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Studienlage & Gesetzesgrundlagen

Studienlage & Gesetzesgrundlagen

Wissen. Einordnen. Selbstbestimmt entscheiden.

Ausgewählte Studien, Behördenpapiere, Gesetze und Berichte zu digitaler Freiheit, Überwachung und finanzieller Selbstbestimmung – sorgfältig recherchiert, mit Quelle belegt und neutral aufbereitet.

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Journalismus

"Erfolglose Videoüberwachung" — durchgerechnete Falschakzeptanz-Mathematik mit Original-BMI-Zitat

Bei einer angenommenen Fehlerquote von 0,5% würden am Berliner Bahnhof Südkreuz (über 100.000 Reisende täglich) rund 500 Personen pro Tag fälschlicherweise als gesuchte Person erkannt — selbst wenn 100 tatsächlich gesuchte Personen den Bahnhof nutzen, würden davon nur 70 erkannt. Das BMI korrigierte die Fehlerquoten-Angaben mehrfach; zuletzt hieß es: "Bisher wurde in durchschnittlich weniger als 1% der positiv erkannten Fälle eine Person irrtümlich einem Datensatz zugeordnet."

DSN Group (Datenschutz-Fachportal)

16.01.2018· in Kraft

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**Sehr wichtige, konkret durchgerechnete Ergänzung zu D4/D7:** Diese Beispielrechnung macht die abstrakte Falschakzeptanzrate greifbar — bei einem großen Bahnhof bedeutet selbst eine niedrig klingende Fehlerquote hunderte falsche Verdächtigungen täglich, während gleichzeitig ein erheblicher Teil der tatsächlich gesuchten Personen NICHT erkannt wird (nur 70 von 100 im Beispiel). Wichtig für Blackstones Sorgfalt: Das BMI hat die Zahlen "mehrfach korrigiert" — ein Hinweis auf frühere Kommunikationsprobleme bei der Genauigkeit dieser Statistik, die im Artikel erwähnenswert ist.

Journalismus

LuxLeaks-Whistleblower Antoine Deltour: Freispruch nach jahrelangem Strafverfahren in Luxemburg

Der ehemalige PwC-Prüfungsassistent Antoine Deltour wurde nach der Veröffentlichung der LuxLeaks-Dokumente im Dezember 2014 in Luxemburg wegen Diebstahls und Geheimnisverrats angeklagt. Das Bezirksgericht verurteilte ihn im Juni 2016 zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung. Das Berufungsgericht reduzierte die Strafe im März 2017. Der luxemburgische Kassationshof hob das Urteil am 11.01.2018 auf und erkannte Deltour als Whistleblower im Sinne der EGMR-Rechtsprechung an. Am 15.05.2018 sprach das neu besetzte Berufungsgericht Deltour vollständig frei.

France 24

11.01.2018

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Die konkreten Steuerausfälle durch die rund 340 in den LuxLeaks-Dokumenten genannten Konzernvereinbarungen sind nicht beziffert. Der Mitangeklagte Raphaël Halet war von der Kassationsentscheidung nicht erfasst, ihm gab erst der EGMR 2023 in einem separaten Verfahren recht.

Journalismus

Aadhaar-Leck: Zugriff auf 1,1 Milliarden Ausweisdaten für 500 Rupien (6 Euro)

Die Journalistin Rachna Khaira berichtete am 04.01.2018 in der indischen Zeitung The Tribune, dass sie über einen anonymen Verkäufer auf WhatsApp gegen Zahlung von 500 Rupien, umgerechnet rund 6 Euro, per Paytm binnen zehn Minuten Zugangsdaten zu einem Portal der Unique Identification Authority of India (UIDAI) erhielt. Über dieses Portal ließen sich zu jeder der mehr als 1,1 Milliarden vergebenen Aadhaar-Nummern Name, Adresse, Postleitzahl, Foto, Telefonnummer und E-Mail-Adresse abrufen. Gegen weitere 300 Rupien bot derselbe Verkäufer zusätzlich eine Software an, mit der sich Aadhaar-Ausweise beliebiger Personen ausdrucken ließen. Laut Recherche der Tribune hatten mehr als 100.000 staatlich beauftragte Village-Level-Enterprise-Operatoren unrechtmäßigen Zugriff auf das Portal erlangt und diesen zum Weiterverkauf genutzt. Die UIDAI wies einen Leak oder eine Datenpanne der Aadhaar-Datenbank offiziell zurück und sprach von Fehlberichterstattung. Ein UIDAI-Mitarbeiter erstattete daraufhin Strafanzeige gegen die Reporterin Khaira wegen angeblich unbefugten Zugriffs auf die Datenbank. Die Delhi Police stellte dieses Verfahren gegen Khaira später mangels Beweisen ein.

The Tribune (Chandigarh), Reporterin Rachna Khaira

04.01.2018

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Nicht belegt ist, dass über das genutzte Portal tatsächlich biometrische Daten wie Fingerabdrücke abrufbar waren, bestätigt wurden nur demografische Daten. Die Zahl von 1,1 Milliarden bezieht sich auf die theoretisch erreichbare Gesamtmenge, nicht auf nachgewiesene tatsächlich abgerufene Einzeldatensätze, zudem blieben die Hintermänner unidentifiziert.

Primärquelle

Meltdown und Spectre Prozessor-Sicherheitslücken 2018

CERT/CC dokumentierte am 4. Januar 2018 die Hardware-Sicherheitslücken Meltdown (CVE-2017-5754) und Spectre (CVE-2017-5753, CVE-2017-5715), die spekulative Ausführung in Prozessoren ausnutzen, um geschützte Speicherinhalte auszulesen. Entdeckt wurden sie unabhängig voneinander von Googles Project Zero, der TU Graz, dem Forscher Paul Kocher und weiteren Teams. Betroffen waren praktisch alle modernen CPUs von Intel, AMD, ARM und weiteren Herstellern, teils seit Mitte der 1990er Jahre gebaut.

CERT Coordination Center (CERT/CC)

04.01.2018

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Offen blieb bei Bekanntgabe, wie stark die nötigen Software-Patches die Systemleistung dauerhaft beeinträchtigen würden und ob konkrete Nutzer je tatsächlich Opfer eines Datendiebstahls über diese Lücken wurden. Öffentlich belegte Angriffsfälle blieben die Ausnahme. Auch das vollständige Ausmaß weiterer Varianten der zugrunde liegenden Architekturschwäche war 2018 noch nicht absehbar.

Journalismus

Meltdown und Spectre: CPU-Lücken betreffen fast alle Prozessoren seit 1995

Am 3. Januar 2018 veröffentlichten Sicherheitsforscher zeitgleich die beiden Prozessor-Sicherheitslücken Meltdown und Spectre, nachdem betroffene Hersteller bereits am 28.07.2017 informiert worden waren. Meltdown wurde unabhängig voneinander von Forschern des Google Project Zero, der TU Graz und der Firma Cyberus Technology entdeckt. Meltdown betrifft praktisch alle Intel-x86-Prozessoren seit 1995 sowie ARM- und IBM-POWER-Prozessoren, AMD-Chips sind nicht betroffen. Spectre lässt sich dagegen auf Prozessoren von Intel, AMD und ARM ausnutzen und betrifft damit praktisch alle modernen Computer, Smartphones und Server weltweit. Beide Lücken missbrauchen die spekulative Befehlsausführung moderner CPUs, um über Cache-Seitenkanalangriffe eigentlich geschützten Speicherinhalt auszulesen. Als Gegenmaßnahme gegen Meltdown wurde die Kernel Page Table Isolation eingeführt, deren Einsatz je nach Workload zu Leistungseinbußen von bis zu 30 Prozent führen kann. Die koordinierte Offenlegung war ursprünglich für den 9. Januar 2018 geplant, wurde jedoch wegen zunehmender öffentlicher Spekulationen vorgezogen.

Wikipedia

03.01.2018

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Aus dieser Quelle nicht belegt sind die genaue weltweite Anzahl betroffener Geräte in absoluten Zahlen sowie ob die Lücken vor der Offenlegung bereits für reale Angriffe mit Datenabfluss ausgenutzt wurden.

Behörde/Institution

"ROCA Vulnerability and eID: Lessons Learned" — offizieller estnischer Behördenbericht

Die ROCA-Schwachstelle betraf die RSA-Schlüsselerzeugung in Chips des Herstellers Infineon, der über den estnischen ID-Karten-Zulieferer Gemalto (TRÜB Baltic) auch Estland belieferte. Weltweit waren schätzungsweise mindestens eine Milliarde Chips betroffen, darunter alle estnischen ID-Karten, die seit Herbst 2014 ausgegeben wurden. Estland widerrief die betroffenen Zertifikate. Estlands 800.000 betroffene ID-Karten stellen dabei nur einen verschwindend geringen Anteil an ROCAs weltweiter Auswirkung von mindestens 1 Milliarde betroffenen Chips dar — die Infineon-Chips wurden auch in Führerscheinen, Reisepässen, Zugangskarten und anderswo eingesetzt.

Estnische Information System Authority (RIA)

2018· in Kraft

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Wichtige Präzisierung für Blackstones bereits vorhandenen Estland-Eintrag (aus Batch 25): Der Fehler lag nicht im estnischen System selbst, sondern in einem global verbreiteten Hardware-Chip eines einzelnen Zulieferers (Infineon) — Estland war eines von vielen betroffenen Systemen weltweit, nicht ein spezifisch estnisches Versagen. Das relativiert die Kritik am estnischen System etwas, zeigt aber gleichzeitig ein noch größeres Problem: Eine einzelne fehlerhafte Chip-Generation kann weltweit über eine Milliarde Ausweisdokumente gleichzeitig verwundbar machen.

Behörde/Institution

OVG Hamburg — historischer Präzedenzfall Facebook-Klarnamenpflicht

Facebook verlangte früher von Nutzern die Verwendung echter Namen; deutsche Datenschützer argumentierten, dies verstoße gegen nationales Datenschutzrecht, da Nutzer ein Recht auf Anonymität hätten. Das Oberverwaltungsgericht Hamburg entschied 2018, dass die Klarnamenpflicht von Facebook unzulässig ist.

Fachportal, mit Bezug auf Urteil des Oberverwaltungsgerichts Hamburg

2018· in Kraft

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**Wichtige rechtliche Vorgeschichte:** Es gibt bereits ein rechtskräftiges deutsches Gerichtsurteil, das eine private Klarnamenpflicht (durch Facebook) für unzulässig erklärt hat — das Recht auf Anonymität ist damit nicht nur eine politische Position, sondern bereits gerichtlich bestätigtes Recht. Eine heutige gesetzliche Klarnamenpflicht müsste sich also gegen diese bestehende Rechtsprechung durchsetzen, nicht auf einer rechtlichen Leerstelle aufbauen.

Behörde/Institution

Statista — Bundesbehörden-Statistik, rückläufiger Trend bei Bundesebene

Eine Funkzellenabfrage muss in Deutschland immer richterlich genehmigt werden. Im ersten Halbjahr 2018 veranlasste allein das BKA 20 Funkzellenabfragen auf Bundesebene.

Statista, mit Bezug auf offizielle Bundesbehörden-Statistik

2018· in Kraft

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Wichtiger rechtsstaatlicher Kontrollmechanismus: Anders als manche anderen Blackstone-Dossiers gibt es hier von Anfang an einen Richtervorbehalt — die Kritik richtet sich nicht gegen fehlende Kontrolle, sondern gegen die praktische Handhabung (Streubreite, fehlende Betroffenenbenachrichtigung). **Offener Punkt:** Die auffindbare Datenreihe endet 2018 — für ein vollständiges B4-Dossier sollte in einem künftigen Batch nach aktuelleren bundesweiten Zahlen gesucht werden.

Organisation/NGO

CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act)

CLOUD Act verpflichtet US-Cloud-Anbieter zur Herausgabe von Nutzerdaten an US-Behörden unabhängig vom Serverstandort, Spannungsverhältnis mit DSGVO.

U.S. Congress / otris software AG

2018

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Sekundärquelle, keine juristische Primärquelle.

Behörde/Institution

Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus

Grundlagenwerk definiert Überwachungskapitalismus als Wirtschaftslogik, in der Verhaltensüberschuss zu Vorhersageprodukten verarbeitet wird.

Shoshana Zuboff, Campus Verlag

2018

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Perlentaucher fasst nur Feuilleton-Rezensionen zusammen.

Studie

Ergebnisse der Evaluation der polizeilichen Videobeobachtung in NRW gemäß § 15a PolG NRW

Deutsche Wirkungsevaluation an NRW-Kriminalitätsschwerpunkten: Kriminalität geht durch verstärkte Videoüberwachung nicht entscheidend zurück.

Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN)

2018

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Nur untersuchte NRW-Standorte, nicht auf andere Länder übertragbar.

Studie

Panoptispy: Characterizing Audio and Video Exfiltration from Android Applications

Analyse von über 17.000 Android-Apps: keine Belege für heimliche Audioaufnahme, aber unbemerkte Screenshot-/Screen-Recording-Exfiltration an Analytics-Dritte.

Pan, Ren, Lindorfer, Wilson, Choffnes, Northeastern University

2018

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Widerlegt Mikrofon-Abhörmythos, deckt anderes Problem auf.

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