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Gesetzesgrundlagen

Gesetzesgrundlagen

Recht. Einfach. Verständlich.

Gesetzestexte, Verordnungen und Urteile im Original – mit Kernaussage, Status (in Kraft, im Verfahren, Diskussion) und einem Klartext, was sie wirklich bedeuten.

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Primärquelle

Interim-Verordnung — Verordnung (EU) 2021/1232 (freiwilliges Scannen, Übergangsregelung)

Regelt die *freiwillige* Erkennung von CSAM durch Kommunikationsdienste als befristete Ausnahme von der ePrivacy-Richtlinie — Vorläufer und rechtlicher Unterschied zur geplanten *verpflichtenden* Aufdeckungsanordnung im Hauptverfahren (BSDC-P-KOM-2022-001). Genau diese Unterscheidung fehlt in den meisten Laien-Zusammenfassungen.

Europäisches Parlament und Rat

14.07.2021· in Kraft

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Das hier ist NICHT die Chatkontrolle. Das ist eine ältere, freiwillige Regel, die es Firmen erlaubt (nicht zwingt), selbst nach Missbrauchsbildern zu suchen. Wichtig, damit man beide nicht verwechselt.

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Kaseya-VSA-Ransomware-Angriff durch REvil

Am 2. Juli 2021 nutzte die Gruppe REvil eine Schwachstelle (CVE-2021-30116) in der Kaseya-VSA-Software aus, um über ein manipuliertes Update Ransomware an IT-Dienstleister und deren Kunden zu verteilen. CISA und FBI bestätigten den Vorfall offiziell und Kaseya selbst gab an, dass bis zu etwa 60 direkte Kunden und in der Folge bis zu 1500 nachgelagerte Unternehmen betroffen waren. REvil forderte öffentlich 70 Millionen US-Dollar Lösegeld, und Kaseya erhielt am 23. Juli 2021 von einer nicht näher benannten Quelle einen universellen Entschlüsselungscode, ohne nach eigenen Angaben zu zahlen.

CISA und FBI

04.07.2021

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Offen bleibt, wie genau der universelle Entschlüsselungscode zustande kam und ob im Hintergrund doch eine Zahlung floss, da Kaseya dies nur allgemein dementierte. Die genaue Gesamtzahl der tatsächlich verschlüsselten Endkunden weltweit wurde nie abschließend verifiziert. Auch die exakte Schadenssumme bei den betroffenen Unternehmen wurde nicht offiziell beziffert.

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Pegasus-Projekt: NSO-Spyware zielte auf mindestens 180 Journalisten in 20 Ländern, 67 Telefone forensisch als infiziert bestätigt

Das Pegasus-Projekt war eine Zusammenarbeit von über 80 Journalisten aus 17 Medienorganisationen in 10 Ländern, koordiniert von der Pariser Non-Profit-Organisation Forbidden Stories in Partnerschaft mit dem Amnesty International Security Lab. Die Recherche stützte sich auf einen Datensatz mit über 50.000 Telefonnummern, die seit 2016 als potenzielle Zielpersonen von Kunden der israelischen Überwachungsfirma NSO Group identifiziert worden sein sollen. Die Untersuchung identifizierte mindestens 180 Journalisten in 20 Ländern, die zwischen 2016 und Juni 2021 für eine mögliche Überwachung mit der Pegasus-Spyware ausgewählt wurden, unter anderem in Aserbaidschan, Ungarn, Indien und Marokko, Ländern mit verstärktem Vorgehen gegen unabhängige Medien. Das Amnesty International Security Lab führte forensische Analysen an den Telefonen von mehr als einem Dutzend dieser Journalisten durch und bestätigte bei insgesamt 67 untersuchten Telefonen erfolgreiche Infektionen über eine Sicherheitslücke in iPhones, trotz NSO Groups Behauptung, die Technologie sei ausschließlich für legitime Strafverfolgungszwecke bestimmt.

Amnesty International Security Lab / Forbidden Stories

01.07.2021

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Die Liste von über 50.000 Telefonnummern zeigt potenzielle Zielauswahl durch NSO-Kunden, nicht zwingend erfolgreiche Infektionen; forensisch bestätigt wurden Infektionen nur bei den 67 tatsächlich untersuchten Geräten.

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Operation Trojan Shield: FBI-Kryptohandy-Falle Anom

Das FBI und internationale Partnerbehörden aus 16 Ländern, darunter Europol und die australische AFP, betrieben ab 2018 verdeckt den Kryptohandy-Dienst Anom, der bei Kriminellen als abhörsicher galt. Rund 12.000 Geräte wurden an etwa 300 kriminelle Gruppen weltweit verkauft. Bei der Bekanntgabe am 8. Juni 2021 meldeten die Behörden über 800 Festnahmen, mehr als 27 Millionen mitgelesene Nachrichten sowie Sicherstellungen von mehreren Tonnen Drogen, Hunderten Schusswaffen und rund 48 Millionen US-Dollar in bar.

FBI (Federal Bureau of Investigation), in Zusammenarbeit mit Europol und AFP

08.06.2021

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Nicht vollständig offengelegt ist, wie die technische Verschlüsselungshintertür im Detail funktionierte und welche genaue Rolle die ursprüngliche Vertrauensperson bei der Entwicklung von Anom spielte. Offen bleibt zudem, wie viele der weltweiten Anom-Nutzer am Ende tatsächlich in nationalen Strafverfahren rechtskräftig verurteilt wurden.

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Ransomware-Angriff auf IT-Dienstleister Advania trifft norwegische Kunden

Im Juni 2021 wurde der isländisch-nordische IT-Dienstleister Advania Opfer eines Ransomware-Angriffs ueber eine Sicherheitsluecke in einer Kundenmanagement-Software (spaeter als Kaseya-VSA-Zulieferkette bekannt). Betroffen waren rund 850 Kunden von Advania, darunter norwegische Unternehmen und Behoerden.

Reuters

08.06.2021

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Der Bericht basiert auf einer kurzen Reuters-Meldung; genaue Zahl und Art der tatsaechlich kompromittierten Daten sowie ein etwaiges Loesegeld sind darin nicht belegt.

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Colonial-Pipeline-Ransomware-Angriff

Die Ransomware-Gruppe DarkSide legte am 7. Mai 2021 mit einem Cyberangriff den Betrieb der Colonial Pipeline lahm, die etwa 45 Prozent des Treibstoffs für die US-Ostküste liefert und rund 8800 Kilometer lang ist. Colonial Pipeline zahlte ein Lösegeld von 75 Bitcoin, umgerechnet rund 4,4 Millionen US-Dollar. Das US-Justizministerium gab am 7. Juni 2021 bekannt, per gerichtlich genehmigtem Beschluss 63,7 Bitcoin (rund 2,3 Millionen US-Dollar) davon sichergestellt zu haben.

U.S. Department of Justice

07.06.2021

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Offen bleibt, wer die einzelnen Mitglieder der DarkSide-Gruppe konkret sind und wie genau die Ermittler an den privaten Schlüssel der genutzten Bitcoin-Wallet gelangten. Unklar ist auch, ob der plötzliche Ausfall der DarkSide-Infrastruktur wenige Tage nach dem Angriff auf Behördenmaßnahmen oder auf einen freiwilligen Rückzug der Täter zurückgeht. Der Verbleib des nicht sichergestellten Teils des Lösegelds ist nicht dokumentiert.

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Google-Adtech-Bußgeld Frankreich: 220 Millionen Euro

Die französische Wettbewerbsbehörde verhängte am 07.06.2021 ein Bußgeld von 220 Millionen Euro gegen Google wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung bei Ad-Servern, indem Google seine eigenen Dienste DoubleClick for Publishers und AdX bevorzugte. Auslöser war eine Beschwerde von News Corp aus 2019. Google ging im Vergleichsverfahren Verpflichtungen zur Interoperabilität mit Dritt-SSPs ein.

Autorité de la concurrence (Frankreich)

07.06.2021

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Ob die Interoperabilitäts-Verpflichtungen in der Praxis tatsächlich Wettbewerb wiederherstellten, ist nicht im Detail nachgezeichnet. Das Verhältnis zu späteren, umfassenderen EU-Kommissionsverfahren gegen Googles Adtech-Geschäft bleibt offen.

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Colonial-Pipeline-Ransomware-Angriff und teilweise Rücknahme des Lösegelds durch das FBI

Am 07.05.2021 legte die Ransomware-Gruppe DarkSide die IT-Systeme von Colonial Pipeline lahm, dem größten Treibstoffpipelinebetreiber der US-Ostküste, was zu tagelangen Kraftstoffengpässen führte. Colonial Pipeline zahlte am selben Tag ein Lösegeld von 75 Bitcoin, damals rund 4,4 Millionen US-Dollar wert. Am 07.06.2021 gab das US-Justizministerium bekannt, dass FBI-Ermittler durch Verfolgung der Blockchain-Transaktionen 63,7 Bitcoin, damals rund 2,3 Millionen US-Dollar wert, aus einer DarkSide-Wallet sicherstellen konnten. Die Pipeline nahm den regulären Betrieb am 12.05.2021 wieder auf.

US-Justizministerium (DOJ)

07.06.2021

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Nicht öffentlich dokumentiert ist, wie die FBI-Ermittler technisch an den privaten Schlüssel der DarkSide-Wallet gelangten. Offen blieb, ob und in welchem Umfang einzelne DarkSide-Mitglieder identifiziert oder strafrechtlich verfolgt wurden, die Gruppe kündigte kurz danach an, ihre Infrastruktur abzuschalten, ob dies das Ende der Gruppe oder nur einen Rebrand darstellte, ist nicht geklärt.

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FBI bestätigt REvil als Urheber des JBS-Ransomware-Angriffs

Am 30.05.2021 wurde der weltweit größte Fleischverarbeiter JBS Opfer eines Ransomware-Angriffs, der Server in Nordamerika und Australien betraf und zur vorübergehenden Schließung von Verarbeitungsanlagen führte. Das FBI ordnete den Angriff der russischsprachigen Gruppe REvil zu. JBS zahlte nach eigenen Angaben ein Lösegeld von 11 Millionen US-Dollar in Kryptowährung, obwohl zum Zeitpunkt der Zahlung bereits der Großteil der Anlagen wieder arbeitsfähig war.

Federal Bureau of Investigation (FBI)

02.06.2021

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Nicht öffentlich dokumentiert ist, welche Daten bei dem Angriff tatsächlich exfiltriert wurden. Ob die Zahlung von 11 Millionen US-Dollar tatsächlich notwendig war, bleibt eine Einschätzung des Unternehmens und ist nicht unabhängig verifiziert. REvil löste sich Sommer 2021 größtenteils auf, sodass eine vollständige strafrechtliche Aufarbeitung bislang nicht abgeschlossen ist.

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Lieferando: Wenn das GPS-Tracking zum Problem wird

Lieferando erfasst über die App Scoober rund 39 Datenpunkte pro Lieferung und überträgt Standortdaten der Fahrer alle 15-20 Sekunden; der LfDI Baden-Württemberg stufte dies als rechtswidrig ein.

Dr. Datenschutz (intersoft consulting)

26.05.2021

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Fachanwaltsblog-Beitrag, keine offizielle Behördenentscheidung mit Aktenzeichen.

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Aufweichung der Zweckbindung von Lkw-Mautdaten

Der Bundestag beschloss am 20.05.2021 das Zweite Gesetz zur Änderung mautrechtlicher Vorschriften, mit dem erstmals eine Ausnahme von der bis dahin strikten Zweckbindung der Lkw-Mautdaten eingeführt wurde. Erfasste Kennzeichen und Positionsdaten aus der Mauterhebung dürfen seither auch zur Verfolgung von Kabotage-Verstößen genutzt werden. Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber kritisierte die Änderung öffentlich als Dammbruch und bezweifelte zudem die Eignung der Daten für diesen Zweck.

Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), Prof. Ulrich Kelber

25.05.2021

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Nicht dokumentiert ist, in welchem Umfang die neue Ausnahme in der Praxis tatsächlich zur Kabotage-Verfolgung genutzt wurde. Die seit Jahren separat geführte politische Debatte um eine weitergehende Öffnung der Mautdaten für die Verfolgung schwerer Straftaten wie Mord ließ sich in den verfügbaren Quellen nicht als tatsächlich verabschiedete Gesetzesänderung von 2023/2024 bestätigen, sie blieb bislang Gegenstand von Forderungen einzelner Landesjustizminister.

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Big Brother Watch u.a. gegen Vereinigtes Königreich: EGMR-Grundsatzurteil zur GCHQ-Massenüberwachung

Die Große Kammer des EGMR entschied am 25.05.2021 im Fall Big Brother Watch u.a. gegen das Vereinigte Königreich, dass die britische Regelung zur Massenerfassung von Kommunikation (Bulk Interception nach RIPA) sowie die Regeln zur Herausgabe von Kommunikationsdaten gegen Artikel 8 und Artikel 10 EMRK verstießen, da ausreichende gesetzliche Kontrollmechanismen fehlten. Mit 12 zu 5 Stimmen entschied das Gericht, dass der Austausch von Geheimdienstinformationen mit ausländischen Regierungen keinen Konventionsverstoß darstellte. Der Fall geht auf die Snowden-Enthüllungen 2013 über GCHQ zurück.

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte

25.05.2021

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Das Urteil erklärt Massenüberwachung nicht grundsätzlich für konventionswidrig, sondern formuliert acht Mindestkriterien. Wie das seit 2016 geltende Investigatory Powers Act an diesen Kriterien zu messen ist, bleibt offen, da sich das Urteil noch auf die alte Rechtslage (RIPA) bezog.

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