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Studienlage & Gesetzesgrundlagen

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Ausgewählte Studien, Behördenpapiere, Gesetze und Berichte zu digitaler Freiheit, Überwachung und finanzieller Selbstbestimmung – sorgfältig recherchiert, mit Quelle belegt und neutral aufbereitet.

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Primärquelle

Investigatory Powers Act 2016: Zwölfmonatige Vorratsdatenspeicherung für Internetanbieter

Der Investigatory Powers Act 2016 erhielt am 29.11.2016 die königliche Zustimmung und ist im Vereinigten Königreich als Snoopers Charter bekannt. Section 87 ermächtigt den Innenminister, retention notices an Telekommunikationsanbieter zu richten. Eine solche Anordnung darf die Speicherung von Daten nicht für mehr als 12 Monate vorschreiben, betroffene Anbieter müssen insbesondere Internet Connection Records speichern.

UK-Parlament (legislation.gov.uk)

29.11.2016

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Wie viele Anbieter tatsächlich eine retention notice erhielten, geht aus dem Gesetzestext nicht hervor, Inhalt und Empfänger solcher Anordnungen sind vertraulich. Das High-Court-Urteil von 2018 im Verfahren Liberty gegen die Regierung ist nicht Teil dieser Quelle.

Journalismus

Uber-Datenleck 2016: 57 Millionen Betroffene, 100.000-Dollar-Schweigegeld als Bug Bounty getarnt

Im Oktober und November 2016 luden zwei Hacker aus einer AWS-Cloud-Datenbank von Uber persönliche Daten von 57 Millionen Nutzern und Fahrern herunter, darunter rund 25,6 Millionen Namen und E-Mail-Adressen sowie etwa 607.000 Führerscheinnummern US-amerikanischer Fahrer. Uber erfuhr am 14.11.2016 von dem Angriff. Der damalige Sicherheitschef Joseph Sullivan ließ den Hackern daraufhin 100.000 US-Dollar in Bitcoin zahlen und diese Zahlung über das Programm HackerOne als reguläre Bug-Bounty-Prämie tarnen, obwohl Ubers übliche Höchstprämie bei 10.000 Dollar lag; die Hacker mussten zudem eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen. Der Vorfall wurde erst im November 2017 öffentlich, als der neue Uber-Chef Dara Khosrowshahi ihn offenlegte, woraufhin Sullivan entlassen wurde. Im September 2018 zahlte Uber 148 Millionen US-Dollar in einem Vergleich mit den Generalstaatsanwälten aller 50 US-Bundesstaaten und des District of Columbia wegen verspäteter Meldung der Datenpanne. Im August 2020 klagte die US-Bundesstaatsanwaltschaft Sullivan wegen Behinderung eines FTC-Verfahrens und Verschweigen einer Straftat an. Eine Bundesgeschworenenjury sprach ihn am 05.10.2022 in beiden Anklagepunkten schuldig. Am 04.05.2023 verurteilte Richter William Orrick Sullivan zu drei Jahren Bewährung, 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer Geldstrafe von 50.000 US-Dollar, ohne Haftstrafe.

The Register

14.11.2016

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Aus der Berichterstattung nicht abschließend geklärt ist, inwieweit der damalige Uber-CEO Travis Kalanick persönlich für die Vertuschung mitverantwortlich war; er wurde strafrechtlich nicht angeklagt, obwohl der Richter ihn laut Presseberichten als ebenso schuldig bezeichnete. Der genaue Tag der Bitcoin-Zahlung im Dezember 2016 ist in den verfügbaren Quellen nicht einheitlich belegt.

Journalismus

FriendFinder-Networks-Hack: 412 Millionen Konten von Erwachsenen-Dating-Seiten geleakt

Bei einem im Oktober 2016 über eine Local-File-Inclusion-Lücke ausgeführten Hack von FriendFinder Networks (AdultFriendFinder, Penthouse.com, Cams.com, Stripshow.com, iCams.com) wurden rund 412 Millionen Nutzerkonten kompromittiert. Der Sicherheitsdienst LeakedSource stellte den vollen Umfang am 13. November 2016 öffentlich fest. 99 Prozent der Passwörter waren im Klartext oder nur schwach mit SHA1 gehasht gespeichert und ließen sich knacken, betroffen waren auch Daten von Millionen bereits gelöschter Konten.

TechCrunch

13.11.2016

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Offen bleibt, warum FriendFinder Networks weiterhin Kundendaten von Penthouse.com vorhielt, obwohl die Seite bereits im Februar 2016 verkauft worden war. Auch die genaue Bedeutung der als gelöscht markierten Konten sowie ob und wie vollständig alle betroffenen Nutzer benachrichtigt wurden, ist den Berichten zufolge unklar geblieben.

Studie

"A Formal Security Analysis of the Signal Messaging Protocol" (peer-reviewed, IEEE S&P / Journal of Cryptology)

Das Signal-Protokoll ist ein kryptografisches Messaging-Protokoll, das Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Instant Messaging bereitstellt und in WhatsApp, Wire und Facebook Messenger verwendet wird — mit zusammen deutlich über einer Milliarde aktiver Nutzer.

Katriel Cohn-Gordon, Cas Cremers, Benjamin Dowling, Luke Garratt, Douglas Stebila (Universitäten Oxford, CISPA, Queensland)

27.10.2016· in Kraft

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Das ist der wissenschaftliche Beweis, dass Signals Verschlüsselung tatsächlich hält, was sie verspricht — nicht nur eine Marketing-Behauptung, sondern mathematisch von unabhängigen Kryptografie-Forschern nachgewiesen. Wichtig: Dasselbe Protokoll steckt auch in WhatsApp — der Unterschied liegt woanders (z. B. Metadaten, Backups), nicht in der Kern-Verschlüsselung selbst.

Journalismus

A Formal Security Analysis of the Signal Messaging Protocol

Formale kryptografische Analyse von X3DH/Double Ratchet fand keine größeren Designfehler im Signal-Protokoll, bestätigte Forward Secrecy.

Cohn-Gordon, Cremers, Dowling, Garratt, Stebila

27.10.2016

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Betrifft nur Protokoll-Mathematik, nicht App-Implementierungen.

Journalismus

Mirai-Botnet: 300.000 gekaperte IoT-Geräte legen DNS-Dienst Dyn lahm

Am 20.09.2016 traf ein DDoS-Angriff mit rund 620 Gbit/s aus etwa 175.000 mit der Schadsoftware Mirai infizierten IoT-Geräten den Sicherheitsblog KrebsOnSecurity. Am 21.10.2016 legte dasselbe Mirai-Botnetz, das zu diesem Zeitpunkt über 300.000 kompromittierte Geräte wie Router, IP-Kameras und Videorekorder umfasste, den DNS-Dienstleister Dyn lahm und machte Onlinedienste wie Twitter, Netflix, Reddit, Amazon und GitHub zeitweise in weiten Teilen der USA unerreichbar. Ursache war die automatisierte Übernahme der Geräte über werkseitig voreingestellte Standardpasswörter. Der Programmcode von Mirai wurde Anfang Oktober 2016 öffentlich veröffentlicht. Am 13.12.2017 bekannten sich die Autoren Paras Jha, Josiah White und Dalton Norman vor einem Bundesgericht in Alaska schuldig, gegen den Computer Fraud and Abuse Act verstoßen zu haben. Jha und Norman gestanden zudem ein separates Klickbetrugsschema mittels des Botnetzes ein, aus dem Jha rund 200 Bitcoin und Norman über 30 Bitcoin erlöst hatten.

Krebs on Security (Brian Krebs)

21.10.2016

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Aus dieser Quelle nicht belegt sind die genaue Zahl der beim Dyn-Angriff aktiv beteiligten Geräte (andere Quellen nennen rund 100.000) sowie das spätere Strafmaß, da die drei Angeklagten laut nachfolgenden Berichten wegen Kooperation mit dem FBI im September 2018 letztlich zu Bewährung ohne Haftstrafe verurteilt wurden.

Journalismus

Mirai-Botnet attackiert DNS-Anbieter Dyn, über 100 Dienste weltweit gestört

Am 21.10.2016 wurde der US-amerikanische DNS-Dienstleister Dyn Ziel dreier aufeinanderfolgender DDoS-Angriffswellen zwischen etwa 11:10 und 22:10 Uhr UTC. Die Angriffe erfolgten über das Mirai-Botnet, das aus gekaperten Internet-of-Things-Geräten wie IP-Kameras, Routern und digitalen Videorekordern bestand, die über werkseitig voreingestellte Standardpasswörter infiziert worden waren. Dyn erklärte, Anfragen von zig Millionen IP-Adressen empfangen zu haben. Durch den Ausfall von Dyns DNS-Infrastruktur waren mehr als 100 Internetdienste in Nordamerika und Teilen Europas zeitweise nicht erreichbar, darunter Twitter, Netflix, Reddit, Spotify, Amazon, PayPal, GitHub und Airbnb. Die Gruppen New World Hackers und SpainSquad reklamierten die Verantwortung für sich und nannten als Motiv eine Vergeltung für die Einschränkung des Internetzugangs von Julian Assange. Das US-Heimatschutzministerium und das FBI leiteten Ermittlungen ein. Am 13.12.2017 bekannten sich mehrere junge Männer in den USA im Zusammenhang mit der Mirai-Schadsoftware schuldig, am 09.12.2020 folgte ein weiteres Schuldbekenntnis einer zum Tatzeitpunkt minderjährigen Person.

Wikipedia

21.10.2016

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Die genaue Anzahl der am Angriff beteiligten Geräte sowie die exakte Spitzenbandbreite wurden von Dyn nie offiziell mit verbindlichen Zahlen bestätigt. Wer den Angriff auf Dyn konkret initiierte, ist bis heute nicht abschließend geklärt.

Journalismus

Mirai-DDoS gegen DNS-Anbieter Dyn legt Twitter, Spotify und Reddit lahm

Am 21.10.2016 wurde die DNS-Infrastruktur des US-Anbieters Dyn durch eine mehrwellige DDoS-Attacke gestört, wodurch Twitter, Spotify, Reddit, SoundCloud und weitere Websites auf der US-Ostküste zeitweise nicht erreichbar waren. Die Sicherheitsfirma Flashpoint identifizierte Hinweise auf ein Mirai-basiertes Botnetz aus gekaperten IoT-Geräten wie Sicherheitskameras und Routern als Angriffsquelle. Der Mirai-Quellcode war im September 2016 öffentlich veröffentlicht worden, kurz zuvor hatte dasselbe Botnetz bereits KrebsOnSecurity mit rund 620 Gbit/s angegriffen.

Krebs on Security

21.10.2016

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Dieser zeitnahe Bericht nennt weder die genaue Zahl der beteiligten Geräte noch eine exakte Spitzenbandbreite oder gesicherte Täterschaft. Die spätere strafrechtliche Aufarbeitung mit den Schuldbekenntnissen der Mirai-Miturheber im Dezember 2017 ist nicht Gegenstand dieser Quelle.

Primärquelle

Mirai-Botnet-Angriff auf Dyn DNS legt große US-Webdienste lahm

Am 21.10.2016 traf ein massiver DDoS-Angriff den DNS-Anbieter Dyn in drei Wellen zwischen etwa 11:10 und 22:10 UTC. Die Angreifer nutzten das Mirai-Botnet aus gekaperten IoT-Geräten wie Überwachungskameras und DVRs mit werkseitigen Standardpasswörtern. In der Folge waren zeitweise über 70 große Webdienste in Nordamerika und Europa nicht erreichbar, darunter Twitter, Netflix, Reddit, Amazon und PayPal. Die drei Entwickler des Mirai-Quellcodes bekannten sich im Dezember 2017 vor einem US-Bundesgericht schuldig, für den Dyn-Angriff selbst wurden sie jedoch nicht angeklagt.

Brian Krebs (Krebs on Security), Dyn Inc.

21.10.2016

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Eine offizielle, gerichtsfeste Zuordnung der Täter für den konkreten Dyn-Angriff steht bis heute aus. Mehrere Gruppen reklamierten den Angriff für sich, Sicherheitsforscher hielten diese Bekennerclaims für nicht belegt. Die genaue Zahl beteiligter Geräte ist umstritten, eine bestätigte Zahl wurde nie veröffentlicht.

Behörde/Institution

Datenschutz im Zug: Deutsche Bahn will Sicherheitslücke in neuem ICE-WLAN schließen

Berichtet über eine vom CCC entdeckte Sicherheitslücke im ICE-WLAN, durch die GPS-Position und Geräte-MAC-Adressen abgreifbar waren.

netzpolitik.org

13.10.2016

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Die Deutsche Bahn kündigte noch am selben Tag ein Software-Update an.

Behörde/Institution

Was das neue Bahn-WLAN über seine Nutzer ausplaudert

Über ungeschützte JSONP-Schnittstellen im ICE-WLAN der Deutschen Bahn konnten Webseiten GPS-Koordinaten des Zuges sowie MAC- und IP-Adressen der Nutzer auslesen.

Chaos Computer Club Hannover

12.10.2016

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Die Sicherheitslücke wurde nach Bekanntwerden per Software-Update geschlossen.

Journalismus

Philippinen: Watchlist für Metro Manila mit 11.700 Drogenverdächtigen im Drogenkrieg

Nach dem Amtsantritt von Präsident Rodrigo Duterte am 30.06.2016 bauten philippinische Polizei und lokale Behörden im Rahmen des landesweiten Kriegs gegen Drogen systematische Verdächtigenlisten auf. Die Listen wurden primär von Barangay Anti-Drug Abuse Councils erstellt, kommunalen Gremien, die mutmaßliche Drogennutzer und -händler identifizierten. Die gemeldeten Namen wurden danach von nationalen Polizei- und Geheimdienststellen validiert, wie Polizeichef Ronald dela Rosa gegenüber Reuters bestätigte. Laut dem am 08.10.2016 veröffentlichten Reuters-Bericht umfasste allein die Liste für Metro Manila 11.700 mutmaßliche Nutzer und Händler, die Provinz Bulacan meldete rund 17.000 Namen. Bis zur Veröffentlichung des Berichts waren seit dem 30.06.2016 mehr als 3.600 Menschen im Zuge der Kampagne getötet worden, darunter 1.377 bei Polizeieinsätzen erschossene Personen, von denen laut Reuters die meisten zuvor auf einer solchen Liste geführt worden waren. Karen Gomez Dumpit von der philippinischen Menschenrechtskommission warnte, das Listensystem schaffe ein Umfeld, in dem jemand mit persönlichem Groll und einer Waffe sein Ziel gezielt aufspüren könne.

Reuters (veröffentlicht via GMA News Online)

08.10.2016

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Der Bericht nennt keine landesweite Gesamtzahl aller in den Watchlists erfassten Namen, sondern nur einzelne Regionalzahlen, und belegt nicht im Einzelfall, ob eine konkrete Tötung ursächlich auf den jeweiligen Listeneintrag zurückging.

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