Quellen-Tabelle

Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.

BSDC-IDDatumTitel & QuelleKernaussageKlartext
BSDC-J-GER-2015-1786
Relevanz 3KRITIS-CYBERANGRIFF, SANDWORM-APT
23.12.2015
Sandworm-Hackerangriff legt ukrainisches Stromnetz lahm: 230.000 Haushalte ohne Strom
Wired (Kim Zetter)
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Am 23.12.2015 griff die Hackergruppe Sandworm drei ukrainische Energieversorger an: Prykarpattyaoblenergo, Chernivtsioblenergo und Kyivoblenergo. Der Angriff begann Monate zuvor mit Spear-Phishing-E-Mails, die die Schadsoftware BlackEnergy 3 in den Firmennetzwerken platzierten. Die Angreifer erlangten darüber Zugriff auf die SCADA-Steuerungssysteme und schalteten bei Prykarpattyaoblenergo 30 Umspannwerke ab. Rund 230.000 Verbraucher waren zwischen einer und sechs Stunden ohne Strom. Zeitgleich setzten die Angreifer die Löschsoftware KillDisk ein, um Dateien unbrauchbar zu machen, und überlasteten mit einem Denial-of-Service-Angriff die Telefonzentrale, sodass betroffene Kunden Störungen nicht melden konnten. Die Netzbetreiber stellten die Versorgung teils durch manuelles Eingreifen der Mitarbeiter vor Ort wieder her. Der Vorfall gilt als der erste öffentlich bestätigte erfolgreiche Cyberangriff auf ein Stromnetz. US-Behörden und mehrere Sicherheitsfirmen ordneten die Operation der Gruppe Sandworm zu, die mit russischen Interessen im Ukraine-Konflikt in Verbindung gebracht wird.

Aus dieser Quelle ist keine formelle juristische Zurechnung zu einer bestimmten russischen Regierungsstelle oder Einzelperson belegt, ebenso wenig eine strafrechtliche Verurteilung oder eine bezifferte finanzielle Entschädigung der betroffenen Energieversorger.

BSDC-J-GER-2017-1788
Relevanz 3ICS-SICHERHEIT, KRITIS-CYBERANGRIFF
04.08.2017
Triton-Malware attackiert Sicherheitssysteme einer saudi-arabischen Petrochemieanlage
heise online
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Im Juni 2017 löste die Malware Triton, auch Trisis oder HatMan genannt, durch einen Programmierfehler unbeabsichtigt eine Notabschaltung in einer petrochemischen Anlage in Saudi-Arabien aus, was zunächst als mechanischer Defekt gewertet wurde. Am 04.08.2017 kam es zu einer zweiten Abschaltung, woraufhin die Betreiber Sicherheitsberater sowie die Firmen FireEye und Dragos hinzuzogen. Die Ermittler fanden Schadsoftware auf einer Ingenieurs-Workstation des Sicherheitssystems Triconex des Herstellers Schneider Electric. Triton war die erste bekannt gewordene Schadsoftware, die gezielt sicherheitsinstrumentierte Systeme angriff, welche Anlagen bei Gefahr automatisch in einen sicheren Zustand versetzen sollen. Durch einen Fehler im Schadcode lösten die Triconex-Controller vorzeitig eine Sicherheitsabschaltung aus, bevor die Angreifer ihr eigentliches Ziel erreichen konnten, wodurch Personenschäden ausblieben. Im Oktober 2018 ordnete FireEye die Angriffswerkzeuge dem russischen Zentralen Wissenschaftlichen Forschungsinstitut für Chemie und Mechanik in Moskau zu. Am 23.10.2020 verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen dieses Institut.

Der Name der betroffenen Anlage wird in Medienberichten oft mit Petro Rabigh in Verbindung gebracht, ist in dieser Quelle jedoch nicht namentlich bestätigt; ebenso bleibt die genaue Identität der ausführenden Angreifer ungeklärt.

BSDC-J-GER-2005-1789
Relevanz 3ROOTKIT-SKANDAL, DRM-SPYWARE
31.10.2005
Sony-BMG-Rootkit-Skandal: Kopierschutz auf 22 Millionen Musik-CDs infiziert PCs
Wikipedia (englischsprachig)
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Am 31.10.2005 veröffentlichte der Sicherheitsforscher Mark Russinovich auf seinem Blog eine technische Analyse eines Rootkits, das er auf seinem eigenen Windows-Rechner entdeckt und auf eine Musik-CD von Sony BMG zurückgeführt hatte. Sony BMG hatte auf rund 22 Millionen verkauften CDs zwei Kopierschutzprogramme installiert: das von der Firma First 4 Internet entwickelte XCP auf etwa 2 Millionen CDs mit 52 Titeln sowie MediaMax CD 3 auf rund 20 Millionen CDs mit etwa 50 Titeln. XCP versteckte sich mittels Rootkit-Technik vor dem Betriebssystem, ließ sich nicht regulär deinstallieren und schuf Sicherheitslücken, die von unabhängiger Schadsoftware ausgenutzt wurden. Sicherheitsfirmen schätzten, dass mehr als 500.000 Computernetzwerke in über 100 Ländern betroffen waren, darunter auch Netzwerke von US-Behörden und des Militärs. Am 21.11.2005 verklagte der texanische Generalstaatsanwalt Greg Abbott Sony BMG wegen Verstoßes gegen das texanische Anti-Spyware-Gesetz. Sony BMG kündigte am 15.11.2005 einen Rückruf der unverkauften CDs an. Im Dezember 2006 einigte sich der Konzern mit mehreren US-Bundesstaaten auf einen Vergleich, im Januar 2007 folgte eine Einigung mit der FTC, die Sony BMG zum Umtausch betroffener CDs sowie zur Erstattung von bis zu 150 US-Dollar für Reparaturkosten verpflichtete.

Aus dieser Quelle nicht belegt sind die genaue Gesamtzahl tatsächlich infizierter Einzelcomputer weltweit sowie strafrechtliche Konsequenzen für Sony BMG oder First 4 Internet, da alle bekannten Verfahren zivilrechtlich per Vergleich beigelegt wurden.

BSDC-J-IDN-2011-1791
Relevanz 3ZERTIFIKATS-VERTRAUEN, STAATLICHE-UEBERWACHUNG
30.08.2011
DigiNotar-Zertifikatshack 2011: 531 gefälschte Zertifikate, 300.000 iranische Gmail-Nutzer betroffen
Wikipedia
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Die niederländische Zertifizierungsstelle DigiNotar wurde im Sommer 2011 kompromittiert; laut der vom niederländischen Innenministerium beauftragten Untersuchung von Fox-IT (Operation Black Tulip) verschafften sich die Angreifer bereits ab Mitte Juni 2011 Zugriff auf die internen Systeme. Am 10.07.2011 stellten sie ein betrügerisches Wildcard-Zertifikat für *.google.com aus, DigiNotar entdeckte den Einbruch erst am 19.07.2011. Insgesamt wurden mindestens 531 betrügerische SSL-Zertifikate ausgestellt, unter anderem für Google, Skype, Microsoft und Mozilla. Öffentlich bekannt wurde der Vorfall am 29./30.08.2011. Fox-IT ermittelte, dass der Angriff auf etwa 300.000 iranische Gmail-Nutzer zielte, die per Man-in-the-Middle-Angriff über das gefälschte Google-Zertifikat abgehört werden sollten; registriert wurden Verbindungsversuche von 298.140 eindeutigen IP-Adressen, davon rund 95 Prozent aus dem Iran. Am 03.09.2011 übernahm die niederländische Regierung die operative Kontrolle über DigiNotar. Die Muttergesellschaft VASCO Data Security International meldete am 20.09.2011 die Insolvenz des Unternehmens an.

Nicht abschließend belegt ist, wer genau hinter dem Angriff stand; ein iranischer Staatsakteur wird vermutet, ist aber nicht gerichtsfest nachgewiesen. Ebenso ist nicht dokumentiert, wie viele der 298.140 registrierten Verbindungsversuche tatsächlich zu einer erfolgreichen Überwachung führten.

BSDC-J-IDN-2011-1792
Relevanz 3ZERTIFIKATSVERTRAUEN, CYBERCRIME
15.03.2011
Comodo-Hack 2011: Iranischer Angreifer fälscht neun SSL-Zertifikate für Google und Yahoo
heise online
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Am 15.03.2011 wurde das Konto einer Registrierungsstelle des Zertifizierungsdiensts Comodo in Südeuropa kompromittiert, über das ein Angreifer neun betrügerische SSL-Zertifikate für sieben Domains beantragte. Betroffen waren login.live.com, mail.google.com, www.google.com, login.yahoo.com in drei Varianten, login.skype.com sowie addons.mozilla.org. Comodo entdeckte den Missbrauch am selben Tag und widerrief die Zertifikate innerhalb weniger Stunden über Sperrlisten und OCSP. Der Angriff wurde bis zu einer IP-Adresse in Teheran im Iran zurückverfolgt. Ein einzelner Hacker, der sich als Iraner bezeichnete, bekannte sich später öffentlich zu der Tat und bestritt eine Verbindung zur iranischen Regierung. Comodo äußerte hingegen den Verdacht eines staatlich gelenkten Angriffs zur Überwachung iranischer Oppositioneller. Mozilla, Google und Microsoft aktualisierten daraufhin ihre Browser mit fest einprogrammierten Sperrlisten für die Seriennummern der betroffenen Zertifikate.

Die genaue Identität des Angreifers und eine tatsächliche Beteiligung der iranischen Regierung sind nicht zweifelsfrei belegt, da sich die Zuordnung im Wesentlichen auf eine IP-Adresse und das spätere Bekenntnis eines anonymen Hackers stützt.

BSDC-J-FIN-2021-1793
Relevanz 3MEGA-BREACH, AKTIONAERSKLAGE
05.10.2021
Marriott-Aktionärsklage wegen verzögerter Meldung des 383-Millionen-Datenlecks abgewiesen
Goodwin Law
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Marriott International entdeckte am 8. September 2018 eine Datenschutzverletzung im Reservierungssystem der 2016 übernommenen Kette Starwood, verursacht durch eine seit 2014 unentdeckte Schadsoftware. Das Unternehmen informierte die Öffentlichkeit erst am 30. November 2018, zunächst mit der Angabe von bis zu 500 Millionen betroffenen Gästen, die im Januar 2019 auf rund 383 Millionen eindeutige Datensätze korrigiert wurde. Ein Aktionär, das Firemen's Retirement System of St. Louis, reichte daraufhin vor dem Delaware Court of Chancery eine Aktionärsklage gegen Vorstand und führende Manager von Marriott ein. Die Klage warf dem Board vor, vor der Starwood-Übernahme 2016 keine ausreichende Sorgfaltsprüfung der IT-Sicherheit durchgeführt und den Datenverstoß verzögert offengelegt zu haben. Vice Chancellor Lori W. Will wies die Klage am 5. Oktober 2021 vollständig ab. Als Begründung nannte das Gericht die Verjährung der Ansprüche zur Sorgfaltsprüfung vor der Akquisition sowie das Fehlen einer Aufsichtspflichtverletzung nach dem Caremark-Maßstab, da der Vorstand jährliche Berichte zu Cyberrisiken erhalten hatte. Eine gesonderte Sammelklage von Anlegern wurde ebenfalls abgewiesen, was der Fourth Circuit 2022 bestätigte.

Aus den ausgewerteten Quellen nicht abschließend belegt ist, ob einzelne Vorstandsmitglieder in Nebenverfahren dennoch finanziell in Anspruch genommen wurden, da die Aktionärsklage vollständig ohne Vergleich oder Schadensersatzzahlung abgewiesen wurde.

BSDC-J-GER-2018-1794
Relevanz 3SUPPLY-CHAIN-ANGRIFF, SPIONAGE-CHIP
04.10.2018
Bloomberg-Bericht über Spionagechips bei Supermicro betrifft angeblich 30 US-Firmen
ComputerBase
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Bloomberg Businessweek veröffentlichte am 04.10.2018 unter dem Titel The Big Hack einen Bericht, wonach chinesische Akteure winzige, bleistiftspitzengroße Spionagechips in Mainboards des US-Herstellers Supermicro eingeschleust haben sollen. Laut dem Bericht wurden die Chips bei Zulieferern in China auf die Platinen aufgebracht und sollen rund 30 US-Unternehmen und Behörden betroffen haben, darunter Apple, Amazon, Banken, Cloud-Anbieter sowie das Pentagon und die CIA. Apple soll die Manipulation durch ungewöhnlichen Netzwerkverkehr entdeckt haben und tauschte 2016 nach Bloomberg-Angaben etwa 7.000 betroffene Server aus. Ein tatsächlicher Datenabfluss wurde in dem Bericht nicht belegt. Apple, Amazon und Supermicro dementierten den Bericht unmittelbar und wiederholt, Supermicros Aktienkurs brach nach der Veröffentlichung um mehr als 45 Prozent ein. Auch US-Behörden wie das Heimatschutzministerium, das FBI und die NSA erklärten öffentlich, keine Kenntnis von einem solchen Vorfall zu haben. Eine von Supermicro beauftragte externe Untersuchungsfirma teilte am 11.12.2018 mit, keine Beweise für bösartige Hardware gefunden zu haben. Bloomberg hat den Bericht bis heute nicht zurückgezogen und bekräftigte die Vorwürfe 2021 in einem Folgeartikel.

Bis heute liegen keine unabhängig verifizierten physischen Beweise für die behaupteten Spionagechips vor, die Zahl von rund 30 betroffenen Unternehmen sowie die Existenz der Chips selbst stützen sich ausschließlich auf anonyme Quellen Bloombergs und wurden von allen namentlich genannten Firmen und mehreren US-Behörden bestritten.

BSDC-J-KOM-2011-1796
Relevanz 3Funkzellenabfrage, Versammlungsfreiheit
17.04.2013
Funkzellenabfrage Dresden 2011
Legal Tribune Online (LTO)
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Bei Protesten gegen einen Neonazi-Aufmarsch am 19. Februar 2011 in der Dresdner Südvorstadt ordnete das Amtsgericht Dresden eine Funkzellenabfrage an, durch die Hunderttausende Verkehrsdaten und Zehntausende Bestandsdaten von Demonstranten, Anwohnern, Journalisten und Anwälten erfasst wurden. Das Landgericht Dresden erklärte mit Beschluss vom 17.04.2013 die zugrunde liegende Anordnung des Amtsgerichts vom 25.02.2011 für rechtswidrig, weil sie nicht ausreichend begründet war und der strafprozessuale Bestimmtheitsgrundsatz verletzt wurde. Die erhobenen Daten mussten daraufhin gelöscht werden.

Offen bleibt die exakte Gesamtzahl der insgesamt betroffenen Personen, da mehrere separate Funkzellenabfragen zu unterschiedlichen Zeiten und Gebieten liefen und Quellen unterschiedliche Teilzahlen nennen. Das Landgericht prüfte nur formale Mängel der richterlichen Anordnung, keine inhaltliche Verhältnismäßigkeit der Maßnahme an sich. Nicht abschließend dokumentiert ist, ob die angeordnete Löschung der Daten bei allen beteiligten Behörden tatsächlich umgesetzt wurde.

BSDC-J-KOM-2022-1797
Relevanz 3Staatstrojaner, Pegasus-Spyware
11.01.2024
BKA setzt Pegasus-Staatstrojaner gegen Reichsbürger-Netzwerk ein
heise online, gestützt auf WDR- und Tagesschau-Recherchen
Recherche: DC
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Das BKA erwarb 2020 Lizenzen für die Spähsoftware Pegasus der israelischen NSO Group und bestätigte den Einsatz 2021 im Bundestag. Laut WDR und Tagesschau installierten Ermittler am 31. Oktober 2022 heimlich Staatstrojaner-Software auf dem Mobiltelefon von Heinrich XIII. Prinz Reuss im Ermittlungsverfahren gegen die mutmaßliche Reichsbürger-Terrorgruppe. Dabei wurden rund einen Monat lang Daten inklusive Telegram-Chats abgegriffen, die Gruppe wurde am 7. Dezember 2022 festgenommen.

Ob im Fall Reuss konkret die NSO-Software Pegasus oder eine andere Staatstrojaner-Variante zum Einsatz kam, hat das BKA nie bestätigt und lehnte eine Stellungnahme aus einsatztaktischen Gründen ab. Der Kaufvertrag mit NSO, die genauen Kosten und die vollständige rechtliche Grundlage der Maßnahme wurden trotz mehrerer Klagen von netzpolitik.org und einer Datenschutzbeschwerde der GFF bis heute nicht offengelegt.

BSDC-J-KOM-2024-1798
Relevanz 3Cyberspionage, Telekommunikationsüberwachung
15.11.2024
Salt-Typhoon-Spionageangriff auf US-Telekommunikationsanbieter
heise online (unter Bezug auf gemeinsame Erklärung von FBI und CISA)
Recherche: DC
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FBI und CISA bestätigten in einer gemeinsamen Erklärung, dass die mutmaßlich chinesische Hackergruppe Salt Typhoon mehrere US-Telekommunikationsanbieter kompromittiert hat, darunter AT&T, Verizon und Lumen Technologies. Die Angreifer erlangten Zugriff auf Anrufmetadaten, auf gerichtlich angeordnete Abhörsysteme der Strafverfolgungsbehörden sowie auf private Kommunikation einzelner Regierungsvertreter und Politiker.

Genauer Umfang und Dauer des Angriffs blieben in der gemeinsamen Erklärung von FBI und CISA offen. Unklar blieb auch die tatsächliche Zahl der betroffenen Personen, Schätzungen reichten von rund 40 gezielten Zielen bis zu über tausend Betroffenen.

BSDC-J-GER-2024-1800
Relevanz 3Open-Source-Lieferketten, Supply-Chain-Angriff
30.03.2024
XZ-Utils-Backdoor
heise online (Dr. Christopher Kunz)
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Der Microsoft-Entwickler Andres Freund entdeckte Ende März 2024 eine absichtlich eingebaute Hintertür in der Kompressionsbibliothek xz-Utils (liblzma), Versionen 5.6.0 und 5.6.1, weil ihm ungewöhnlich langsame SSH-Anmeldungen auffielen. Ein seit Jahren als vertrauenswürdiger Mitentwickler agierender Nutzer unter dem Pseudonym Jia Tan hatte den Schadcode eingeschleust, der laut CVE-2024-3094 (CVSS-Wert 10.0) eine Fernausführung von Code über OpenSSH ermöglichen sollte. Betroffen waren nur instabile Distributionsversionen und einzelne Paketquellen, stabile Debian-, Ubuntu- und Fedora-Releases blieben verschont.

Wer sich hinter dem Pseudonym Jia Tan tatsächlich verbirgt, ob Einzelperson, Gruppe oder staatlich gelenkter Akteur, ist öffentlich nicht bewiesen. Ebenso bleibt offen, ob die Hintertür vor ihrer zufälligen Entdeckung bereits aktiv ausgenutzt wurde und in welchem Umfang reale Systeme betroffen waren.

BSDC-J-IDN-2024-1802
Relevanz 3Datenleck, Cloud-Sicherheit
29.05.2024
Ticketmaster/Live-Nation-Datenleck in der Snowflake-Angriffswelle 2024
heise online
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Live Nation meldete der US-Börsenaufsicht SEC, am 20. Mai 2024 unautorisierten Zugriff auf eine Cloud-Datenbank beim Anbieter Snowflake festgestellt zu haben, betroffen war vor allem die Tochter Ticketmaster. Die Gruppe ShinyHunters bot ab Ende Mai 2024 im Darknet-Forum BreachForums Datensätze von angeblich bis zu 560 Millionen Ticketmaster-Kunden für 500.000 US-Dollar zum Verkauf an, laut Berichten inklusive Namen, Adressen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und teilweise Zahlungsdaten.

Die Zahl von 560 Millionen betroffenen Datensätzen stammt allein von den Erpressern und wurde von Live Nation nie unabhängig bestätigt, das Unternehmen sprach in seiner SEC-Meldung nur allgemein von möglicherweise betroffenen Kundendaten. Offen bleibt, wie viele der zum Verkauf angebotenen Datensätze tatsächlich aktuell und echt sind und ob vollständige Zahlungskartennummern statt nur Hash-Werten erbeutet wurden.

BSDC-J-IDN-2024-1806
Relevanz 3GESUNDHEITSDATEN-LEAKS, GESUNDHEITSWESEN
28.12.2024
CCC deckt Zugriffslücken in der elektronischen Patientenakte (ePA) 3.0 auf
heise online
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Die Sicherheitsforscher Martin Tschirsich und Bianca Kastl demonstrierten auf dem 38C3 des Chaos Computer Club im Dezember 2024 mehrere Schwachstellen der elektronischen Patientenakte (ePA) 3.0. Sie bestellten telefonisch in 10 bis 20 Minuten elektronische Gesundheitskarten auf fremde Namen, nutzten eine SQL-Injection-Schwachstelle in einem Kartenausgabeportal aus und zeigten, dass Arztpraxen bei ePA 3.0 keine PIN mehr benötigen, sodass der bloße Kartenbesitz für den Zugriff reichte. Laut heise online hätte ein kompromittierter Praxiszugang Zugriff auf bis zu 1.500 Patientenakten erlaubt, in Kombination mit weiteren Lücken theoretisch auf die Akten aller rund 70 Millionen gesetzlich Versicherten.

Aus dem Artikel geht nicht hervor, ob die gezeigten Angriffswege tatsächlich gegen echte Patientenakten eingesetzt wurden oder rein demonstrativ blieben. Der Betreiber Gematik stufte mindestens ein Angriffsszenario als in der Praxis wenig wahrscheinlich ein, eine unabhängige Bestätigung dieser Einschätzung liegt in dieser Quelle nicht vor. Ob und wann alle beschriebenen Lücken vollständig geschlossen wurden, lässt sich aus diesem Artikel allein nicht feststellen.

BSDC-J-KOM-2022-1811
Relevanz 3GOOGLE-ANALYTICS-DSGVO, DSGVO-EU-US-DATENTRANSFER
13.01.2022
DSB Österreich: Google Analytics verstößt gegen DSGVO
heise online
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Die österreichische Datenschutzbehörde (DSB) entschied in einem am 13.01.2022 veröffentlichten Teilbescheid zu einer noyb-Musterbeschwerde, dass der Einsatz von Google Analytics auf einer österreichischen Website gegen Art. 44 DSGVO verstößt. Die Behörde stufte die von Google eingesetzten technischen Zusatzmaßnahmen als unwirksam gegen den Zugriff US-Geheimdienste ein und berief sich dabei auf das Schrems-II-Urteil des EuGH von 2020. Es war die erste von insgesamt 101 Musterbeschwerden, die noyb 2020 EU-weit gegen Websites mit Google Analytics eingereicht hatte.

Der Bescheid war zum Zeitpunkt der Berichterstattung nicht rechtskräftig, ein Bußgeld gegen den Website-Betreiber wurde nicht verhängt. Offen blieb, wie die DSB gegen Google LLC als Datenempfänger weiter vorgeht und welche praktischen Konsequenzen sich daraus für andere Website-Betreiber in Österreich und der EU ergeben.

BSDC-J-IDN-2022-1818
Relevanz 3Gesichtserkennung, Biometrische Daten
21.12.2022
PimEyes Bußgeldverfahren wegen Gesichtssuchmaschine
heise online (Berichterstattung über den Landesbeauftragten für Datenschutz Baden-Württemberg)
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Der baden-württembergische Landesbeauftragte für Datenschutz Stefan Brink leitete im Dezember 2022 das weltweit erste Bußgeldverfahren gegen die Gesichtssuchmaschine PimEyes ein. Er wirft dem Unternehmen vor, mit seinem Geschäftsmodell gegen die DSGVO zu verstoßen, da Fotos ohne ausdrückliche Einwilligung der abgebildeten Personen zur biometrischen Identifizierung verarbeitet werden. Als mögliche Strafe stand eine Geldbuße von bis zu 20 Millionen Euro beziehungsweise 4 Prozent des Jahresumsatzes im Raum.

Ob und in welcher Höhe am Ende tatsächlich ein Bußgeld verhängt wurde, geht aus den verfügbaren Quellen nicht hervor. Offen bleibt auch, wie die Durchsetzung gegen das im Ausland ansässige Unternehmen rechtlich und praktisch gelingen sollte. Spätere Berichte zeigen zudem, dass eine parallele Beschwerde bei der Hamburger Datenschutzbehörde trotz festgestellter Rechtswidrigkeit jahrelang folgenlos blieb.

BSDC-J-GER-2025-1819
Relevanz 3Flock-Safety, Kennzeichenerfassung
27.05.2025
ICE nutzt Flock-Kennzeichenkameras über lokale Polizei ohne offiziellen Vertrag
404 Media (Jason Koebler, Joseph Cox)
Recherche: DC
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Die Investigativplattform 404 Media wertete im Mai 2025 Audit-Protokolle von Flock Safety aus und fand mehr als 4.000 landesweite Kennzeichen-Suchanfragen lokaler und bundesstaatlicher Polizeibehörden mit dem angegebenen Suchgrund ICE, ICE+ERO, ICE WARRANT oder illegal immigration. Flocks automatisiertes Kennzeichenerfassungsnetzwerk ist in mehr als 5.000 US-Gemeinden aktiv, ICE selbst hat keinen offiziellen Vertrag mit Flock. Alle ausgewerteten Suchanfragen mit dem Grund immigration erfolgten erst nach Trumps Amtsantritt im Januar 2025.

Nicht belegt ist, ob die einzelnen Polizeibehörden diese Suchen bewusst im Auftrag von ICE und im Rahmen geltender Gesetze durchführten oder ob es sich um unautorisierte Umgehungen lokaler Vorschriften handelte. Offen bleibt zudem, wie viele der über 4.000 Abfragen tatsächlich zu Festnahmen oder Abschiebungen führten.

BSDC-J-IDN-2022-1823
Relevanz 3Lobbying, ICIJ-Leak
10.07.2022
Uber Files: ICIJ-Leak enthüllt Uber-Lobbying und Kill-Switch gegen Behörden
ICIJ und The Guardian, mit mehr als 40 Medienpartnern
Recherche: DC
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The Guardian und das ICIJ-Konsortium mit mehr als 40 Medienpartnern veröffentlichten am 10. Juli 2022 die Uber Files, rund 124.000 interne Dokumente aus den Jahren 2013 bis 2017. Quelle des Leaks war der frühere Uber-Cheflobbyist für Europa, den Nahen Osten und Afrika, Mark MacGann. Belegt sind geheime Treffen mit Spitzenpolitikern in Dutzenden Ländern sowie ein technischer Kill-Switch, mit dem Uber-Mitarbeiter Behörden bei Razzien gezielt den Zugriff auf Firmendaten blockierten.

Die genaue Gesamtzahl der Dokumente und der betroffenen Länder wird in verschiedenen Berichten leicht unterschiedlich beziffert. Offen bleibt, ob und in welchem Umfang einzelne Manager oder beteiligte Amtsträger strafrechtliche Konsequenzen aus den Enthüllungen trugen. Uber räumte Fehler der früheren Führung vor 2017 ein, bestritt aber eine Fortsetzung dieser Praktiken unter dem seitdem neuen Management.

BSDC-J-GER-2015-1824
Relevanz 3STAATSTROJANER, REGIERUNGSMALWARE
06.07.2015
Hacking-Team-Leak: Italienischer Spyware-Hersteller gehackt, 400 GB Kundendaten veröffentlicht
netzpolitik.org
Recherche: DC
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Am 6. Juli 2015 wurden rund 400 Gigabyte interne Daten der italienischen Überwachungssoftware-Firma Hacking Team veröffentlicht, nachdem Unbekannte den Twitter-Account des Unternehmens gekapert und in Hacked Team umbenannt hatten. Der Leak umfasste E-Mails, Quellcode der Spähsoftware Remote Control System, interne Handbücher sowie Rechnungen an Kunden im Gesamtwert von über 4 Millionen Euro. Als Kunden identifiziert wurden unter anderem Ägypten, Saudi-Arabien, Sudan, Äthiopien sowie deutsche Behörden wie BKA und Verfassungsschutz.

Wer hinter dem Angriff steckte, wurde nie offiziell festgestellt. Der Angreifer hinterließ lediglich den Hinweis Since we have nothing to hide, ohne sich zu identifizieren. Ob es sich um dieselbe Person handelte, die zuvor den Spyware-Hersteller FinFisher angriff, blieb reine Spekulation.

BSDC-J-GER-2022-1825
Relevanz 3Staatstrojaner, Spyware-Export
28.03.2022
FinFisher-Insolvenz nach Ermittlungen wegen illegaler Spyware-Exporte
Andre Meister, netzpolitik.org
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Die Münchner FinFisher-Firmengruppe meldete im Februar 2022 Insolvenz an und entließ alle 22 Mitarbeiter, nachdem die Staatsanwaltschaft München Ende 2021 einen Vermögensarrest gegen die Konten erlassen hatte. Grundlage war eine Strafanzeige von netzpolitik.org, der Gesellschaft für Freiheitsrechte, Reporter ohne Grenzen und dem ECCHR von Juli 2019 wegen mutmaßlich illegaler Exporte der Spähsoftware FinSpy ohne die seit 2015 erforderliche Genehmigung, unter anderem in die Türkei. Ende 2020 durchsuchte die Staatsanwaltschaft 15 Geschäftsräume und Privatwohnungen im Zuge der Ermittlungen.

Ob es tatsächlich zu einer Anklage oder Verurteilung kam, ist durch diese Quelle nicht belegt; der Abschluss der Ermittlungen war zum Berichtszeitpunkt nicht absehbar. Ebenfalls nicht dokumentiert sind eine Stellungnahme der Geschäftsführung zu den Vorwürfen sowie der genaue Umfang der Exporte in weitere genannte Länder wie Ägypten und Myanmar.

BSDC-J-GER-2021-1826
Relevanz 3RING-UEBERWACHUNG, POLIZEI-UEBERWACHUNG
16.02.2021
LAPD forderte Ring-Kamera-Aufnahmen von Black-Lives-Matter-Protesten an
Electronic Frontier Foundation (EFF)
Recherche: DC
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Durch eine Anfrage nach dem Public-Records-Recht deckte die EFF E-Mails auf, in denen die Polizei von Los Angeles (LAPD) im Sommer 2020 gezielt Ring-Nutzer um Videoaufnahmen von Black-Lives-Matter-Protesten bat. Eine Anfrage der eigens gebildeten Task Force Safe L.A. vom 1. Juni 2020 brachte innerhalb von zwei Stunden Filmmaterial. Die Anfragen liefen über das Polizei-Portal von Rings Neighbors-App, ohne dass ein richterlicher Beschluss vorlag.

Wegen umfangreicher Schwärzungen von Daten, Uhrzeiten und Tatvorwürfen in den herausgegebenen Dokumenten konnte die EFF nicht abschließend feststellen, wie viele Anfragen tatsächlich gezielt Proteste betrafen und wie viel Videomaterial die LAPD insgesamt erhielt. Auch die genaue rechtliche Begründung der Polizei für einzelne Anfragen bleibt offen.

BSDC-J-GER-2024-1830
Relevanz 3Cyberspionage, Staatliche Hacking-Auftragnehmer
22.02.2024
I-Soon-Leak: Interne Dokumente eines chinesischen Hacking-Auftragnehmers
The Record (Recorded Future News)
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Am 16. Februar 2024 wurden auf GitHub hunderte interne Dokumente der chinesischen Sicherheitsfirma I-Soon (auch bekannt als Anxun) veröffentlicht, darunter Verträge, Chatprotokolle, Zielkataloge und Produktbeschreibungen für Hacking-Werkzeuge. Die Dokumente zeigen eine Zusammenarbeit mit chinesischen Behörden wie dem Ministerium für öffentliche Sicherheit sowie Angriffe auf Regierungsstellen und Organisationen in mindestens 14 Ländern, darunter Indien, Malaysia, Taiwan und Hongkonger Demokratiegruppen. BBC, NHK und die Nachrichtenagentur AP bestätigten die Echtheit der Dokumente unter anderem durch Gespräche mit zwei I-Soon-Mitarbeitern.

Wer die Dokumente leakte und aus welchem Motiv, ist bis heute nicht geklärt. Das vollständige Ausmaß der gestohlenen Daten und die Identität der meisten konkreten Opfer wurden nicht offengelegt. Die chinesische Regierung bestritt eine Verwicklung, eine unabhängige gerichtliche oder behördliche Bestätigung außerhalb Chinas liegt nicht vor.

BSDC-J-GER-2024-1831
Relevanz 3Connected-Car-Tracking, Cloud-Fehlkonfiguration
28.12.2024
VW-Cariad-Datenleck: Standortdaten von 800.000 E-Autos
heise online (Bericht über Enthüllung durch Chaos Computer Club und SPIEGEL)
Recherche: DC
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Der Chaos Computer Club deckte Ende 2024 zusammen mit dem SPIEGEL auf, dass Bewegungs- und Standortdaten von rund 800.000 Elektrofahrzeugen der VW-Konzernmarken VW, Audi, Skoda und Seat/Cupra über Monate ungeschützt in einer Amazon-Cloud der VW-Softwaretochter Cariad zugänglich waren. Für etwa 460.000 Fahrzeuge waren die Standortdaten so präzise, teils bis auf 10 Zentimeter genau, dass sich Bewegungsprofile und Lebensgewohnheiten der Halter ableiten ließen. Cariad bestätigte die Panne als Fehlkonfiguration und schloss die Sicherheitslücke nach der Meldung durch den CCC innerhalb weniger Stunden.

Nicht dokumentiert ist, ob tatsächlich Dritte außer dem CCC auf die Daten zugegriffen haben. VW erklärte lediglich, es gebe dafür keine Anhaltspunkte, was sich nicht unabhängig verifizieren lässt. Offen bleibt zudem, seit wann genau die Daten ungeschützt online standen und wie die ursprüngliche anonyme Hinweisgeberquelle die Lücke fand.

BSDC-J-IDN-2021-1833
Relevanz 3MEGA-BREACH, SCRAPING-LEAK
29.06.2021
LinkedIn-Scraping 2021: 700 Millionen Nutzerdaten im Darknet angeboten
heise online
Recherche: DC
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Ende Juni 2021 bot ein Nutzer mit dem Pseudonym TomLiner in einem Darknet-Forum einen Datensatz mit persönlichen Daten von rund 700 Millionen LinkedIn-Accounts zum Kauf an, was mehr als 90 Prozent aller LinkedIn-Nutzer entspricht. Ein von heise Security geprüftes Sample enthielt vollständige Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Wohnadressen, Standortdaten sowie LinkedIn-Profilinformationen. LinkedIn bestätigte, dass keine Passwörter betroffen waren, und erklärte, es handle sich um durch Scraping öffentlich einsehbarer Profildaten kombiniert mit Daten aus anderen Quellen, nicht um einen internen Einbruch in seine Systeme.

Nicht belegt ist, wie der Verkäufer eigentlich nicht öffentliche Daten wie Telefonnummern und private E-Mail-Adressen erlangte, wenn LinkedIn zugleich behauptet, es handle sich nur um öffentlich einsehbare Informationen. Offen bleibt auch, ob tatsächlich alle 700 Millionen Datensätze echt sind, da nur eine Stichprobe von rund einer Million Einträgen verifiziert wurde. Die wahre Identität von TomLiner ist bis heute nicht bekannt.

BSDC-J-IDN-2023-1834
Relevanz 3Datenleck, Social Media
11.01.2023
Twitter/X E-Mail-Adressen-Leck 2023
BleepingComputer
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Am 4. Januar 2023 wurden im Hackerforum Breached E-Mail-Adressen und Profildaten von angeblich über 200 Millionen Twitter-Konten veröffentlicht, laut Have I Been Pwned rund 211,5 Millionen einzigartige Adressen. BleepingComputer und Sicherheitsforscher bestätigten die Echtheit vieler Adressen im Datensatz. Als ursprüngliche Quelle gilt eine Twitter-API-Schwachstelle, die von Juni 2021 bis Januar 2022 aktiv war und die Zuordnung von E-Mail-Adressen oder Telefonnummern zu Twitter-Konten erlaubte.

Twitter bestritt öffentlich, dass der 200-Millionen-Datensatz aus einer Kompromittierung eigener Systeme oder der bekannten API-Schwachstelle stamme, und erklärte, es handle sich um bereits anderweitig öffentlich verfügbare Daten. Eine unabhängige, abschließende Klärung der genauen Herkunft und der tatsächlichen Zahl einzigartig betroffener Nutzer steht bis heute aus.

BSDC-J-FND-2026-1836
Relevanz 3MIGRATION-ASYL, STAATEN-DATENFLUESSE
25.01.2026
Palantir-ICE-Vertrag: ImmigrationOS für Abschiebungen
heise online (Imke Stock)
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Die US-Einwanderungsbehörde ICE beauftragte Palantir Technologies im April 2025 mit einem rund 30 Millionen US-Dollar schweren Vertrag zum Aufbau des Systems ImmigrationOS, das Identifizierung, Priorisierung, Festnahme und Abschiebung ausreisepflichtiger Personen effizienter gestalten soll. Das System bündelt Daten aus Behörden, kommerziellen Datenhändlern für Standortdaten sowie den Analysewerkzeugen Webloc und Tangles des Zulieferers Penlink. Im Januar 2026 vergab ICE den Anschlussvertrag zur Weiterentwicklung des zugrunde liegenden Fallmanagementsystems ICM exklusiv an Palantir.

Ob die von der ICE-Rechtsabteilung vertretene Position, wonach für den Zugriff auf gekaufte Standortdaten kein richterlicher Beschluss nötig sei, vor Gericht Bestand hätte, ist rechtlich umstritten und aus dieser Quelle nicht abschließend geklärt. Ob vergleichbare Penlink-Werkzeuge auch in Deutschland eingesetzt werden, ließ die Bundesregierung unter Verweis auf die nationale Sicherheit offen.