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Studienlage & Gesetzesgrundlagen

Studienlage & Gesetzesgrundlagen

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Ausgewählte Studien, Behördenpapiere, Gesetze und Berichte zu digitaler Freiheit, Überwachung und finanzieller Selbstbestimmung – sorgfältig recherchiert, mit Quelle belegt und neutral aufbereitet.

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Primärquelle

Clapper gegen Amnesty International: Supreme Court verwirft FISA-Klage mangels Klagebefugnis

Der US Supreme Court entschied am 26.02.2013 mit 5 zu 4 Stimmen im Fall Clapper gegen Amnesty International USA. Kläger waren Menschenrechtsorganisationen und Anwälte, die Section 702 des FISA Amendments Act wegen befürchteter Überwachung anfochten. Das Gericht urteilte, die Kläger besäßen keine Klagebefugnis, da ein drohender Schaden zu spekulativ sei.

US Supreme Court

26.02.2013

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Ob die Kläger tatsächlich Ziel einer Überwachung waren, prüfte das Gericht mangels Klagebefugnis nicht inhaltlich. Spätere Snowden-Enthüllungen ab 2013 zeigten, dass die befürchtete Überwachung tatsächlich stattfand, was das Urteil selbst nicht mehr beeinflusste.

Primärquelle

Mandiant enttarnt Chinas Hackereinheit 61398: 141 Firmen seit 2006 ausspioniert

Die US-Sicherheitsfirma Mandiant veröffentlichte am 19.02.2013 den Bericht APT1: Exposing One of China's Cyber Espionage Units. Der Bericht führt die seit mindestens 2006 aktive Hackergruppe APT1 auf die Einheit 61398 der chinesischen Volksbefreiungsarmee zurück, die dem Zweiten Büro der Dritten Abteilung des Generalstabs untersteht. Mandiant lokalisierte die Einheit in einem zwölfstöckigen Gebäude an der Datong Road im Stadtteil Pudong in Shanghai. Laut Bericht kompromittierte APT1 mindestens 141 Organisationen in 20 Branchen, darunter Luft- und Raumfahrt, Rüstung, Energie und Telekommunikation. Die Gruppe stahl systematisch hunderte Terabyte an Daten, in einem Fall 6,5 Terabyte komprimierter Daten von einem einzelnen Unternehmen innerhalb von zehn Monaten. 87 Prozent der identifizierten Opfer hatten ihren Hauptsitz in englischsprachigen Ländern. Mandiant benannte auch mutmaßliche Einzelpersonen, darunter Wang Dong mit dem Decknamen UglyGorilla. Am 19.05.2014 klagte das US-Justizministerium fünf mutmaßliche Offiziere der Einheit 61398 wegen Wirtschaftsspionage an.

Mandiant

19.02.2013

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Es liegt keine strafrechtliche Verurteilung der 2014 angeklagten Offiziere vor, da China eine Auslieferung ablehnt und keine Hauptverhandlung stattfand; die exakte Gesamtmenge gestohlener Daten über alle 141 Opfer bleibt unbeziffert.

Journalismus

Gründung von Open Whisper Systems am 21.01.2013 und Beginn der Signal-Protokoll-Entwicklung

Der Sicherheitsforscher Moxie Marlinspike gründete 2010 gemeinsam mit dem Robotik-Ingenieur Stuart Anderson die Firma Whisper Systems, die mit TextSecure und RedPhone verschlüsselte Kurznachrichten und Telefonate für Mobiltelefone entwickelte. Twitter übernahm Whisper Systems im November 2011 und veröffentlichte beide Anwendungen anschließend als Open-Source-Software. Am 21.01.2013 gründete Marlinspike die Organisation Open Whisper Systems, um die Weiterentwicklung von TextSecure und RedPhone fortzuführen. Ab 2013 entwickelten Trevor Perrin und Moxie Marlinspike gemeinsam ein neues kryptografisches Verfahren, das zunächst als Axolotl Ratchet bezeichnet wurde. Am 24.02.2014 veröffentlichte Open Whisper Systems TextSecure Version 2, die erstmals den Axolotl Ratchet einsetzte. Im Juli 2014 erschien mit Signal für iOS eine erste eigenständige App für verschlüsselte Telefonate. Am 02.11.2015 verschmolzen TextSecure und RedPhone auf Android zur einheitlichen App Signal. Im März 2016 benannte Open Whisper Systems das Verfahren offiziell in Signal Protokoll um. Forscher der Ruhr-Universität Bochum bestätigten im Oktober 2014 in einer unabhängigen Sicherheitsanalyse die grundsätzliche Sicherheit von TextSecure Version 3. WhatsApp integrierte das Signal Protokoll ab November 2014 und schloss die durchgängige Verschlüsselung für alle Nutzer am 05.04.2016 ab.

Wikipedia

21.01.2013

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Aus dieser Quelle nicht belegt sind exakte Nutzerzahlen von TextSecure und Signal zum jeweiligen Zeitpunkt sowie Details zu internen Entscheidungsprozessen bei Open Whisper Systems.

Studie

Unique in the Crowd: The Privacy Bounds of Human Mobility

Bei 1,5 Mio. Mobilfunknutzern genügen vier räumlich-zeitliche Datenpunkte, um 95% eindeutig zu identifizieren.

de Montjoye et al., MIT Media Lab

2013

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Basiert auf einem einzelnen, nicht namentlich genannten Mobilfunk-Datensatz.

Organisation/NGO

El Masri gegen Mazedonien: EGMR verurteilt CIA-Verschleppung eines deutschen Staatsbürgers

Der deutsche Staatsbürger Khaled El Masri wurde am 31.12.2003 an der Grenze zwischen Serbien und Mazedonien festgenommen und 23 Tage verhört. Am 23.01.2004 wurde er an ein CIA-Team übergeben, das ihn misshandelte und in ein Gefängnis in Afghanistan brachte, wo er bis zu seiner Freilassung in Albanien am 28.05.2004 festgehalten wurde. Der EGMR stellte am 13.12.2012 fest, dass Mazedonien gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoßen hat, unter anderem durch Folter im Rahmen des CIA-Renditionsprogramms, und verurteilte Mazedonien zu 60.000 Euro Entschädigung.

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte (Große Kammer)

13.12.2012

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Nicht abschließend geklärt ist, welche einzelnen CIA-Mitarbeiter konkret verantwortlich waren, da in den USA keine strafrechtliche Verfolgung stattfand. Die Klage El Masri gegen Tenet wurde 2006 von US-Gerichten unter Berufung auf das Staatsgeheimnisprivileg abgewiesen. Die genaue Rolle Deutschlands blieb Gegenstand eines Bundestags-Untersuchungsausschusses und wurde nicht vollständig aufgeklärt.

Behörde/Institution

HSBC Holdings Plc and HSBC Bank USA Admit Anti-Money Laundering and Sanctions Violations

HSBC zahlte 2012 rund 1,92 Mrd. Dollar an die USA, weil die Bank Gelder mexikanischer Drogenkartelle sowie sanktionierter Länder wie Iran durchgeschleust hatte.

US-Justizministerium (DOJ)

11.12.2012

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Belegt den HSBC-Vergleich 2012. Bezieht sich auf den Zeitraum vor der Deferred Prosecution Agreement, nicht auf aktuelles Verhalten der Bank.

Journalismus

South-Carolina-Steuerbehörde-Datenleck: 3,6 Millionen Sozialversicherungsnummern gestohlen

Im Oktober 2012 gab die South Carolina Department of Revenue bekannt, dass Angreifer bei Einbrüchen im August und September 2012 rund 3,6 Millionen Sozialversicherungsnummern sowie etwa 387.000 Kredit- und Debitkartennummern erbeuteten. Die Behörde entdeckte den Einbruch am 10.10.2012, die Sicherheitslücke wurde am 20.10.2012 geschlossen. Betroffen waren alle Personen, die seit 1998 eine Steuererklärung eingereicht hatten. Der Staat gab mehr als 20 Millionen US-Dollar für Reaktion und sechs Jahre kostenlose Kreditüberwachung aus.

Computerworld

26.10.2012

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Nicht dokumentiert ist die genaue Identität der Angreifer. Medienberichte sprachen von vermutetem ausländischem Ursprung, eine offizielle Zuordnung liegt nicht vor. Auch zehn Jahre später blieben zentrale Ermittlungsfragen offen, ein Abschlussbericht mit vollständiger Attribution wurde nicht veröffentlicht.

Primärquelle

Telekom-Bespitzelungsaffäre: Illegale Überwachung von Aufsichtsräten und Journalisten

Die Deutsche Telekom AG ließ 2005/2006 durch ihre Konzernsicherheitsabteilung heimlich Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsratsmitgliedern, Journalisten und weiteren Personen erheben und von einer Detektei auswerten, um die Quelle vertraulicher Presseinformationen zu ermitteln. Öffentlich bekannt wurde die Affäre 2008. Das Landgericht Bonn verurteilte den zuständigen Ex-Leiter der Konzernsicherheit am 30.11.2010 zu drei Jahren und sechs Monaten Haft, der BGH bestätigte das Urteil am 10.10.2012 als rechtskräftig. Nach Medienberichten waren rund 60 Personen betroffen, darunter mehrere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder.

Bundesgerichtshof (BGH)

10.10.2012

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Die genaue Zahl der Betroffenen schwankt zwischen 55 und rund 60 Personen, eine vollständige Opferliste wurde nie veröffentlicht. Die früheren Spitzenmanager Kai-Uwe Ricke und Klaus Zumwinkel wurden strafrechtlich nicht verurteilt, einigten sich aber zivilrechtlich auf Schadensersatz.

Organisation/NGO

Facebook Beacon: Sammelklage Lane v. Facebook und 9,5-Millionen-Dollar-Vergleich

Facebook startete im November 2007 das Werbeprogramm Beacon, das Kaufaktivitäten von Nutzern auf Partnerseiten ohne wirksame Zustimmung erfasste und an Facebook-Freunde weitergab. Nutzer reichten die Sammelklage Lane v. Facebook ein. Im September 2009 einigten sich die Parteien: Facebook stellte Beacon ein und zahlte 9,5 Millionen Dollar, davon rund 6,5 Millionen an die neu gegründete Stiftung Digital Trust Foundation. Das Berufungsgericht bestätigte den Vergleich am 20.09.2012 für rund 3,6 Millionen betroffene Nutzer.

United States Court of Appeals for the Ninth Circuit

20.09.2012

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Nicht dokumentiert ist, wie viele Nutzer konkret geschädigt wurden. Umstritten blieb die Angemessenheit des Vergleichs, da Klassenmitglieder keine direkte Geldzahlung erhielten, sondern das Geld an eine von Facebook mitgegründete Stiftung floss.

Studie

UBS-Whistleblower Birkenfeld: Steuerhinterziehung aufgedeckt, 104 Millionen Dollar IRS-Prämie

Der frühere UBS-Private-Banker Bradley Birkenfeld informierte 2007 das US-Justizministerium darüber, wie UBS systematisch wohlhabende US-Bürger bei Steuerhinterziehung über Schweizer Geheimkonten unterstützte. Die Ermittlungen führten 2009 zu einer 780-Millionen-Dollar-Strafe für UBS. Birkenfeld selbst wurde 2008 angeklagt, da er seine eigene Rolle bei der Verschleierung von rund 200 Millionen Dollar für einen Klienten verschwiegen hatte, und verbüßte 40 Monate Haft. Am 11.09.2012 zahlte ihm die IRS eine Prämie von 104 Millionen Dollar, die bis dahin höchste Einzelauszahlung an einen Hinweisgeber.

Internal Revenue Service (IRS) / U.S. Department of Justice

11.09.2012

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Welcher Betrag exakt als Berechnungsgrundlage der 104-Millionen-Dollar-Prämie diente, geht aus verfügbaren Quellen nicht eindeutig hervor, manche nennen 26 Prozent von rund 400 Millionen Dollar, andere verweisen auf über 5 Milliarden Dollar Gesamtsteuernachzahlungen. Die genaue Zahl der offengelegten UBS-Kundennamen wird unterschiedlich beziffert.

Journalismus

Shamoon-Angriff auf Saudi Aramco

Am 15. August 2012 legte die Schadsoftware Shamoon rund 30.000 von etwa 40.000 Windows-Arbeitsplatzrechnern beim saudischen Ölkonzern Saudi Aramco lahm. Die Malware überschrieb Dateien und den Master Boot Record und machte die Rechner unbrauchbar. Aramco bestätigte den Vorfall offiziell und erklärte, die isolierten Förder- und Produktionssysteme seien nicht betroffen gewesen, das interne Netzwerk sei bis zum 25. August wiederhergestellt worden.

The Register

29.08.2012

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Eine bis dahin unbekannte Gruppe namens Cutting Sword of Justice bekannte sich zu der Tat, eine belastbare technische Zurechnung zu ihr gelang nie. Spätere Vermutungen anonymer US-Regierungsvertreter, der Iran stecke als Vergeltung für Stuxnet dahinter, blieben unbelegte Einschätzungen ohne veröffentlichte Beweise.

Behörde/Institution

Global Voices Advox — 35-Millionen-Datenleck als zusätzlicher Faktor

Als Folge der Klarnamenpflicht wurden südkoreanische Websites zu bevorzugten Zielen für Hacking-Angriffe aus dem In- und Ausland. Im prominentesten Fall wurden bei SK Communications' Sozialnetzwerk Cyworld personenbezogene Daten von über 35 Millionen Koreanern geleakt — mehr als die Hälfte der gesamten Landesbevölkerung.

Global Voices Advox (internationales Digital-Rights-Netzwerk)

28.08.2012· in Kraft

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**Sehr starker, konkreter Honeypot-Beleg — passt exakt zu Blackstones bereits etabliertem F3-Argument:** Die Klarnamenpflicht zwang Plattformen, echte Identitätsdaten aller Nutzer zentral zu speichern — genau diese Datenbank wurde gehackt und betraf über die Hälfte der südkoreanischen Bevölkerung. Das ist einer der eindrücklichsten internationalen Belege im gesamten Projekt dafür, dass zentrale Identitätsspeicher selbst zum Sicherheitsrisiko werden — nicht nur eine theoretische Sorge, sondern ein Fall mit realen 35 Millionen Betroffenen.

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