Quellen-Tabelle

Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.

BSDC-IDDatumTitel & QuelleKernaussageKlartext
BSDC-S-FND-2022-102
in KraftRelevanz 3F9
23.04.2022
"India's 'Aadhaar' Biometric ID: Structure, Security, and Vulnerabilities" (akademische Sicherheitsanalyse)
Akademische Sicherheitsforscher (Cryptology ePrint Archive, peer-reviewed Kontext)
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Die häufigste Art von Sicherheitsverletzung bei Aadhaar betrifft die Vertraulichkeit — meist wird eine Teilmenge der Aadhaar-Daten öffentlich gemacht. Verletzungen der Integrität kommen ebenfalls häufig vor und beeinträchtigen die Qualität der zentralen Datenbank, meist durch einzelne unehrliche Insider oder gehackte Einzelkonten.

Eine unabhängige technische Analyse (nicht Aktivisten, nicht Regierung) bestätigt: Die Schwachstellen liegen oft nicht in der zentralen Datenbank selbst, sondern bei einzelnen Zugangspunkten und Mitarbeitern mit Zugriffsrechten — das deckt sich mit der Verteidigung der Regierung, zeigt aber gleichzeitig: Genau solche "Rand"-Schwachstellen sind bei einem derart riesigen System (1,3 Milliarden Menschen) kaum vollständig zu vermeiden.

BSDC-S-FND-2024-104
in KraftRelevanz 3F9
10.01.2024
"Failures of public key infrastructure: 53 year survey" — kritische Analyse des X-Road-Sicherheitsvorfalls 2017
Akademische Publikation (arXiv-Preprint)
Recherche: DC
Quelle öffnen →

X-Road stellt trotz dezentraler Datenspeicherung in über 360 Datenbanken einen "Single Point of Failure" für den gesamten E-Government-Datentransfer dar; die proprietäre, patentierte Blockchain-Komponente ohne Open-Source-Material kann verborgene Schwachstellen aufweisen — wie die Krise von 2017 zeigte, bei der fast alle Karten (800.000) betroffen waren.

Wichtige Differenzierung, auch für Estland als "Vorbild": Selbst das oft gelobte estnische System hatte 2017 einen Sicherheitsvorfall, der praktisch alle ausgegebenen ID-Karten betraf. Kein System ist perfekt — aber wichtig ist, WIE transparent und schnell ein Land mit so einem Vorfall umgeht. Für einen fairen Blackstone-Artikel sollte dieser Vorfall nicht verschwiegen werden, nur weil Estland sonst positiv dasteht.

BSDC-S-FND-2021-197
in KraftRelevanz 3F9, B1
03.09.2021
"Vulnerability of State-Provided Electronic Identification: The Case of ROCA in Estonia" — akademische Fallstudie
Peer-reviewte akademische Publikation (Springer), basierend auf 32 semi-strukturierten Interviews mit 41 estnischen Experten
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Die Studie basiert auf einer thematischen Analyse von 32 semi-strukturierten Interviews mit 41 estnischen Experten, die eng in die Lösung des ROCA-Falls 2017 eingebunden waren, und untersucht drei Bereiche: staatliche politische Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die Rolle der IT-Industrie bei der eID-Bereitstellung, sowie Chancen und Pflichten für Endnutzer. Die Studie schlägt einen Paradigmenwechsel im eID-Management vor, der digitale Identität als Bürgerrecht und ihre Bereitstellung als staatliche Pflicht begreift.

Das ist die wissenschaftlich fundierteste verfügbare Aufarbeitung des Falls — nicht nur "was ist passiert", sondern eine tiefgehende Analyse, wer im System eigentlich verantwortlich ist, wenn ein Zulieferer-Fehler ein ganzes staatliches System gefährdet. Der vorgeschlagene Rahmen (digitale Identität als Bürgerrecht, ihre sichere Bereitstellung als Staatspflicht) ist eine gute konzeptionelle Grundlage für Blackstones eigene Position zur EUDI-Wallet.

BSDC-S-GER-2019-740
Relevanz 5F9
2019
nur Jahresangabe in der Quelle
2019
Evaluation der Predictive-Policing-Software: Projekt P4 Baden-Württemberg
Dominik Gerstner, Max-Planck-Institut
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Erste unabhängige wissenschaftliche Evaluation von Predictive Policing in Kontinentaleuropa zeigt begrenzte Vorhersagbarkeit und nur moderate kriminalitätsreduzierende Wirkung (0,3 Folgetaten weniger).

Keine generelle Wirksamkeit außerhalb des untersuchten Delikts/Bundeslandes belegt.

BSDC-S-FND-2019-938
Relevanz 5F9
2019
nur Jahresangabe in der Quelle
2019
CCTV surveillance for crime prevention: A 40-year systematic review with meta-analysis
Piza, Welsh, Farrington, Thomas, Criminology & Public Policy
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Metaanalyse von 76 Studien: durchschnittlich ~13% Kriminalitätsreduktion durch CCTV, stark unterschiedlich je nach Umfeld.

Effekt beruht überwiegend auf Parkplatz-Studien, begrenzte Übertragbarkeit.

BSDC-S-FND-2018-939
Relevanz 5F9
2018
nur Jahresangabe in der Quelle
2018
Ergebnisse der Evaluation der polizeilichen Videobeobachtung in NRW gemäß § 15a PolG NRW
Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN)
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Deutsche Wirkungsevaluation an NRW-Kriminalitätsschwerpunkten: Kriminalität geht durch verstärkte Videoüberwachung nicht entscheidend zurück.

Nur untersuchte NRW-Standorte, nicht auf andere Länder übertragbar.

BSDC-S-GER-2018-1246
Relevanz 3F9
Mai 2018
05.2018
Zwischenbericht zur wissenschaftlichen Begleitung des Bodycam-Pilotprojekts der Polizei NRW
HSPV NRW
Recherche: DC
Quelle öffnen →

Untersucht Akzeptanz bei Polizeibeamten sowie erste Effekte von Bodycams auf Deeskalation und Eigensicherung.

Zwischenbericht eines Pilotprojekts mit begrenzter Fallzahl, keine abschließenden Wirkungsaussagen.