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Studienlage & Gesetzesgrundlagen

Studienlage & Gesetzesgrundlagen

Wissen. Einordnen. Selbstbestimmt entscheiden.

Ausgewählte Studien, Behördenpapiere, Gesetze und Berichte zu digitaler Freiheit, Überwachung und finanzieller Selbstbestimmung – sorgfältig recherchiert, mit Quelle belegt und neutral aufbereitet.

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Journalismus

Personalausweis – Sicherheitsforscher knacken die Online-Ausweisfunktion

Sicherheitsforscher fanden Schwachstelle im Governikus-Autent-SDK, mit der Angreifer sich online als beliebige Personen ausgeben konnten.

t3n

23.11.2018

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Betraf Server-Software, nicht direkt den RFID-Chip selbst.

Primärquelle

Howard Wilkinson: Der Whistleblower hinter dem Danske-Bank-Skandal

Der britische Banker Howard Wilkinson leitete von 2007 bis 2014 die Handelseinheit Danske Markets in der Baltikum-Region der Danske Bank. Ab 2013 meldete er intern insgesamt vier Warnungen über verdächtige Zahlungen estnischer Nichtansässiger, ohne dass die Bank Konsequenzen zog. Nach seinem Ausscheiden 2014 unterzeichnete er eine Verschwiegenheitsvereinbarung, ging aber dennoch an Ermittler und die Öffentlichkeit. Am 21.11.2018 sagte er vor dem Sonderausschuss TAX3 des Europäischen Parlaments aus. Für sein Engagement erhielt er 2020 den Allard Prize for International Integrity.

Europäisches Parlament, Sonderausschuss TAX3

21.11.2018

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Ob Wilkinsons Meldungen bei korrekter Bearbeitung den vollen Umfang der später bekannten rund 200 Milliarden Euro an verdächtigen Zahlungen hätten verhindern können, ist nicht belegt. Ob Danske Bank aktiv versuchte, seine Hinweise zu unterdrücken, beruht primär auf seiner eigenen Aussage.

Journalismus

ZTE-Ueberwachungsprojekt "Kandado Cubano" in Venezuela

Eine Reuters-Recherche deckte auf, dass der chinesische Telekomkonzern ZTE im Auftrag der venezolanischen Regierung ein "Fatherland Card" genanntes System entwickelte, das persoenliche Daten von Millionen Buergern (medizinische Historie, Sozialleistungen, Parteizugehoerigkeit, Wahlverhalten) in einer zentralen Datenbank buendelte. ZTE-Mitarbeiter arbeiteten direkt mit venezolanischen Geheimdienstmitarbeitern zusammen.

Armando.info & Reuters (Angus Berwick)

14.11.2018

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Die Recherche stuetzt sich massgeblich auf anonyme Insider-Aussagen sowie interne Dokumente, die Reuters nicht vollstaendig oeffentlich verifizieren konnte; ZTE bestritt jede Beteiligung an Ueberwachungsfunktionen der Karte.

Journalismus

Bundespolizei zieht unkritisches Fazit

Die Bundespolizei zieht trotz methodischer Schwächen und ungeklärter Rechtsgrundlage ein überwiegend positives Fazit zum künftigen Einsatz automatisierter Gesichtserkennung.

CILIP – Bürgerrechte & Polizei

10.11.2018

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Bürgerrechtsnahe Fachpublikation mit kritischer Grundhaltung.

Primärquelle

Autoriteit Persoonsgegevens verhängt Bußgeld gegen Uber wegen zu später Datenleck-Meldung

Die niederländische Datenschutzbehörde Autoriteit Persoonsgegevens verhängte am 06.11.2018 ein Bußgeld von 600.000 Euro gegen Uber. Grund war nicht der Datendiebstahl selbst, sondern dass Uber die am 14.11.2016 entdeckte Datenpanne erst am 21.11.2017 und damit rund ein Jahr zu spät meldete, statt wie vorgeschrieben innerhalb von 72 Stunden. Von dem zugrundeliegenden Vorfall waren weltweit rund 57 Millionen Nutzer und Fahrer betroffen, darunter etwa 174.000 Personen in den Niederlanden.

Autoriteit Persoonsgegevens (niederländische Datenschutzbehörde)

06.11.2018

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Die niederländische Behörde entschied ausschließlich über die verspätete Meldepflicht nach niederländischem Recht vor der DSGVO, nicht über die parallelen US-Verfahren zum selben Datendiebstahl von 2016. Die spätere, deutlich größere Geldbuße von 290 Millionen Euro gegen Uber aus dem Jahr 2024 wegen unrechtmäßiger Datenübermittlung in die USA ist ein eigenständiges, hier nicht behandeltes Verfahren.

Journalismus

China Telecom und das systematische BGP-Hijacking des Internetverkehrs

Die Forscher Chris Demchak und Yuval Shavit veröffentlichten Ende Oktober 2018 eine Studie über systematische BGP-Routing-Manipulationen durch den chinesischen Staatskonzern China Telecom. Dokumentiert wurde unter anderem eine rund zweieinhalbjährige Fehlleitung von Verizon-APAC-Routen über China Telecom zwischen Ende 2015 und Mitte 2018. Doug Madory von Oracle Internet Intelligence bestätigte die Befunde anhand eigener Messdaten.

The Register

06.11.2018

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Nicht bewiesen ist eine gezielte staatliche Anordnung zum Abhören von Verkehr im Einzelfall. China Telecom wies die Vorwürfe als technische Fehlkonfigurationen zurück. Das Ausmaß eines möglichen Datenzugriffs während der Umleitungen bleibt unklar.

Primärquelle

Jho Low: US-Anklage gegen mutmaßlichen 1MDB-Drahtzieher

Das US-Justizministerium klagte den malaysischen Finanzier Low Taek Jho, bekannt als Jho Low, am 01.11.2018 wegen Verschwörung zur Geldwäsche und gegen den Foreign Corrupt Practices Act an. Laut Anklage soll Low mehr als 2,7 Milliarden US-Dollar aus dem Staatsfonds 1MDB veruntreut und teils zur Bestechung von Beamten sowie für Luxusimmobilien und die Finanzierung von Hollywoodfilmen wie The Wolf of Wall Street verwendet haben. Bereits am 24.08.2018 hatte die malaysische Staatsanwaltschaft Low in Abwesenheit angeklagt, Interpol stellte am 11.06.2018 eine Red Notice gegen ihn aus.

U.S. Department of Justice (Eastern District of New York)

01.11.2018

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Jho Lows genauer Aufenthaltsort ist bis heute nicht offiziell bestätigt, malaysische Behörden vermuteten wiederholt China, was chinesische Stellen mehrfach dementierten. Da Low nie festgenommen wurde, gibt es gegen ihn persönlich kein Strafurteil. Diese Anklage bezieht sich nur auf einen Teilbetrag von 2,7 Milliarden Dollar der insgesamt veruntreuten rund 4,5 Milliarden Dollar. Eine Auslieferung fand bis heute nicht statt.

Primärquelle

Sicherheitslücken in der Gesundheits-App Vivy

Die Schweizer IT-Sicherheitsfirma modzero deckte 2018 gravierende Sicherheitslücken in der von 14 gesetzlichen und 2 privaten Krankenkassen unterstützten Gesundheits-App Vivy auf, die rund 13,5 Millionen Versicherte digital nutzen konnten. Namen, Fotos, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten und Versichertennummern sowie Arztdaten waren durch Schwächen bei Verschlüsselung und Schlüsselverwaltung unzureichend geschützt. modzero informierte Vivy am 21.09.2018 und veröffentlichte den Bericht am 30.10.2018 nach Ablauf einer vereinbarten Frist.

modzero AG

30.10.2018

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Der Bericht dokumentiert nur die technische Machbarkeit der Angriffe, keine belegten Fälle von tatsächlichem Datenmissbrauch oder Datenabfluss an Dritte. Ob die von Vivy zugesicherten Gegenmaßnahmen alle Lücken vollständig schlossen, wurde von modzero nicht unabhängig nachgeprüft.

Journalismus

ICO-Bußgeld gegen Facebook: Höchststrafe in Großbritannien wegen Cambridge-Analytica-Datenschutzverstoß

Am 25.10.2018 verhängte die britische Datenschutzbehörde ICO gegen Facebook eine Geldbuße von 500.000 Pfund, die nach dem damals geltenden Data Protection Act 1998 höchstmögliche Strafe. Die ICO stellte fest, dass Facebook zwischen 2007 und 2014 App-Entwicklern ohne ausreichende Rechtsgrundlage Zugriff auf Nutzerdaten gewährte, wovon auch Facebook-Freunde von App-Nutzern betroffen waren. Betroffen waren schätzungsweise 87 Millionen Facebook-Nutzer weltweit, deren Daten über die App This Is Your Digital Life an Cambridge Analytica gelangten.

heise online

25.10.2018

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Aus den Quellen geht die genaue rechtliche Detailbegründung der ICO nicht vollständig hervor, ebenso bleibt offen, warum die parallele Prüfung der Hamburger Datenschutzaufsicht ohne eigene Sanktion eingestellt wurde. Ob die 500.000-Pfund-Strafe angesichts von 87 Millionen Betroffenen abschreckend wirkte, ist umstritten, da unter der seit 25.05.2018 geltenden DSGVO deutlich höhere Bußgelder möglich gewesen wären, die Tat aber davor lag.

Journalismus

Cathay Pacific: 9,4 Millionen Passagierdaten geleakt, Rekordbußgeld von 500.000 Pfund

Die Fluggesellschaft Cathay Pacific mit Sitz in Hongkong gab am 24.10.2018 bekannt, dass unbefugte Dritte zwischen dem 14.10.2014 und Mai 2018 Zugriff auf ihre IT-Systeme hatten. Betroffen waren die persönlichen Daten von rund 9,4 Millionen Passagieren weltweit, darunter 111.578 Personen aus Großbritannien. Offengelegt wurden Namen, Nationalitäten, Geburtsdaten, Telefonnummern, E-Mail- und Postadressen, etwa 860.000 Passnummern, rund 245.000 Nummern von Hongkonger Personalausweisen sowie Vielfliegernummern und Reisehistorien. Die Angreifer drangen über einen mit dem Internet verbundenen Server ein und installierten Schadsoftware zum Abgreifen der Daten. Die britische Datenschutzbehörde ICO stellte in ihrer Untersuchung mehrere grundlegende Sicherheitsmängel fest, darunter ungeschützte Backup-Dateien, ungepatchte Server, veraltete Betriebssysteme und unzureichenden Virenschutz. Am 04.03.2020 verhängte das ICO gegen Cathay Pacific eine Geldbuße von 500.000 britischen Pfund, den zu diesem Zeitpunkt gesetzlichen Höchstbetrag nach dem alten Data Protection Act 1998. Diese Regelung galt, weil die Sicherheitslücke bereits im Mai 2018 und damit kurz vor Inkrafttreten der DSGVO am 25.05.2018 geschlossen wurde. Unter der DSGVO hätte eine Strafe von bis zu 4 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes gedroht, was Berichten zufolge rund 470 Millionen Pfund entsprochen hätte.

TechCrunch

24.10.2018

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Aus der Quelle geht nicht hervor, wer genau die Angreifer waren oder ob die entwendeten Daten tatsächlich für Identitätsbetrug oder finanziellen Schaden bei den Betroffenen genutzt wurden; die exakte Aufschlüsselung, wie viele der 9,4 Millionen Datensätze welche Datenkategorien enthielten, bleibt unklar.

Journalismus

Pegasus-Überwachung im Umfeld von Jamal Khashoggi vor seiner Ermordung

Citizen Lab wies im Oktober 2018 nach, dass das Smartphone des saudischen Dissidenten Omar Abdulaziz mit der Pegasus-Spyware der NSO Group infiziert war. Abdulaziz, ein enger Vertrauter des Journalisten Jamal Khashoggi, tauschte mit diesem WhatsApp-Nachrichten über gemeinsame Aktivismus-Pläne aus. Die Infektion wurde Monate vor Khashoggis Ermordung am 02.10.2018 im saudischen Konsulat in Istanbul festgestellt. Spätere forensische Analysen ergaben zudem Hinweise auf eine Kompromittierung des Telefons von Khashoggis Verlobter Hatice Cengiz.

Citizen Lab (University of Toronto)

24.10.2018

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Nicht abschließend dokumentiert ist, ob die abgefangenen Nachrichten tatsächlich direkt zur Planung der Ermordung durch saudische Agenten beitrugen, dieser Zusammenhang wird als plausibel dargestellt, aber nicht mit Beweisdokumenten der saudischen Seite belegt. NSO Group bestreitet eine direkte Verantwortung für den Missbrauch durch Kunden wie Saudi-Arabien.

Journalismus

GreyEnergy-Cyberangriff auf nordmazedonischen Stromnetzbetreiber MEPSO

Die von ESET analysierte Hackergruppe GreyEnergy, die als Nachfolger der fuer den ukrainischen Stromausfall 2015/2016 verantwortlichen Gruppe BlackEnergy gilt, griff neben ukrainischen Energieversorgern auch ein Unternehmen im Energiesektor Nordmazedoniens an. ESET dokumentierte den Einsatz modularer Malware zur Spionage und Sabotage kritischer Infrastruktur, konnte aber keinen erfolgreichen Stromausfall wie 2016 in der Ukraine nachweisen.

ESET (Sicherheitsforschung) / Berichterstattung u.a. ZDNet

17.10.2018

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ESET nennt das betroffene nordmazedonische Unternehmen aus Vorsicht nicht namentlich und bestaetigt keinen konkreten Sabotage-Erfolg dort; die Zuordnung zu einem staatlichen Akteur (vermutet Russland) bleibt eine Einschaetzung von Sicherheitsforschern, kein gerichtsfester Beweis.

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