-Sicherheitsupdates auf den betroffenen Systemen fehlten. |
| BSDC-J-GER-2017-1881 Relevanz 3CIA-Leak, Staatliche-Hacking-Tools | 07.03.2017 | Vault 7: WikiLeaks veröffentlicht CIA-Hacking-Werkzeuge heise online Recherche: DC Quelle öffnen → | WikiLeaks veröffentlichte am 7. März 2017 unter dem Namen Vault 7 die erste Tranche interner CIA-Dokumente, insgesamt 8761 Dateien aus einem internen Confluence-Wiki der Engineering Development Group aus den Jahren 2013 bis 2016. Die Unterlagen beschreiben Hacking-Werkzeuge der CIA gegen Smart-TVs (Projekt Weeping Angel gegen Samsung-Geräte), VoIP-Telefonanlagen und SCADA-Industriesysteme. Ein Teil der beteiligten Programmierer arbeitete laut den Dokumenten am Standort Center for Cyber Intelligence Europe in Frankfurt am Main. | Eine offizielle Stellungnahme der CIA zur Echtheit der Dokumente lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor. Berichte, wonach die CIA damit auch die Verschlüsselung von Signal und WhatsApp umgangen habe, bezeichnete heise als irreführend. Wer die Dokumente tatsächlich an WikiLeaks weitergegeben hatte, war zu diesem Zeitpunkt öffentlich nicht bekannt. |