Quellen-Tabelle
Alle erfassten Quellen mit Kernaussage und Klartext im Volltext.
| BSDC-ID | Datum | Titel & Quelle | Kernaussage | Klartext |
|---|---|---|---|---|
| BSDC-O-KOM-2012-2351 Relevanz 3CIA-Renditionsprogramm, Folter-und-Verschleppung, Staatsgeheimnisprivileg | 13.12.2012 | El Masri gegen Mazedonien: EGMR verurteilt CIA-Verschleppung eines deutschen Staatsbürgers Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (Große Kammer) Recherche: DC Quelle öffnen → | Der deutsche Staatsbürger Khaled El Masri wurde am 31.12.2003 an der Grenze zwischen Serbien und Mazedonien festgenommen und 23 Tage verhört. Am 23.01.2004 wurde er an ein CIA-Team übergeben, das ihn misshandelte und in ein Gefängnis in Afghanistan brachte, wo er bis zu seiner Freilassung in Albanien am 28.05.2004 festgehalten wurde. Der EGMR stellte am 13.12.2012 fest, dass Mazedonien gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoßen hat, unter anderem durch Folter im Rahmen des CIA-Renditionsprogramms, und verurteilte Mazedonien zu 60.000 Euro Entschädigung. | Nicht abschließend geklärt ist, welche einzelnen CIA-Mitarbeiter konkret verantwortlich waren, da in den USA keine strafrechtliche Verfolgung stattfand. Die Klage El Masri gegen Tenet wurde 2006 von US-Gerichten unter Berufung auf das Staatsgeheimnisprivileg abgewiesen. Die genaue Rolle Deutschlands blieb Gegenstand eines Bundestags-Untersuchungsausschusses und wurde nicht vollständig aufgeklärt. |
| BSDC-J-GER-2015-2352 Relevanz 3BND, NSA-Ueberwachung, Geheimdienstkontrolle | 30.04.2015 | BND-NSA-Selektorenaffäre: Deutscher Geheimdienst spionierte für USA europäische Ziele aus netzpolitik.org Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Frühjahr 2015 wurde bekannt, dass der BND für die NSA jahrelang Überwachungsziele erfasste, die gegen deutsche und westeuropäische Interessen gerichtet waren. Der BND übernahm rund eine Million von der NSA gelieferte Selektoren weitgehend ungeprüft. Im Oktober 2015 bestätigte die Bundesregierung dem Bundestag, dass bis zu 40.000 dieser Selektoren gegen deutsche Ziele gerichtet waren, betroffen waren unter anderem Ministerien und Unternehmen wie EADS. | Nicht geklärt ist, wie viele der rund eine Million Selektoren tatsächlich zur aktiven Überwachung führten. Die Zahl von 40.000 wurde von einigen Abgeordneten als zu niedrig angezweifelt, spätere Schätzungen sprachen von bis zu 459.000 fragwürdigen Selektoren insgesamt. Die vollständige Selektorenliste wurde dem Untersuchungsausschuss unter Berufung auf US-Geheimhaltungsinteressen lange vorenthalten. |
| BSDC-J-IDN-2016-2353 Relevanz 3Datenleck, Tuerkei, Waehlerdaten | 06.04.2016 | Datenbank-Leak: Persönliche Daten von fast 50 Millionen türkischen Bürgern veröffentlicht The Hacker News Recherche: DC Quelle öffnen → | Anfang April 2016 wurde eine Datenbank mit 49.611.709 Datensätzen türkischer Bürger veröffentlicht, mit nationalen Personalausweisnummern, Namen, Adressen und Elternnamen. Betroffen waren auch Präsident Recep Tayyip Erdogan und sein Vorgänger Abdullah Gül. Die Angreifer hinterließen eine politisch motivierte Botschaft. Der türkische Justizminister bestätigte eine strafrechtliche Untersuchung. | Nicht geklärt ist, wer die Datenbank entwendet hat und auf welchem Weg. Die Herkunft der Daten wurde von türkischen Behörden nie offiziell bestätigt. Die Echtheit wurde nur stichprobenartig geprüft, eine vollständige forensische Verifizierung aller rund 50 Millionen Einträge fand nicht statt. |
| BSDC-J-KOM-2013-2354 Relevanz 3Whistleblowing, Ueberwachung, Informationsfreiheit | 21.08.2013 | Chelsea Manning wegen Weitergabe von US-Militärdokumenten an WikiLeaks zu 35 Jahren Haft verurteilt NPR Recherche: DC Quelle öffnen → | Die damalige Armeeanalystin Chelsea Manning übergab 2010 mehrere Hunderttausend geheime US-Militärdokumente und diplomatische Depeschen an WikiLeaks, darunter das Video Collateral Murder. Im Juli 2013 wurde sie in 20 von 22 Anklagepunkten schuldig gesprochen, jedoch vom Vorwurf der Feindbegünstigung freigesprochen. Am 21.08.2013 verurteilte das Militärgericht sie zu 35 Jahren Haft, die höchste je gegen eine Person wegen Geheimnisverrats an die Presse verhängte Strafe in der US-Geschichte. Im Januar 2017 wandelte Präsident Obama die Reststrafe um, Manning kam im Mai 2017 frei. | Die genaue Zahl der weitergegebenen Dokumente schwankt zwischen rund 700.000 und mehr als 750.000 je nach Quelle. Das Verteidigungsministerium konnte im Prozess keinen direkten Todesfall infolge der Leaks nachweisen. Offen bleibt, in welchem Umfang unredigierte Namen lokaler Informanten zu deren Gefährdung führten. |
| BSDC-J-KOM-2022-2355 Relevanz 3Ueberwachung, Whistleblowing, Russland-USA-Beziehungen | 26.09.2022 | Putin verleiht Edward Snowden die russische Staatsbürgerschaft The Moscow Times Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 26.09.2022 unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Dekret, das dem früheren NSA-Vertragsmitarbeiter Edward Snowden die russische Staatsbürgerschaft verlieh. Snowden lebt seit 2013 im russischen Exil, nachdem er als NSA-Auftragnehmer geheime Dokumente über globale Überwachungsprogramme an Journalisten weitergegeben hatte. In den USA liegt gegen ihn weiterhin eine 2013 erhobene Anklage wegen Spionage vor. | Nicht dokumentiert ist, ob Snowden im Zuge der Einbürgerung 2022 seine US-Staatsbürgerschaft aufgegeben hat. Er hatte 2020 erklärt, seinen amerikanischen Pass behalten zu wollen. Nicht belegt ist, ob und in welchem Umfang Snowden im Gegenzug mit russischen Behörden kooperiert hat, wie in westlichen Medien spekuliert wurde. |
| BSDC-P-IDN-2015-2356 Relevanz 3Datenleck, Erpressung, Identitaetsdiebstahl | 14.12.2016 | Ashley-Madison-Hack: Datenleck der Seitensprung-Plattform und FTC-Verfahren Federal Trade Commission (FTC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Juli 2015 drang eine Gruppe namens The Impact Team in die Systeme von Avid Life Media ein, dem Betreiber der Seitensprung-Plattform Ashley Madison. Im August 2015 veröffentlichten die Angreifer Nutzerdaten von rund 36 Millionen Konten weltweit, darunter Namen, E-Mail-Adressen und sexuelle Präferenzen. Am 14.12.2016 einigte sich der Betreiber mit der FTC und 13 Bundesstaaten auf eine Zahlung von 17,5 Millionen US-Dollar wegen unzureichender Datensicherheit. | Die Zahl der betroffenen Konten wird uneinheitlich angegeben, Medienberichte von 2015 sprachen von rund 32 Millionen, die FTC nennt 2016 offiziell 36 Millionen. Eine belastbare, verifizierte Gesamtzahl von Suiziden im Zusammenhang mit der Veröffentlichung liegt nicht vor. Die Identität der Hackergruppe The Impact Team wurde nie öffentlich aufgeklärt. |
| BSDC-P-KOM-2024-2357 Relevanz 3Pressefreiheit, WikiLeaks, Auslieferungsverfahren | 25.06.2024 | Julian Assange bekennt sich schuldig und wird im Deal mit den USA freigelassen U.S. Department of Justice, Office of Public Affairs Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 25.06.2024 bekannte sich Julian Assange vor einem US-Bundesgericht in Saipan schuldig, mit Chelsea Manning zur unrechtmäßigen Beschaffung und Veröffentlichung geheimer Verteidigungsdokumente verschworen zu haben. Nach Jahren in der ecuadorianischen Botschaft, Festnahme 2019 und Haft im Gefängnis Belmarsh wurde ihm eine Haftstrafe von 62 Monaten zugemessen, die der bereits verbüßten Zeit entsprach, sodass er ohne weitere Haft freikam und nach Australien zurückkehrte. | Nicht dokumentiert ist, welche konkreten Verhandlungen zwischen Assanges Verteidigung, der australischen Regierung und dem US-Justizministerium im Vorfeld stattfanden. Die genaue Zahl der durch die Veröffentlichungen 2010/2011 gefährdeten Personen ist nicht abschließend verifiziert. Es kam durch den Deal nicht zu einem abschließenden britischen Gerichtsurteil in der Sache. |
| BSDC-J-KOM-2013-2358 Relevanz 3NSA-Ueberwachung, Snowden-Enthuellungen, Deutsch-Amerikanische-Beziehungen | 27.10.2013 | Handygate: NSA-Überwachung von Angela Merkels Mobiltelefon Der Spiegel Recherche: DC Quelle öffnen → | Der Spiegel enthüllte am 23. und 27.10.2013 anhand von Snowden-Dokumenten, dass die NSA das Mobiltelefon von Bundeskanzlerin Angela Merkel abgehört hat, möglicherweise seit 2002. Merkel telefonierte daraufhin mit Präsident Obama, der zusicherte, das Abhören werde nicht fortgesetzt. Der Vorfall führte zu diplomatischen Verstimmungen und zur Einsetzung des NSA-Untersuchungsausschusses ab März 2014. Die Bundesanwaltschaft stellte ihre 2014 eingeleiteten Ermittlungen im Juni 2015 mangels gerichtsverwertbarer Beweise ein. | Nicht abschließend geklärt ist, seit wann genau die Überwachung begann, das Datum 2002 stammt aus einem einzelnen NSA-Dokument. Die Bundesanwaltschaft konnte das Originaldokument nicht sichern, da es nur als Kopie vorlag, was die Verfahrenseinstellung 2015 mitbegründete. Ein geplantes No-Spy-Abkommen zwischen Deutschland und den USA kam nie zustande. |
| BSDC-P-KOM-2024-2359 Relevanz 3CIA-Hacking-Tools, WikiLeaks, Insider-Threat | 01.02.2024 | Vault-7-Leak: Ex-CIA-Mitarbeiter Joshua Schulte zu 40 Jahren Haft verurteilt U.S. Department of Justice, U.S. Attorney's Office SDNY Recherche: DC Quelle öffnen → | Der frühere CIA-Softwareentwickler Joshua Schulte wurde am 01.02.2024 zu 40 Jahren Haft verurteilt. Er hatte 2016 geheime Hacking-Tools und Cyberwaffen der CIA an WikiLeaks weitergegeben, die diese ab dem 07.03.2017 unter dem Namen Vault 7 veröffentlichte, laut CIA der größte Diebstahl geheimer Unterlagen in ihrer Geschichte mit rund 8.761 Dokumenten. Ein New Yorker Bundesgericht sprach Schulte im Juli 2022 in einem dritten Prozess schuldig, nachdem zwei vorherige Prozesse 2020 mit hängender Jury endeten. Zusätzlich wurde er wegen Besitzes kinderpornografischen Materials verurteilt. | Nicht öffentlich dokumentiert ist, welchen konkreten operativen Schaden die Vault-7-Veröffentlichung für laufende CIA-Operationen verursachte. Schulte bestritt die Tat durchgehend und bezeichnete sich als Opfer einer Verschwörung. Unklar bleibt, ob WikiLeaks vor der Veröffentlichung tatsächlich alle betroffenen Hersteller informierte, wie behauptet wurde. |
| BSDC-J-KOM-2024-2360 Relevanz 3Ueberwachung, Polizeikooperation, Smart-Home-Kameras | 24.01.2024 | Amazon Ring beendet Kooperationstool für Polizei-Videoanfragen ohne Durchsuchungsbeschluss CNBC Recherche: DC Quelle öffnen → | Amazon kündigte am 24.01.2024 an, das Tool Request for Assistance in seiner App Neighbors einzustellen, über das Polizeibehörden seit 2021 öffentlich sichtbare Anfragen nach Ring-Kameravideos stellen konnten. Bis dahin hatten mehr als 2.000 US-Polizei- und Feuerwehrbehörden Zugang zu diesem System, über das Nutzer freiwillig Videomaterial ohne richterliche Anordnung teilen konnten. Polizeibehörden können Ring-Videomaterial weiterhin per Durchsuchungsbeschluss anfordern. | Nicht dokumentiert ist die Gesamtzahl aller jemals gestellten Anfragen. Unklar bleibt, in welchem Umfang Polizeibehörden Ring-Nutzer seit der Abschaltung weiterhin informell zur freiwilligen Herausgabe bewegen. Amazon stellt die Entscheidung nicht als Reaktion auf konkreten rechtlichen Druck dar. |
| BSDC-P-IDN-2021-2361 Relevanz 3Datenschutz, Gesundheitsdaten, DSGVO-Bussgeld | 13.12.2021 | Grindr-Bußgeld wegen Weitergabe von HIV-Status-Daten Datatilsynet (Norwegische Datenschutzbehörde) Recherche: DC Quelle öffnen → | Datatilsynet stellte fest, dass die Dating-App Grindr zwischen 2018 und 2020 persönliche Daten ihrer Nutzer, darunter Standortdaten und Angaben wie HIV-Status und PrEP-Einnahme, ohne gültige Rechtsgrundlage an Werbepartner weitergab. Am 13.12.2021 verhängte die Behörde eine endgültige Geldbuße von 65 Millionen norwegischen Kronen, rund 5,7 Millionen Euro, wegen fehlender wirksamer Einwilligung nach Artikel 6 und 9 DSGVO. | Nicht geklärt ist, wie viele der weltweit rund 12,5 Millionen täglichen Nutzer tatsächlich betroffen waren. Das ursprünglich angekündigte Bußgeld von 9,6 Millionen Euro wurde nach Anhörung auf 5,7 Millionen Euro reduziert, ohne dass die Berechnungsmethode vollständig transparent gemacht wurde. Ein norwegisches Berufungsgericht bestätigte die Buße erst 2025. |
| BSDC-J-KOM-2018-2362 Relevanz 3Standortdaten, Datenhaendler, Ueberwachung-durch-Strafverfolgung | 17.05.2018 | LocationSmart und Securus: Standortdaten von US-Mobilfunkkunden ungeschützt zugänglich Krebs on Security (Brian Krebs) Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Mai 2018 deckte ein Sicherheitsforscher auf, dass die Demo-Funktion von LocationSmart ohne Authentifizierung Echtzeit-Standortdaten von Kunden aller vier großen US-Mobilfunkanbieter preisgab. LocationSmart verkaufte Standortdaten an Drittanbieter, darunter Securus Technologies, das Strafverfolgungsbehörden Zugriff auf Echtzeit-Standortdaten gegen ein einfaches Ankreuzen einer rechtlichen Berechtigung bot, ohne diese zu prüfen. Als Reaktion kündigten alle vier Mobilfunkanbieter ihre Vereinbarungen mit LocationSmart. | Nicht dokumentiert ist, wie viele Personen tatsächlich unrechtmäßig geortet wurden und wie lange die Lücke bereits bestand. Das tatsächliche Ausmaß des Missbrauchs durch Strafverfolgungsbehörden blieb ungeklärt. Erst 2020, mehr als zwei Jahre später, verhängte die FCC Bußgelder gegen die Mobilfunkanbieter. |
| BSDC-O-GER-1987-2363 Relevanz 3Volkszaehlungsurteil, Informationelle-Selbstbestimmung, Buergerprotest-Datenschutz | 25.05.1987 | Volkszählungsboykott 1987 nach dem Volkszählungsurteil Bundesverfassungsgericht / Dokumentation Volkszählung 1987 Recherche: DC Quelle öffnen → | Nach dem Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15.12.1983 wurde die ursprünglich für 1983 geplante Volkszählung gestoppt und erst zum Stichtag 25.05.1987 in überarbeiteter Form durchgeführt. Für den Zensus 1987 wurden personenbezogene Angaben von den Fragebögen getrennt, um die Anonymität stärker zu schützen. Vor allem in Großstädten formierte sich eine breite Boykottbewegung gegen den Abgleich der Zählungsdaten mit den Melderegistern. | Die genaue Zahl der Boykottteilnehmer ist nicht zuverlässig belegt und lässt sich im Nachhinein nicht rekonstruieren. Neben dem offenen Boykott gab es einen heimlichen Boykott durch bewusst falsche Angaben, der sich statistisch nicht erfassen lässt. Unklar bleibt, in welchem Umfang die Protestbewegung tatsächlich Einfluss auf spätere Datenschutzgesetzgebung hatte. |
| BSDC-P-FIN-2024-2364 Relevanz 3Kryptowaehrungen, Anlagebetrug, Unternehmenszusammenbruch | 28.03.2024 | FTX-Gründer Sam Bankman-Fried zu 25 Jahren Haft verurteilt U.S. Attorney's Office, Southern District of New York (Department of Justice) Recherche: DC Quelle öffnen → | Sam Bankman-Fried, Gründer der Kryptobörse FTX und der Handelsfirma Alameda Research, wurde am 28.03.2024 zu 25 Jahren Haft verurteilt. Er hatte Kundengelder von FTX in Milliardenhöhe veruntreut, Investoren um mehr als 1,7 Milliarden US-Dollar betrogen und Kreditgeber von Alameda um mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar geschädigt. Eine Jury befand ihn im November 2023 in allen sieben Anklagepunkten für schuldig. FTX war im November 2022 zusammengebrochen. Das Gericht ordnete eine Vermögenseinziehung von rund 11 Milliarden US-Dollar an. | Nicht abschließend geklärt ist die genaue Höhe des tatsächlichen Kundenschadens, da die Insolvenzverwaltung nach dem Zusammenbruch einen erheblichen Teil der Vermögenswerte durch Verkäufe wiederbeschaffte. Umstritten bleibt, welchen Anteil am Zusammenbruch strukturelle Schwächen der Kryptobranche insgesamt hatten gegenüber individuellem kriminellem Handeln. |
| BSDC-P-FIN-2024-2365 Relevanz 3Kryptowaehrungen, Anlagebetrug, Marktmanipulation | 13.06.2024 | SEC-Urteil gegen Terraform Labs und Do Kwon nach Terra-Luna-Kollaps U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Eine Jury befand Terraform Labs und Mitgründer Do Kwon am 05.04.2024 einstimmig des Wertpapierbetrugs für schuldig, im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Stablecoins TerraUSD und des Tokens Luna im Mai 2022, bei dem das Terra-Ökosystem nach SEC-Angaben rund 40 Milliarden US-Dollar an Marktwert verlor. Am 12.06.2024 bestätigte das Gericht ein finales Urteil über 4,5 Milliarden US-Dollar, davon rund 3,59 Milliarden Gewinnabschöpfung. Kwon und Terraform Labs wurde dauerhaft der Handel mit Krypto-Wertpapieren untersagt. | Nicht abschließend geklärt ist, wie viel des zugesprochenen Betrags tatsächlich zurückerhalten wird, da Terraform Labs zum Urteilszeitpunkt bereits weitgehend zahlungsunfähig war. Offen bleibt der Ausgang paralleler strafrechtlicher Verfahren gegen Do Kwon in den USA und Südkorea sowie Fragen zu seiner Auslieferung. |
| BSDC-J-IDN-2018-2366 Relevanz 3Wahlmanipulation, SCL-Group, Entwicklungslaender | 30.03.2018 | SCL Group und Wahlmanipulation in Nigeria 2007 The Globe and Mail Recherche: DC Quelle öffnen → | Ein internes Werbedokument der SCL Group, Muttergesellschaft von Cambridge Analytica, wurde am 29.03.2018 vom Whistleblower Christopher Wylie an einen Ausschuss des britischen Unterhauses übergeben. Darin beschreibt SCL die eigene Arbeit für die nigerianische Regierung bei der Wahl 2007, unter anderem organisierte Antiwahl-Kundgebungen zur Wählerabschreckung in Oppositionshochburgen. Internationale Wahlbeobachter bewerteten die Wahl 2007 als eine der schlechtesten je beobachteten. | Nicht dokumentiert ist, in welchem Umfang die von SCL beschriebenen Taktiken tatsächlich zum Wahlausgang 2007 beitrugen. Das zentrale Beweisstück ist eine unternehmenseigene Werbebroschüre, die die eigene Wirksamkeit möglicherweise überzeichnet. Eine unabhängige Verifikation durch Dritte liegt nicht vor. |
| BSDC-P-FIN-2020-2367 Relevanz 3Geldwaesche, Korrespondenzbanken, Bankenaufsicht | 07.07.2020 | Deutsche Bank als Korrespondenzbank für Danske Bank Estland: 150-Millionen-Dollar-Strafzahlung New York State Department of Financial Services (NYDFS) Recherche: DC Quelle öffnen → | Die NYDFS verhängte am 07.07.2020 eine Strafe von 150 Millionen US-Dollar gegen die Deutsche Bank wegen Compliance-Versäumnissen im Zusammenhang mit drei ehemaligen Kunden, darunter die estnische Niederlassung der Danske Bank. Die Deutsche Bank stufte Danske Estonia zwar mit höchster Risikokategorie ein, ergriff aber trotz interner Hinweise keine ausreichenden Maßnahmen, um zu verhindern, dass Milliarden Dollar verdächtiger Transaktionen über ihre New Yorker Konten flossen. | Die exakte Summe der über die Deutsche Bank abgewickelten verdächtigen Transaktionen wird in der NYDFS-Mitteilung nicht beziffert. Offen bleibt, in welchem Umfang einzelne Mitarbeiter vorsätzlich handelten oder es sich um systemische Kontrolldefizite handelte, da die Konsequenz eine zivilrechtliche Aufsichtsstrafe ohne strafrechtliche Anklage war. |
| BSDC-P-FIN-2016-2368 Relevanz 3Dieselgate, Unternehmenskriminalitaet, USA-Regulierung | 28.06.2016 | Volkswagen Dieselgate USA: EPA-Ermittlungen und 14,7-Milliarden-Dollar-Vergleich U.S. Department of Justice / U.S. EPA Recherche: DC Quelle öffnen → | Volkswagen erklärte sich am 28.06.2016 bereit, bis zu 14,7 Milliarden US-Dollar zu zahlen, um Vorwürfe wegen manipulierter Abgastests bei rund 500.000 Dieselfahrzeugen beizulegen. VW hatte eine Software eingebaut, die den Prüfstandstest erkannte und nur dann die volle Abgasreinigung aktivierte. Im Januar 2017 bekannte sich VW zusätzlich in einem Strafverfahren schuldig und zahlte weitere 4,3 Milliarden Dollar. Der ehemalige VW-Manager Oliver Schmidt wurde am 06.12.2017 zu sieben Jahren Haft verurteilt. | Nicht öffentlich dokumentiert ist, wer innerhalb der VW-Konzernspitze in Wolfsburg wann genau von der Manipulation wusste, die eigentliche Konzernführung wurde strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen. Die Gesamtzahl weltweit betroffener Fahrzeuge von rund 11 Millionen stammt aus VW-eigenen Angaben, nicht unabhängig verifiziert. |
| BSDC-J-IDN-2020-2369 Relevanz 3Datenleck, Erpressung, Gesundheitsdaten | 02.05.2024 | Vastaamo-Hack Finnland: Erpressung von Psychotherapie-Patienten mit Sitzungsnotizen Malwarebytes Recherche: DC Quelle öffnen → | Im Oktober 2020 wurde die finnische Psychotherapie-Praxiskette Vastaamo gehackt, wobei vertrauliche Behandlungsnotizen von rund 30.000 Patienten entwendet wurden. Der Täter, später als Julius Kivimäki identifiziert, forderte zunächst rund 400.000 bis 450.000 Euro von Vastaamo. Als das Unternehmen nicht zahlte, verschickte er individuelle Erpressungs-E-Mails an tausende Patienten mit Forderungen von jeweils rund 200 Euro und veröffentlichte einen Teil der Daten dennoch. Kivimäki wurde im April 2024 zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. | Die Zahl der tatsächlich betroffenen Patienten schwankt zwischen rund 22.000 und über 30.000 und ist nicht abschließend amtlich bestätigt. Unklar bleibt, wie viele Patienten tatsächlich Lösegeld zahlten. Der von Medien berichtete Zusammenhang mit mindestens einem Suizid ist medial kolportiert, aber nicht gerichtlich als Kausalzusammenhang festgestellt worden. |
| BSDC-J-FIN-2016-2370 Relevanz 3CEO-Fraud, Business-Email-Compromise, Bankbetrug | 26.01.2016 | CEO-Fraud bei Crelan Bank: 70 Millionen Euro Schaden durch BEC-Betrug Help Net Security Recherche: DC Quelle öffnen → | Die belgische Bank Crelan, Tochtergesellschaft der Crédit-Agricole-Gruppe, verlor durch einen Business-Email-Compromise-Betrug rund 70 Millionen Euro. Täter gaben sich per E-Mail als Geschäftsführung aus und wiesen einen Mitarbeiter der Finanzabteilung an, eine Zahlung an ein von ihnen kontrolliertes Konto zu veranlassen. Der Betrug wurde durch interne Revision aufgedeckt, nachdem das Geld bereits überwiesen worden war. | Nicht dokumentiert ist, welche Personen konkret hinter dem Betrug standen und ob Täter je identifiziert oder verurteilt wurden. Die genaue technische Vorgehensweise ist in den verfügbaren Quellen nicht abschließend geklärt. Die Schadenssumme wird uneinheitlich zwischen 70 Millionen Euro und rund 75,8 Millionen US-Dollar angegeben. |
| BSDC-J-FIN-2019-2371 Relevanz 3CEO-Fraud, Business-Email-Compromise, Finanzkriminalitaet | 09.09.2019 | Toyota Boshoku Europe: CEO-Fraud mit rund 37 Millionen Dollar Schaden BleepingComputer Recherche: DC Quelle öffnen → | Eine europäische Tochtergesellschaft von Toyota Boshoku verlor am 14.08.2019 durch einen Business-Email-Compromise-Angriff rund 4 Milliarden Yen, umgerechnet etwa 37,47 Millionen US-Dollar. Ein Mitarbeiter wurde per gefälschter E-Mail-Anweisung dazu gebracht, eine vermeintliche Lieferantenrechnung an ein von den Tätern kontrolliertes Konto zu überweisen. Toyota Boshoku bestätigte den Vorfall, leitete eine Untersuchung ein und schaltete lokale Behörden ein. | Nicht öffentlich dokumentiert sind der genaue technische Ablauf des Angriffs sowie der Name der konkret betroffenen europäischen Tochtergesellschaft. Unklar bleibt, wie viel des Geldes letztlich zurückgeholt werden konnte und ob täterseitig jemand identifiziert wurde. |
| BSDC-J-FIN-2014-2372 Relevanz 3Kryptowaehrungen, Insolvenzrecht, Boersenhack | 28.02.2014 | Mt. Gox Zusammenbruch: Verlust von 850.000 Bitcoin und jahrelanges Entschädigungsverfahren Decrypt Recherche: DC Quelle öffnen → | Die japanische Bitcoin-Börse Mt. Gox stoppte im Februar 2014 alle Kundenabhebungen und meldete am 28.02.2014 in Tokio Insolvenz an, nachdem 850.000 Bitcoin von Kunden aus ihren Wallets verschwunden waren, damals rund 473 Millionen US-Dollar wert. 2021 genehmigte das Bezirksgericht Tokio einen Plan zur zivilen Rehabilitation für rund 24.000 Gläubiger. Die tatsächlichen Auszahlungen begannen am 05.07.2024, wobei viele Gläubiger wegen des gestiegenen Bitcoin-Kurses in US-Dollar mehr erhielten als sie 2014 verloren hatten. | Nicht abschließend geklärt ist, wie genau die 850.000 Bitcoin verschwanden, es kursieren mehrere Erklärungen von Hackerangriff bis technischem Missmanagement. Von den ursprünglich verlorenen Coins wurden später etwa 200.000 wiedergefunden, der Verbleib des Rests bleibt ungeklärt. Der ursprünglich für Oktober 2024 angesetzte Abschluss der Rückzahlungen wurde mehrfach verschoben, zuletzt auf Oktober 2026. |
| BSDC-P-FIN-2023-2373 Relevanz 3Finanzkriminalitaet, Kryptowaehrungen, Geldwaesche | 21.11.2023 | Binance-Einigung mit US-Justizministerium wegen Geldwäsche US Department of Justice Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 21.11.2023 bekannte sich Binance Holdings Limited vor einem US-Bundesgericht in drei Anklagepunkten schuldig, darunter Verstoß gegen den Bank Secrecy Act. Das Unternehmen einigte sich auf Zahlungen von über 4,3 Milliarden US-Dollar. Gründer und CEO Changpeng Zhao bekannte sich ebenfalls persönlich schuldig und trat zurück. Laut DOJ ermöglichte Binance über fünf Jahre Transaktionen von Nutzern aus sanktionierten Ländern mit Verbindungen zu Hamas und dem Islamischen Staat, Gesamtvolumen fast eine Milliarde US-Dollar. | Der exakte Gesamtbetrag der finanziellen Belastung ist nicht abschließend geklärt, da neben der DOJ-Zahlung zusätzliche Summen an FinCEN und OFAC vereinbart wurden. Die Zahl von fast einer Milliarde Dollar an Transaktionen mit Bezug zu sanktionierten Akteuren stammt aus der DOJ-Darstellung, nicht aus einem unabhängigen Gerichtsurteil. |
| BSDC-P-FIN-2002-2374 Relevanz 3Bilanzfaelschung, Wirtschaftspruefung, Unternehmensinsolvenz | 15.06.2002 | Enron-Bilanzskandal und Verurteilung von Arthur Andersen U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 15.06.2002 sprach eine Jury in Houston die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen der Behinderung der Justiz schuldig, weil Mitarbeiter im Herbst 2001 systematisch Dokumente zur Enron-Prüfung vernichtet hatten. Enron hatte durch Zweckgesellschaften Verluste außerhalb der Bilanz verborgen und meldete am 02.12.2001 Insolvenz an, damals die größte Unternehmensinsolvenz der US-Geschichte. Infolge der Verurteilung durfte Andersen ab dem 31.08.2002 nicht mehr vor der SEC praktizieren und stellte den Geschäftsbetrieb ein, rund 85.000 Arbeitsplätze weltweit waren betroffen. | Der Oberste Gerichtshof hob das Urteil gegen Arthur Andersen 2005 wegen fehlerhafter Jury-Anweisungen wieder auf, ohne dass es zu einer erneuten Verfolgung kam, da die Firma bereits nicht mehr existierte. Unklar bleibt, in welchem Umfang einzelne Andersen-Partner außerhalb von Houston von der Aktenvernichtung wussten. |
| BSDC-P-FIN-2019-2375 Relevanz 3Wirecard, BaFin-Aufsichtsversagen, Leerverkaufsverbot | 18.02.2019 | Wirecard-Skandal: BaFin-Leerverkaufsverbot und Strafanzeigen gegen Financial-Times-Reporter BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) Recherche: DC Quelle öffnen → | Am 18.02.2019 erließ die BaFin ein Verbot von Netto-Leerverkaufspositionen in Wirecard-Aktien bis zum 18.04.2019. Die Maßnahme folgte auf Financial-Times-Berichte vom 30.01.2019 über mögliche Bilanzmanipulationen bei einer Wirecard-Tochter in Singapur. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelte zudem wegen Marktmanipulation gegen die FT-Journalisten und gegen Leerverkaufshändler. Sechzehn Monate später meldete Wirecard Insolvenz an, nachdem 1,9 Milliarden Euro auf angeblichen Treuhandkonten auf den Philippinen nicht auffindbar waren. | Die gegen die FT-Journalisten eingeleiteten Ermittlungen wurden später eingestellt, ohne dass eine Straftat nachgewiesen wurde. Umstritten und Gegenstand eines späteren Bundestags-Untersuchungsausschusses blieb, ob die BaFin durch Verbot und Anzeigen berechtigte Kritik unterdrückte. Feste Schadensersatzsummen gegenüber der BaFin wurden von deutschen Gerichten in mehreren Verfahren abgelehnt. |