Quellen-Tabelle

Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.

BSDC-IDDatumTitel & QuelleKernaussageKlartext
BSDC-J-KOM-2019-1169
Relevanz 5A6
10.07.2019
Google employees are eavesdropping, even in your living room, VRT NWS has discovered
VRT NWS
Recherche: DC
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Anhand über 1000 geleakter Audiodateien zeigte VRT NWS, dass Google-Mitarbeiter Sprachaufnahmen abhören und 153 unbeabsichtigte Aufnahmen ohne Aktivierungswort fanden.

Auswertung eines Leaks durch einen belgischen Subunternehmer-Mitarbeiter, nicht durch Google offengelegt.

BSDC-J-KOM-2020-1170
Relevanz 4A6
20.05.2020
Siri-Whistleblower fordert EU-Untersuchung gegen Apple
heise online
Recherche: DC
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Ein ehemaliger Apple-Subunternehmer-Mitarbeiter forderte eine EU-Untersuchung der Siri-Sprachauswertung, bei der Mitarbeiter täglich tausende Aufnahmen mit intimen Details anhörten.

Beruht auf Aussagen eines einzelnen Whistleblowers, keine unabhängige behördliche Bestätigung.

BSDC-J-KOM-2019-1172
Relevanz 3A6
05.08.2019
Alexas Aufzeichnungen per Sprachbefehl löschen – oder auch nicht
DSN GROUP
Recherche: DC
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Prüft Amazons Löschoptionen für Alexa-Sprachaufzeichnungen, stellt fest, dass die Löschung im Test unzuverlässig funktionierte.

Fachblog mit eigenem Praxistest, keine wissenschaftliche Prüfung.

BSDC-J-KOM-2020-1181
Relevanz 4A9
14.02.2020
Wie Ancestry und MyHeritage die DSGVO und andere Gesetze missachten
heise online (c't Magazin)
Recherche: DC
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MyHeritage und Ancestry verstoßen beim deutschen Marktauftritt gegen DSGVO-Transparenzpflichten, etwa durch unverständliche Datenschutzerklärungen und fehlende deutsche Kontaktadressen.

Mehrere Jahre alt, Praktiken können sich seitdem geändert haben.

BSDC-J-KOM-2014-1230
Relevanz 4F6
06.03.2014
Meldedaten: Wie der Staat mit uns Geld macht
Dr. Datenschutz (Intersoft Consulting)
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28 deutsche Großstädte nahmen 2011 rund 12,1 Mio. Euro durch den Verkauf von über 4,5 Mio. Melderegisterauskünften an Werbetreibende ein.

Zitierte Zahlen stammen aus 2011, nur bedingt aktuell aussagekräftig.

BSDC-J-KOM-2023-1403
Relevanz 3KOMMUNIKATION, STAAT
21.02.2023
Signal droht mit Rückzug aus Großbritannien wegen Online Safety Act und Verschlüsselungs-Scanning
BBC
Recherche: DC
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Der britische Online Safety Act erhielt im Oktober 2023 königliche Zustimmung und gibt der Regulierungsbehörde Ofcom Befugnisse, Maßnahmen gegen illegale Inhalte auf Messaging-Plattformen zu verlangen, faktisch bis hin zu client-seitigem Scannen verschlüsselter Nachrichten vor deren Verschlüsselung. Signal-Präsidentin Meredith Whittaker erklärte, Signal werde Großbritannien 'absolut, zu 100 Prozent' verlassen, statt seine Verschlüsselung zu schwächen. Die britische Regierung drängt Ofcom, im Rahmen des Gesetzes Verschlüsselungs-Backdoors zu untersuchen; ein entsprechender Bericht ist für April 2026 angekündigt.

Ob Signal den Rückzug aus Großbritannien tatsächlich vollzogen hat, ist aus dieser Quelle (Stand der Ankündigung 2023, Bericht erst für April 2026 angekündigt) nicht belegt.

BSDC-J-KOM-2020-1506
Relevanz 3KONSUM
01.01.2020
Payback: Erste Plattform in Deutschland, die Online-Werbung gezielt anhand von Offline-Einkäufen aussteuert
Stuttgarter Nachrichten
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Jeder Scan der Payback-Karte oder jede Zahlung mit der Payback-App speichert neue Informationen zu Alter, Geschlecht, Standort und Einkaufsverhalten, einschließlich der Frage, wo Kunden am meisten Geld ausgeben. Name, Adresse und Geburtsdatum dürfen zu Werbezwecken an Partnerunternehmen weitergegeben werden, solange der Kunde nicht widerspricht; Partnerunternehmen können anhand der übermittelten Kundennummer das Kaufverhalten von Werbeempfängern mit dem von Nicht-Empfängern vergleichen, um den Werbeerfolg zu kontrollieren. Payback positioniert sich damit als erste Online-Marketingplattform in Deutschland, die gezielte Kundenwerbung auf Basis von Offline-Einkäufen anbietet. Eine KPMG-Umfrage ermittelte, dass die Sorge vor Nachverfolgung des eigenen Kaufverhaltens der wichtigste Grund war, weshalb Verbraucher auf Kundenkartenprogramme verzichten.

Wie viele Kunden dem beschriebenen Widerspruchsrecht tatsächlich aktiv widersprechen und wie hoch der Anteil der weitergegebenen Profile am Gesamtbestand ist, ist aus dieser Quelle nicht beziffert.

BSDC-J-KOM-2023-1529
Relevanz 3GESELLSCHAFT, PLATTFORMMACHT
21.03.2023
noyb reicht Beschwerde gegen sechs Bundestagsparteien wegen rechtswidrigem Facebook-Microtargeting ein
noyb – European Center for Digital Rights
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Bei der Bundestagswahl 2021 setzten alle im Bundestag vertretenen Parteien politisches Microtargeting auf Facebook ein, um Wählergruppen gezielt mit personalisierter Wahlwerbung anzusprechen, darunter CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, AfD und Die Linke. Die Parteien investierten in den letzten drei Monaten vor der Wahl zusammen mehr als 6,9 Millionen Euro in Werbeanzeigen auf Meta-Plattformen, überwiegend Facebook. Die Datenschutzorganisation noyb reichte am 21.03.2023 Beschwerde gegen sechs deutsche Parteien ein, weil politische Meinungen nach DSGVO als besonders schutzwürdige Datenkategorie gelten und die praktizierte Zielgruppenansprache damit gegen geltendes Datenschutzrecht verstoße. Kritiker warnen zusätzlich, widersprüchliche, zielgruppenspezifisch zugeschnittene Wahlversprechen könnten gesellschaftliche Polarisierung verstärken, weil unterschiedliche Wählergruppen einander widersprechende politische Zusagen erhalten.

Der Ausgang der noyb-Beschwerde und ob die betroffenen Parteien ihre Microtargeting-Praxis seither änderten, ist aus dieser Quelle nicht belegt.

BSDC-J-KOM-2025-1575
Relevanz 3STAATEN-DATENFLUESSE, CYBERCRIME
19.12.2024
Salt Typhoon: Chinesische Hacker greifen über Jahre US-Telekomnetze an, erbeuten Metadaten von über einer Million Amerikanern
US-Kongress (CRS) / Foreign Policy
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Die mit China verbundene Hackergruppe Salt Typhoon verschaffte sich seit mindestens 2019, mit dokumentierter Aktivität ab 2022, dauerhaften Zugang zu US-Telekommunikationsnetzen, indem sie Router und Switches großer Anbieter wie AT&T, Verizon und Lumen kompromittierte. Die Angreifer drangen dabei auch in Systeme ein, die Strafverfolgungsbehörden für die gerichtlich angeordnete Erfassung von Kundendaten nutzen, und erlangten dadurch potenziell Zugriff auf sensible Informationen wie die Identität chinesischer Zielpersonen US-amerikanischer Überwachungsmaßnahmen sowie allgemeine Anruf- und SMS-Metadaten von über einer Million Amerikanern. Zwischen Dezember 2024 und Januar 2025 führte die Gruppe eine Kampagne gegen ungepatchte Cisco-Edge-Geräte durch und versuchte, über 1.000 solcher Geräte weltweit zu kompromittieren, unter Ausnutzung der Schwachstellen CVE-2023-20198 und CVE-2023-20273. Trotz US-Sanktionen kompromittierte die Gruppe 2025 fünf weitere Telekommunikationsanbieter weltweit, darunter zwei in den USA.

Die genaue Zahl der tatsächlich erfolgreich mitgelesenen Überwachungsziele (nicht nur Metadaten) ist aus dieser Quelle nicht beziffert.

BSDC-J-KOM-2024-1601
Relevanz 3MEGA-BREACH, SNOWFLAKE-HACK
19.04.2024
AT&T zahlt Hacker 370.000 Dollar nach Diebstahl von Anruf- und SMS-Daten
heise online
Recherche: DC
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Der US-Telekommunikationskonzern AT&T bestätigte am 12.07.2024, dass Angreifer zwischen dem 14.04.2024 und dem 25.04.2024 unbefugt auf seinen Arbeitsbereich beim Cloud-Anbieter Snowflake zugegriffen und Anruf- und SMS-Verbindungsdaten von nahezu allen rund 109 bis 110 Millionen Mobilfunkkunden von AT&T sowie Kunden angeschlossener Mobilfunkanbieter entwendet haben. Betroffen waren Verbindungsdaten aus dem Zeitraum vom 01.05.2022 bis zum 31.10.2022 sowie für einen kleineren Teil der Kunden vom 02.01.2023, darunter Telefonnummern, Häufigkeit und Dauer der Kontakte sowie teilweise Kennungen von Mobilfunkmasten zur Standortnäherung. Nicht betroffen waren laut AT&T die Inhalte von Anrufen und Kurznachrichten sowie Namen, Sozialversicherungsnummern oder Geburtsdaten. Wie heise online berichtete, zahlte AT&T Mitte Mai 2024 umgerechnet rund 370.000 US-Dollar in Bitcoin an einen Hacker der Gruppe ShinyHunters, der über einen Mittelsmann verhandelte, damit die gestohlenen Daten gelöscht wurden; als Nachweis erhielt AT&T ein Video der Löschung. Ursprünglich hatte der Angreifer eine Million Dollar gefordert. Als ursprünglicher Datendieb gilt der US-Bürger John Erin Binns, der zu dieser Zeit in der Türkei lebte und bereits mit dem T-Mobile-Hack von 2021 in Verbindung gebracht worden war. Der Zugriffspunkt bei Snowflake wurde nach Angaben von AT&T inzwischen abgesichert, betroffene Kunden wurden informiert.

Die Zahlung von rund 370.000 US-Dollar stützt sich auf Aussagen eines an der Übergabe beteiligten Mittelsmanns gegenüber Journalisten sowie auf ein vorgelegtes Bitcoin-Transaktionsprotokoll; AT&T selbst hat die Zahlung öffentlich nicht bestätigt, und ob wirklich alle Kopien der Daten gelöscht wurden, bleibt laut Mittelsmann unsicher. Die oft im Zusammenhang genannte Zahl von 73 Millionen betroffenen Kunden bezieht sich auf ein separates, im März 2024 bekanntgewordenes Datenleck aus rund 2019 und nicht auf die hier beschriebenen Anruf- und SMS-Metadaten von rund 109 bis 110 Millionen Kunden.

BSDC-J-KOM-2017-1644
Relevanz 3MEGA-BREACH, SIM-DATENLECK
18.10.2017
46,2 Millionen malaysische SIM-Registrierungsdaten gestohlen und im Untergrund verkauft
BleepingComputer
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Am 18.10.2017 wurde die malaysische Technologie-Website Lowyat.net auf mehrere Datenbanken aufmerksam, die in Untergrundforen zum Kauf angeboten wurden. Die malaysische Regulierungsbehörde MCMC bestätigte, dass Registrierungsdatensätze von 46,2 Millionen Mobilfunk-Anschlüssen betroffen waren, mehr als die damalige Einwohnerzahl Malaysias von rund 31 Millionen. Die Daten stammten von mindestens 12 Mobilfunkanbietern und virtuellen Netzbetreibern, darunter Celcom, Maxis, DiGi, Altel, U Mobile und XOX, sowie zusätzlich vom Malaysian Medical Council, der Malaysian Medical Association, der Malaysian Dental Association und der Jobbörse Jobstreet.com. Erbeutet wurden unter anderem Namen, Wohn- und Rechnungsadressen, MyKad-Ausweisnummern, SIM-Kartennummern, IMSI- und IMEI-Kennungen sowie Handset-Modelle. Nach Angaben der Ermittler deuteten die Zeitstempel der Daten auf einen Diebstahl zwischen 2014 und 2015 hin, laut BleepingComputer wurden die Daten spätestens im Juli 2014 entwendet. Die Datensätze wurden im Untergrund unter anderem für rund 1 Bitcoin angeboten, was zum damaligen Kurs etwa 6.500 US-Dollar entsprach. Am 16.11.2017 gab die malaysische Polizei bekannt, dass als mögliche Täter Mitarbeiter einer Firma verdächtigt werden, die mit der Datenübertragung für die MCMC befasst war. Die Website SayaKenaHack.com, über die Betroffene prüfen konnten, ob ihre Daten enthalten waren, wurde von den Behörden gesperrt. Bis zur Berichterstattung Mitte November 2017 waren keine Festnahmen erfolgt.

Aus den Quellen nicht belegt sind die genaue Identität der Täter, ein abgeschlossener Ermittlungsabschluss mit Anklage oder Verurteilung sowie eine offiziell verhängte Bußgeldhöhe gegen beteiligte Unternehmen oder Behörden.

BSDC-J-KOM-2021-1658
Relevanz 3FACEBOOK-FILES, JUGEND-MENTAL-HEALTH
14.09.2021
Facebook-Studien: Instagram verschlimmert Körperbild bei jedem dritten Teenager-Mädchen
Wikipedia (Zusammenfassung der Wall-Street-Journal-Recherche The Facebook Files)
Recherche: DC
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Am 13. und 14. September 2021 veröffentlichte das Wall Street Journal die Artikelserie The Facebook Files auf Basis interner Firmendokumente, die ihm die ehemalige Facebook-Produktmanagerin Frances Haugen zugespielt hatte. Haugen arbeitete von Juni 2019 bis Mai 2021 im Civic-Integrity-Team von Facebook und kopierte beim Ausscheiden Zehntausende interne Unterlagen. Eine Präsentationsfolie aus internen Studien von 2019 hielt fest, dass Facebook bei einem von drei Teenager-Mädchen Körperbildprobleme durch Instagram verschlimmert. Laut einer internen Erhebung vom März 2020 gaben 32 Prozent der befragten Teenager-Mädchen an, dass Instagram negative Gefühle zum eigenen Körper noch verstärkte. Unter Jugendlichen mit Suizidgedanken führten 13 Prozent der britischen und 6 Prozent der amerikanischen befragten Nutzer diese Gedanken auf Instagram zurück. Am 3. Oktober 2021 gab sich Haugen in einem Interview der CBS-Sendung 60 Minutes öffentlich als Whistleblowerin zu erkennen. Am 5. Oktober 2021 sagte sie vor dem Handelsausschuss des US-Senats aus. Am 22. Oktober 2021 veröffentlichte ein Konsortium von 17 US-Nachrichtenredaktionen weitere interne Dokumente unter dem Namen Facebook Papers. Facebook stellte daraufhin die Entwicklung einer eigenen Instagram-Version für Kinder unter 13 Jahren ein und benannte den Mutterkonzern am 28. Oktober 2021 in Meta um.

Die genaue Gesamtzahl der von Haugen kopierten Dokumente wird nur mit Zehntausenden beziffert, eine exakte Seiten- oder Dokumentenzahl ist aus dieser Quelle nicht belegt. Ob die SEC-Beschwerden zu einem förmlichen Verfahren oder zu Sanktionen gegen Meta geführt haben, geht aus dieser Quelle nicht hervor.

BSDC-J-KOM-2013-1659
Relevanz 3MASSENUEBERWACHUNG, WHISTLEBLOWER-LEAKS
06.06.2013
PRISM-Enthüllung: NSA griff auf Server von neun US-Internetkonzernen zu
Wikipedia (deutschsprachige Ausgabe)
Recherche: DC
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Am 06.06.2013 veröffentlichten The Guardian und die Washington Post erste Berichte über das geheime NSA-Programm PRISM, basierend auf Dokumenten des NSA-Vertragsmitarbeiters Edward Snowden, der zuvor für Booz Allen Hamilton tätig war. Snowden wurde am 09.06.2013 öffentlich als Quelle genannt und floh anschließend über Hongkong nach Russland. PRISM ermöglichte der NSA seit 2007 Zugriff auf Nutzerdaten von neun US-Internetkonzernen, beginnend mit Microsoft (2007), gefolgt von Yahoo (2008), Google, Facebook und Paltalk (2009), YouTube (2010), AOL und Skype (2011) sowie Apple (2012). Erfasst wurden unter anderem E-Mails, Chatprotokolle, Fotos, Videos, Videoanrufe und Verbindungsdaten. Rechtsgrundlage war Section 702 des Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) von 2008, der im Dezember 2012 unter Präsident Obama verlängert wurde. Laut den geleakten Unterlagen standen im April 2013 rund 117675 Zielpersonen unter aktiver Beobachtung durch die NSA. Bereits am 05.06.2013 hatte der Guardian zusätzlich eine geheime Gerichtsanordnung veröffentlicht, wonach die NSA Telefonverbindungsdaten von mehr als 120 Millionen Verizon-Kunden in den USA erhielt. Die Enthüllungen lösten weltweite Debatten über Massenüberwachung aus und führten unter anderem zu einem spürbaren Anstieg der Nutzerzahlen datenschutzfreundlicher Suchmaschinen wie DuckDuckGo.

Aus dieser Quelle nicht abschließend geklärt ist, ob die NSA tatsächlich direkten technischen Zugriff auf die Server der Unternehmen hatte, wie die ursprüngliche Berichterstattung nahelegte, oder ob Daten über separate, von den Firmen kontrollierte Übergabesysteme flossen, was die betroffenen Konzerne bestritten. Auch das exakte Gesamtvolumen der über PRISM erfassten Kommunikationsdaten bleibt unbelegt.

BSDC-J-KOM-2017-1693
Relevanz 3E-MAIL-HACK, WIRTSCHAFTSPRUEFER-LECK
25.09.2017
Deloitte-Hack 2017: Ungesichertes Admin-Konto legt E-Mails von 244.000 Mitarbeitern offen
The Guardian
Recherche: DC
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Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte wurde nach Medienberichten spätestens im Oktober oder November 2016 Opfer eines Cyberangriffs auf ihr globales E-Mail-System, den das Unternehmen erst im März 2017 entdeckte. Die Angreifer verschafften sich Zugang über ein Administratorkonto, das nicht durch Zwei-Faktor-Authentifizierung geschützt war, und erhielten damit privilegierten Zugriff auf das komplette, bei Microsoft Azure gehostete E-Mail-System der Firma. Betroffen waren die E-Mail-Konten von rund 244.000 Deloitte-Mitarbeitern weltweit, wobei die Angreifer laut Berichten potenziell auf bis zu fünf Millionen E-Mails zugreifen konnten. Zu den kompromittierten Daten zählten Nutzernamen, Passwörter, IP-Adressen, Architekturdiagramme sowie teils Gesundheitsinformationen aus E-Mail-Anhängen. Die britische Zeitung The Guardian machte den Vorfall am 25.09.2017 öffentlich, nachdem Deloitte den Angriff zuvor nicht publik gemacht hatte. Deloitte erklärte, es seien nur sehr wenige Kunden betroffen gewesen, und bestätigte, sechs Kunden offiziell über eine Beeinträchtigung ihrer Daten informiert zu haben. Zu den laut Presseberichten möglicherweise betroffenen Organisationen zählten mehrere US-Bundesbehörden sowie internationale Konzerne aus den Bereichen Banken, Pharma und Medien.

Die genaue Gesamtzahl der tatsächlich betroffenen Kunden sowie der Umfang des tatsächlich abgeflossenen Datenvolumens sind nicht abschließend belegt, da Deloitte offiziell nur sechs Kunden als betroffen bestätigte, während Medienberichte einen deutlich größeren Kreis potenziell betroffener Organisationen nennen.

BSDC-J-KOM-2016-1713
Relevanz 3MASSENUEBERWACHUNG, E-MAIL-SCANNING
04.10.2016
Yahoo scannte 2015 heimlich Hunderte Millionen E-Mail-Konten für US-Geheimdienste
Reuters (Joseph Menn)
Recherche: DC
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Am 04.10.2016 berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mehrere ehemalige Mitarbeiter, dass der Internetkonzern Yahoo im Jahr 2015 heimlich eine Spezialsoftware entwickelt hatte, um alle eingehenden E-Mails seiner Kundinnen und Kunden zu durchsuchen. Der Auftrag ging laut Reuters auf eine geheime Anordnung der US-Regierung zurück, die entweder von der NSA oder dem FBI stammte. Die Software durchsuchte den eingehenden Mailverkehr von mehreren hundert Millionen Yahoo-Mail-Konten in Echtzeit nach einer bestimmten, nicht öffentlich bekannten Zeichenfolge. Nach Einschätzung von Überwachungsexperten war dies der erste bekannt gewordene Fall, in dem ein US-Internetunternehmen den gesamten eingehenden E-Mail-Verkehr in Echtzeit durchsuchte. Yahoos damalige Geschäftsführerin Marissa Mayer und Justiziar Ron Bell wiesen die zuständigen E-Mail-Ingenieure an, das Programm ohne Wissen des übrigen Sicherheitsteams zu bauen. Der damalige Chief Information Security Officer Alex Stamos entdeckte das Programm im Mai 2015 und verließ Yahoo im Juni 2015. Yahoo reagierte mit der Erklärung, man sei ein gesetzestreues Unternehmen, äußerte sich aber nicht näher zu Details.

Unklar bleibt, welche konkrete Zeichenfolge die Geheimdienste tatsächlich suchten, welche Behörde die Anordnung im Detail erteilte und ob beziehungsweise welche Daten Yahoo an Behörden übergab. Yahoo bestritt Teile der Reuters-Darstellung öffentlich, ohne eigene Fakten oder Zahlen zu nennen, sodass der Sachverhalt bis heute nicht offiziell bestätigt ist.

BSDC-J-KOM-2013-1747
Relevanz 3NSA-UEBERWACHUNG, SNOWDEN-LEAKS
31.07.2013
Snowden-Leak XKeyscore: NSA-Suchsystem an 700 Servern in 150 Ländern
The Guardian
Recherche: DC
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Am 31.07.2013 veröffentlichte The Guardian, gestützt auf von Edward Snowden bereitgestellte Dokumente, einen Bericht über das NSA-Programm XKeyscore. Grundlage war eine als geheim eingestufte NSA-Schulungspräsentation aus dem Jahr 2008 mit 48 Folien. Laut den Unterlagen ermöglichte XKeyscore NSA-Analysten eine Volltextsuche in E-Mails, Online-Chats und Browserverläufen von Internetnutzern weltweit, ohne vorherige richterliche Genehmigung. Das System stützte sich auf ein Netzwerk von rund 700 Servern an etwa 150 Standorten in etwa 41 Ländern. Erfasste Inhalte wurden für drei bis fünf Tage und Metadaten für bis zu 30 Tage auf den Servern vorgehalten, bevor Analysten relevante Treffer in Langzeitdatenbanken speicherten. Journalist Glenn Greenwald berichtete, Analysten benötigten für eine Suche lediglich eine grobe Begründung über ein Dropdown-Menü, jedoch keine gerichtliche Anordnung. Die NSA erklärte, der Zugriff unterliege technischen und prozeduralen Kontrollen sowie der Aufsicht durch Kongress, Justizministerium und Gerichte.

Aus dem Artikel geht nicht hervor, in welchem konkreten Umfang XKeyscore tatsächlich auf Daten von US-Bürgern angewendet wurde, und die genaue Zahl weltweit betroffener Nutzer ist nicht unabhängig verifizierbar.

BSDC-J-KOM-2013-1751
Relevanz 3MASSENUEBERWACHUNG, GLASFASER-ANZAPFUNG
21.06.2013
GCHQ zapft laut Snowden-Leak über 200 Glasfaserkabel an, 600 Millionen Vorgänge täglich
The Guardian
Recherche: DC
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Am 21.06.2013 veröffentlichte The Guardian auf Basis von Dokumenten des ehemaligen NSA-Mitarbeiters Edward Snowden Details zum Programm Tempora des britischen Geheimdienstes GCHQ. Tempora wurde ab 2008 getestet und war seit Ende 2011 im Wirkbetrieb. Der Geheimdienst hatte Abhörsonden an mehr als 200 transatlantischen Glasfaserkabeln angebracht, über die ein Großteil des internationalen Telefon- und Internetverkehrs zwischen Europa und Nordamerika läuft. Jede Sonde konnte anfangs bis zu 10 Gigabit Daten pro Sekunde erfassen, laut Guardian ließen sich damit täglich bis zu 600 Millionen Kommunikationsvorgänge auswerten. Inhaltsdaten wie Telefonate und E-Mails wurden bis zu drei Tage, Metadaten bis zu 30 Tage gespeichert und durchsuchbar gehalten. Ein zentraler Anlandepunkt der abgehörten Kabel lag im britischen Bude in Cornwall. Nach den Dokumenten hatten im Mai 2012 rund 300 GCHQ- und 250 NSA-Analysten Zugriff auf die gesammelten Daten. Im September 2018 stufte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das britische Massenüberwachungsprogramm als rechtswidrig ein.

Die genaue Zahl von 600 Millionen täglich erfassten Kommunikationsvorgängen sowie Details zur rechtlichen Grundlage stammen aus als geheim eingestuften Dokumenten und wurden von GCHQ nie offiziell bestätigt oder dementiert.

BSDC-J-KOM-2016-1757
Relevanz 3VORRATSDATENSPEICHERUNG, MASSENUEBERWACHUNG
29.11.2016
Investigatory Powers Act 2016: Snoopers Charter erzwingt zwölfmonatige Vorratsdatenspeicherung in Großbritannien
Wikipedia (englischsprachig)
Recherche: DC
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Der Investigatory Powers Act 2016, im Vereinigten Königreich als Snoopers Charter bekannt, erhielt am 29.11.2016 die königliche Zustimmung und trat ab dem 30.12.2016 stufenweise in Kraft. Das Gesetz verpflichtet Kommunikationsdienstleister, Internet Connection Records aller Nutzer für zwölf Monate zu speichern. Polizei, Geheimdienste und benannte Regierungsbehörden können diese Daten für gezielte Ermittlungen abrufen. Zusätzlich legalisiert das Gesetz Massenbefugnisse: die massenhafte Interception von Kommunikation, den Massenzugriff auf Kommunikationsdaten und das Hacken von Geräten. Am 27.04.2018 entschied der High Court in London im Verfahren Liberty gegen die Regierung, dass Teil 4 des Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung gegen EU-Recht verstößt, da er keine ausreichenden Schutzvorkehrungen wie eine vorherige unabhängige Genehmigung vorsah. Am 31.10.2018 traten die Data Retention and Acquisition Regulations 2018 in Kraft, die den Zugriff auf schwere Straftaten beschränken und eine vorherige Prüfung durch einen Judicial Commissioner vorschreiben.

Aus dieser Quelle nicht belegt sind die genaue Zahl der tatsächlich gespeicherten Internet Connection Records und der behördlichen Abfragen sowie Details zu einzelnen vertraulichen Technical Capability Notices.

BSDC-J-KOM-2015-1758
Relevanz 3NSA-UEBERWACHUNG, TELEFONMETADATEN
02.06.2015
USA Freedom Act beendet NSA-Massenerfassung von Telefondaten nach Section-215-Ablauf
Lawfare
Recherche: DC
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Section 215 des USA PATRIOT Act erlaubte der NSA seit 2006 die massenhafte, anlasslose Sammlung von Telefonverbindungsdaten von Millionen US-Bürgern. Das Programm wurde im Juni 2013 durch von Edward Snowden veröffentlichte Dokumente öffentlich bekannt. Am 07.05.2015 entschied das Berufungsgericht des zweiten Bundesgerichtsbezirks im Fall ACLU v. Clapper, dass Section 215 die massenhafte Sammlung von Telefondaten rechtlich nicht gedeckt habe. Die gesetzliche Grundlage von Section 215 lief am 01.06.2015 aus. Am 02.06.2015 verabschiedete der US-Senat mit 67 zu 32 Stimmen den USA Freedom Act, den Präsident Barack Obama noch am selben Tag unterzeichnete. Das Gesetz untersagte künftig die anlasslose Massensammlung von Telefonmetadaten durch die NSA, sah dafür aber eine Übergangsfrist von 180 Tagen vor. Nach Ablauf dieser Frist stellte die NSA die Massensammlung am 29.11.2015 endgültig ein. Seitdem benötigt die Regierung für gezielte Abfragen einen Beschluss des FISC mit einem konkreten Suchbegriff.

Aus dieser Quelle nicht belegt sind die genaue Zahl der betroffenen Telefonanschlüsse; ebenso bleibt offen, in welchem Umfang die NSA über andere Rechtsgrundlagen wie Section 702 FISA weiterhin Kommunikationsdaten erhob.

BSDC-J-KOM-2013-1763
Relevanz 3NSA-ABHOERSKANDAL, SNOWDEN-ENTHUELLUNGEN
24.10.2013
Handygate 2013: NSA soll Merkels Mobiltelefon seit 2002 abgehört haben
Wikipedia (deutschsprachige Ausgabe)
Recherche: DC
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Am 24.10.2013 wurde bekannt, dass der US-Geheimdienst NSA das Mobiltelefon von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört haben soll. Grundlage war eine Recherche des Magazins Der Spiegel anhand von Dokumenten aus dem Fundus des Whistleblowers Edward Snowden. Demnach führte die zuständige NSA-Abteilung S2C32 Merkel bereits seit 2002 unter dem Decknamen GE Chancellor Merkel als Aufklärungsziel. Betroffen war ein von Merkel für CDU-interne Kommunikation genutztes Mobiltelefon, nicht ihr offizielles Diensthandy. Als Operationsbasis der NSA diente laut Bericht die US-Botschaft am Pariser Platz in Berlin. Noch am 24.10.2013 bestellte das Auswärtige Amt erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik den US-Botschafter John B. Emerson ein. Merkel beschwerte sich telefonisch bei US-Präsident Barack Obama. Generalbundesanwalt Harald Range leitete 2014 ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts geheimdienstlicher Agententätigkeit ein, stellte es aber am 12.06.2015 mangels gerichtsfest beweisbarer Fakten wieder ein.

Aus dieser Quelle nicht abschließend belegt ist, ob und wie lange Merkels Handy tatsächlich technisch abgehört wurde, da der Generalbundesanwalt das zugrunde liegende NSA-Dokument nie im Original erhalten konnte.

BSDC-J-KOM-2013-1766
Relevanz 3NSA-UEBERWACHUNG, TELEFON-METADATEN
05.06.2013
Geheime FISA-Anordnung zwingt Verizon zur täglichen Herausgabe aller Anrufdaten
The Guardian (Glenn Greenwald)
Recherche: DC
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Am 05.06.2013 veröffentlichte The Guardian einen geheimen Gerichtsbeschluss des Foreign Intelligence Surveillance Court, erlassen am 25.04.2013 von Richter Roger Vinson, der Verizon Business Network Services zur täglichen elektronischen Übermittlung sämtlicher Anrufmetadaten an die NSA verpflichtete. Erfasst wurden Rufnummern, Anschlusskennungen, Standortdaten sowie Zeitpunkt und Dauer der Gespräche, jedoch nicht die Gesprächsinhalte selbst. Die Anordnung betraf sowohl Inlandsgespräche als auch Verbindungen zwischen den USA und dem Ausland und galt für drei Monate bis zum 19.07.2013. Rechtsgrundlage war Section 215 des USA PATRIOT Act. Quelle des Dokuments war der ehemalige NSA-Vertragsmitarbeiter Edward Snowden. Der Verizon-Beschluss war das erste von zahlreichen geheimen Dokumenten, die Snowden dem Journalisten Glenn Greenwald zuspielte und die in den folgenden Wochen das Ausmaß globaler NSA-Überwachungsprogramme wie PRISM offenlegten. Der Gerichtsbeschluss selbst trug den Vermerk, dass er bis zum Jahr 2038 geheim gehalten werden sollte.

Aus dem veröffentlichten Gerichtsbeschluss allein geht nicht hervor, wie viele Kunden oder Anrufe konkret erfasst wurden und in welchem Umfang die NSA die Daten praktisch auswertete.

BSDC-J-KOM-2013-1769
Relevanz 3SIGNAL-PROTOKOLL, OPEN-WHISPER-SYSTEMS
21.01.2013
Gründung von Open Whisper Systems am 21.01.2013 und Beginn der Signal-Protokoll-Entwicklung
Wikipedia
Recherche: DC
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Der Sicherheitsforscher Moxie Marlinspike gründete 2010 gemeinsam mit dem Robotik-Ingenieur Stuart Anderson die Firma Whisper Systems, die mit TextSecure und RedPhone verschlüsselte Kurznachrichten und Telefonate für Mobiltelefone entwickelte. Twitter übernahm Whisper Systems im November 2011 und veröffentlichte beide Anwendungen anschließend als Open-Source-Software. Am 21.01.2013 gründete Marlinspike die Organisation Open Whisper Systems, um die Weiterentwicklung von TextSecure und RedPhone fortzuführen. Ab 2013 entwickelten Trevor Perrin und Moxie Marlinspike gemeinsam ein neues kryptografisches Verfahren, das zunächst als Axolotl Ratchet bezeichnet wurde. Am 24.02.2014 veröffentlichte Open Whisper Systems TextSecure Version 2, die erstmals den Axolotl Ratchet einsetzte. Im Juli 2014 erschien mit Signal für iOS eine erste eigenständige App für verschlüsselte Telefonate. Am 02.11.2015 verschmolzen TextSecure und RedPhone auf Android zur einheitlichen App Signal. Im März 2016 benannte Open Whisper Systems das Verfahren offiziell in Signal Protokoll um. Forscher der Ruhr-Universität Bochum bestätigten im Oktober 2014 in einer unabhängigen Sicherheitsanalyse die grundsätzliche Sicherheit von TextSecure Version 3. WhatsApp integrierte das Signal Protokoll ab November 2014 und schloss die durchgängige Verschlüsselung für alle Nutzer am 05.04.2016 ab.

Aus dieser Quelle nicht belegt sind exakte Nutzerzahlen von TextSecure und Signal zum jeweiligen Zeitpunkt sowie Details zu internen Entscheidungsprozessen bei Open Whisper Systems.

BSDC-J-KOM-2020-1772
Relevanz 3OPERATION-RUBIKON, GEHEIMDIENST-BACKDOOR
11.02.2020
Crypto-AG-Skandal: CIA und BND spionierten über 120 Staaten aus
heise online
Recherche: DC
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Am 11.02.2020 veröffentlichten die Washington Post, das ZDF und das Schweizer Fernsehen SRF gemeinsame Recherchen zur sogenannten Operation Rubikon. Demnach kauften der US-Geheimdienst CIA und der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) 1970 gemeinsam für 8,5 Millionen US-Dollar die Schweizer Verschlüsselungsfirma Crypto AG und kontrollierten sie bis 1993 heimlich, danach führte die CIA das Geschäft allein bis 2018 fort. Die Dienste bauten absichtlich geschwächte Algorithmen in die verkauften Chiffriergeräte ein und konnten so die Kommunikation von mehr als 120 Staaten mitlesen, darunter NATO- und EU-Mitglieder sowie der Vatikan. Laut den ausgewerteten internen Unterlagen stammten zeitweise rund 40 Prozent der von der NSA entschlüsselten Auslandskommunikation aus Crypto-AG-Geräten. Der BND stieg 1993 aus dem Geschäft aus, nachdem im März 1992 im Iran der Crypto-AG-Vertreter Hans Bühler wegen Spionageverdachts festgenommen worden war, und verkaufte seinen Anteil für 17 Millionen US-Dollar. Die CIA veräußerte ihre verbliebenen Vermögenswerte 2017/2018 für schätzungsweise 50 bis 70 Millionen US-Dollar. Die Geschäftsprüfungsdelegation des Schweizer Parlaments veröffentlichte ihren Abschlussbericht am 10.11.2020.

Die genaue Zahl der betroffenen Staaten schwankt je nach Quelle zwischen rund 120 und über 130, und ob einzelne beteiligte Länder informell informiert waren, ist nicht abschließend geklärt.

BSDC-J-KOM-2016-1779
Relevanz 3MIRAI-BOTNET, DDOS-GROSSANGRIFF
21.10.2016
Mirai-Botnet attackiert DNS-Anbieter Dyn, über 100 Dienste weltweit gestört
Wikipedia
Recherche: DC
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Am 21.10.2016 wurde der US-amerikanische DNS-Dienstleister Dyn Ziel dreier aufeinanderfolgender DDoS-Angriffswellen zwischen etwa 11:10 und 22:10 Uhr UTC. Die Angriffe erfolgten über das Mirai-Botnet, das aus gekaperten Internet-of-Things-Geräten wie IP-Kameras, Routern und digitalen Videorekordern bestand, die über werkseitig voreingestellte Standardpasswörter infiziert worden waren. Dyn erklärte, Anfragen von zig Millionen IP-Adressen empfangen zu haben. Durch den Ausfall von Dyns DNS-Infrastruktur waren mehr als 100 Internetdienste in Nordamerika und Teilen Europas zeitweise nicht erreichbar, darunter Twitter, Netflix, Reddit, Spotify, Amazon, PayPal, GitHub und Airbnb. Die Gruppen New World Hackers und SpainSquad reklamierten die Verantwortung für sich und nannten als Motiv eine Vergeltung für die Einschränkung des Internetzugangs von Julian Assange. Das US-Heimatschutzministerium und das FBI leiteten Ermittlungen ein. Am 13.12.2017 bekannten sich mehrere junge Männer in den USA im Zusammenhang mit der Mirai-Schadsoftware schuldig, am 09.12.2020 folgte ein weiteres Schuldbekenntnis einer zum Tatzeitpunkt minderjährigen Person.

Die genaue Anzahl der am Angriff beteiligten Geräte sowie die exakte Spitzenbandbreite wurden von Dyn nie offiziell mit verbindlichen Zahlen bestätigt. Wer den Angriff auf Dyn konkret initiierte, ist bis heute nicht abschließend geklärt.

BSDC-J-KOM-2008-1781
Relevanz 3CYBERWARFARE, DDOS-ANGRIFFE
08.08.2008
Georgien 2008: Sechs Botnetze legen Regierungswebsites im Kaukasuskrieg lahm
Wikipedia (englischsprachig)
Recherche: DC
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Am 19.07.2008 wurde die Website des georgischen Präsidenten Micheil Saakaschwili erstmals durch einen DDoS-Angriff für rund 24 Stunden lahmgelegt. Am 08.08.2008, dem Tag des Einmarschs russischer Truppen in Südossetien, begann eine deutlich umfangreichere zweite Welle koordinierter Cyberangriffe gegen georgische Ziele. Bis zum 10.08.2008 waren die meisten Websites der georgischen Regierung durch DDoS-Attacken nicht mehr erreichbar, betroffen waren unter anderem das Parlament, die Nationalbank sowie Banken und Telekommunikationsanbieter. Am 11.08.2008 wurde die Präsidentenwebsite zusätzlich defaced und mit Bildmontagen versehen, die Saakaschwili mit Adolf Hitler verglichen. Sicherheitsforscher identifizierten sechs verschiedene Botnetze sowie eine in russischer Sprache programmierte DDoS-Steuerungssoftware namens MachBot. Als mutmaßlicher Organisator gilt das Russian Business Network aus Sankt Petersburg, die russische Regierung bestritt jede Verantwortung. Die georgische Regierung wich während der Angriffe auf Google Blogger und Server in den USA aus, Estland bot zusätzliches Hosting an. Die Ereignisse gelten als der erste dokumentierte Fall koordinierter Cyberangriffe parallel zu einer konventionellen Militäroperation.

Eine gerichtsfeste Zuordnung der Angriffe zu russischen Behörden oder dem russischen Militär ist bis heute nicht belegt, strafrechtliche Konsequenzen sind nicht dokumentiert. Ebenso fehlt eine verifizierte Gesamtzahl der betroffenen Websites oder ein bezifferter wirtschaftlicher Schaden.