Quellen-Tabelle
Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.
| BSDC-ID | Datum | Titel & Quelle | Kernaussage | Klartext |
|---|---|---|---|---|
| BSDC-B-GER-2023-2316 Relevanz 3Ransomware, Gesundheitswesen, Cyberangriff | 04.08.2023 | Ransomware-Angriff auf Prospect Medical Holdings CBS News Recherche: DC Quelle öffnen → | Anfang August 2023 wurde die US-Klinikkette Prospect Medical Holdings Ziel eines Ransomware-Angriffs der Gruppe Rhysida. Krankenhäuser in fünf US-Bundesstaaten mussten ihre IT vom Netz nehmen, mehrere Notaufnahmen schlossen zeitweise und leiteten Patienten um. Prospect Medical meldete später eine Datenpanne mit 1.309.096 betroffenen Personen, deren Namen, Sozialversicherungsnummern und Gesundheitsdaten kompromittiert wurden. | Rhysidas Behauptung, rund 1 Terabyte Daten erbeutet zu haben, stammt allein von den Angreifern. Ob Prospect Medical Lösegeld zahlte, ist nicht bestätigt. Ob die Ausfälle zu konkreten Patientenschäden führten, ist nicht belegt. |
| BSDC-P-IDN-2024-2317 Relevanz 3PowerSchool, Schuelerdaten, Cyber-Erpressung | 28.12.2024 | PowerSchool-Datenleck: Diebstahl von Schülerdaten Minderjähriger aus einem weitverbreiteten US-Schulverwaltungssystem PowerSchool Recherche: DC Quelle öffnen → | Ein Angreifer verschaffte sich am 19.12.2024 mit gestohlenen Zugangsdaten eines Subunternehmers Zugang zum PowerSource-Kundenportal von PowerSchool und exfiltrierte bis zum 28.12.2024 Schulverwaltungsdaten tausender Schulbezirke in den USA und Kanada. Laut späteren Ermittlungsangaben waren rund 62,4 Millionen Schüler und 9,5 Millionen Lehrkräfte an 6.505 Schulbezirken betroffen. PowerSchool zahlte ein Lösegeld, um eine Veröffentlichung zu verhindern. Der 19-jährige Matthew D. Lane wurde 2025 zu vier Jahren Haft und 14 Millionen Dollar Wiedergutmachung verurteilt. | Die tatsächlich gezahlte Lösegeldsumme ist nicht öffentlich beziffert, belegt ist nur eine Forderung von rund 2,85 Millionen Dollar. Im Mai 2025 tauchten trotz Zahlung erneut Datenproben bei Erpressungsversuchen gegen einzelne Schulbezirke auf. |
| BSDC-P-IDN-2024-2318 Relevanz 3Datenleck, Gesundheitsdaten, Indien | 11.10.2024 | Datenleck bei Star Health Insurance in Indien 2024 The Register Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Oktober 2024 wurde bekannt, dass ein Hacker unter dem Pseudonym xenZen über Telegram-Chatbots Kundendaten des indischen Krankenversicherers Star Health Insurance verbreitete. Der Angreifer behauptete, 7,24 Terabyte Daten von mehr als 31 Millionen Kunden erbeutet zu haben, darunter Namen, Adressen, Ausweiskopien und medizinische Befunde. Star Health bestätigte unbefugten Zugriff auf Teile seiner Daten und erhob vor dem Madras High Court Klage gegen Telegram, Cloudflare und den Hacker, woraufhin das Gericht eine einstweilige Verfügung erließ. | Die Zahl von über 31 Millionen Betroffenen stammt allein vom Hacker und wurde von Star Health nicht in dieser Größenordnung bestätigt. Der Hacker behauptete, die Daten vom Sicherheitschef von Star Health erhalten zu haben, was das Unternehmen als gefälscht zurückwies. Ob indische Behörden ein Bußgeld verhängen, ist offen. |
| BSDC-P-KOM-2026-2319 Relevanz 3EU-US-Datentransfer, Data-Privacy-Framework, Schrems-III | 29.06.2026 | US-Supreme-Court kippt FTC-Unabhängigkeit: noyb fordert Widerruf des EU-US Data Privacy Framework noyb – European Center for Digital Rights Recherche: DC Quelle öffnen → | Der US Supreme Court entschied am 29.06.2026 in der Sache Trump v. Slaughter mit sechs zu drei Stimmen, dass der Präsident FTC-Mitglieder auch ohne gesetzlich verlangten wichtigen Grund entlassen darf, und kippte damit den fast 90 Jahre alten Präzedenzfall Humphrey's Executor. noyb erklärte, die FTC gelte dadurch nicht mehr als unabhängige Aufsichtsbehörde im Sinne des EU-Rechts, und verwies darauf, dass sich der Angemessenheitsbeschluss zum EU-US Data Privacy Framework von 2023 an 259 Stellen auf die FTC-Unabhängigkeit stütze. noyb forderte die EU-Kommission zum geordneten Widerruf auf und kündigte andernfalls eine EuGH-Klage an. | Ob die EU-Kommission dem Widerrufswunsch folgt, war zum Recherchezeitpunkt offen. Die Zahl von 259 FTC-Nennungen stammt aus noybs eigener Auswertung, nicht von einer EU-Institution bestätigt. Praktische Folgen für die zertifizierten US-Unternehmen sind unklar. |
| BSDC-P-IDN-2023-2320 Relevanz 3Datenschutz, Datenhaendler, USA | 10.10.2023 | California Delete Act (SB 362): Zentrale Löschplattform DROP für Datenhändler California Privacy Protection Agency (CPPA) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 10.10.2023 unterzeichnete Gouverneur Gavin Newsom den California Delete Act (SB 362). Das Gesetz verpflichtet die CPPA, bis zum 01.01.2026 eine zentrale Löschplattform namens DROP einzurichten, über die Verbraucher mit einem einzigen Antrag die Löschung ihrer Daten bei allen registrierten Datenhändlern verlangen können. Datenhändler müssen sich seit Januar 2024 jährlich registrieren und ab dem 01.08.2026 Löschanfragen mindestens alle 45 Tage bearbeiten. Ab 2028 sind zusätzlich unabhängige Audits im Dreijahresrhythmus vorgeschrieben. | Die genaue Zahl verhängter Bußgelder gegen säumige Datenhändler ist nicht belegt. Die oft genannte Strafhöhe von 200 Dollar pro Löschantrag und Tag stammt aus Compliance-Quellen, nicht aus der offiziellen CPPA-Mitteilung. Wie viele Löschanträge zu tatsächlichen Löschungen führten, ist offen. |
| BSDC-J-IDN-2022-2321 Relevanz 3Biometrische-Daten, Google, Texas-CUBI-Gesetz | 20.10.2022 | Texas verklagt Google wegen unrechtmäßiger Erfassung biometrischer Daten Office of the Attorney General of Texas (Ken Paxton) Recherche: DC Quelle öffnen → | Der texanische Attorney General Ken Paxton reichte am 20.10.2022 Klage gegen Google ein, gestützt auf den Texas Capture or Use of Biometric Identifier Act (CUBI) von 2009. Die Klage wirft Google vor, seit mindestens 2015 ohne ausreichende Einwilligung biometrische Identifikatoren wie Gesichtsgeometrie und Stimmabdrücke erfasst zu haben, unter anderem über Google Photos und Google Assistant. Am 09.05.2025 einigten sich Texas und Google auf eine Zahlung von 1,375 Milliarden Dollar, die auch parallele Klagen zu Standortverfolgung und Chrome-Inkognito-Daten abdeckte. | Wie viele Texaner konkret betroffen waren, ist nicht beziffert. Welcher Anteil des Vergleichsbetrags auf die biometrischen Vorwürfe entfällt, wurde nicht veröffentlicht. Google erkannte kein Fehlverhalten an, eine gerichtliche Klärung in der Sache fand nicht statt. |
| BSDC-P-IDN-2023-2322 Relevanz 3Gesundheitsdaten, US-Datenschutzrecht, Private-Klagebefugnis | 27.04.2023 | Washington State erlässt My Health My Data Act zum Schutz von Gesundheitsdaten außerhalb von HIPAA Washington State Office of the Attorney General Recherche: DC Quelle öffnen → | Gouverneur Jay Inslee unterzeichnete den My Health My Data Act am 27.04.2023, das erste US-Bundesstaatengesetz, das Gesundheitsdaten außerhalb von HIPAA schützt, etwa aus Wellness-Apps oder Standortdaten. Es verlangt vor Sammlung eine ausdrückliche Einwilligung und verbietet Geofencing im Umkreis von rund 600 Metern um Gesundheitseinrichtungen. Verstöße können vom Attorney General und durch Betroffene über eine private Klagebefugnis verfolgt werden. Die erste Klage richtete sich im Februar 2025 gegen Amazon wegen Standortdatenerfassung. | Wie viele Unternehmen die Vorgaben umgesetzt haben, ist nicht beziffert. Über den Ausgang der Klage gegen Amazon war zum Zeitpunkt der Recherche noch nicht entschieden. Wie Gerichte den Begriff der geschützten Gesundheitsdaten im Einzelfall auslegen, ist juristisch noch nicht höchstrichterlich geklärt. |
| BSDC-J-FND-2024-2323 Relevanz 3ALPHV-BlackCat, Ransomware, Change-Healthcare | 05.03.2024 | ALPHV/BlackCat begeht mutmaßlichen Exit-Scam nach Lösegeldzahlung im Fall Change Healthcare Brian Krebs, KrebsOnSecurity Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 01.03.2024 ging eine Bitcoin-Zahlung von rund 22 Millionen Dollar an eine Wallet der Gruppe ALPHV/BlackCat, ausgelöst durch deren Angriff auf Change Healthcare. Ein Affiliate namens Notchy beschwerte sich, seinen Anteil nicht erhalten zu haben. Die Leak-Website der Gruppe zeigte daraufhin ein vermutlich gefälschtes Beschlagnahmungsbanner, die Infrastruktur ging offline. Notchy gab eine Kopie der Daten an die Gruppe RansomHub weiter, die Change Healthcare erneut erpresste; UnitedHealth-CEO Andrew Witty bestätigte die Zahlung am 01.05.2024 vor dem Senat. | Ob das Beschlagnahmungsbanner echt oder von der ALPHV-Führung selbst inszeniert war, ist nicht offiziell bestätigt, das FBI äußerte sich dazu nicht. Die reale Identität von Notchy ist nicht bekannt. Ob RansomHub organisatorisch mit ALPHV verbunden ist, wird unterschiedlich eingeschätzt. |
| BSDC-S-FND-2024-2324 Relevanz 3Change-Healthcare-Cyberangriff, Ransomware, Gesundheitsdaten | 01.05.2024 | UnitedHealth-CEO Witty vor US-Kongress zu Change-Healthcare-Hack US-Senatsausschuss für Finanzen (Senate Finance Committee) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 01.05.2024 sagte UnitedHealth-CEO Andrew Witty vor dem Senate Finance Committee zum Angriff auf Change Healthcare aus und bestätigte erstmals öffentlich die Zahlung von rund 22 Millionen Dollar an BlackCat/ALPHV. Als Ursache nannte er einen extern erreichbaren Citrix-Server ohne Multi-Faktor-Authentifizierung, kompromittiert mit gestohlenen Zugangsdaten. Witty gab an, möglicherweise sei ein Drittel der US-Bevölkerung betroffen. Mehrere Senatoren, darunter Elizabeth Warren, kritisierten das Sicherheitsversagen scharf. | Die Schätzung eines Drittels der US-Bevölkerung war vorläufig, die spätere endgültige Zahl von rund 190 Millionen Betroffenen wurde in dieser Anhörung noch nicht genannt. Ob die Zahlung tatsächlich zur vollständigen Löschung der Daten führte, blieb offen. |
| BSDC-J-FIN-2020-2325 Relevanz 3FinCEN-Files, Geldwaesche-Meldewesen, Deutsche-Bank | 20.09.2020 | FinCEN Files: Geleakte US-Verdachtsmeldungen enthüllen Billionen-Dollar-Geldwäscheverdacht bei Großbanken ICIJ (International Consortium of Investigative Journalists) / BuzzFeed News Recherche: DC Quelle öffnen → | BuzzFeed News erhielt 2019 mehr als 2.100 Verdachtsmeldungen (Suspicious Activity Reports, SARs) der US-Finanzaufsichtsbehörde FinCEN und teilte sie mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ), das sie mit rund 400 Journalisten aus 88 Ländern auswertete. Am 20.09.2020 veröffentlichten ICIJ, BuzzFeed News und über 100 Medienpartner die Ergebnisse: Insgesamt 2.657 Dokumente, darunter 2.121 SARs, dokumentieren mehr als 200.000 verdächtige Transaktionen im Wert von über 2 Billionen US-Dollar zwischen 1999 und 2017. Am stärksten vertreten war die Deutsche Bank mit rund 1,3 Billionen US-Dollar verdächtiger Transaktionen und etwa 62 Prozent aller SARs im Datensatz, gefolgt von JPMorgan Chase mit rund 514 Milliarden US-Dollar. Die frühere FinCEN-Mitarbeiterin Natalie Mayflower Sours Edwards bekannte sich im Januar 2020 der unerlaubten Weitergabe der Dokumente schuldig und wurde zu sechs Monaten Haft verurteilt. | Dass die in den SARs genannten Kunden und Firmen tatsächlich Geldwäsche begangen haben, ist durch die Verdachtsmeldungen allein nicht bewiesen. Eine SAR ist eine bankinterne Meldepflicht an FinCEN ohne Anklage oder Gerichtsurteil gegen die genannten Personen. Ob und wie FinCEN auf einzelne Meldungen konkret reagierte, geht aus den geleakten Dokumenten nicht hervor. Die genannten Summen wie die 1,3 Billionen US-Dollar bei der Deutschen Bank beziffern das Volumen der als verdächtig gemeldeten Transaktionen über 18 Jahre, nicht nachgewiesene Straftaten. |
| BSDC-J-FIN-2018-2326 Relevanz 3Danske-Bank, Kurssturz-2018, Geldwaesche-Estland | 27.12.2018 | Danske Bank: Aktienkurs halbiert sich 2018 nach Estland-Geldwäscheskandal PYMNTS Recherche: DC Quelle öffnen → | Nachdem die dänische Zeitung Berlingske ab März 2017 über Geldwäscheverdacht in der estnischen Danske-Bank-Filiale berichtet hatte, veröffentlichte die Bank am 19.09.2018 einen internen Untersuchungsbericht zu rund 200 Milliarden Euro verdächtigen Zahlungen aus den Jahren 2007 bis 2015. Die Aktie fiel an diesem Tag um fast 8 Prozent, Vorstandschef Thomas Borgen trat noch am selben Tag zurück. Über das gesamte Jahr 2018 verlor die Danske-Bank-Aktie rund die Hälfte ihres Werts, ein Marktwertverlust von mehr als 15 Milliarden US-Dollar. Eine zusätzliche Gewinnwarnung im Dezember 2018 drückte den Kurs auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2014. | Die genauen Prozentangaben zum Kursverlust schwanken je nach Quelle zwischen rund 45 und 50 Prozent, je nachdem ob das Kalenderjahr 2018 oder der Rückgang seit März 2018 zugrunde gelegt wird. Der bezifferte Marktwertverlust stammt aus journalistischen Berechnungen ohne einheitlichen Stichtag. Eine strenge statistische Trennung zwischen dem Einfluss des Skandals und allgemeinen Marktfaktoren liegt in den ausgewerteten Quellen nicht vor. |
| BSDC-J-FIN-2020-2327 Relevanz 3Wirecard-Skandal, Bilanzbetrug, Treuhandbetrug | 19.06.2020 | Wirecard-Skandal: Die gefälschten Treuhandkonten auf den Philippinen GMA News Online Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Jahresabschluss 2019 wies Wirecard rund 1,9 Milliarden Euro auf angeblichen Treuhandkonten bei den philippinischen Banken BDO Unibank und Bank of the Philippine Islands (BPI) aus. Als örtlicher Treuhänder trat der Manila-Anwalt Mark Tolentino auf. Am 18.06.2020 verweigerte Wirtschaftsprüfer EY das Testat. Am 19.06.2020 erklärten BDO und BPI öffentlich, die vorgelegten Kontobestätigungen trügen gefälschte Unterschriften und Wirecard sei nie ihr Kunde gewesen. Wirecard räumte daraufhin ein, das Geld habe wahrscheinlich nie existiert, und meldete am 25.06.2020 Insolvenz an. | Ob Treuhänder Mark Tolentino wissentlich an der Fälschung mitwirkte oder selbst getäuscht wurde, ist rechtlich nicht abschließend geklärt. Im August 2022 stellte das philippinische Justizministerium die Ermittlungen gegen Tolentino und den flüchtigen Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek mangels Beweisen ein, lediglich ein BPI-Bankangestellter wurde wegen Urkundenfälschung angeklagt. Wer die Dokumente tatsächlich erstellt hat, ist mangels rechtskräftigen Urteils nicht gerichtsfest bewiesen. |
| BSDC-P-FIN-2018-2328 Relevanz 31MDB, Geldwaesche, Interpol-Fahndung | 01.11.2018 | Jho Low: US-Anklage gegen mutmaßlichen 1MDB-Drahtzieher U.S. Department of Justice (Eastern District of New York) Recherche: DC Quelle öffnen → | Das US-Justizministerium klagte den malaysischen Finanzier Low Taek Jho, bekannt als Jho Low, am 01.11.2018 wegen Verschwörung zur Geldwäsche und gegen den Foreign Corrupt Practices Act an. Laut Anklage soll Low mehr als 2,7 Milliarden US-Dollar aus dem Staatsfonds 1MDB veruntreut und teils zur Bestechung von Beamten sowie für Luxusimmobilien und die Finanzierung von Hollywoodfilmen wie The Wolf of Wall Street verwendet haben. Bereits am 24.08.2018 hatte die malaysische Staatsanwaltschaft Low in Abwesenheit angeklagt, Interpol stellte am 11.06.2018 eine Red Notice gegen ihn aus. | Jho Lows genauer Aufenthaltsort ist bis heute nicht offiziell bestätigt, malaysische Behörden vermuteten wiederholt China, was chinesische Stellen mehrfach dementierten. Da Low nie festgenommen wurde, gibt es gegen ihn persönlich kein Strafurteil. Diese Anklage bezieht sich nur auf einen Teilbetrag von 2,7 Milliarden Dollar der insgesamt veruntreuten rund 4,5 Milliarden Dollar. Eine Auslieferung fand bis heute nicht statt. |
| BSDC-J-FIN-2018-2329 Relevanz 3Geldwaesche, Bankenaufsicht, Danske-Bank | 03.05.2018 | Finanstilsynet-Entscheidung zu Danske Bank Estland Finanstilsynet (dänische Finanzaufsichtsbehörde) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die dänische Finanzaufsicht Finanstilsynet stellte am 03.05.2018 schwere Mängel in der Unternehmensführung von Danske Bank bei der Geldwäscheprävention in der estnischen Zweigstelle fest. Die Behörde erließ acht Anordnungen und acht Rügen und verlangte eine Erhöhung der Kapitalanforderung um 5 Milliarden dänische Kronen. Laut Finanstilsynet reagierte die Bankführung zu spät auf Hinweise eines internen Whistleblowers. Zwischen 2007 und 2015 wurden über die estnische Zweigstelle rund 200 Milliarden Euro an Zahlungen von Nichtansässigen abgewickelt, überwiegend aus Russland und anderen früheren Sowjetstaaten. | Nicht belegt ist, welcher Anteil der rund 200 Milliarden Euro tatsächlich aus Geldwäsche stammte, die Zahl umfasst auch legale Transaktionen. Das Entscheidungsdatum wird in manchen Sekundärquellen fälschlich mit 2019 statt 2018 angegeben. Offen blieb zum Zeitpunkt der Entscheidung, ob einzelne frühere Führungskräfte persönlich zur Verantwortung gezogen würden. |
| BSDC-B-FIN-2018-2330 Relevanz 3Geldwaesche, Bankenaufsicht, Compliance | 04.09.2018 | ING Niederlande: 775 Millionen Euro Bußgeld wegen Geldwäsche-Versäumnissen Openbaar Ministerie (Niederländische Staatsanwaltschaft) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die niederländische Großbank ING einigte sich am 04.09.2018 mit der Staatsanwaltschaft auf eine Zahlung von 775 Millionen Euro, davon 675 Millionen Euro Geldbuße und 100 Millionen Euro Gewinnabschöpfung. Grund waren strukturelle Mängel bei der Geldwäscheprävention zwischen 2010 und 2016, darunter unzureichende Kundenprüfung und ausgebliebene Verdachtsmeldungen. Es handelte sich um einen außergerichtlichen Vergleich ohne Gerichtsverfahren, die Summe war zum Zeitpunkt der Einigung der höchste jemals in den Niederlanden verhängte Betrag in einem Strafverfahren. | Nicht Bestandteil des Settlements war eine strafrechtliche Verurteilung der Bank selbst, viele Einzelheiten zu konkreten Geldwäschefällen sind dadurch nicht öffentlich nachvollziehbar. Die Staatsanwaltschaft sprach nur von hunderten Millionen Euro inkriminierter Gelder, ohne präzise Summe. Strafrechtliche Ermittlungen gegen einzelne frühere Manager liefen separat weiter, ihr Ausgang ist in dieser Quelle nicht dokumentiert. |
| BSDC-P-FIN-2018-2331 Relevanz 3Geldwaesche, Bankenaufsicht, USA | 07.02.2018 | Rabobank Kalifornien: 369 Millionen Dollar Strafe wegen Verschleierung von Geldwäschemängeln US-Justizministerium (DOJ) / US-Attorney Southern District of California Recherche: DC Quelle öffnen → | Rabobank National Association, die kalifornische Tochtergesellschaft der niederländischen Cooperatieve Rabobank, bekannte sich im Februar 2018 vor einem US-Bundesgericht schuldig, die Aufsichtsbehörde OCC bei einer Prüfung getäuscht zu haben, und stimmte einer Zahlung von rund 369 Millionen US-Dollar zu. Zwischen 2009 und 2012 ließen mangelhafte Programme an den Filialen in Calexico und Tecate hunderte Millionen Dollar an nicht nachverfolgbarem Bargeld aus Mexiko unbeanstandet passieren. Als das OCC dies 2013 aufzudecken drohte, sollen Bankmitarbeiter der Aufsicht falsche Angaben gemacht und Unterlagen zurückgehalten haben. | Nicht abschließend geklärt ist, in welchem Umfang das durchgeleitete Bargeld tatsächlich aus Drogenhandel mexikanischer Kartelle stammte, die Angabe hunderte Millionen Dollar ist eine Näherung. Der genaue Anteil der 369 Millionen Dollar als strafrechtliche Vermögensabschöpfung versus zivilrechtliche Bußgelder anderer Behörden wird in Presseberichten unterschiedlich aufgeschlüsselt. Die Rolle einzelner früherer Führungskräfte ist in den ausgewerteten Quellen nur unvollständig dargestellt. |
| BSDC-P-FIN-2019-2332 Relevanz 3Sanktionsumgehung, Geldwaesche, Standard-Chartered | 09.04.2019 | Standard Chartered: Wiederholte US-Bußgelder wegen Sanktionsverstößen und Geldwäsche 2012 bis 2019 U.S. Department of Justice (DOJ) Recherche: DC Quelle öffnen → | Standard Chartered Bank zahlte zwischen 2012 und 2019 wiederholt Bußgelder an US- und britische Behörden wegen Umgehung von Iran-Sanktionen. Im Dezember 2012 zahlte die Bank rund 667 Millionen Dollar wegen verschleierter Iran-Transaktionen aus 2001 bis 2007. 2014 verhängte die New Yorker Finanzaufsicht DFS eine weitere Strafe von 300 Millionen Dollar. Am 09.04.2019 bekannte sich die Bank schuldig, zwischen 2007 und 2011 rund 9.500 Transaktionen im Wert von etwa 240 Millionen Dollar für iranische Institutionen abgewickelt zu haben, und zahlte zusammen mit mehreren Behörden insgesamt rund 1,1 Milliarden Dollar. | Die genaue Aufschlüsselung der Transaktionssummen variiert je nach Quelle und Behörde, ob und wie stark sich verschiedene Zeiträume und Summen überschneiden, lässt sich aus öffentlich zugänglichen Quellen nicht vollständig auflösen. Bei den Verfahren handelt es sich überwiegend um Deferred Prosecution Agreements und aufsichtsrechtliche Vergleiche, nicht um Urteile nach vollständigem Strafprozess. Eine individuelle strafrechtliche Verantwortung einzelner Manager ist öffentlich nicht dokumentiert. |
| BSDC-B-FIN-2014-2333 Relevanz 3BNP-Paribas, US-Sanktionen, Geldwaesche-Banken | 30.06.2014 | BNP Paribas: 8,9-Milliarden-Dollar-Bußgeld wegen US-Sanktionsverstößen gegen Sudan, Iran und Kuba U.S. Department of Justice (DOJ) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 30.06.2014 einigte sich BNP Paribas mit dem US-Justizministerium und weiteren Behörden auf eine Gesamtstrafe von 8,9736 Milliarden Dollar. Die Bank bekannte sich schuldig, zwischen 2004 und 2012 vorsätzlich Transaktionen für Kunden in Sudan, Iran und Kuba über das US-Finanzsystem abgewickelt zu haben. Richterin Lorna Schofield verhängte das Urteil formell am 01.05.2015 in Manhattan. Es war die höchste je in einem US-Strafverfahren verhängte Geldstrafe und die erste Verurteilung eines Finanzinstituts wegen Verstößen gegen US-Wirtschaftssanktionen. BNP Paribas musste zusätzlich 13 verantwortliche Mitarbeiter entlassen. | Kein einzelner Bankmanager wurde in diesem Verfahren strafrechtlich angeklagt, es blieb bei der Entlassung von 13 Mitarbeitern. Das Gesamtvolumen der über Jahre abgewickelten sanktionierten Transaktionen wird in Sekundärquellen uneinheitlich beziffert, teils mit über 30 Milliarden, teils mit bis zu rund 190 Milliarden Dollar. Ob seither ein höheres Sanktionsbußgeld gegen ein Finanzinstitut verhängt wurde, ist in verfügbaren Quellen unterschiedlich bewertet. |
| BSDC-P-FIN-2019-2334 Relevanz 3Geldwaesche, Danske-Bank-Skandal, Baltikum-Bankenaufsicht | 19.02.2019 | Danske Bank: Rückzug aus Litauen und Lettland ohne separate Bußgelder Danske Bank A/S / Bank of Lithuania Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 19.02.2019 kündigte Danske Bank an, ihre verbliebenen Geschäftsaktivitäten in Lettland, Litauen und Russland vollständig einzustellen. Anders als bei der estnischen Filiale, die wegen verdächtiger Transaktionen im Zeitraum 2007 bis 2015 in Höhe von rund 200 Milliarden Euro zur Schließung gezwungen wurde, begründete Danske Bank den Rückzug aus Lettland und Litauen als eigene strategische Entscheidung. Bereits 2015 hatte die Bank das Privatkundengeschäft in Litauen und Lettland an Swedbank verkauft. Die litauische Zentralbank erklärte, mit dänischen Behörden zu kooperieren, ohne dass ein eigenes Bußgeld gegen Danske Bank in Litauen bekannt wurde. | Nicht belegt ist, dass die lettische oder litauische Finanzaufsicht ein eigenständiges Bußgeld speziell für die Filialen in Riga oder Vilnius verhängt haben, wie es für Estland dokumentiert ist. Es bleibt unklar, ob und in welchem Umfang die 2 Milliarden US-Dollar schwere Gesamteinigung von Danske Bank aus dem Jahr 2022 auch Sachverhalte aus Lettland oder Litauen mit abdeckte. |
| BSDC-J-FND-2024-2335 Relevanz 3Ransomware, Gesundheitswesen, Kritische-Infrastruktur | 01.05.2024 | Change Healthcare: Ransomware-Angriff durch BlackCat/ALPHV über ungeschütztes Citrix-Portal TechTarget Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 12.02.2024 verschafften sich Angreifer der Gruppe ALPHV/BlackCat mit kompromittierten Zugangsdaten Zugang zu einem Citrix-Fernzugriffsportal von Change Healthcare, das keine Multi-Faktor-Authentifizierung besaß. Die Angreifer bewegten sich rund neun Tage lang lateral durch die Systeme, bevor am 21.02.2024 die Ransomware ausgelöst wurde. Change Healthcare bedient mehr als 30.000 Apotheken in den USA, die Störung betraf Abrechnung und Zahlungsabwicklung über Monate. UnitedHealth Group bezifferte die finanziellen Kosten im ersten Quartal 2024 auf 872 Millionen US-Dollar. | Die hier genannten Fakten stammen größtenteils aus der Kongressaussage von UnitedHealth-CEO Andrew Witty vom 01.05.2024 und wurden nicht unabhängig durch forensische Berichte Dritter bestätigt. Die genaue Menge der exfiltrierten Daten, teils mit rund 6 Terabyte beziffert, sowie die Zahl von etwa 190 Millionen betroffenen Personen basieren auf späteren HHS-Meldungen und können sich noch ändern. Die Höhe der an ALPHV/BlackCat gezahlten Lösegeldsumme wurde von UnitedHealth nie offiziell bestätigt. |
| BSDC-P-FND-2023-2336 Relevanz 3Zero-Day-Schwachstelle, Ransomware, Massenhack | 07.06.2023 | MOVEit-Massenhack: Clop nutzt Zero-Day-Schwachstelle CVE-2023-34362 CISA und FBI Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Ransomware-Gruppe Clop, auch bekannt als TA505, begann ab dem 27.05.2023, eine SQL-Injection-Zero-Day-Schwachstelle (CVE-2023-34362) in der Software MOVEit Transfer von Progress Software auszunutzen. CISA und FBI veröffentlichten am 07.06.2023 eine gemeinsame Sicherheitswarnung. Progress Software veröffentlichte am 31.05.2023 einen Patch. Nach Angaben von Emsisoft waren bis Januar 2024 über 2.700 Organisationen und mehr als 93 Millionen betroffene Personen erfasst, darunter die BBC, British Airways und Aer Lingus. | Nicht abschließend geklärt ist die exakte Gesamtzahl der betroffenen Organisationen, da die erhobenen Zahlen auf Meldepflichten und Angaben auf der Leak-Seite von Clop beruhen und sich fortlaufend nach oben korrigierten. Es ist nicht bewiesen, wie viele der behaupteten Datendiebstähle tatsächlich vollständige, verwertbare Datensätze betrafen, da die Gruppe bekannt dafür ist, Opferzahlen zu übertreiben. |
| BSDC-J-IDN-2021-2337 Relevanz 3Data-Scraping, Darknet-Handel, Plattformsicherheit | 02.07.2021 | LinkedIn-Scraping 2021: Daten von 700 Millionen Profilen im Darknet zum Verkauf angeboten CPO Magazine Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Juni 2021 bot ein Nutzer unter dem Pseudonym TomLiner in einem Darknet-Forum Daten zu rund 700 Millionen LinkedIn-Profilen für 5.000 US-Dollar an, etwa 92 Prozent aller LinkedIn-Nutzer. Der Datensatz enthielt Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Geolokationsdaten und abgeleitete Gehaltsschätzungen. LinkedIn erklärte, die Daten seien nicht durch einen Einbruch in interne Systeme erlangt worden, sondern durch automatisiertes Scraping der API und aus weiteren öffentlich zugänglichen Quellen. Passwörter waren nicht Teil des Datensatzes. | Nicht belegt ist, ob der gesamte angebotene Datensatz tatsächlich authentisch war. LinkedIn stufte den Vorgang als Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen ein, nicht als Hack. Es ist offen, wie viele der Datensätze bereits aus früheren Datenlecks stammten. Die Identität hinter dem Pseudonym TomLiner wurde nicht geklärt. |
| BSDC-J-FND-2021-2338 Relevanz 3Datenleck, Quellcode-Leak, Streaming-Plattform | 06.10.2021 | Twitch-Datenleck 2021: Quellcode und Auszahlungsdaten von Streamern veröffentlicht TechCrunch Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 06.10.2021 veröffentlichte ein anonymer Angreifer einen 125 Gigabyte großen Torrent mit internen Twitch-Daten auf 4chan. Enthalten waren der komplette Quellcode der Plattform, Code aus fast 6.000 internen GitHub-Repositories und Auszahlungsberichte von 2019 für knapp 2,4 Millionen Streamer. Zusätzlich wurden Client-Software und ein unveröffentlichter Steam-Konkurrent von Amazon Game Studios geleakt. Twitch bestätigte den Vorfall am selben Tag, Ursache war eine Fehlkonfiguration eines Servers. Der Angreifer kündigte an, die Veröffentlichung sei nur Teil eins. | Nicht dokumentiert ist, ob Nutzerpasswörter, Adressen oder Bankdaten im Leak enthalten waren. Die Identität des Angreifers wurde nie offiziell bestätigt. Ob der angekündigte zweite Teil des Datensatzes jemals veröffentlicht wurde, ist nicht abschließend geklärt. Die genaue Dauer des unbefugten Zugriffs wurde von Twitch nicht im Detail offengelegt. |
| BSDC-P-FND-2021-2339 Relevanz 3Ransomware, Kritische-Infrastruktur, Kryptowaehrung-Forensik | 07.06.2021 | Colonial-Pipeline-Ransomware-Angriff und teilweise Rücknahme des Lösegelds durch das FBI US-Justizministerium (DOJ) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 07.05.2021 legte die Ransomware-Gruppe DarkSide die IT-Systeme von Colonial Pipeline lahm, dem größten Treibstoffpipelinebetreiber der US-Ostküste, was zu tagelangen Kraftstoffengpässen führte. Colonial Pipeline zahlte am selben Tag ein Lösegeld von 75 Bitcoin, damals rund 4,4 Millionen US-Dollar wert. Am 07.06.2021 gab das US-Justizministerium bekannt, dass FBI-Ermittler durch Verfolgung der Blockchain-Transaktionen 63,7 Bitcoin, damals rund 2,3 Millionen US-Dollar wert, aus einer DarkSide-Wallet sicherstellen konnten. Die Pipeline nahm den regulären Betrieb am 12.05.2021 wieder auf. | Nicht öffentlich dokumentiert ist, wie die FBI-Ermittler technisch an den privaten Schlüssel der DarkSide-Wallet gelangten. Offen blieb, ob und in welchem Umfang einzelne DarkSide-Mitglieder identifiziert oder strafrechtlich verfolgt wurden, die Gruppe kündigte kurz danach an, ihre Infrastruktur abzuschalten, ob dies das Ende der Gruppe oder nur einen Rebrand darstellte, ist nicht geklärt. |
| BSDC-P-FND-2021-2340 Relevanz 3Ransomware, Kritische-Infrastruktur, Cyberkriminalitaet | 02.06.2021 | FBI bestätigt REvil als Urheber des JBS-Ransomware-Angriffs Federal Bureau of Investigation (FBI) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 30.05.2021 wurde der weltweit größte Fleischverarbeiter JBS Opfer eines Ransomware-Angriffs, der Server in Nordamerika und Australien betraf und zur vorübergehenden Schließung von Verarbeitungsanlagen führte. Das FBI ordnete den Angriff der russischsprachigen Gruppe REvil zu. JBS zahlte nach eigenen Angaben ein Lösegeld von 11 Millionen US-Dollar in Kryptowährung, obwohl zum Zeitpunkt der Zahlung bereits der Großteil der Anlagen wieder arbeitsfähig war. | Nicht öffentlich dokumentiert ist, welche Daten bei dem Angriff tatsächlich exfiltriert wurden. Ob die Zahlung von 11 Millionen US-Dollar tatsächlich notwendig war, bleibt eine Einschätzung des Unternehmens und ist nicht unabhängig verifiziert. REvil löste sich Sommer 2021 größtenteils auf, sodass eine vollständige strafrechtliche Aufarbeitung bislang nicht abgeschlossen ist. |