Quellen-Tabelle

Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.

BSDC-IDDatumTitel & QuelleKernaussageKlartext
BSDC-P-IDN-2024-011
in KraftRelevanz 3B1
20.05.2024
Verordnung (EU) 2024/1183 zur Einführung des europäischen Rahmens für die digitale Identität (eIDAS 2.0)
Europäisches Parlament und Rat
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Nutzung der EUDI-Wallet muss für Bürger kostenlos und freiwillig sein; Registrierung erfolgt auf hohem Vertrauensniveau ("High"); der Quellcode der Anwendungssoftware-Komponenten muss einer Open-Source-Lizenz unterliegen. Jeder Mitgliedstaat muss spätestens 24 Monate nach Verabschiedung der Durchführungsrechtsakte eine EUDI-Wallet an Bürger ausgeben.

Das ist das Gesetz, das die digitale Ausweis-App für alle EU-Bürger einführt. Im Gesetzestext steht: freiwillig und kostenlos. Ob das in der Praxis auch so bleibt, ist eine andere Frage — siehe die nächsten Quellen.

BSDC-P-IDN-2014-021
in KraftRelevanz 3B3
08.04.2014
EuGH-Urteil Digital Rights Ireland — C-293/12 und C-594/12
Gerichtshof der Europäischen Union
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Grundsatzurteil, das die EU-Vorratsdatenspeicherungsrichtlinie 2006/24/EG für ungültig erklärte. Startpunkt einer bis heute andauernden Rechtsprechungslinie gegen anlasslose, pauschale Vorratsdatenspeicherung.

Das höchste EU-Gericht hat schon 2014 gesagt: Alle Bürger anlasslos auf Vorrat zu überwachen, ist rechtswidrig. Das ist keine neue Erkenntnis — das gilt seit über zehn Jahren.

BSDC-P-IDN-2016-022
in KraftRelevanz 3B3
21.12.2016
EuGH-Urteil Tele2 Sverige / Watson — C-203/15 und C-698/15
Gerichtshof der Europäischen Union
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Eine anlasslose, generelle Vorratsdatenspeicherung verstößt gegen die Grundsätze einer demokratischen Gesellschaft und gegen die Charta der Grundrechte der Europäischen Union. Bestätigt und vertieft Digital Rights Ireland.

Zweites großes Urteil, das dieselbe Linie bestätigt: Pauschale Überwachung aller ist verboten — nur gezielt, zeitlich und räumlich begrenzt wäre erlaubt.

BSDC-P-IDN-2020-023
in KraftRelevanz 3B3
06.10.2020
EuGH-Urteil La Quadrature du Net u.a. — C-511/18, C-512/18, C-520/18
Gerichtshof der Europäischen Union
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Nutzer elektronischer Kommunikationsmittel dürfen grundsätzlich erwarten, dass ihre Nachrichten und die damit verbundenen Daten anonym bleiben und nicht gespeichert werden, es sei denn, sie haben eingewilligt. Umfassendste und aktuellste Zusammenfassung der bisherigen Rechtsprechungslinie.

Das Gericht bestätigt zum dritten Mal: Anonyme Kommunikation ist der Normalfall, den der Staat respektieren muss — Überwachung ist die begründungspflichtige Ausnahme, nicht umgekehrt.

BSDC-P-IDN-2022-024
in KraftRelevanz 3B3
20.09.2022
EuGH-Urteil zur deutschen Vorratsdatenspeicherung — C-793/19 und C-794/19
Gerichtshof der Europäischen Union (Berichterstattung: unternehmensstrafrecht.de)
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Der EuGH bestätigte erneut das Verbot einer unterschiedslosen Vorratsdatenspeicherung; der deutsche Gesetzgeber muss die noch geltenden §§ 175–181 TKG und § 100g Abs. 2 StPO aufheben. Direkte Konsequenz für deutsches Recht — zeigt, dass diese Urteile keine abstrakte EU-Theorie sind, sondern deutsche Gesetze außer Kraft setzen.

Dieses Urteil betraf direkt ein deutsches Gesetz und erklärte es für unanwendbar. Kein abstraktes EU-Prinzip, sondern konkrete Wirkung auf deutsches Recht.

BSDC-P-IDN-2024-491
Relevanz 3C5
19.03.2024
Vorsicht vor Online-Gentests!
Gen-ethisches Netzwerk / Netzwerk Datenschutzexpertise
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Mehrere Online-Gentest-Anbieter verstoßen laut GeN gegen DSGVO/Gendiagnostikgesetz, Kundendaten teils an Pharmafirmen weiterverkauft.

Warnung vor kommerziellen DNA-Tests ohne ärztliche Beratung.

BSDC-P-IDN-2023-492
Relevanz 2C5
30.11.2023
Sekundärverwertung von Gesundheitssozialdaten zu Forschungszwecken
Prof. Dr. Dirk Bieresborn, Bundessozialgericht
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Zweitnutzung von Gesundheitsdaten steht im Spannungsfeld zu informationeller Selbstbestimmung; Opt-Out kollidiert mit DSGVO-Einwilligungserfordernis.

Juristische Einordnung der Rechtslage vor dem GDNG.

BSDC-P-IDN-2025-500
Relevanz 3B2
18.11.2025
Thüringer OLG: Biometrische Daten beim Online-Proctoring rechtswidrig
Thüringer Oberlandesgericht / GFF
Recherche: DC
Quelle öffnen →

OLG: biometrische Proctoring-Überwachung verstößt gegen Art. 9 DSGVO, keine wirksame Einwilligung möglich.

Gericht erklärt Gesichtsüberwachung bei Online-Klausuren für rechtswidrig.

BSDC-P-IDN-2025-538
Relevanz 3C7
19.08.2025
Wenn Städte Bürgerdaten an Parteien verkaufen
CORRECTIV
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Berlin gab ca. 4,8 Mio. Melderegisterdatensätze an Parteien, München ca. 340.000 für 34.000 Euro (§50 BMG).

Vor Wahlen geben Kommunen Namen/Adressen an Parteien.

BSDC-P-IDN-2025-539
Relevanz 3C7
05.11.2025
BVerwG: Auskunftssperre im Melderegister für bedrohte Behördenmitarbeiter
Bundesverwaltungsgericht
Recherche: DC
Quelle öffnen →

BVerwG verpflichtet Stadt Bonn zu Auskunftssperren für zwei BaFin-Mitarbeiter, berufsbedingte Bedrohungslage genügt.

Stärkt Melderegister-Schutz für bedrohte Berufsgruppen.

BSDC-P-IDN-2024-540
Relevanz 2C7
01.11.2024
§51 BMG Auskunftssperren (aktuelle Fassung)
Bundesmeldegesetz
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Meldebehörden müssen Auskunftssperre eintragen bei Gefährdung von Leben/Gesundheit/Freiheit, befristet 2 Jahre.

Gesetzliche Grundlage für Melderegister-Auskunftssperren.

BSDC-P-IDN-2026-615
Relevanz 3C5
19.12.2025
Bonusprogramme: So zahlt die Krankenkasse Ihre neue Apple Watch
heise online
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Gesetzliche Krankenkassen bezuschussen Fitness-Tracker über Bonusprogramme im Austausch gegen Gesundheitsdaten wie Schrittzahl/BMI.

Speicherdauer/Weiterverwendung der Daten nicht belegt.

BSDC-P-IDN-2026-703
Relevanz 3C5
30.03.2026
Privacy and Data Security in FemTech
DLA Piper
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Über 50 Mio. Nutzer weltweit, Menstruations-/Fertilitätsdaten als besondere Kategorie nach Art.9 DSGVO.

Marktgröße 103 Mrd. USD laut Forbes-Schätzung, nicht unabhängig geprüft.

BSDC-P-IDN-2025-736
Relevanz 5A8
Juli 2025
07.2025
Digital Identity Guidelines: Authentication and Authenticator Management (SP 800-63B-4)
NIST
Recherche: DC
Quelle öffnen →

NIST aktualisiert Authentifizierungs-Richtlinien: Mindestlänge 15 Zeichen (8 bei MFA), Sperrlisten für kompromittierte Passwörter, kein erzwungener periodischer Wechsel mehr.

Empfehlung primär für US-Bundesbehörden, bindet private Anbieter nicht direkt.

BSDC-P-IDN-2023-900
Relevanz 5A8
18.05.2023
BrutePrint: Expose Smartphone Fingerprint Authentication to Brute-force Attack
Chen, He, Tencent Labs / Zhejiang University
Recherche: DC
Quelle öffnen →

BrutePrint umgeht über Zero-Day-Schwachstellen Versuchsbegrenzung und entsperrt Smartphones per Brute-Force, teils unter einer Stunde.

Erfordert physischen Zugriff und Spezialhardware.

BSDC-P-IDN-2025-1040
Relevanz 5D9
24.05.2025
Grundrechte-Report 2025: Habeck und die Hausdurchsuchung
netzpolitik.org
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Hausdurchsuchung wegen X-Post über Habeck als unverhältnismäßiger Grundrechtseingriff kritisiert.

Pointierter Kommentar aus grundrechtskritischer Perspektive.

BSDC-P-IDN-2018-1103
Relevanz 3IDN
2018
nur Jahresangabe in der Quelle
2018
BGH: Facebook muss Erben Vollzugriff auf Accountinhalte erlauben
Kanzlei Plutte
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Ordnet das BGH-Urteil III ZR 183/17 juristisch ein: Erbfall lässt Nutzungsvertrag inklusive Kommunikationsinhalten unverändert auf Erben übergehen.

Anwaltliche Einordnung, keine Primärquelle des Gerichts.

BSDC-P-IDN-2022-1108
Relevanz 5IDN
11.08.2022
Nach Videoident-Hack: Alle prüfen, Banken vertrauen vorerst weiterhin
heise online
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Der CCC deckte Sicherheitsmängel bei Video-Ident-Systemen auf, Gematik verhängte vorläufiges Verbot im Gesundheitsbereich, BaFin hielt Verfahren im Bankensektor vorerst für ausreichend sicher.

Gibt den Stand unmittelbar nach dem CCC-Hack wieder, spätere Anpassungen nicht erfasst.

BSDC-P-IDN-2026-1110
Relevanz 4IDN
16.04.2026
Angriff aufs Video-Ident – neue EU-Regeln verunsichern Banken und Fintechs
finanz-szene.de
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Neue EU-Anti-Geldwäsche-Standards ab 2027 verlangen zusätzliche Authentifizierung neben Video-Ident, um dessen Gleichstellung mit persönlicher Identifizierung zu erhalten.

Beschreibt laufende EU-Regulierungsdiskussionen, endgültige Ausgestaltung stand noch nicht fest.

BSDC-P-IDN-2024-1277
Relevanz 5AUTO, A6
27.12.2024
Wir wissen wo dein Auto steht – Volksdaten von Volkswagen (38C3-Vortrag)
Michael Kreil und Flüpke, Chaos Computer Club
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Bewegungsdaten von rund 800.000 E-Autos der Marken VW, Audi, Seat und Skoda samt Halterkontaktdaten lagen monatelang ungeschützt in einem Amazon-Cloudspeicher. Gezeigt wurden Parkpositionen an Wohnadressen, am BND-Gelände und vor Bordellen.

Darstellung der Finder selbst, keine unabhängige forensische Prüfung durch eine Aufsichtsbehörde.

BSDC-P-IDN-2024-1278
Relevanz 4AUTO, A6
27.12.2024
Wir wissen wo dein Auto steht – Volksdaten von Volkswagen (Fahrplan-Eintrag 38C3)
Chaos Computer Club, 38C3 Fahrplan
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Offizieller Kongress-Fahrplan dokumentiert Vortrag, Datum und Referenten und stellt die Vortragsfolien als PDF bereit.

Reiner Veranstaltungs- und Metadatennachweis, inhaltliche Zahlen nur im Abstract.

BSDC-P-IDN-2021-1306
Relevanz 4AUTO, A6
25.03.2021
Bei Automiete und Carsharing: Smartphone-Daten vom Infotainment-System löschen
ADAC e.V.
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Der ADAC empfiehlt, das Infotainment-System vor Rückgabe oder Verkauf auf Werkseinstellungen zurückzusetzen, sich aus vorinstallierten Apps manuell abzumelden und bei der ersten Kopplung die Datenübertragung abzulehnen.

Belegt nicht, dass ein Werksreset auch die beim Hersteller im Backend gespeicherten Daten löscht.

BSDC-P-IDN-2024-1420
Relevanz 3MIGRATION-ASYL, IDENTITAET
14.05.2024
Eurodac-Reform: EU speichert künftig auch Gesichtsbilder von Asylsuchenden, nicht nur Fingerabdrücke
EUR-Lex / Rat der Europäischen Union
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Mit der Verordnung (EU) 2024/1358 wurde die EU-Datenbank Eurodac von einem reinen Fingerabdruck-Abgleichsystem zu einem vollständigen Asyl- und Migrationsmanagementsystem ausgebaut. Zu den Erweiterungen zählen die zusätzliche Speicherung von Gesichtsbildern neben Fingerabdrücken, eine Ausweitung der erfassten Personenkategorien sowie verstärkte Vorkehrungen zur Datenspeicherung. Die modernisierte Datenbank soll ab Mitte 2026 in Betrieb gehen.

Der genaue Umfang der neu erfassten Personenkategorien und die tatsächliche Nutzung der Gesichtsbilddaten durch nationale Behörden nach Inbetriebnahme sind aus dieser Rechtsakt-Zusammenfassung nicht im Detail belegt.

BSDC-P-IDN-2021-1441
Relevanz 3NEURODATEN
01.10.2021
Chile verankert als erstes Land der Welt Neurorechte in der Verfassung
Chilenischer Senat / Santiago Ramón y Cajal Institute
Recherche: DC
Quelle öffnen →

2021 verabschiedete der chilenische Senat einstimmig eine Verfassungsänderung, die als weltweit erste ein Recht auf mentale Privatsphäre ('Neurorechte') verankert. Das neue Verfassungsrecht schützt die Privatsphäre der Gedanken, die Willensfreiheit des Denkens, den gleichberechtigten Zugang zu Technologien, die menschliche Fähigkeiten erweitern, sowie den Schutz vor Diskriminierung aufgrund neuronaler Daten. Der chilenische Oberste Gerichtshof wandte das neue Recht bereits 2023 in einem wegweisenden Urteil gegen das US-Neurotechnologie-Unternehmen Emotiv an. Colorado folgte 2024 mit dem Protect Privacy of Biological Data Act (HB24-1058, in Kraft seit 07.08.2024), der 'biologische Daten' einschließlich neuronaler Daten aus Gehirn-Messgeräten als besonders sensible Datenkategorie einstuft.

Wie das chilenische Neurorecht in der Praxis gegenüber kommerziellen Konsumgeräten (z. B. Wearables mit EEG-Sensoren) außerhalb des Emotiv-Falls durchgesetzt wird, ist aus dieser Quelle nicht im Detail belegt.

BSDC-P-IDN-2022-1442
Relevanz 3BLUTSPENDE-BIOBANKEN
06.07.2022
UK Biobank: Pseudonymisierung von Gesundheitsdaten schützt nicht vollständig vor Re-Identifizierung
UK Biobank / Distilled Post
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Die britische Forschungsdatenbank UK Biobank gibt Forschern ausschließlich pseudonymisierte Daten weiter: Jeder Teilnehmer erhält eine aus der NHS-Nummer generierte, nicht zurückrechenbare Kennung (PID), und jeder Datensatz wird zusätzlich nach einem antragsspezifischen Schema pseudonymisiert, sodass sich Daten aus verschiedenen Forschungsanträgen nicht ohne Weiteres verknüpfen lassen. Dennoch zeigten Sicherheitsvorfälle, dass Pseudonymisierung als alleinige Schutzmaßnahme Grenzen hat: Experten argumentierten, dass bereits Teildatensätze Risiken bergen können, etwa wenn sich Personen durch Kombination von Geburtsmonat und -jahr mit öffentlich verfügbaren Angaben zu medizinischen Ereignissen re-identifizieren lassen. UK Biobank betont, dass bislang keine Teilnehmer tatsächlich re-identifiziert wurden, und initiierte eine externe Überprüfung möglicher zusätzlicher Schutzmaßnahmen wie Generalisierung, Differential Privacy und homomorphe Verschlüsselung.

UK Biobank bestreitet, dass es bereits zu einer tatsächlichen Re-Identifizierung kam; die zitierten Risiken sind theoretischer bzw. methodenkritischer Natur, kein dokumentierter Einzelfall.