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Studienlage & Gesetzesgrundlagen

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Ausgewählte Studien, Behördenpapiere, Gesetze und Berichte zu digitaler Freiheit, Überwachung und finanzieller Selbstbestimmung – sorgfältig recherchiert, mit Quelle belegt und neutral aufbereitet.

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Primärquelle

1MDB-Skandal: Goldman Sachs zahlt 2,9 Milliarden Dollar wegen Bestechung in Malaysia

Am 22.10.2020 einigten sich DOJ und SEC mit Goldman Sachs auf rund 2,9 Milliarden US-Dollar wegen Verstoßes gegen den Foreign Corrupt Practices Act, die größte je gezahlte FCPA-Strafe. Goldman Sachs zahlte zwischen 2009 und 2014 mehr als 1,6 Milliarden Dollar Bestechungsgelder in Malaysia und Abu Dhabi, um als Konsortialführer bei Anleiheemissionen des Staatsfonds 1MDB eingesetzt zu werden. Der ehemalige Regierungschef Najib Razak wurde 2020 wegen Korruption verurteilt.

U.S. Department of Justice

22.10.2020

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Die genaue Gesamthöhe der aus 1MDB veruntreuten Gelder ist nicht abschließend geklärt, Schätzungen liegen bei rund 4,5 Milliarden Dollar. Der Verbleib erheblicher Teile der Gelder ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Die zentrale Figur Jho Low gilt als international per Haftbefehl gesucht.

Journalismus

Vastaamo-Hack: Erpressung von rund 30.000 Psychotherapie-Patienten mit Therapienotizen

Der finnische Psychotherapie-Anbieter Vastaamo, mit rund 40.000 behandelten Patienten der größte private Anbieter des Landes, wurde erstmals im November 2018 gehackt; die Datenbank blieb bis März 2019 unbemerkt kompromittiert. Ursache war eine ungesicherte Datenbank ohne Verschlüsselung, deren Root-Zugang lediglich mit dem Nutzernamen und Passwort root/root gesichert war. Der Angreifer Aleksanteri (Julius) Kivimäki erbeutete Patientendaten von etwa 33.000 Personen, darunter Namen, Personenkennzeichen und detaillierte Therapienotizen. Nachdem Vastaamo eine Lösegeldforderung von 40 Bitcoin, umgerechnet rund 450.000 Euro, nicht zahlte, veröffentlichte Kivimäki ab dem 21.10.2020 Patientendaten im Darknet und schickte tausenden Patienten direkt E-Mails mit der Forderung von 200 Euro, die sich bei Nichtzahlung innerhalb von 24 Stunden auf 500 Euro erhöhte. Rund 30.000 Patienten erhielten individuelle Erpresser-Nachrichten. Vastaamo meldete infolge des Vorfalls Insolvenz an. Die finnische Datenschutzaufsicht verhängte im Dezember 2021 ein Bußgeld von 608.000 Euro gegen das Unternehmen wegen Verstößen gegen die DSGVO. Kivimäki wurde im Februar 2023 in Frankreich unter falscher Identität festgenommen und nach Finnland ausgeliefert. Am 30.04.2024 verurteilte ihn ein finnisches Bezirksgericht wegen schwerer Datenrechtsverletzung sowie rund 21.000 Fällen versuchter und 20 Fällen vollendeter schwerer Erpressung zu sechs Jahren und drei Monaten Haft.

Krebs on Security

21.10.2020

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Die genaue Zahl der individuell erpressten Patienten schwankt je nach Quelle zwischen rund 22.000 und 30.000. Der Ausgang eines späteren Berufungsverfahrens sowie tatsächlich geleistete Entschädigungen an die Betroffenen sind in dieser Quelle nicht dokumentiert.

Primärquelle

Purdue Pharma bekennt sich in Opioid-Krise schuldig, 8,3-Milliarden-Dollar-Einigung mit DOJ

Das US-Justizministerium gab am 21.10.2020 bekannt, dass sich der OxyContin-Hersteller Purdue Pharma in drei Bundesanklagepunkten schuldig bekennt. Das Unternehmen wurde zu einer Geldbuße von 3,54 Milliarden Dollar sowie einer zivilrechtlichen Einigung von 2,8 Milliarden Dollar verpflichtet. Mitglieder der Sackler-Familie verpflichteten sich zur zivilrechtlichen Zahlung von 225 Millionen Dollar.

US-Justizministerium

21.10.2020

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Weder Sackler-Familienmitglieder noch Purdue-Manager wurden im Rahmen dieser Einigung strafrechtlich angeklagt. Der Betrag der Familie wurde später im Insolvenzverfahren auf rund 6 Milliarden Dollar erhöht und war Gegenstand weiterer Verfahren bis zum US Supreme Court.

Primärquelle

British-Airways-Datenleck und ICO-Bußgeld

Die britische Datenschutzbehörde ICO stellte fest, dass British Airways bei einem Cyberangriff im Juni bis September 2018 personenbezogene Daten von mehr als 400.000 Kunden nicht ausreichend gegen unbefugten Zugriff geschützt hatte, ein Verstoß gegen Art. 5(1)(f) und Art. 32 DSGVO. Die ICO verhängte deswegen am 16. Oktober 2020 ein Bußgeld von 20 Millionen Pfund gegen British Airways, nachdem der ursprünglich angekündigte Betrag von 183,39 Millionen Pfund im Verfahren deutlich reduziert worden war.

Information Commissioner's Office (ICO)

16.10.2020

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Offen bleibt in der öffentlichen ICO-Dokumentation, welche einzelnen technischen Schwachstellen die Angreifer konkret ausnutzten und wer die Täter waren. Ebenso nicht abschließend belegt ist, in welchem Umfang Kunden durch die Datenweitergabe tatsächlich finanziellen Schaden erlitten, etwa durch Kreditkartenmissbrauch.

Behörde/Institution

British Airways: ICO-Bußgeld von 183 auf 20 Millionen Pfund reduziert

Die ICO verhängte am 16.10.2020 gegen British Airways ein Bußgeld von 20 Millionen Pfund wegen des Datenlecks von 2018, bei dem Nutzer auf eine gefälschte Website umgeleitet wurden und Angreifer persönliche und Zahlungsdaten von rund 430.000 Kunden abgriffen. Die ICO hatte im Juli 2019 zunächst 183,39 Millionen Pfund angekündigt. Die finale Summe entspricht nur rund 11 Prozent des ursprünglichen Betrags, inklusive einer Reduktion von 4 Millionen Pfund wegen der Corona-Pandemie.

Information Commissioner's Office (ICO)

16.10.2020

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Die genaue Berechnungsformel für die Reduzierung veröffentlichte die ICO nicht. Ob BA das Bußgeld vollständig gezahlt hat, ist nicht abschließend ersichtlich. Eine separate zivilrechtliche Sammelklage Betroffener ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens.

Organisation/NGO

J&F/JBS-Korruptionsskandal: US-Justizministerium erzielt FCPA-Vergleich mit J&F Investimentos

J&F Investimentos (Muttergesellschaft von JBS) bekannte sich schuldig, gegen den Foreign Corrupt Practices Act verstossen zu haben, und zahlte mehr als 256 Millionen US-Dollar. Die Brüder Joesley und Wesley Batista hatten Hunderte Millionen Dollar an Bestechungsgeldern an brasilianische Regierungsbeamte gezahlt, um Kredite staatlicher Banken zu sichern.

US Department of Justice

14.10.2020

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Die vollständigen Details der brasilianischen Bestechungsnetzwerke stammen primär aus brasilianischen Ermittlungsakten, die hier nicht vorliegen.

Primärquelle

Bundesrechnungshof kritisiert mangelhaften Datenaustausch zwischen Zoll und Rentenversicherung bei Schwarzarbeitsbekämpfung

Der Bundesrechnungshof veröffentlichte am 13.10.2020 einen Bericht, wonach Zoll, Steuerbehörden und Deutsche Rentenversicherung bei der Bekämpfung von Schwarzarbeit nicht ausreichend elektronisch zusammenarbeiten, Informationen wurden teils per Speichermedium oder Papierform ausgetauscht. Die Zollbehörden dokumentierten für 2019 einen Schwarzarbeitsschaden von 750 Millionen Euro. Der Rechnungshof forderte eine gemeinsame Datenbank.

Bundesrechnungshof

13.10.2020

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Nicht dokumentiert ist ein Einzelfall von rechtswidrigem Datenabgleich. Der Bericht kritisiert primär organisatorische Ineffizienz, nicht einen Datenschutzskandal im engeren Sinne. Offen bleibt, ob die geforderte gemeinsame Datenbank seither umgesetzt wurde.

Behörde/Institution

Microsoft erwirkt Gerichtsbeschluss gegen Trickbot-Botnetz vor US-Wahlen

Microsoft erwirkte am 06.10.2020 einen Gerichtsbeschluss gegen das Trickbot-Botnetz und leitete gemeinsam mit Partnern technische Maßnahmen ein. Von 69 identifizierten Command-and-Control-Servern konnten 62 abgeschaltet werden. Parallel führte das US Cyber Command eine eigene Operation gegen die Trickbot-Infrastruktur durch, kurz vor den US-Präsidentschaftswahlen im November 2020, um Ransomware-Risiken für Wahlinfrastruktur zu verringern.

Microsoft (On the Issues Blog)

12.10.2020

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Nicht belegt ist, wie viele Rechner weltweit tatsächlich infiziert waren. Microsoft und US Cyber Command bezeichneten ihre Aktionen als Störung, nicht als vollständige Zerschlagung. Bereits wenige Wochen später gab es Berichte über teilweise Wiederherstellung der Infrastruktur.

Journalismus

Cl0p-Ransomware-Angriff auf Software AG

Die Ransomware-Gruppe Cl0p griff das in Darmstadt ansässige Softwareunternehmen Software AG am Wochenende des 03.10.2020 an. Die Angreifer forderten ein Lösegeld von 23 Millionen US-Dollar in Bitcoin und drohten mit der Veröffentlichung von rund einem Terabyte gestohlener Daten. Software AG zahlte das Lösegeld nicht, woraufhin Cl0p ab dem 09.10.2020 interne Dokumente, E-Mails und Mitarbeiterdaten veröffentlichte. Kundenseitige Cloud-Dienste blieben laut Unternehmen unberührt.

BleepingComputer

09.10.2020

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Über welchen technischen Einstiegsvektor die Angreifer eindrangen, wurde nicht öffentlich genannt. Die exakte Zahl der von den veröffentlichten Daten betroffenen Personen wurde nicht offiziell beziffert.

Journalismus

Razzia bei Staatstrojaner-Firma FinFisher wegen illegalem Software-Export in die Türkei

Das Zollkriminalamt und die Staatsanwaltschaft München I durchsuchten vom 06. bis 08.10.2020 Geschäftsräume der Firmen FinFisher, FinFisher Labs und Elaman in München wegen Verdachts auf Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz. Hintergrund: Die Überwachungssoftware FinSpy soll im Sommer 2017 ohne deutsche Ausfuhrgenehmigung an die Türkei geliefert worden sein. Bereits im Juli 2019 hatten mehrere NGOs gemeinsam Strafanzeige gestellt.

netzpolitik.org

08.10.2020

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Nicht belegt ist, ob es tatsächlich zu einer rechtswidrigen Ausfuhr kam und wer konkret verantwortlich war. Der Ausgang des Ermittlungsverfahrens war zum Berichtszeitpunkt offen, es liegt kein rechtskräftiges Urteil vor. Unklar bleibt der genaue Lieferweg der Software in die Türkei.

Primärquelle

EuGH-Urteil La Quadrature du Net u.a. — C-511/18, C-512/18, C-520/18

Nutzer elektronischer Kommunikationsmittel dürfen grundsätzlich erwarten, dass ihre Nachrichten und die damit verbundenen Daten anonym bleiben und nicht gespeichert werden, es sei denn, sie haben eingewilligt. Umfassendste und aktuellste Zusammenfassung der bisherigen Rechtsprechungslinie.

Gerichtshof der Europäischen Union

06.10.2020· in Kraft

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Das Gericht bestätigt zum dritten Mal: Anonyme Kommunikation ist der Normalfall, den der Staat respektieren muss — Überwachung ist die begründungspflichtige Ausnahme, nicht umgekehrt.

Primärquelle

EuGH-Urteil La Quadrature du Net: Grenzen der Vorratsdatenspeicherung

Der EuGH (Große Kammer) entschied am 06.10.2020 in den verbundenen Rechtssachen C-511/18, C-512/18 und C-520/18, dass EU-Recht einer nationalen Regelung entgegensteht, die Anbieter elektronischer Kommunikationsdienste zu einer allgemeinen und unterschiedslosen Vorratsspeicherung von Verkehrs- und Standortdaten verpflichtet. Zulässig bleiben demnach nur zeitlich befristete, auf bestimmte Personen oder geografische Gebiete beschränkte Speicherungen bei schwerer Kriminalität oder konkreten Bedrohungen der nationalen Sicherheit, sowie eine allgemeine Speicherung von IP-Adressen zur Bekämpfung schwerer Straftaten unter strengen Voraussetzungen.

Gerichtshof der Europäischen Union (EuGH)

06.10.2020

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Nicht Gegenstand dieser Pressemitteilung sind die konkrete Umsetzung durch Frankreich und Belgien in der Folgezeit sowie technische Detailfragen der Speicherfristen. Offen blieb zudem, wie einzelne Mitgliedstaaten wie Deutschland ihre eigene Vorratsdatenspeicherungsregelung anpassen mussten; dies wurde erst in Folgeurteilen wie SpaceNet und Telekom Deutschland vom 20.09.2022 konkretisiert.

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