Quellen-Tabelle

Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.

BSDC-IDDatumTitel & QuelleKernaussageKlartext
BSDC-P-IDN-2022-1941
Relevanz 3Informationelle-Selbstbestimmung, Zensus
20.01.2022
Verfassungsbeschwerde gegen Zensus-Testlauf 2021 (Meldedaten-Zusammenführung)
Bundesverfassungsgericht / Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V.
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Fünf von der Gesellschaft für Freiheitsrechte unterstützte Beschwerdeführer griffen Paragraf 9a des Zensusvorbereitungsgesetzes 2021 an, der die zentrale Zusammenführung nicht anonymisierter Meldedaten von bis zu 82 Millionen Einwohnern zum Stichtag 13. Januar 2019 für einen Software-Testlauf erlaubte. Das Bundesverfassungsgericht lehnte die Verfassungsbeschwerde am 20. Januar 2022 als unzulässig ab, da der fachgerichtliche Rechtsweg vor den Verwaltungsgerichten nicht ausgeschöpft worden war.

Eine inhaltliche verfassungsrechtliche Prüfung der Datenschutzfragen fand nicht statt, da das Gericht die Beschwerde allein aus formalen Gründen der Subsidiarität verwarf. Ob die zentrale, nicht anonymisierte Zusammenführung der Meldedaten mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung vereinbar gewesen wäre, blieb damit gerichtlich ungeklärt.

BSDC-P-IDN-2024-1945
Relevanz 3Ransomware, Datenleck
18.04.2024
Frontier-Communications-Datenleck 2024
Frontier Communications Parent, Inc.
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Am 14. April 2024 entdeckte der US-Telekomanbieter Frontier Communications einen unbefugten Zugriff auf Teile seiner IT-Systeme, den es in einer Pflichtmitteilung an die SEC offenlegte. Laut einer Meldung an die Generalstaatsanwaltschaft von Maine waren 751.895 Personen betroffen, deren Namen und Sozialversicherungsnummern kompromittiert wurden. Die Ransomware-Gruppe RansomHub bekannte sich zu dem Angriff und Frontier bot Betroffenen ein Jahr kostenlose Kreditüberwachung an.

Offen bleibt, wie viele Datensätze tatsächlich abgeflossen sind, denn RansomHub behauptete den Diebstahl von über 2 Millionen Kundendatensätzen, deutlich mehr als die von Frontier bestätigten rund 752.000 Betroffenen. Der genaue technische Einstiegspunkt des Angriffs und ob ein Lösegeld gezahlt wurde, sind nicht öffentlich dokumentiert.

BSDC-P-IDN-2022-1947
Relevanz 3RECHT-AUF-VERGESSENWERDEN, EUGH-GRUNDSATZURTEIL
08.12.2022
EuGH-Urteil zur Auslistung offensichtlich unrichtiger Google-Suchergebnisse
Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH)
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Der EuGH entschied am 08.12.2022 im Verfahren C-460/20 (TU und RE gegen Google), dass ein Suchmaschinenbetreiber Ergebnisse auslisten muss, wenn die betroffene Person nachweist, dass die verlinkten Inhalte offensichtlich unrichtig sind. Ein vorheriges Gerichtsurteil gegen den Webseitenbetreiber ist dafür nicht zwingend erforderlich, es reichen zumutbare Beweismittel der antragstellenden Person. Zusätzlich stellte der Gerichtshof klar, dass als Vorschaubilder angezeigte Fotos gesondert nach ihrem Informationswert abzuwägen sind.

Der Bundesgerichtshof, der die Vorlagefrage gestellt hatte, musste den konkreten Ausgangsfall der beiden Investmentmanager anhand dieser Vorgaben erst noch abschließend entscheiden, das Ergebnis ist der Pressemitteilung nicht zu entnehmen. Wie Google die Kriterien zur offensichtlichen Unrichtigkeit in der Praxis bei Millionen jährlicher Löschanträge anwendet, bleibt aus dieser Quelle offen.

BSDC-P-IDN-2018-1948
Relevanz 3VORRATSDATENSPEICHERUNG, EUGH-GRUNDSATZURTEIL
02.10.2018
EuGH-Urteil Ministerio Fiscal: Zugriff auf Bestandsdaten auch bei leichteren Straftaten zulässig
Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH)
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Der EuGH entschied am 02.10.2018 in der Rechtssache C-207/16 (Ministerio Fiscal), dass der Zugriff auf reine Identifikationsdaten von SIM-Karten-Inhabern wie Namen und Adressen auch zur Verfolgung nicht besonders schwerer Straftaten zulässig sein kann. Anlass war ein Diebstahl einer Geldbörse und eines Mobiltelefons in Spanien. Der EuGH stellte klar, dass dieser Zugriff zwar in die Grundrechte auf Achtung des Privatlebens und Datenschutz eingreift, mangels präziser Rückschlüsse auf das Privatleben aber keinen schwerwiegenden Eingriff darstellt.

Aus der Pressemitteilung geht nicht hervor, wie der spanische Ausgangsfall zum Diebstahl der Geldbörse letztlich entschieden wurde. Offen bleibt zudem, welche konkrete Straftaten-Schwelle die Mitgliedstaaten seither für den Zugriff auf reine Bestandsdaten in ihren nationalen Gesetzen festgelegt haben.

BSDC-J-IDN-2025-1951
Relevanz 3Scattered-Spider, Mega-Breach
16.07.2025
Co-op-Cyberangriff 2025: Datenleck bei 6,5 Millionen Mitgliedern
BleepingComputer
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Der britische Genossenschaftskonzern Co-op bestätigte im Juli 2025, dass bei einem Cyberangriff im April 2025 personenbezogene Daten aller 6,5 Millionen Mitglieder kopiert wurden, darunter Namen, Adressen, Kontaktdaten und Geburtsdaten. Die Angreifer verschafften sich per Social Engineering gegenüber dem IT-Helpdesk Zugang zu einem Mitarbeiterkonto und drangen darüber in die zentralen Systeme ein, Finanz- oder Zahlungsdaten waren nicht betroffen. Die britische National Crime Agency nahm im Juli 2025 vier mutmaßliche Tatverdächtige im Alter von 17 bis 20 Jahren fest.

Offen bleibt, ob die kopierten Daten seither im Darknet veröffentlicht oder weiterverkauft wurden. Die vier festgenommenen Verdächtigen wurden gegen Kaution freigelassen, eine gerichtliche Anklage oder Verurteilung steht bislang aus. Eine offizielle behördliche Zuordnung des Angriffs zur Gruppe Scattered Spider fehlt bisher.

BSDC-J-IDN-2025-1953
Relevanz 3Social-Engineering, Drittanbieter-Risiko
02.07.2025
Qantas-Datenleck 2025
Al Jazeera / OAIC
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Die australische Fluggesellschaft Qantas meldete am 30. Juni 2025 einen Cyberangriff auf eine Drittanbieter-Plattform ihres Callcenters. Per Social Engineering gab sich ein Angreifer als Qantas-IT-Support aus und brachte einen Mitarbeiter dazu, ein CRM-System mit einem Datenextraktionswerkzeug zu verbinden. Betroffen waren Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Geburtsdaten und Vielfliegernummern von rund 5,7 Millionen Kunden; Kreditkarten-, Passdaten und Passwörter waren nicht betroffen.

Die genaue Identität und Zugehörigkeit der Angreifer sowie ob eine Lösegeldzahlung erfolgte, sind nicht abschließend öffentlich belegt. Die australische Datenschutzbehörde OAIC stellte nach vorläufigen Ermittlungen fest, dass Qantas keine Verletzung der Datenschutzpflichten vorzuwerfen sei, eine vertiefte förmliche Untersuchung blieb aus.

BSDC-J-IDN-2025-1955
Relevanz 3Datenleck, Ransomware-Erpressung
15.09.2025
Kering-Datenleck 2025 (Gucci, Balenciaga, Alexander McQueen)
TechCrunch
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Der Luxuskonzern Kering (Gucci, Balenciaga, Alexander McQueen, Yves Saint Laurent) bestätigte im September 2025 einen Cyberangriff der Gruppe ShinyHunters. Erbeutet wurden Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Wohnadressen und Angaben zu Kaufsummen von Kundinnen und Kunden, Kreditkartendaten waren laut Kering nicht betroffen. ShinyHunters gab an, Daten von mindestens 7 Millionen Personen erbeutet zu haben, Kering informierte betroffene Kunden, nannte aber keine offizielle Gesamtzahl.

Ungeklärt ist das genaue Datum des ursprünglichen Angriffs sowie ob und in welcher Höhe Lösegeldverhandlungen stattfanden. Andere Quellen berichten von einem Zugriff über kompromittierte Zugangsdaten für Salesforce-SSO-Portale bereits ab April 2025 sowie von Lösegeldforderungen um 750.000 US-Dollar, was Kering öffentlich bestreitet.

BSDC-J-IDN-2021-1961
Relevanz 3Datenschutzverstoss, China-Tech-Regulierung
21.07.2022
Didi-Global-Datensicherheitsuntersuchung durch chinesische Cyberspace-Behörde
Stanford DigiChina Project
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Zwei Tage nach dem Börsengang von Didi Global an der NYSE am 30.06.2021 eröffnete die chinesische Cyberspace Administration of China (CAC) am 02.07.2021 eine Cybersicherheitsprüfung gegen das Unternehmen und ließ die Didi-App aus allen chinesischen App-Stores entfernen. Nach einjähriger Untersuchung verhängte die CAC am 21.07.2022 eine Rekordstrafe von 8,026 Milliarden Yuan (rund 1,2 Milliarden US-Dollar) sowie persönliche Bußgelder gegen CEO Cheng Wei und Präsidentin Liu Qing. Die Behörde dokumentierte 16 Rechtsverstöße, darunter die widerrechtliche Erhebung von Gesichtserkennungsdaten, Standortdaten und Ausweisnummern über sieben Jahre seit 2015.

Nicht öffentlich dokumentiert ist der vollständige interne Entscheidungsprozess der chinesischen Führung, ob die Untersuchung primär der Datensicherheit oder der politischen Sanktionierung des eigenmächtigen New-Yorker Börsengangs diente. Offen bleibt zudem, in welchem Umfang die gesammelten Daten tatsächlich missbräuchlich verwendet wurden.

BSDC-J-IDN-2021-1964
Relevanz 3Spyware, Staatliche-Ueberwachung
27.10.2021
Pegasus-Untersuchungskomitee des Obersten Gerichtshofs Indiens
Supreme Court Observer
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Der Oberste Gerichtshof Indiens setzte am 27. Oktober 2021 im Verfahren Manohar Lal Sharma gegen Union of India ein unabhängiges technisches Komitee ein, das den Einsatz der Pegasus-Spyware gegen Journalisten, Oppositionspolitiker, Aktivisten und Richter untersuchen sollte. Das Komitee prüfte 29 vorgelegte Mobiltelefone und legte Ende Juli 2022 seinen Bericht vor. Auf fünf Geräten wurde Malware gefunden, ein eindeutiger Nachweis von Pegasus gelang jedoch nicht.

Offen blieb, ob und von wem Pegasus tatsächlich gegen die betroffenen Personen eingesetzt wurde, da die Zentralregierung die Kooperation verweigerte. Der vollständige Abschlussbericht wurde nie öffentlich gemacht. Der Oberste Gerichtshof bestätigte 2025 erneut, dass Teile mit Bezug zur nationalen Sicherheit nicht offengelegt würden.

BSDC-J-IDN-2023-1970
Relevanz 3eIDAS-Artikel-45, Browser-Zertifikate
02.11.2023
eIDAS Artikel 45: Streit um Browser-Pflichtzertifikate (QWAC)
The Record (Recorded Future News)
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Mehr als 300 Sicherheitsforscher sowie Organisationen wie Mozilla, die EFF, Cloudflare und die Linux Foundation warnten in offenen Briefen vor Artikel 45 der eIDAS-2.0-Verordnung. Die Vorschrift verpflichtet Webbrowser, von EU-Staaten benannte Zertifizierungsstellen für qualifizierte Website-Zertifikate (QWAC) anzuerkennen, ohne dass Browser diese bei Sicherheitsproblemen eigenständig entfernen können. Die Verordnung (EU) 2024/1183 trat am 20.05.2024 in Kraft, Artikel 45 blieb im finalen Text inhaltlich unverändert.

Ob die Klarstellung in Erwägungsgrund 32 die von Forschern befürchteten Risiken wie erzwungene Man-in-the-Middle-Zertifikate durch Mitgliedstaaten tatsächlich verhindert, war zum Zeitpunkt der Quelle nicht abschließend geklärt. Ein dokumentierter Fall, in dem ein EU-Staat ein QWAC bereits missbraucht hat, liegt nicht vor.

BSDC-P-IDN-2024-1980
Relevanz 3Ransomware, Bankdatenleck
08.07.2024
Ransomware-Angriff auf Evolve Bank & Trust durch LockBit
Evolve Bank & Trust
Recherche: DC
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Die US-Bank Evolve Bank & Trust bestätigte einen Ransomware-Angriff der Gruppe LockBit zwischen Februar und Mai 2024, ausgelöst durch einen Mitarbeiter, der auf einen schädlichen Link klickte. Die Täter erbeuteten Namen, Sozialversicherungsnummern, Kontodaten und Kontaktinformationen von Kunden der Bank sowie von Kunden ihrer Fintech-Partner. Nach der Weigerung, Lösegeld zu zahlen, veröffentlichte LockBit die Daten.

Die Angaben zur Gesamtzahl der Betroffenen schwanken je nach Quelle zwischen 7,6 Millionen und rund 18 Millionen Personen. Ein Vergleich über rund 11,85 Millionen US-Dollar wurde im Dezember 2025 gerichtlich final bestätigt. Nicht öffentlich dokumentiert ist, in welchem Umfang die gestohlenen Daten tatsächlich für Identitätsdiebstahl missbraucht wurden.

BSDC-J-IDN-2024-1981
Relevanz 3Identitaetsdiebstahl, Datenmakler-Skandal
28.05.2025
LexisNexis-Risk-Solutions-Datenleck über GitHub-Drittplattform
BleepingComputer
Recherche: DC
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LexisNexis Risk Solutions bestätigte, dass ein Unbekannter am 25.12.2024 über ein kompromittiertes Konto auf GitHub Zugriff auf Softwareartefakte und personenbezogene Daten von 364.333 Menschen erlangte. Betroffen waren Namen, Kontaktdaten, Sozialversicherungsnummern, Führerscheinnummern und Geburtsdaten; LNRS entdeckte den Vorfall erst am 01.04.2025 und informierte die Betroffenen ab dem 24./28.05.2025.

Die Identität des Angreifers sowie der genaue Weg, wie das GitHub-Konto kompromittiert wurde, blieben ungeklärt. Offen blieb zudem, ob und in welchem Umfang die entwendeten Daten tatsächlich für Identitätsdiebstahl oder Betrug missbraucht wurden.

BSDC-J-IDN-2024-1982
Relevanz 3Datenleck, Snowflake-Angriffswelle
14.05.2024
Santander-Datenleck 2024 (Snowflake-Angriffswelle)
SecurityWeek
Recherche: DC
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Santander bestätigte am 14. Mai 2024 offiziell den unbefugten Zugriff auf eine bei einem Drittanbieter gehostete Datenbank, die Teil der breiteren Snowflake-Angriffswelle war. Betroffen waren Kundendaten aus Spanien, Chile und Uruguay sowie Daten aller aktuellen und einiger ehemaliger Mitarbeiter der Gruppe weltweit. Laut Santander enthielt die Datenbank keine Transaktionsdaten und keine Zugangsdaten wie Online-Banking-Passwörter.

Die genaue Zahl der betroffenen Kunden und Mitarbeiter sowie der vollständige Umfang der gestohlenen Datenfelder wurden von Santander nicht abschließend beziffert, Medienschätzungen reichten bis zu rund 30 Millionen Kundendatensätzen. Offen blieb zudem, ob und in welcher Höhe Regulierungsbehörden Bußgelder verhängten.

BSDC-J-IDN-2024-1983
Relevanz 3Datenleck, Cloud-Sicherheit
11.07.2024
Advance-Auto-Parts-Datenleck (Snowflake-Angriffswelle)
The Record (Recorded Future News)
Recherche: DC
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Advance Auto Parts meldete im Juli 2024 einen Datendiebstahl aus seiner Snowflake-Cloud-Umgebung, der zwischen dem 14. April und 24. Mai 2024 stattfand. Betroffen waren die persönlichen Daten von rund 2,3 Millionen aktuellen und ehemaligen Bewerbern und Mitarbeitern, darunter Namen, Sozialversicherungsnummern, Führerscheinnummern und Geburtsdaten. Der Angriff war Teil einer größeren Kampagne gegen über 160 Snowflake-Kunden, darunter Ticketmaster und Santander.

Unklar bleibt die Bewertung einer zusätzlich kursierenden Hacker-Behauptung, wonach eine Datenbank mit 380 Millionen Kundendatensätzen existiere. Das Unternehmen erklärte lediglich, die Angaben zu prüfen. Auch die genaue Identität der Angreifer wurde nie abschließend gerichtsfest geklärt.

BSDC-J-IDN-2020-1985
Relevanz 3MEGA-BREACH, GESUNDHEITSDATEN-LEAK
04.12.2020
Datenleck brasilianisches Gesundheitsministerium: 243 Millionen Patientendaten offen
Security Boulevard, unter Berufung auf Estadão
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Nach Recherchen der Zeitung Estadão lagen monatelang Zugangsdaten zur zentralen Gesundheitsdatenbank SUS Base64-codiert im öffentlich einsehbaren Quellcode der Website des brasilianischen Gesundheitsministeriums. Dadurch waren persönliche und medizinische Daten von rund 243 Millionen Menschen, darunter auch Verstorbene, frei zugänglich, inklusive Namen, Adressen, Telefonnummern und Gesundheitsdaten.

Aus den Berichten geht nicht hervor, ob und in welchem Umfang Dritte die offenliegenden Zugangsdaten tatsächlich zum Abruf der Datenbank genutzt haben. Auch bleibt unklar, ob eine Behörde ein Bußgeld verhängte oder wer konkret für die fehlerhafte Programmierung verantwortlich gemacht wurde.

BSDC-P-IDN-2017-1986
Relevanz 3Uber-Lizenzentzug-London, Uber-Greyball
22.09.2017
Uber-Lizenzentzug in London durch Transport for London
Transport for London (TfL)
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Am 22.09.2017 teilte Transport for London mit, dass die Betriebslizenz von Uber London Limited nach Ablauf nicht verlängert wird, weil das Unternehmen nicht als geeignet gilt. TfL nannte vier Gründe: den Umgang mit der Meldung schwerer Straftaten von Fahrern, die Art der Beschaffung ärztlicher Bescheinigungen und Führungszeugnisse sowie den Einsatz der Software Greyball, mit der Behördenmitarbeitern der volle App-Zugriff verwehrt werden konnte.

TfL bezifferte keine konkrete Zahl betroffener Fahrer oder Fahrgäste und stützte die Entscheidung auf Unternehmensverhalten, nicht auf einen einzelnen nachgewiesenen Datenschutzvorfall. Am 26.06.2018 erteilte das Westminster Magistrates' Court Uber unter Auflagen eine befristete neue Lizenz, sodass der ursprüngliche Entzug nicht dauerhaft wirksam wurde.

BSDC-S-IDN-2020-1988
Relevanz 3MEGA-BREACH, DARKWEB-VERKAUF
26.05.2020
Truecaller-Datenleck Indien: Nutzerdaten im Darknet verkauft
Cyble Inc.
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Am 26. Mai 2020 berichtete die Threat-Intelligence-Firma Cyble, dass ein Datensatz mit 47,5 Millionen Nutzerdatensätzen der Anrufer-Identifizierungs-App Truecaller aus Indien in einem Darknet-Forum für rund 1000 US-Dollar zum Verkauf angeboten wurde. Die Daten enthielten Telefonnummer, Mobilfunkanbieter, Name, Geschlecht, Stadt und E-Mail-Adresse. Truecaller bestritt eine Kompromittierung der eigenen Datenbank und erklärte, bereits im Mai 2019 von einem vergleichbaren Datensatz erfahren zu haben.

Ob die Daten tatsächlich aus einem direkten technischen Einbruch in Truecaller-Systeme stammen oder aus anderen Quellen zusammengetragen wurden, ist nicht abschließend geklärt. Truecaller bestreitet bis heute jede Sicherheitsverletzung der eigenen Datenbank.

BSDC-P-IDN-2021-1989
Relevanz 3Gesichtserkennung, Biometrie
26.02.2021
Facebook-BIPA-Vergleich: 650 Millionen Dollar wegen Gesichtserkennung ohne Einwilligung
US-Bundesgericht Northern District of California
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Im Verfahren In re Facebook Biometric Information Privacy Litigation genehmigte das Gericht am 26.02.2021 einen Vergleich über 650 Millionen US-Dollar. Grundlage war der Vorwurf, Facebooks Funktion Tag Suggestions habe per Gesichtserkennung biometrische Gesichtsdaten von Nutzern in Illinois gespeichert, ohne die vom Illinois Biometric Information Privacy Act (BIPA) vorgeschriebene schriftliche Einwilligung einzuholen. Rund 1,6 Millionen Facebook-Nutzer aus Illinois waren anspruchsberechtigt und erhielten mindestens 345 US-Dollar pro Person, es handelte sich um den bis dahin höchsten Vergleichsbetrag in einem Datenschutzverfahren in den USA.

Aus den Quellen geht nicht hervor, dass Facebook im Vergleich ein Fehlverhalten eingeräumt hat, das Unternehmen bestritt die Vorwürfe weiterhin. Nicht abschließend belegt ist, wie viele der 1,6 Millionen Berechtigten tatsächlich einen Antrag stellten, Berichten zufolge lag die Abrufquote bei etwa 22 Prozent.

BSDC-P-IDN-2026-1990
Relevanz 3Gesichtserkennung-Vergleich, Biometrie-Sammelklage
13.07.2026
Clearview AI: Berufungsgericht kippt Milliarden-Vergleich mit Eigenkapitalanteil für Klassenkläger
Public Citizen
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Im Juni 2024 einigte sich Clearview AI mit den Klägern der Sammelklage In re Clearview AI Consumer Privacy Litigation auf einen Vergleich, wonach die Klassenmitglieder statt einer Geldzahlung einen Anteil von 23 Prozent an Clearview AI erhalten sollten, damals mit rund 51,75 Millionen US-Dollar bewertet. Die zuständige US-Bezirksrichterin bestätigte den Vergleich am 20.03.2025 endgültig. Am 13.07.2026 hob das US-Berufungsgericht für den Siebten Bezirk die Genehmigung wieder auf, weil für die bundesweite Klasse kein eigener Klassenvertreter mitgewirkt hatte.

Offen bleibt, ob und wann ein neuer Vergleich mit separater Vertretung der bundesweiten Klasse zustande kommt und welchen tatsächlichen Geldwert die Klassenmitglieder am Ende erhalten, da der Wert weiterhin an einen ungewissen Börsengang oder Verkauf von Clearview AI gebunden wäre.

BSDC-P-IDN-2022-1991
Relevanz 3CCPA-Durchsetzung, Tracking-Pixel
24.08.2022
Sephora-CCPA-Bußgeld wegen Tracking ohne Opt-out
California Department of Justice
Recherche: DC
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Der kalifornische Generalstaatsanwalt einigte sich im August 2022 mit dem Kosmetikhändler Sephora auf eine Zahlung von 1,2 Millionen US-Dollar. Grund war der erste große CCPA-Durchsetzungsfall: Sephora ließ Drittanbieter per Tracking-Pixel und Cookies Nutzerdaten sammeln, ohne dies als Datenverkauf offenzulegen, und ignorierte Opt-out-Signale über Global Privacy Control. Sephora musste seine Datenschutzerklärung anpassen und Opt-out-Mechanismen einführen.

Sephora räumte im Vergleich keine Rechtsverletzung ein, da es sich um einen Consent Decree ohne Schuldeingeständnis handelt. Offen bleibt, wie viele Nutzer konkret betroffen waren und welche der beteiligten Drittanbieter die Daten wofür genau weiterverwendeten.

BSDC-J-IDN-2024-1994
Relevanz 3Datenlecks, Infostealer-Malware
17.01.2024
Naz.API-Credential-Stuffing-Datensatz
Troy Hunt (Have I Been Pwned)
Recherche: DC
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Der Naz.API-Datensatz umfasst 319 Dateien mit insgesamt 104 GB und enthält 70.840.771 eindeutige E-Mail-Adressen sowie rund 100 Millionen einzigartige Passwörter aus Infostealer-Malware und klassischen Credential-Stuffing-Listen. Troy Hunt integrierte die E-Mail-Adressen im Januar 2024 in Have I Been Pwned, wobei rund 65 Prozent der Adressen zuvor dort unbekannt waren.

Nicht dokumentiert ist die genaue Identität der ursprünglichen Sammler des Datensatzes oder eine vollständige Liste aller betroffenen Dienste. Unklar bleibt zudem, wie viele der enthaltenen Zugangsdaten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch gültig waren.

BSDC-J-IDN-2024-1995
Relevanz 3Passwortleck, Credential-Stuffing
04.07.2024
RockYou2024: Größte Passwort-Kompilation aller Zeiten
Security Affairs
Recherche: DC
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Am 4. Juli 2024 veröffentlichte ein Nutzer namens ObamaCare in einem Hackerforum die Datei RockYou2024.txt mit 9.948.575.739 einzigartigen Klartext-Passwörtern, laut Sicherheitsforschern die bislang größte bekannte Passwort-Sammlung. Die Zusammenstellung baut auf der RockYou2021-Sammlung auf und wurde um rund 1,5 Milliarden zusätzliche Passwörter aus Datenlecks der Jahre 2021 bis 2024 erweitert.

Welches Hackerforum genau betroffen war und wer sich hinter dem Nutzernamen ObamaCare verbirgt, ist nicht öffentlich bestätigt. Aus welchen einzelnen Datenlecks die Passwörter im Detail stammen, wurde nicht vollständig offengelegt. RockYou2024 ist selbst kein neuer Einbruch bei einem Unternehmen, sondern eine Sammlung aus zahlreichen älteren Lecks.

BSDC-J-IDN-2019-1996
Relevanz 3Datenleck, Credential-Stuffing
17.01.2019
Collection #1 Datenleck
heise online
Recherche: DC
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Sicherheitsforscher Troy Hunt entdeckte im Januar 2019 in einem Untergrundforum eine Sammlung namens Collection #1 mit knapp 773 Millionen einzigartigen E-Mail-Adressen und 21 Millionen einzigartigen Passwörtern im Klartext. Die insgesamt rund 2,7 Milliarden Zeilen stammten aus über 12.000 Dateien mit 87 Gigabyte Umfang und waren zuvor kurzzeitig über den Cloud-Dienst MEGA verbreitet worden.

Nicht dokumentiert ist eine einzelne verantwortliche Ursprungsquelle: Die Daten setzten sich aus rund 2.000 verschiedenen älteren Einzel-Leaks und Hacks zusammen, deren genaue Herkunft größtenteils nicht mehr zweifelsfrei zuzuordnen ist. Auch die Identität der Zusammensteller sowie das Ausmaß tatsächlicher Schäden bleiben ungeklärt.

BSDC-P-IDN-2024-1998
Relevanz 3Connected-Car-Daten, Generalstaatsanwalt-Klage
14.08.2024
Texas-Klage gegen General Motors wegen Fahrverhaltensdaten
Office of the Attorney General of Texas
Recherche: DC
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Der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton verklagte General Motors im August 2024 wegen unrechtmäßiger Sammlung und Weitergabe von Fahrverhaltensdaten. Über das Programm OnStar Smart Driver sammelte GM in Fahrzeugen ab Modelljahr 2015 Daten wie Geschwindigkeit und Bremsverhalten und verkaufte diese an Datenmakler, die daraus Driving Scores für Versicherer erstellten.

Ob GM Kunden aktiv täuschte oder ob die Anmeldung ohne echte Zustimmung erfolgte, war zum Zeitpunkt der Klageeinreichung rechtlich noch nicht entschieden. Die Klage fordert Geldstrafen und die Löschung der gesammelten Daten, ein Urteil oder Vergleich stand noch aus.

BSDC-J-IDN-2025-2000
Relevanz 3Datenleck, Telekommunikation
28.08.2025
SK-Telecom-Datenleck Südkorea 2025
The Korea Herald
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Bei SK Telecom wurde im April 2025 ein Malware-Angriff auf USIM-bezogene Kundendaten bekannt, der rund 23,2 Millionen Kunden über 25 Datenkategorien betraf, darunter IMSI-Nummern und unverschlüsselte SIM-Authentifizierungsschlüssel. Die südkoreanische Datenschutzbehörde PIPC verhängte am 28.08.2025 eine Rekordstrafe von 134,8 Milliarden Won (rund 97 Millionen US-Dollar) wegen fehlender Verschlüsselung, mangelhafter Netzwerktrennung und ignorierter Warnsignale seit 2021/2022.

Offen bleibt, wie viele der Betroffenen tatsächlich Opfer von Identitätsdiebstahl oder SIM-Swapping wurden. Die Angreifer wurden bislang nicht namentlich identifiziert oder einer Gruppe zugeordnet.