Quellen-Tabelle

Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.

BSDC-IDDatumTitel & QuelleKernaussageKlartext
BSDC-B-GER-2026-377
in KraftRelevanz 3D7
21.01.2026
CORRECTIV — bundesweite Recherche zur Kameradichte nach Bundesländern
CORRECTIV (Recherchezentrum), eigene Behördenabfrage in allen Bundesländern
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Betrachtet man die Kamerazahl im Verhältnis zur Einwohnerzahl, liegt Bremen mit 10,49 Kameras pro 100.000 Menschen an der Spitze, Bayern liegt im Mittelfeld bei 1,06 Kameras, das ländlich geprägte Brandenburg mit 0,31 Kameras pro 100.000 Einwohnern im unteren Bereich — ein Unterschied um mehr als das 30-fache zwischen Bremen und Brandenburg.

Sehr aussagekräftige Zahl für Blackstone: Die Kameradichte unterscheidet sich zwischen deutschen Bundesländern um mehr als das 30-fache — das zeigt, dass es keine bundesweit einheitliche "Notwendigkeit" für ein bestimmtes Überwachungsniveau gibt, sondern sehr unterschiedliche politische Entscheidungen in den einzelnen Ländern. Wichtige methodische Einschränkung der Erhebung selbst: Nur dauerhaft installierte Kameras auf Straßen/Plätzen wurden gezählt — Bahnhöfe, Flughäfen, Autobahnen und Objektschutz-Kameras (Synagogen etc.) sind NICHT enthalten, die tatsächliche Gesamtzahl liegt also deutlich höher.

BSDC-B-GER-2026-378
in KraftRelevanz 3D7
21.01.2026
BfDI-Position zur Ausweitung — kritische Bewertung der Bundesdatenschutzbehörde
CORRECTIV, mit Zitat der Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Die Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit bewertet die Ausweitung der Videoüberwachung kritisch — nach ihrer Einschätzung stellt sie einen tiefen Eingriff in Grundrechte dar.

Wichtige amtliche Kritik-Quelle, passend zum bereits mehrfach in der Datenbank dokumentierten Muster (BfDI-Kritik bei A1, C5) — die deutsche Datenschutzbehörde positioniert sich auch bei diesem, eher "klassischen" Überwachungsthema kritisch, nicht nur bei neuen digitalen Instrumenten.

BSDC-B-GER-2026-379
in KraftRelevanz 3D7
29.12.2024
Deutsche Bahn/BMI — 11.000 Kameras an Bahnhöfen, Wirksamkeits-Behauptung "3x mehr Aufklärung"
LOK Report, mit Zitat der damaligen Bundesinnenministerin Nancy Faeser
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Faeser: "Die moderne Videotechnik ist jetzt an allen großen Bahnhöfen in Deutschland im Einsatz. Die Bundespolizei kann heute drei Mal mehr Straftaten mit Videotechnik aufklären als noch 2019." Insgesamt sind rund 11.000 Kameras an Bahnhöfen im Einsatz.

Wichtig für Blackstones Wirksamkeits-Prüfung (F4): Diese "3x mehr Aufklärung"-Behauptung stammt direkt von der zuständigen Ministerin — anders als bei vielen anderen Blackstone-Dossiers (Chatkontrolle, Vorratsdatenspeicherung) gibt es hier eine konkrete, öffentlich kommunizierte Erfolgszahl. Für ein vollständiges D7-Dossier sollte diese Zahl in einem künftigen Batch unabhängig verifiziert werden (z. B. über die zugrundeliegende Bundespolizei-Kriminalstatistik) — sie könnte tatsächlich eines der stärksten PRO-Argumente in der gesamten Blackstone-Datenbank sein, wenn sie sich bestätigt, oder ein Beispiel für unbelegte Erfolgsbehauptungen, falls nicht.

BSDC-B-FND-2023-380
in KraftRelevanz 2D7
Mai 2023
Mai 2023 (aktuellste gefundene internationale Vergleichszahl)
Internationale Vergleichsdichte — Statista/Comparitech-Datensatz zu Großstädten weltweit
Statista, Datenbasis Comparitech
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Die Statistik nutzt Kameras pro 1.000 Einwohner als internationale Vergleichsgröße, mit ausdrücklichem Hinweis, dass es sich um geschätzte, teils ungenaue Werte handelt und private Kameras in einigen Fällen möglicherweise mit erfasst sind.

Für einen internationalen Städtevergleich (Blackstone-Artikel "Wie überwacht ist Deutschland im Vergleich?") wäre diese Datenquelle relevant, aber die konkreten Zahlen liegen hinter einer Bezahlschranke — für ein künftiges Batch mit Statista-Zugang oder einer frei zugänglichen Alternative (z. B. direkt bei Comparitech) nachrecherchieren.

BSDC-S-GER-2018-381
in KraftRelevanz 3D7
21.01.2026
Feld enthält mehrere Jahresangaben, Originaltext prüfen
KFN-Studie NRW — "geringer, aber statistisch bedeutsamer Effekt", uneindeutige internationale Befundlage
Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), Studie 2018 im Auftrag des NRW-Innenministeriums, hier über CORRECTIV referenziert
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Das KFN untersuchte 2018 in sechs großen NRW-Städten den Effekt der Videoüberwachung auf Kriminalitätsbelastung und Aufklärungsquote. Ergebnis: ein statistisch bedeutsamer, aber relativ geringer Effekt auf die Aufklärungsquote. Ein "wissenschaftlicher Nachweis eines allgemein kriminalitätsreduzierenden Effekts der Videoüberwachung" kann laut den Wissenschaftlern nicht erbracht werden — der Nutzen hänge stark von der jeweils betrachteten Deliktart ab. Gleichzeitig betonen "polizeiliche Praktiker" das wahrgenommene Potenzial der Technologie.

Sehr wichtiges, differenziertes Ergebnis — passt zum bereits etablierten F4-Muster: Weder "Videoüberwachung wirkt nicht" noch "Videoüberwachung löst alles" — die Wahrheit liegt dazwischen: geringer, aber messbarer Effekt bei der Aufklärung, kein Nachweis für allgemeine Kriminalitätsreduktion, starke Abhängigkeit von der Deliktart. Interessant: Ein Bruch zwischen wissenschaftlicher Zurückhaltung und dem gefühlten Potenzial bei der Polizei selbst — beide Perspektiven sollten in einem Blackstone-Artikel nebeneinander stehen.

BSDC-S-GER-2026-383
in KraftRelevanz 3D7
31.10.2025
Weitere KFN-Detailzahlen — Aachen vs. Dortmund, gegensätzliche Stadtteil-Effekte
Tarnkappe.info, detaillierte KFN-Studienauswertung
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Untersucht wurden sieben NRW-Städte (Düsseldorf, Mönchengladbach, Aachen, Essen, Dortmund, Duisburg, Köln). Ergebnis war uneinheitlich: In Aachen ging die Kriminalität im videoüberwachten Bereich um 9% zurück — im übrigen Stadtgebiet aber um 13%, also STÄRKER als im überwachten Bereich. In Dortmund kam es sogar zu einem Anstieg der Straßenkriminalität im videoüberwachten Bereich.

Besonders eindrückliches Detail: In Aachen sank die Kriminalität außerhalb der Kameras sogar stärker als innerhalb — ein Befund, der die reine "mehr Kameras = weniger Kriminalität"-These direkt infrage stellt. Der Anstieg in Dortmund zeigt zusätzlich: Es gibt keine Garantie, dass Kameras überhaupt in die gewünschte Richtung wirken. Diese konkreten Stadt-Einzelergebnisse sind viel überzeugender als eine abstrakte "Studien sind gemischt"-Aussage.

BSDC-S-GER-2005-384
in KraftRelevanz 2D7
2005
nur Jahresangabe in der Quelle
2005 (älter, aber methodisch wertvolle internationale Metaanalyse)
Deutsches Forum für Kriminalprävention — Verlagerungseffekte und Campbell-Collaboration-Metaanalyse
Deutsches Forum für Kriminalprävention, mit Bezug auf internationale Campbell-Collaboration-Metaanalyse
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Bei vier U-Bahn-Studien waren die Befunde widersprüchlich: zwei positive Effekte, ein Effekt null, ein negativer Effekt — die durchschnittliche "Erfolgsquote" war nicht statistisch signifikant. Zur Kriminalitätsverlagerung in angrenzende Gebiete: gemischte Befunde, teilweise deutet sich sogar eine positive Ausstrahlung (Prävention wirkt auch auf Nachbargebiete) an.

Wichtige methodische Ergänzung: Selbst zur Verlagerungsfrage (wandert Kriminalität einfach woanders hin?) gibt es keine eindeutige Antwort — manchmal ja, manchmal sogar das Gegenteil (positive Ausstrahleffekte). Zeigt: Die Wirksamkeitsdebatte bei Videoüberwachung ist wissenschaftlich komplexer als sowohl Befürworter als auch Kritiker oft darstellen.

BSDC-S-GER-2016-385
in KraftRelevanz 2D7
06.05.2017
Leipzig-Fallstudie — konkrete Verdrängung in Wohngebiete, Behinderung sozialer Arbeit
Digitalcourage, mit Bezug auf Studie von Peter Ullrich und Marco Tullney (2012) zu einem Leipziger Bahnhof
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Ein videoüberwachter Leipziger Bahnhof, zuvor von Drogenhandel und Kfz-Einbrüchen geprägt, zeigte eine Verdrängung dieser Delikte in umliegende Wohngebiete. Bereits installierte Angebote der aufsuchenden Sozialarbeit wurden durch diese Verlagerung erheblich blockiert.

Konkreter, sozial bedeutsamer Einzelfall: Videoüberwachung verlagerte hier nicht nur Kriminalität, sondern störte auch bereits bestehende soziale Hilfsangebote (Drogenberatung/Streetwork) — ein Aspekt, der über die reine "wirkt/wirkt nicht"-Debatte hinausgeht und zeigt, dass Überwachungsmaßnahmen auch bestehende soziale Strukturen stören können.

BSDC-J-GER-2026-386
in KraftRelevanz 3D4, D7
16.01.2018
"Erfolglose Videoüberwachung" — durchgerechnete Falschakzeptanz-Mathematik mit Original-BMI-Zitat
DSN Group (Datenschutz-Fachportal)
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Bei einer angenommenen Fehlerquote von 0,5% würden am Berliner Bahnhof Südkreuz (über 100.000 Reisende täglich) rund 500 Personen pro Tag fälschlicherweise als gesuchte Person erkannt — selbst wenn 100 tatsächlich gesuchte Personen den Bahnhof nutzen, würden davon nur 70 erkannt. Das BMI korrigierte die Fehlerquoten-Angaben mehrfach; zuletzt hieß es: "Bisher wurde in durchschnittlich weniger als 1% der positiv erkannten Fälle eine Person irrtümlich einem Datensatz zugeordnet."

Sehr wichtige, konkret durchgerechnete Ergänzung zu D4/D7: Diese Beispielrechnung macht die abstrakte Falschakzeptanzrate greifbar — bei einem großen Bahnhof bedeutet selbst eine niedrig klingende Fehlerquote hunderte falsche Verdächtigungen täglich, während gleichzeitig ein erheblicher Teil der tatsächlich gesuchten Personen NICHT erkannt wird (nur 70 von 100 im Beispiel). Wichtig für Blackstones Sorgfalt: Das BMI hat die Zahlen "mehrfach korrigiert" — ein Hinweis auf frühere Kommunikationsprobleme bei der Genauigkeit dieser Statistik, die im Artikel erwähnenswert ist.

BSDC-B-GER-2026-388
in KraftRelevanz 2D7
30.03.2026
Bundespolizei — offizielle Statistik zu bundesweiten Schwerpunkteinsätzen an Bahnhöfen
Bundespolizei (offizielle Pressemitteilung)
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Die Bundespolizei führte 2026 bereits mehrfach (u. a. 29.-31. Mai, weiteres Wochenende im März) bundesweite Schwerpunkteinsätze zur Bekämpfung von Gewaltkriminalität an jeweils 50 Bahnhöfen gleichzeitig durch.

Zeigt eine zusätzliche, bereits bestehende Kontrollpraxis (koordinierte bundesweite Einsätze) neben der Video-/Gesichtserkennungstechnik — relevant als Kontext, wie viel bereits an personeller Polizeipräsenz an Bahnhöfen stattfindet, unabhängig von der Technik-Debatte.