Quellen-Tabelle
Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.
| BSDC-ID | Datum | Titel & Quelle | Kernaussage | Klartext |
|---|---|---|---|---|
| BSDC-S-FND-2011-077 ✅ in KraftRelevanz 3F4, A1, A5, B3 | 21.03.2012 ⚠ Feld enthält mehrere Jahresangaben, Originaltext prüfen | "Schutzlücken durch Wegfall der Vorratsdatenspeicherung?" — Gutachten für das Bundesamt für Justiz Prof. Dr. Hans-Jörg Albrecht, Kriminologische Abteilung, Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht — im Auftrag des Bundesministeriums der Justiz Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Vorratsdatenspeicherung hat laut dem Gutachten keinen messbaren Einfluss auf Aufklärungsquoten. Für den Untersuchungszeitraum 1987 bis 2010 kann der Wegfall der Vorratsdatenspeicherung nicht als Ursache für Bewegungen in der Aufklärungsquote herangezogen werden — dieser Befund gilt insbesondere für Computerkriminalität und Internetkriminalität. | Das ist die wohl wichtigste Einzelquelle im gesamten Themenfeld "Wirkt Überwachung überhaupt?": Das eigene Justizministerium hat eine 271-seitige wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben — und das Ergebnis war, dass die ständig behauptete "Schutzlücke" ohne Vorratsdatenspeicherung nicht nachweisbar ist. Das ist kein Aktivisten-Papier, sondern eine im Regierungsauftrag erstellte Studie. |
| BSDC-S-FND-2016-079 ✅ in KraftRelevanz 3F4, A1, B3 | 27.04.2016 | "Chilling Effects: Online Surveillance and Wikipedia Use" (Berkeley Technology Law Journal) Jonathon W. Penney, Citizen Lab (University of Toronto) / Schulich School of Law Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Studie untersucht, wie der Traffic zu Wikipedia-Artikeln über privatsphäre-sensible Themen nach der öffentlichen Bekanntwerdung der NSA/PRISM-Überwachung im Juni 2013 zurückging — sie findet nicht nur einen statistisch signifikanten unmittelbaren Rückgang, sondern auch eine dauerhafte Veränderung im langfristigen Trend. | Das ist der wissenschaftliche Beleg für ein Kernargument von Blackstone: Überwachung verändert das Verhalten von Menschen, die nichts Illegales tun — sie lesen einfach weniger über bestimmte Themen aus Angst, verdächtig zu wirken. Das ist keine Vermutung, sondern mit echten Wikipedia-Zugriffszahlen belegt. |
| BSDC-S-FND-2017-095 ✅ in KraftRelevanz 3F8, Masterplan | 27.10.2016 ⚠ Feld enthält mehrere Jahresangaben, Originaltext prüfen | "A Formal Security Analysis of the Signal Messaging Protocol" (peer-reviewed, IEEE S&P / Journal of Cryptology) Katriel Cohn-Gordon, Cas Cremers, Benjamin Dowling, Luke Garratt, Douglas Stebila (Universitäten Oxford, CISPA, Queensland) Recherche: DC Quelle öffnen → | Das Signal-Protokoll ist ein kryptografisches Messaging-Protokoll, das Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Instant Messaging bereitstellt und in WhatsApp, Wire und Facebook Messenger verwendet wird — mit zusammen deutlich über einer Milliarde aktiver Nutzer. | Das ist der wissenschaftliche Beweis, dass Signals Verschlüsselung tatsächlich hält, was sie verspricht — nicht nur eine Marketing-Behauptung, sondern mathematisch von unabhängigen Kryptografie-Forschern nachgewiesen. Wichtig: Dasselbe Protokoll steckt auch in WhatsApp — der Unterschied liegt woanders (z. B. Metadaten, Backups), nicht in der Kern-Verschlüsselung selbst. |
| BSDC-S-FND-2022-102 ✅ in KraftRelevanz 3F9 | 23.04.2022 | "India's 'Aadhaar' Biometric ID: Structure, Security, and Vulnerabilities" (akademische Sicherheitsanalyse) Akademische Sicherheitsforscher (Cryptology ePrint Archive, peer-reviewed Kontext) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die häufigste Art von Sicherheitsverletzung bei Aadhaar betrifft die Vertraulichkeit — meist wird eine Teilmenge der Aadhaar-Daten öffentlich gemacht. Verletzungen der Integrität kommen ebenfalls häufig vor und beeinträchtigen die Qualität der zentralen Datenbank, meist durch einzelne unehrliche Insider oder gehackte Einzelkonten. | Eine unabhängige technische Analyse (nicht Aktivisten, nicht Regierung) bestätigt: Die Schwachstellen liegen oft nicht in der zentralen Datenbank selbst, sondern bei einzelnen Zugangspunkten und Mitarbeitern mit Zugriffsrechten — das deckt sich mit der Verteidigung der Regierung, zeigt aber gleichzeitig: Genau solche "Rand"-Schwachstellen sind bei einem derart riesigen System (1,3 Milliarden Menschen) kaum vollständig zu vermeiden. |
| BSDC-S-FND-2024-104 ✅ in KraftRelevanz 3F9 | 10.01.2024 | "Failures of public key infrastructure: 53 year survey" — kritische Analyse des X-Road-Sicherheitsvorfalls 2017 Akademische Publikation (arXiv-Preprint) Recherche: DC Quelle öffnen → | X-Road stellt trotz dezentraler Datenspeicherung in über 360 Datenbanken einen "Single Point of Failure" für den gesamten E-Government-Datentransfer dar; die proprietäre, patentierte Blockchain-Komponente ohne Open-Source-Material kann verborgene Schwachstellen aufweisen — wie die Krise von 2017 zeigte, bei der fast alle Karten (800.000) betroffen waren. | Wichtige Differenzierung, auch für Estland als "Vorbild": Selbst das oft gelobte estnische System hatte 2017 einen Sicherheitsvorfall, der praktisch alle ausgegebenen ID-Karten betraf. Kein System ist perfekt — aber wichtig ist, WIE transparent und schnell ein Land mit so einem Vorfall umgeht. Für einen fairen Blackstone-Artikel sollte dieser Vorfall nicht verschwiegen werden, nur weil Estland sonst positiv dasteht. |
| BSDC-S-FND-2021-105 ✅ in KraftRelevanz 3F10, F1, Masterplan | 25.03.2021 | "Mobile Handset Privacy: Measuring The Data iOS and Android Send to Apple And Google" (Original-Studie) Prof. Douglas J. Leith, Trinity College Dublin (School of Computer Science and Statistics) Recherche: DC Quelle öffnen → | Selbst bei minimaler Konfiguration und im Ruhezustand teilen sowohl iOS als auch Google Android durchschnittlich alle 4,5 Minuten Daten mit Apple/Google; IMEI, Hardware-Seriennummer, SIM-Seriennummer und IMSI sowie die Handynummer werden übermittelt. Beide Systeme senden Telemetriedaten, obwohl der Nutzer dem explizit widersprochen hat. Google sammelt dabei fast zwei Größenordnungen mehr Daten als Apple beim Start (3,6 MB vs. 42 KB) — hochgerechnet auf alle Geräte in den USA entspricht das rund 1,3 TB Google-Datensammlung alle 12 Stunden gegenüber 5,8 GB bei Apple. | Das ist der wissenschaftliche Beleg für einen Satz, der sich hervorragend für Community-Content eignet: Dein Handy "telefoniert" im Schnitt alle 4,5 Minuten nach Hause — auch wenn es nur in der Tasche liegt und du alle Datenschutz-Einstellungen deaktiviert hast. Das gilt für iPhone UND Android gleichermaßen; keines der beiden großen Systeme ist grundsätzlich privater als das andere. |
| BSDC-S-FND-2023-107 ✅ in KraftRelevanz 2F10 | März 2026 ⚠ Feld enthält mehrere Jahresangaben, Originaltext prüfen Analyse 2023, hier zitiert Stand März 2026 | Legiscope-Analyse — Cookie-Banner-Interaktionen pro EU-Nutzer und Jahr Legiscope (GDPR-Compliance-Unternehmen), zitiert von EDPB und im EU-Parlament referenziert laut Quelle Recherche: DC Quelle öffnen → | Eine Legiscope-2023-Schätzung berechnet rund 1.020 Cookie-Banner-Interaktionen pro EU-Internetnutzer und Jahr (basierend auf ca. 100 besuchten Websites pro Monat, von denen etwa 85% ein Consent-Banner zeigen) — hochgerechnet auf 404 Millionen EU-Internetnutzer ergibt das rund 412 Milliarden Interaktionen pro Jahr bzw. 575 Millionen Stunden europäischer Lebenszeit. | Einprägsamer Fakt für Community-Content: Der durchschnittliche EU-Bürger klickt über 1.000 Mal im Jahr auf ein Cookie-Banner — zusammengerechnet verbringen alle Europäer jährlich über eine halbe Milliarde Stunden allein mit diesen Klicks. Wichtig als Hinweis auf die eigene Unschärfe: Es handelt sich um eine Hochrechnung/Schätzung, keine Vollerhebung — sollte im Artikel entsprechend gekennzeichnet werden. |
| BSDC-S-FND-2025-108 ✅ in KraftRelevanz 3F10, Masterplan | 2022 ⚠ Feld enthält mehrere Jahresangaben, Originaltext prüfen aktualisiert 2025/2026 | Tracking-Verhalten trotz Cookie-Ablehnung — deutschsprachige Websites Zusammenfassung von über 20 Studien, inkl. eigener Analyse von 81 deutschen Websites Recherche: DC Quelle öffnen → | 79% der untersuchten Websites (64 von 81) luden bereits Drittanbieter-Tracker, bevor Nutzer überhaupt mit dem Cookie-Banner interagierten — im Schnitt 3 aktive Tracker zu diesem Zeitpunkt, in Einzelfällen bis zu 13. Selbst wenn Nutzer aktiv "Alle ablehnen" klickten, blieben im Schnitt 4 Tracker weiterhin aktiv; nur 17% der Websites blockierten Tracking konsequent bis zur erteilten Zustimmung. | Das ist ein sehr konkreter, technisch belegter Grund, warum Cookie-Banner oft wirkungslos sind: Bei vier von fünf untersuchten Websites tracken Drittanbieter bereits, BEVOR man überhaupt geklickt hat — und selbst ein "Nein" wird oft nicht vollständig respektiert. Wichtiger Beleg für Blackstones Position, dass Cookie-Banner allein kein ausreichender Datenschutz sind und technische Zusatzmaßnahmen (Tracker-Blocker) nötig bleiben. |
| BSDC-S-FND-2026-142 ✅ in KraftRelevanz 3D2 | 18.05.2026 | "2026 CRA Awareness and Readiness Report" — OpenSSF / Linux Foundation Research Open Source Security Foundation (OpenSSF) / Linux Foundation Research Recherche: DC Quelle öffnen → | 66% der befragten Softwarehersteller sind laut dem Report nach wie vor nicht mit der Verordnung vertraut — ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr, nicht ein Rückgang. | Bemerkenswert kontraintuitiv: Statt sich der näher rückenden Frist anzupassen, ist die Unkenntnis über den CRA sogar noch gestiegen. Das ist ein starker Beleg für das Masterplan-Argument, dass Meldepflichten zwar auf dem Papier gut klingen, in der Praxis aber riesige Umsetzungslücken haben können. |
| BSDC-S-FND-2021-197 ✅ in KraftRelevanz 3F9, B1 | 03.09.2021 | "Vulnerability of State-Provided Electronic Identification: The Case of ROCA in Estonia" — akademische Fallstudie Peer-reviewte akademische Publikation (Springer), basierend auf 32 semi-strukturierten Interviews mit 41 estnischen Experten Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Studie basiert auf einer thematischen Analyse von 32 semi-strukturierten Interviews mit 41 estnischen Experten, die eng in die Lösung des ROCA-Falls 2017 eingebunden waren, und untersucht drei Bereiche: staatliche politische Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die Rolle der IT-Industrie bei der eID-Bereitstellung, sowie Chancen und Pflichten für Endnutzer. Die Studie schlägt einen Paradigmenwechsel im eID-Management vor, der digitale Identität als Bürgerrecht und ihre Bereitstellung als staatliche Pflicht begreift. | Das ist die wissenschaftlich fundierteste verfügbare Aufarbeitung des Falls — nicht nur "was ist passiert", sondern eine tiefgehende Analyse, wer im System eigentlich verantwortlich ist, wenn ein Zulieferer-Fehler ein ganzes staatliches System gefährdet. Der vorgeschlagene Rahmen (digitale Identität als Bürgerrecht, ihre sichere Bereitstellung als Staatspflicht) ist eine gute konzeptionelle Grundlage für Blackstones eigene Position zur EUDI-Wallet. |
| BSDC-S-FND-2026-285 ✅ in KraftRelevanz 3F8, Masterplan | 13.04.2026 | "Threema Long-Term Review and Privacy Audit Details" — akademische Kritik am proprietären Protokoll Factually, mit Bezug auf akademische Kryptografie-Analysen Recherche: DC Quelle öffnen → | Eine umfassende kryptografische Analyse fand mehrere Angriffsvektoren gegen Threemas eigens entwickeltes ("bespoke") Protokoll; eine 2023 veröffentlichte öffentliche Kritik argumentierte, die App nutze ein selbst entwickeltes Protokoll entgegen bewährter Standards ("best-practice norms") — Threema entgegnete, der verwundbare Code stamme aus einem alten Protokoll. Eine fokussierte Analyse zeigte zudem praktische Integritätslücken (Timestamp- und Reihenfolge-Angriffe) sowie Backup-bezogene Seitenkanäle, die Schlüssel offenlegen können, sofern keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. | Wichtige Korrektur zur bisherigen Blackstone-Einordnung von Threema: Anders als Signal (dessen Protokoll extern, wissenschaftlich geprüft und offen ist, siehe F8/Batch 40) nutzt Threema ein selbst entwickeltes Protokoll, das von unabhängigen Kryptografie-Forschern kritisiert wurde. Threema selbst bestätigt teilweise die Kritik (verwundbarer Code aus altem Protokoll), weist eine generelle Unsicherheit aber zurück. Für Blackstones Ehrlichkeitsprinzip wichtig: Diese Nuance sollte im Masterplan-Kapitel zu Messengern ergänzt werden — Threema ist nicht per se unsicher, aber die Vertrauensbasis unterscheidet sich grundlegend von Signal (Community-geprüftes offenes Protokoll vs. Eigenentwicklung mit dokumentierten Schwachstellen). |
| BSDC-S-GER-2018-334 ✅ in KraftRelevanz 3D6, D3 | November 2019 ⚠ Feld enthält mehrere Jahresangaben, Originaltext prüfen ursprünglich 2018/2019, weiterhin als Standardreferenz zitiert | "Kognitive Gefahrenzonen" und Racial-Profiling-Risiko — akademische Einordnung Humanistische Union, mit Bezug auf akademische Forschung (Egbert/Krasmann, Straube/Belina) Recherche: DC Quelle öffnen → | Predictive-Policing-Software wie PRECOBS ist bei privatwirtschaftlichen Anbietern proprietär und wird als Betriebsgeheimnis behandelt — die Algorithmen bleiben selbst für die polizeilichen Anwender opak ("Black Box"). Es entstehen dynamische "kognitive Gefahrenzonen", in denen laut Forschung Racial Profiling begünstigt werden kann. | Wichtiger technischer Kritikpunkt: Selbst die Polizei selbst weiß teilweise nicht genau, wie die Software zu ihren Vorhersagen kommt — ein "Black Box"-Problem, das über die reine Datenschutzfrage hinausgeht und die demokratische Kontrollierbarkeit polizeilicher Entscheidungen betrifft. Das ergänzt die bereits in D3 (Palantir) dokumentierte Intransparenz-Kritik um eine weitere Facette. |
| BSDC-S-GER-2026-336 ✅ in KraftRelevanz 3D6, D3, A8 | 14.03.2026 | SozTheo — aktuelle Fachübersicht, Ausweitung auf neue Anwendungsfelder SozTheo (kriminologisches Fachportal, Betreiber Christian Wickert) Recherche: DC Quelle öffnen → | Der Einsatz von Predictive Policing bei Wohnungseinbrüchen wurde inzwischen vielfach beendet oder pausiert — auch wegen mangelnder wissenschaftlicher Evidenz für die Wirksamkeit der Systeme. Parallel entstehen aber neue Formen prädiktiver Polizeiarbeit im Bereich der inneren Sicherheit, etwa bei Gefährderprognosen, Social-Media-Monitoring oder Data Mining zur Terrorismusabwehr. | Wichtiger Function-Creep-Beleg trotz Rückgangs beim ursprünglichen Anwendungsfall: Auch wenn die klassische Wohnungseinbruch-Vorhersage vielerorts zurückgefahren wurde, verschiebt sich die Technologie in neue, tendenziell eingriffsintensivere Bereiche (Gefährderprognosen, Terrorismusabwehr) — ein Muster, das dem bei A8 (Staatstrojaner: von Terror zu Alltagsdelikten) ähnelt, nur in umgekehrter Richtung (von harmlosem Delikt zu schwererem Bereich). Direkter Bezug zu D3 (Palantir), das genau in diesem Feld (Data Mining zur Gefahrenabwehr) verortet ist. |
| BSDC-S-GER-2020-337 ✅ in KraftRelevanz 2D6 | August 2018 2020 (Grundlagenstudie, weiterhin als Standardreferenz genutzt) | Bertelsmann Stiftung — umfassende Studie zu allen deutschen Predictive-Policing-Systemen im Überblick Bertelsmann Stiftung Recherche: DC Quelle öffnen → | Die Systeme nutzen für ihre Prognosen nur wenige Datenpunkte mit Bezug zur Tat selbst — dieser überschaubare Mechanismus bedeutet aber nicht automatisch, dass sie unproblematisch sind, zumal sie stetig weiterentwickelt werden, potenziell mehr Informationsquellen integrieren und auf andere Deliktarten ausgeweitet werden könnten. | Nuancierte akademische Einschätzung, die weder Alarmismus noch Verharmlosung betreibt: Die aktuellen Systeme sind technisch relativ einfach (wenige Datenpunkte), aber die Studie warnt vor der Möglichkeit künftiger Erweiterung — genau die Function-Creep-Sorge, die auch für andere Blackstone-Dossiers relevant ist, hier aber als noch nicht eingetretene Möglichkeit statt als bereits belegtes Faktum formuliert. |
| BSDC-S-KOM-2012-365 ✅ in KraftRelevanz 3A10 | ohne Datum (Fallstudie, Bezug auf 2012er-Urteil) | Case Study — akademische Aufarbeitung mit historischem Kontext seit 2004 Catalysts for Collaboration (akademisches Fallstudien-Portal) Recherche: DC Quelle öffnen → | Ursprünglich 2004 als Teil einer Wahlrechtsreform eingeführt (Sorge vor unregulierter Online-Meinung bei Wahlen), wurde das System 2007 auf alle Websites mit über 100.000 täglichen Besuchern ausgeweitet. Das Gericht stellte 2012 fest: Die vorgelegten Beweise reichten nicht aus, um einen Rückgang von Hasskommentaren, Verleumdung und Beleidigungen im Internet als Folge des Systems zu belegen. | Wichtige historische Präzisierung: Das System wuchs über acht Jahre (2004→2007→2012-Ende) von einem engen Wahlrecht-Kontext zu einer allgemeinen Internetregel — ein Function-Creep-Muster in umgekehrter Zeitrichtung zu vielen anderen Blackstone-Dossiers (hier: Ausweitung, dann gerichtliche Rücknahme, nicht dauerhafte Verfestigung). Das Kern-Urteilsargument bleibt: kein belegter Wirksamkeitsnachweis. |
| BSDC-S-GER-2018-381 ✅ in KraftRelevanz 3D7 | 21.01.2026 ⚠ Feld enthält mehrere Jahresangaben, Originaltext prüfen | KFN-Studie NRW — "geringer, aber statistisch bedeutsamer Effekt", uneindeutige internationale Befundlage Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), Studie 2018 im Auftrag des NRW-Innenministeriums, hier über CORRECTIV referenziert Recherche: DC Quelle öffnen → | Das KFN untersuchte 2018 in sechs großen NRW-Städten den Effekt der Videoüberwachung auf Kriminalitätsbelastung und Aufklärungsquote. Ergebnis: ein statistisch bedeutsamer, aber relativ geringer Effekt auf die Aufklärungsquote. Ein "wissenschaftlicher Nachweis eines allgemein kriminalitätsreduzierenden Effekts der Videoüberwachung" kann laut den Wissenschaftlern nicht erbracht werden — der Nutzen hänge stark von der jeweils betrachteten Deliktart ab. Gleichzeitig betonen "polizeiliche Praktiker" das wahrgenommene Potenzial der Technologie. | Sehr wichtiges, differenziertes Ergebnis — passt zum bereits etablierten F4-Muster: Weder "Videoüberwachung wirkt nicht" noch "Videoüberwachung löst alles" — die Wahrheit liegt dazwischen: geringer, aber messbarer Effekt bei der Aufklärung, kein Nachweis für allgemeine Kriminalitätsreduktion, starke Abhängigkeit von der Deliktart. Interessant: Ein Bruch zwischen wissenschaftlicher Zurückhaltung und dem gefühlten Potenzial bei der Polizei selbst — beide Perspektiven sollten in einem Blackstone-Artikel nebeneinander stehen. |
| BSDC-S-GER-2026-383 ✅ in KraftRelevanz 3D7 | 31.10.2025 | Weitere KFN-Detailzahlen — Aachen vs. Dortmund, gegensätzliche Stadtteil-Effekte Tarnkappe.info, detaillierte KFN-Studienauswertung Recherche: DC Quelle öffnen → | Untersucht wurden sieben NRW-Städte (Düsseldorf, Mönchengladbach, Aachen, Essen, Dortmund, Duisburg, Köln). Ergebnis war uneinheitlich: In Aachen ging die Kriminalität im videoüberwachten Bereich um 9% zurück — im übrigen Stadtgebiet aber um 13%, also STÄRKER als im überwachten Bereich. In Dortmund kam es sogar zu einem Anstieg der Straßenkriminalität im videoüberwachten Bereich. | Besonders eindrückliches Detail: In Aachen sank die Kriminalität außerhalb der Kameras sogar stärker als innerhalb — ein Befund, der die reine "mehr Kameras = weniger Kriminalität"-These direkt infrage stellt. Der Anstieg in Dortmund zeigt zusätzlich: Es gibt keine Garantie, dass Kameras überhaupt in die gewünschte Richtung wirken. Diese konkreten Stadt-Einzelergebnisse sind viel überzeugender als eine abstrakte "Studien sind gemischt"-Aussage. |
| BSDC-S-GER-2005-384 ✅ in KraftRelevanz 2D7 | 2005 ⚠ nur Jahresangabe in der Quelle 2005 (älter, aber methodisch wertvolle internationale Metaanalyse) | Deutsches Forum für Kriminalprävention — Verlagerungseffekte und Campbell-Collaboration-Metaanalyse Deutsches Forum für Kriminalprävention, mit Bezug auf internationale Campbell-Collaboration-Metaanalyse Recherche: DC Quelle öffnen → | Bei vier U-Bahn-Studien waren die Befunde widersprüchlich: zwei positive Effekte, ein Effekt null, ein negativer Effekt — die durchschnittliche "Erfolgsquote" war nicht statistisch signifikant. Zur Kriminalitätsverlagerung in angrenzende Gebiete: gemischte Befunde, teilweise deutet sich sogar eine positive Ausstrahlung (Prävention wirkt auch auf Nachbargebiete) an. | Wichtige methodische Ergänzung: Selbst zur Verlagerungsfrage (wandert Kriminalität einfach woanders hin?) gibt es keine eindeutige Antwort — manchmal ja, manchmal sogar das Gegenteil (positive Ausstrahleffekte). Zeigt: Die Wirksamkeitsdebatte bei Videoüberwachung ist wissenschaftlich komplexer als sowohl Befürworter als auch Kritiker oft darstellen. |
| BSDC-S-GER-2016-385 ✅ in KraftRelevanz 2D7 | 06.05.2017 | Leipzig-Fallstudie — konkrete Verdrängung in Wohngebiete, Behinderung sozialer Arbeit Digitalcourage, mit Bezug auf Studie von Peter Ullrich und Marco Tullney (2012) zu einem Leipziger Bahnhof Recherche: DC Quelle öffnen → | Ein videoüberwachter Leipziger Bahnhof, zuvor von Drogenhandel und Kfz-Einbrüchen geprägt, zeigte eine Verdrängung dieser Delikte in umliegende Wohngebiete. Bereits installierte Angebote der aufsuchenden Sozialarbeit wurden durch diese Verlagerung erheblich blockiert. | Konkreter, sozial bedeutsamer Einzelfall: Videoüberwachung verlagerte hier nicht nur Kriminalität, sondern störte auch bereits bestehende soziale Hilfsangebote (Drogenberatung/Streetwork) — ein Aspekt, der über die reine "wirkt/wirkt nicht"-Debatte hinausgeht und zeigt, dass Überwachungsmaßnahmen auch bestehende soziale Strukturen stören können. |
| BSDC-S-FIN-2025-410 Relevanz 5C1 | Juli 2026 07.2026 | Zahlungsverhalten in Deutschland 2025 Deutsche Bundesbank Recherche: DC Quelle öffnen → | Erstmals wurden 2025 mehr alltägliche Zahlungen bargeldlos als mit Bargeld abgewickelt (55%); mobiles Bezahlen stieg auf 21% Präferenz, Bargeld weiterhin an 99,4% der Verkaufsstellen akzeptiert. | Erstmals mehr digitale als Bar-Zahlungen in Deutschland. Belegt NICHT, dass Bargeld verschwindet - Akzeptanz bleibt hoch. |
| BSDC-S-FND-2025-424 Relevanz 5C5 | 11.12.2025 | Gutachten zum US-Behördenzugriff auf europäische Cloud-Daten Universität zu Köln (im Auftrag des BMI) Recherche: DC Quelle öffnen → | US-Behörden haben über CLOUD Act/FISA 702 Zugriff auf Daten in EU-Rechenzentren, wenn eine US-Muttergesellschaft Kontrolle hat - Serverstandort ist rechtlich irrelevant. | Amtliches Gutachten belegt: US-Konzerne mit EU-Servern unterliegen weiter US-Zugriffsrecht. Belegt NICHT Häufigkeit tatsächlicher Zugriffe. |
| BSDC-S-IDN-2024-429 Relevanz 3B1 | 01.10.2024 | Verbraucherbefragung zur passwortlosen Authentisierung mit Passkeys Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Recherche: DC Quelle öffnen → | 38% kennen Passkeys namentlich, nur 18% nutzen sie aktiv; 72% der Nutzenden haben hohes Vertrauen. | BSI-Umfrage zu Passkey-Bekanntheit/Nutzung. Keine Zahlen zu einzelnen Diensten. |
| BSDC-S-IDN-2025-433 Relevanz 4B1 | 2025 ⚠ nur Jahresangabe in der Quelle 2025 | Wer hat die elektronische Ausweisfunktion aktiviert? Michael E. Rose, Jörg Hoffmann, Dietmar Harhoff (Wirtschaftsdienst) Recherche: DC Quelle öffnen → | 35% der Erwachsenen haben eID-Funktion aktiviert; Spanne von 53,6% (Berlin) bis 22,4% (Saarland). | Repräsentative Umfrage, keine amtliche Vollerhebung, sagt nichts über Nutzungshäufigkeit. |
| BSDC-S-FND-2025-472 Relevanz 2D8 | 2025 ⚠ nur Jahresangabe in der Quelle 2025 | Umfragen zu Bossware-Verbreitung (ExpressVPN/Vanson Bourne) ExpressVPN / Vanson Bourne Recherche: DC Quelle öffnen → | 78% der US-Arbeitgeber nutzen Überwachungssoftware, 63% französische Unternehmen (500+ MA), ein Drittel UK-Unternehmen im Homeoffice. | Umfrage-Aggregator, keine Primärstudie, keine Deutschland-Zahlen. |
| BSDC-S-IDN-2025-489 Relevanz 3C5 | September 2025 09.2025 | Genetischer Datenschutz Wau Holland Stiftung / Gen-ethisches Netzwerk Recherche: DC Quelle öffnen → | Warnung vor Ausweitung polizeilicher DNA-Analyse; genetische Daten offenbaren auch Infos über Verwandte, nicht nachhaltig anonymisierbar. | DNA-Daten besonders heikel, betreffen auch Angehörige. |